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Corona-Krise und Wirtschaft: Was kommt danach?

von ‎15.04.2020 16:15 , bearbeitet ‎23.04.2020 14:47
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Die Corona-Krise schränkt das gesellschaftliche Leben auf eine Weise ein, wie sie Viele von uns noch nie erlebt haben. Sowohl im Beruf- als auch im Privatleben werden wir vor zahlreiche neue Herausforderungen gestellt.

 

Viele Menschen, gerade im Gesundheitssystem und dem Einzelhandel, arbeiten aktuell auf Hochtouren. Parallel dazu ist der Rest der Bevölkerung dazu aufgerufen, möglichst nicht das Haus zu verlassen. Egal ob für private Treffen oder für die Arbeit, körperliche Kopräsenz soll soweit wie möglich vermieden werden. Experten gehen davon aus, dass die aktuelle Situation mehrere Monate lang anhalten könnte – wenn auch mit einigen Lockerungen. Welche wirtschaftlichen Tendenzen gibt es für eine „Zeit nach Corona“?

 

Zäsur in der Weltwirtschaft

 

Erste Hinweise geben sogenannte wirtschaftliche Frühindikatoren. Kürzlich erreichten die Stimmungsbarometer in vielen Ländern und Regionen neue Tiefststände. Aktuelle Prognosen sehen auf den ersten Blick zwar schockierend aus, aber es gibt durchaus Grund zur Hoffnung.

Die derzeitige Situation und die allgemeine Unsicherheit belasten Unternehmen besonders. Der Einfluss auf die globale Wirtschaftsaktivität ist sehr stark davon abhängig, wie lange die Maßnahmen der Politik in Kraft bleiben und wie umfangreich diese in Zukunft sein werden. Regierungen und Zentralbanken haben weltweit schnell reagiert, um die direkte Unterstützung von Unternehmen sowie ein funktionierendes Finanzsystem zu gewährleisten. Durch diese Eingriffe können und werden die Auswirkungen auf die Wirtschaft und die Verbraucher abgefedert.

 

Regierungen verabschieden Liquiditätshilfen, Zentralbanken lockern ihren Kurs

 

In Deutschland wurden beispielsweise Sofort- und Liquiditätshilfen für Unternehmen verabschiedet, ein Wirtschaftsstabilisierungsfonds eingerichtet und die Regelungen zur Kurzarbeit flexibler gestaltet. Insgesamt handelt es sich um ca. 353 Mrd. Euro haushaltswirksame Maßnahmen und knapp 820 Mrd. Euro an Garantien.

 

Zum Vergleich: die Kosten der Bankenrettung in der Finanzmarktkrise beliefen sich nach Angaben des Finanzministeriums auf rund 68 Mrd. Euro. Innerhalb der Europäischen Union wurde die Verschuldungsgrenze der Mitgliedsstaaten ausgesetzt, um den einzelnen Ländern erheblich mehr Spielraum zu gewähren.

 

Auch in den USA wurde ein zwei Billionen US-Dollar umfassendes Hilfsprogramm beschlossen, welches Verbraucher und Unternehmen in der Krisenzeit unterstützen soll.

Neben den Regierungen unternehmen auch die Zentralbanken Anstrengungen in noch nie dagewesenem Ausmaß. Die Europäische Zentralbank kündigte neben anderen Lockerungen ein neues Anleihekaufprogramm im Umfang von 750 Mrd. Euro in 2020 an. Die US-Notenbank Federal Reserve senkte die Zinsen um 1,5 Prozentpunkte, kauft sogar Anleihen in unbegrenztem Umfang und finanziert erstmals direkt Unternehmen.

