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Neues Gesetz: Honoraranlageberatung - was Sie als Anleger erwartet

von ‎07.08.2014 09:57 , bearbeitet ‎19.02.2015 16:04
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Das Honoraranlageberatungsgesetz ist seit August 2014 in Kraft. Es ermöglicht eine Finanzberatung ohne Provisionsinteressen. Aber was bedeutet das?

 

Wenn Sie als Anleger in der Vergangenheit zu einer Bank oder einem freien Finanzberater gingen, war klar: Sie zahlten zwar selbst kein Geld an diese Insititution bzw. Person - aber diese bekam Provisionen von z.B. der Bausparkasse oder Fondsgesellschaft, deren Finanzprodukte sie verkaufte.

 

Das Problem dabei: Die Empfehlung war nicht selten vom Eigeninteresse der Bank oder des Beraters gesteuert: Je mehr Provisionen er/sie bekam, desto lieber empfahl er einen bestimmten Anbieter. Das kann sich jetzt ändern. Denn künftig können Sie selbst den Berater bezahlen - und sich damit eine objektive Beratung sichern. Wie Sie vom neuen Honoraranlageberatungsgesetz profitieren, lesen Sie in diesem Beitrag.

 

Honoraranlageberatungsgesetz.jpg

 

Sie haben die Wahl: Honorarberatung oder provisionsabhängige Beratung

 

Wenn Sie mit Ihrem bisherigen Bank- oder freien Finanzberater zufrieden sind, müssen Sie nicht auf Honorarberatung umzusteigen. Auch weiterhin können Sie auf die bisherige, von der Finanzindustrie bezahlte (und damit provisionsabhängige) Beratung setzen.

Aber künftig gibt es eine Alternative: die Honorarberatung. Sie selbst zücken den Geldbeutel und bezahlen die Beratung aus eigener Tasche - und der Berater empfiehlt Ihnen dafür objektiv, welche Geldanlage am besten zu Ihren Bedürfnissen passt.

 

Zwei neue Berufsbilder hat der Gesetzgeber dafür geschaffen:

 

Zum einen den Honoraranlageberater (§ 36 c und § 36d Wertpapierhandelsgesetz): Das sind Honorarberater, die in einer Bank oder bei einem Wertpapierdienstleister arbeiten und dort die Honorarberatung durchführen. Übrigens muss das Unternehmen strikt trennen zwischen provisionsgetriebener Beratung und Honorarberatung. Durchführen müssen dies unterschiedliche Abteilungen mit unterschiedlichen Personen.

 

Zum anderen den Honorar-Finanzanlagenberater (§ 34h Gewerbeordnung). Das sind in der Regel freie Berater, die nicht bei einer Bank oder einem Wertpapierdienstleister angestellt sind. Sie dürfen die Honorarberatung nicht mit einer provisionsgetriebenen Vermittlung kombinieren. Wer also als freier Finanzberater Honorarberatung anbietet, darf nicht gleichzeitig auch im Provisionsgeschäft tätig sein. Zudem muss er sich in ein eigens dafür geschaffenes Register bei der IHK anmelden. Die Qualifikationen dieser Berater müssen mindestens denen eines klassischen Finanzanlagenvermittlers

entsprechen (§ 34f II - VI Gewerbeordnung).

 

So schützt das Gesetz Honorarberater-Kunden

 

Wie aber ist gewährleistet, dass ein Honoraranlagenberater oder Honorar-Finanzanlagenberater nicht doch mauschelt? Rein theoretisch könnte die Bank, bei der er arbeitet, bzw. er selbst doch zusätzlich zum Kundenhonorar heimlich noch die Provisionen von der Finanzindustrie einstreichen. Damit das nicht passiert, hat das Gesetz einige Vorkehrungen getroffen, die Sie als Kunden vor unlauteren Machenschaften schützen.

 

Änderung Gesetz Honoraranlageberatung.jpg

 

Pflicht, über Beratungsart zu informieren

 

Bevor Sie als Kunde mit dem Berater einen Vertrag abschließen und direkt vor Beratungsbeginn muss er sie in verständlicher Form darüber informieren, dass es sich um eine Honorarberatung handelt. Falls nicht - falls also Provisionen eine Rolle spielen - muss er Sie über die Zuwendungen aufklären, die er anderswoher bekommt. Diese Zuwendungen sind künftig ohnehin offenlegungspflichtig. Das heißt - auch im klassischen Provisionsgeschäft darf eine Bank oder ein freier Finanzberater sie nicht mehr verschweigen.

