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Hohe Verluste im Depot – wie können Anleger jetzt reagieren?

von Donnerstag  - zuletzt bearbeitet Donnerstag
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In den letzten Wochen überschlugen sich die Ereignisse rund um den neuartigen Coronavirus. Die Nachrichten aus der Wirtschaft bereiten vielen Menschen Angst und führten zu herben Verlusten in den Depots. Welches Anlegerverhalten wäre in vergangenen Krisen richtig gewesen? Wir haben die Zahlen analysiert.

 

Sind Vergleiche mit der Finanzkrise sinnvoll?

 

Weiterhin gilt: Kursentwicklungen aus der Vergangenheit sind keine Prognose für die Zukunft. Dennoch fällt auf, dass z. B. die Höhe der Verluste an den weltweiten Aktienmärkten in der Finanzkrise 2008/2009 und der Dotcom-Blase 2002 sehr ähnlich verliefen. Gleiches gilt für die Dauer bis zur Erholung der Märkte.

Zentralbanken und Regierungen unternehmen aktuell große Anstrengungen, damit nach der Krise eine zügige Rückkehr zu Wirtschaftswachstum bei moderater Inflation möglich ist. Erst wenn das erreicht wurde, ist der Weg zu neuen Allzeithochs der breiten Aktienmärkte offen. Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sehr wahrscheinlich einzelne Unternehmen in Konkurs gehen werden. Allein diese Überlegung zeigt die hohe Bedeutung eines breit diversifizierten Portfolios für den Vermögenserhalt. Je geringer die Zahl der Unternehmen, in die man investiert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit im Falle eines Konkurses einen großen Teil des Ersparten zu verlieren.

 

Wie können Anleger reagieren?

 

Ein Blick zurück auf die Finanzkrise zeigt: wer Anfang 2007 in ein globales Aktienportfolio investiert hat, das neben Aktien aus Industriestaaten auch einen größeren Anteil Schwellenländeraktien beinhaltete, erlitt einen maximalen Verlust von knapp 55%. Die Verlustphase startete am 13. Oktober 2007. Den Tiefpunkt erreichten die Aktienmärkte am 9. März 2009. Nach dieser Entwicklung gab es zwei Möglichkeiten.

 

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Entweder haben Anleger nichts an ihrem Portfolio verändert und nach entsprechenden Kursschwankungen dafür gesorgt, dass die ursprüngliche Gewichtung der Wertpapiere immer wieder hergestellt wurde. Dann dauerte es bis zum 14. Mai 2013, also mehr als vier Jahre, bis das Portfolio wieder den Wert von vor Beginn der Verlustphase erreichte.

Wer weiterhin die Aufteilung seines Portfolios konstant hielt, erzielte für den Zeitraum von Anfang 2007 bis einschließlich 19. März 2020 eine durchschnittliche Rendite von 3,1% pro Jahr. Trotz der schweren Verluste rund um die Finanzkrise, der Eurokrise und der jüngsten Kursverluste liegt die Rendite deutlich über der Inflationsrate. Verkürzt man den Zeitraum auf das Jahresende 2019, lag die durchschnittliche Rendite bei 5,7%.

 

Viele Anleger entschieden sich nach den starken Verlusten bis zum 2. Quartal 2009 zu einem anderen Vorgehen. Sie verkauften ihre Aktien nach den starken Kursverlusten und entschieden sich für eine Anlage im Tagesgeld. Auch aufgrund der mittlerweile nicht mehr vorhandenen Zinsen liegt das Vermögen dieser Anleger immer noch unter dem Stand vom 13. Oktober 2007, obwohl sie die jüngeren Verlustphasen an den Aktienmärkten nicht mitmachten. Für den Zeitraum Anfang 2007 bis 19. März 2020 ergibt sich für diese Strategie ein durchschnittlicher Verlust von 3,1% pro Jahr.

Manche Anleger wählten in der Finanzkrise 2009 einen Mittelweg. Sie reduzierten das Risiko von einem reinen Aktienportfolio und investierten zu gleichen Teilen in weltweite Aktien und Anleihen, die von Staaten und Unternehmen begeben wurden. Dieses Vorgehen verlängerte lediglich den Erholungszeitraum um fast zwei Jahre und verringerte die Rendite.

 

Sparplan als Strategie in schwierigen Marktphasen

 

Eine dritte Möglichkeit, mit solchen Marktphasen umzugehen, sind Sparpläne. Auch hier haben wir ein Beispiel gerechnet. Wer Anfang 2007 einen Sparplan von monatlich 100€ und einer Einmalanlage von 1.000€ in den Xtracker auf den MSCI World Index eröffnet hat, konnte sich am 19. März 2020 über ein Guthaben von knapp 27.100€ freuen. In der Zwischenzeit wurden 16.700€ via anfänglicher Einmalzahlung und Sparraten angespart. Nicht nur, dass ein stattlicher Betrag zustande kam. Die Verlustphase in der Finanzkrise war deutlich kürzer. Bereits Ende März 2010 überstieg der Depotwert wieder den Wert des eingezahlten Kapitals.