Alle Maßnahmen zielen darauf ab, möglichst viele Unternehmen unbeschadet durch die Krise zu führen. Unternehmenspleiten und steigende Arbeitslosenzahlen sind dabei jedoch kaum zu verhindern. Falls die Wirtschaft im zweiten Halbjahr wieder weitestgehend ohne Beschränkungen funktionieren kann, ist ein Ende der Rezession wahrscheinlich. Der Erholungsprozess wird jedoch längere Zeit in Anspruch nehmen. Genaue Schätzungen zu den langfristigen Folgen können zum jetzigen Zeitpunkt nicht getroffen werden.

 

Update 23. April: Weitere Milliardenhilfen beschlossen

 

Die in der Nacht auf den 23. April von der Bundesregierung verabschiedeten Beschlüsse sollen deutsche Unternehmen im Umgang mit der Krise unterstützen. Neben der Senkung der Mehrwertsteuer für Gastronomen auf 7 Prozent (für ein Jahr) soll das Kurzarbeitergeld gestaffelt erhöht werden. Um den digitalen Unterricht für bedürftige Schüler zu ermöglichen, wird ein Zuschuss von jeweils 150 Euro gewährt. Geplant bleiben steuerliche Entlastungen für kleinere und mittelständische Unternehmen (Stand: 23.04.2020).

 

Chancen und Risiken – Technologie und Gesundheitswesen

 

Innovationen im Medizinbereich werden durch den aktuellen Wettlauf mit der Zeit befeuert. Der Europäische Innovationsrat hat ein Förderprogramm aufgesetzt, das die Entwicklung von Technologien zur Behandlung, Prüfung oder Überwachung des Coronavirus-Ausbruchs unterstützen soll. Unter anderem werden bereits mehrere Projekte zur Entwicklung von Isolationseinheiten, Filtrationstechnologien zur Entfernung von viralem Material und Bewegungsströmen bei Epidemien unterstützt. Auch Startups im Bereich Telemedizin helfen aktuell, eine flächendeckende medizinische Versorgung zu gewährleisten. Anleger, die in Innovationen und Technologien des Gesundheitswesens investieren, können deshalb profitieren.

 

Weitere Tendenzen – Homeoffice, Online-Bildung und mehr

 

Auch andere Themenbereiche können sich in der Krise als lohnenswert herausstellen. So steigt beispielsweise die private Nachfrage nach Onlinebildungsprogrammen. Durch den Aufruf zum Homeoffice wird das Arbeiten von zuhause zumindest für die Corona-Zeit zum Standard. Durch diese Entwicklung zeigt sich aktuell eine gesteigerte Nachfrage von Tools und Services, die die Arbeit im Homeoffice erleichtern: Slack, Asana & Co. werden gefragter als zuvor.

Generell verwenden Menschen weltweit vermehrt digitale Technologien in ihrem Alltag. Durch gezielte Investitionen in Unternehmen, die in diesen Bereichen tätig sind, kann im Vergleich zum Gesamtmarkt möglicherweise eine bessere Performance erzielt werden.

 

Was kommt nach Corona?.jpg

 

Chancen

  • Bei einer Erholung der Aktienmärkte nach der Krise überproportionale Partizipation an Kursentwicklung
  • Investition in Wachstumstitel, Sektoren und Themen mit guten Aussichten und Chancen auch nach der Krise
  • Beteiligung an Unternehmen, welche aus der Krise als Profiteure hervorgehen können
  • Einstieg in Aktienmärkten bei unterdurchschnittlichem Kurs- und Bewertungsniveaus

 

Risiken

  • Beschränkungen aufgrund der Corona-Krise dauern länger als zunächst erwartet
  • wirtschaftliche Erholung nach der Krise geht langsamer als angenommen vonstatten
  • ausgewählte Wachstumstitel, Sektoren und Themen entwickeln sich schlechter als der Gesamtmarkt
  • Kursverluste und ein volatiler Verlauf an den Börsen sind jederzeit möglich

 

Wie können sich Anleger zur jetzigen Zeit aufstellen, um nach der Krise als Gewinner dazustehen? Lesen Sie unseren Beitrag „Hohe Verluste im Depot – wie können Anleger jetzt reagieren?“

 

Wie entwickeln sich die Märkte? Alle wichtigen Pressestimmen im Überblick im Consorsbank Corona-Update.