 

Verbot, Provisionen und Geschenke anzunehmen

 

Bei der reinen Honorarberatung darf die beratende Bank kein Geld und keine sonstigen Zuwendungen von Dritten annehmen, sondern ausschließlich von ihrem Kunden, einem Anleger bzw. Verbraucher. Gibt es ein gewünschtes Finanzprodukt nur als Provisionsmodell, dann muss die Bank/ der Berater die Provisionen an den Kunden weiterreichen. Ein Verstoß kann mit Geldbußen bis zu 100.000 € geahndet werden.

 

Pflicht, verschiedene Produkte und Anbieter anzubieten

 

Ausschließlich die Produkte eines Anbieters empfehlen, darf ein Honoraranlageberater oder Honorar-Finanzanlagenberater nicht. Er muss eine hinreichende Anzahl verschiedener Anlagearten und verschiedener Emittenten empfehlen (§ 31 IVc Wertpapierhandelsgesetz). Was genau in diesem Zusammenhang das Wörtchen „hinreichend“ bedeutet, das hat der Gesetzgeber folgendermaßen formuliert:

 

(2) Das Wertpapierdienstleistungsunternehmen muss sicherstellen, dass die seiner Empfehlung zugrunde liegende Auswahl eine angemessene Streuung aufweist hinsichtlich verschiedener Arten von Finanzinstrumenten und hinsichtlich deren Anbieter oder Emittenten. Die Streuung hinsichtlich der Arten von Finanzinstrumenten kann beispielsweise darin bestehen, dass sich die Finanzinstrumente unterscheiden durch

 

  1. die Funktionsweise oder die Ausstattung oder
  2. die Art oder den Umfang der mit ihnen verbunden Risiken oder
  3. die mit der Anlage verbundenen Kosten

 

Pflicht, über Nähe zu einzelnen Anbietern aufzuklären

 

Empfiehlt ein Honorarberater eine Geldanlage aus dem eigenen Hause oder von einem Emittenten, mit dem die Bank eng verbunden oder verflochten ist, muss er den Anleger darüber aufklären, und zwar vollständig, rechtzeitig und richtig (§ 31 IV d 1 Wertpapierhandelsgesetz). Die Bank darf den Geschäftsabschluss überdies nicht auf eigenen Namen durchführen („Festpreisgeschäft“) und damit die umfangreichen Informationspflichten umgehen. Ein Verstoß gegen diese Vorschriften können Bußgelder von bis zu 50.000 € nach sich ziehen.

 

Fazit: Guter Ansatz, wenn auch nicht neu für Cortal Consors Kunden

 

Auch Bankkunden profitieren von einer Honorarberatung. Wer Wert darauf legt, Anlage-Empfehlungen zu erhalten, die frei sind von Provisionsinteressen, bekommt damit das Gewünschte: Finanzinstrumente (Fonds, Zertifikate), an denen die beratende Bank nicht mitverdient.

 

So neu, wie es zunächst scheinen mag, ist die Honorarberatung allerdings nicht. Cortal Consors bietet sie ihren Kunden bereits seit 2010 an und seit 01.08.2014 nun auch mit gesetzlichem Schutz. Interessant: Cortal Consors war übrigens die erste Bank, die von Beginn an im Register der BaFin eingetragen war. Die Kunden erhalten beispielsweise Fonds oder Zertifikate-Neuemissionen zu Einstiegspreisen, also ganz ohne Ausgabeaufschlag oder sonstige Kaufgebühren. Dazu kommt: Regelmäßig werden ihnen die aus den laufenden Verwaltungsgebühren gezahlten Bestandsprovision zurückerstattet.

 

Damit haben Cortal Consors Kunden Klarheit und Transparenz: Sie zahlen nur für die Beratung ein Honorar, nicht aber versteckte Provisionen für neu gekaufte oder laufende Finanzinstrumente. Mehr darüber erfahren Sie unter Cortal Consors Honorarberatung.

 

 

Cortal Consors Blog.png

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

 

  • Honorarberatung: Nur der Anleger zahlt für objektive, nicht provisionsabhängige Beratung
  • Für Bank bzw. Berater gilt ein Verbot, Provisionen & Zuwendungen anzunehmen
  • Eine klare Trennung zur provisionsabhängigen Beratung ist vorgeschrieben
  • Eine hinreichende Auswahl an Finanzprodukten ist Pflicht
  • Das neues Gesetz schafft neue Möglichkeiten, sich auch von Banken unabhängig beraten zu lassen