 

Sparplan Xtrackers MSCI World.jpg

Abb. 1: Wertentwicklung eines Sparplans auf den Xtrackers MSCI World Swap ETF 1C

 

Bei einer reinen Einmalanlage musste man mehr als zwei Jahre länger warten, bis dieser Stand wieder erreicht war. Auch der Verlust fiel geringer aus. Während sich der maximale Verlust bei einer Einmalanlage auf fast 55% belief, lag er beim Sparplan bei deutlich geringeren 43%.

 

Einmalanlage Xtrackers MSCI World.jpg

Abb. 2: Einmalanlage in den Xtrackers MSCI World Swap ETF 1C

 

Die Zahlen machen einige wichtige Punkte deutlich:

 

  • Wer in wirtschaftlichen Stressphasen seine Wertpapiere verkauft, realisiert die Verluste. Die Chance diese Verluste durch sichere Geldanlagen wieder aufzuholen, ist äußerst gering
  • Wer an seinen Investments und seiner Anlagestrategie festhält, erzielt bessere Ergebnisse als diejenigen, die wegen der Verluste ihre Depots räumen
  • Noch besser stellen sich Anleger, die kontinuierlich in ein breit gestreutes Portfolio investieren. Sparpläne auf Fonds und ETFs sind hier ein einfaches und komfortables Instrument
  • Auch wer in Stressphasen mit weiteren Einmalanlagen investiert, kann seine langfristige Rendite deutlich verbessern

Die Consorsbank bietet eine breite Auswahl an Sparplänen und ETFs ohne Ausgabegebühr an.

 

Aktien als langfristige Anlagen

 

Die Krisen der Vergangenheit haben gezeigt, dass Aktien Langfrist-Anlagen sind. Über kurze Zeiträume können hohe und schmerzhafte Verluste auftreten. Langfristig entstehen trotzdem meist gute positive Renditen. Ob jetzt schon der richtige Zeitpunkt zum großangelegten Kaufen ist, ist fraglich. Noch ist die Unsicherheit hoch, wie lange sich die teils erheblichen wirtschaftlichen Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie hinziehen und welche ökonomischen Spätfolgen sich noch daraus ergeben werden. Sofern die Maßnahmen der Regierungen und Zentralbanken so wirken, dass wir nach der Krise wieder ein gutes Wirtschaftswachstum und eine auskömmliche Inflationsrate erreichen, dürfte auch diese Krise wieder eher eine Kaufgelegenheit an den Finanzmärkten gewesen sein.

 

Unser Leiter der Anlagestrategie bei der Consorsbank, Stefan Maly, schreibt hier über seine Einschätzungen. Die Meinung von Hermann-Josef Tenhagen finden Sie auf Spiegel Online.

 

Die Berechnungen in diesem Artikel beruhen auf Daten von Morningstar Direct (SM). Die Berechnungen für das globale Aktienportfolio beruhen auf einer Kombination der folgenden Aktienindizes mit dem angegebenen Portfolioanteil: MSCI EMU (Eurozone) Net Return 35%, MSCI World ex EMU Net Return 45%, MSCI Emerging Markets Net Return 20%. Kosten für Anlageprodukte und Transaktionskosten wurden nicht berücksichtigt.

Kommentare
von
Donnerstag  - zuletzt bearbeitet Donnerstag

Nach meiner Auffassung sind die Märkte auf eine langfristige Baisse programmiert.

Leider haben viele Anleger  die  finanziellen Folgen  der Coronavirus  Pandemie   schmerzhaft verspürt, hoffentlich bleiben wir im medizinischen Bereich davon verschont. 

Grundsätzlich sollte das verfügbare  Kapital in Aktien  breit gestreut sein, um Verluste etwas abzufedern. 

Im Portfolio sollte 10-15 solide Werte aus Deutschland und den USA  verschiedener Branchen enthalten  sein. 

Die Kursverluste im jetzigen Monat halten sich in meinem Depot  mit 26 % in Grenzen, jedoch sehe ich noch keine Bodenbildung. 

Von dem kurzen  Aufbäumen der Aktienkurse  sollte man sich nicht blenden lassen, es ist noch zu früh, groß einzusteigen.

Ein richtiger Zeitpunkt ist bekanntlich schwer vorherzusagen, die Börse verhält sich sehr launisch wie ein Diva , zum Ein- und Aussteigen wird nicht  wie in einer Straßenbahn geklingelt.

Möglicherweise werden wir Ende April eine bessere Ausgangssituation vorfinden, wenn die Schrecken der Coronavirusinfektion verblassen.

von
Freitag  - zuletzt bearbeitet Freitag

Ergänzend zu meinem Kommentar " Ein richtiger Zeitpunkt ist bekanntlich schwer vorherzusagen, die Börse verhält sich sehr launisch wie ein Diva ..."

möchte ich hierzu exemplarisch  den Kursverlauf der Deutschen Post  betrachten.

Die Aktie zeigt grundsolide Kennzahlen, Analyse der Bilanz und des  Wachstums überzeugen, trotzdem ist das Papier von Mitte Februar bis Mitte März vom Höchststand 33 auf 20 heruntergeknüppelt worden.

Hoffentlich sehen wir bis Jahresende wieder angemessene Notierungen, hierzu bin ich guter Hoffnung.

In diesem Sinne wünsche ich ein glückliches Händchen beim Börsenroulette.