Kommentare
von
am ‎02.05.2020 13:33

- Nicht berücksichtigt ist, dass die Corona-Ansteckungsgefahr abnimmt. Das ist beipielhaft in den Diagrammen der Johns Hopkin University für China, Sükorea, Österreich und in Andeutungen auch für die Bundesrepublik zu sehen, dass das Maximum der angesteckten und bestehenden Fälle bereits Mitte April durchlaufen ist. Die zögerliche Haltung der Bundesregierung kann als Abwarten auf das Ergebnis aus Österreich interpretiert werden.

 

- Den hohen Ausgaben für Corona folgen höhere Schulden, deren Tilgung und Zinsen dem Steuerzahler auferlegt werden muss.  Das Wort Lastenausgleich zwischen den Corona-Geschädigten und denjenigen mit den breiten Schultern ist noch nicht gefallen. Die Inflationsgefahr existiert in den Köpfen und ist auch von niemand ausgesprochen worden.

 

- Wie Odysseus zwischen Scylla und Charybdis bewegt sich die Kanzlerin zwischen Corona- und Klimakatastrophe. Helfen kann nur die Pharmaindustrie für die Überwindung der Corona Krise und die Umwelt-Industrie bei der Abwendung der Klimakatastrophe.

Die Virologen gehören in das Labor und nicht in die Fernsehstudios.

 

 

 

von
am ‎05.05.2020 09:50

Hallo Herr Obermoos,

 

die grafische Darstellung der Ansteckungen (unten rechts auf der Seite der JHU) zeigt aktuell einen ungebrochen, stetigen Anstieg, keinerlei Bruch der Tendenz erkennbar.

 

Wo sehen Sie, daß die Corona-Ansteckungsgefahr abnimmt ?

 

Ich frage, weil ich vermutlich etws falsch verstehe/sehe...

 

MfG

Kai Dirks

von
am ‎05.05.2020 10:25

@kaidabei 

Auf der Covid-19 Seite der WHO  kann man die tägliche Entwicklung der Fallzahlen sehen. Laut deren Information ist die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland rückläufig.

 

von
am ‎05.05.2020 10:56

Hallo immer...

 

danke für die Zeilen.

 

Tatsächlich handelt es sich bei mir um ein Mißverständnis,

da ich die weltweiten Betrachtung/Zahlen gemeint habe, die ich allein für relevant halte,

und eben nicht die länderspezifischen Zahlen.

 

Danke und Gruß

Kai

von
am ‎05.05.2020 11:09

@kaidabei 

Global gesehen ist die Zahl der Neuinfektionen relativ stabil. So wie ich die Zahlen sehe, gibt es keinen so starken prozentualen Anstieg der Neuinfektionen wie im März. Ja die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen ist weiterhin hoch, aber sie steigen nicht an. Sobald die neuen Corona-Tests von Roche großflächig verfügbar sind, könnte die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen rasant steigen, wenn wesentlich mehr Personen getestet werden können. 

 

@Consorsbank 

Gibt es eine Statistik in der die gemeldeten Neuinfektionen im Verhältnis zu der Anzahl der getesteten Personen stehen?

 

von
am ‎05.05.2020 16:03

Hallo @immermalanders,

Ihre Anfrage betrifft nicht das Kerngeschäft oder die Produkte der Consorsbank. Von daher können wir hier nur einen allgemeinen Tipp zur Informationsbeschaffung nennen.
Uns, als Community Team, sind nur die öffentlichen Quellen zugänglich und eventuell kann Ihnen dieser Link die gewünschten Informationen liefern: https://www.data4life.care/de/corona/

Liebe Grüße

CB_Susan
Community-Moderatorin