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Registriert: 14.03.2015

Guten Tag liebe Community,

 

heute möchte ich mal mit dem Begriff Cost Average Effect und dessen Bedeutung aufräumen.

 

Nahezu alle Banken benutzten dieses Phänomen als Verkaufsargument für Wertpapiersparpläne. Kurz und knapp: Streichen Sie dieses Argument bitte ausnahmslos aus ihren Köpfen! Warum dies so ist, obwohl der Cost Average Effect doch so einleuchtend klingt, werde ich Ihnen im Folgenden erklären.

 

Was ist der Cost Average Effect eigentlich?

Der Cost Average Effect, beschreibt den Effekt, dass bei regelmäßigen Anlagen gleich bleibender Beträge bei niedrigen Kursen mehr und bei höheren Kursen weniger Anteile gekauft werden. Damit werden die Anteile nach dem harmonischen Mittel bezahlt, während eine fixe Wertpapieranzahl nach dem arithmetischen Mittel berechnet wird.

 

Warum besitzt der Cost Average Effect keine pratikische Relevanz?

Es existiert genau ein wissenschaftlich nachgewiesener Fall, in dem der Cost Average Effect wirklich einen besseren absoluten Gewinn erwirtschaftet würde. Dies wäre der Fall wenn Sie 2 Sparpläne vergleichen würden, von denen einer auf einem konstanten Einzahlungsbetrag (Sparplan 1) und der andere auf dem Kauf einer fixen Anzahl dieses Wertpapieres (Sparplan 2) basieren würde. Zudem müsste zum Vergleichszeitpunkt in beiden Sparplänen die selbe Summe investiert sein.

Dieser Fall wird praktisch allerdings mit nur einer extrem kleinen Wahrscheinlichkeit jemals eintreten. 

 

Warum wird der Cost Average Effect nicht eintreten?

Als Anleger haben Sie ex-ante nur die Möglichkeit zwischen Sparplan 1 oder 2 zu entscheiden. Da Sie den weiteren Kursverlauf nicht wissen können, werden die Strategien letztendlich zu unterschiedlichen absoluten Anlagebeträgen führen.

Spielt man dieses realistische Szenario durch, ergeben sich keine Vorteile mehr durch den Cost Average Effect unter Betrachtung der absoluten Gewinne. Somit ist dieser Effekt irrelevant.

 

Nun haben Sie bisher immer nur den Vergleich zweier Sparpläne angebracht. Warum benutzen Banken den Begriff denn jetzt falsch?

Zunächst behaupten Sie, dass der Effekt eine praktisch Relevanz hätte, was wir nun oben widerlegt haben. Desweiteren benutzen Banken den Begriff um eine Sparplaninvestition gegenüber einer einmaligen Investition zu rechtfertigen. Damit kommen wir aber vom eigentlichen Begriff des Cost Average Effects ab.

Wenn wir eine Einmalinvestition mit einer regelmäßigen Umschichtung desselben Betrages in einen Sparplan vergleichen, erhalten wir das empirische Ergebnis, dass die Einmalinvestition dem Sparplan überlegen ist. Es gibt auch hier nur wenige zufällige Situationen in denen der Anleger per Sparplan besser fährt. Dies ist z.B. der Fall, wenn wir einige Zeit deutlich unter den Wertpapierwert zum Zeitpunkt der Einmalinvestition fallen. Allerdings ist das bei einem Anlagenhorizont von vielen Jahren nur selten der Fall. Zudem können wir zum jetzigen Zeitpunkt keinesfalls festlegen, dass dies definitiv so eintreten wird.

 

Um alle Erkenntnisse nochmals kurz zusammenzutragen:

 

Wenn wir die Anlage in 2 Sparpläne mit dem oben beschrieben Vergleich durchführen, kann in einem nicht praktisch relevanten Fall der Cost Average Effect auftreten.

Der viel wichtigere Vergleich zwischen Einmalinvestition und Sparplan lässt nur den Schluss zu, dass die Einmalinvestition dem Sparplan überlegen ist.

 

Wann sollte ich dann überhaupt einen Sparplan anlegen?

Sollten Sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht über das gewünschte Anlagekapital bzw. die gewünschte Endsumme der Investition verfügen, macht ein Sparplan durchaus Sinn.

Dann können Sie z.B. einen fixen Anteil ihres Gehaltes darin monatlich einzahlen. Erwarten Sie jedoch keine Überrendite ihres Sparplanes und verabschieden Sie sich von den Vorteilen des Cost Average Effects.

Zudem kann der Sparplan ängstliche Anleger beruhigen, da kleine Beträge über Jahre hinweg eingezahlt werden.

 

Damit meine Ausführung auch per Quelle belegt ist, empfehle ich Ihnen ein sehr gutes Paper der Universität Mannheim. 

http://www.wiwi.uni-muenster.de/fcm/downloads/forschen/2003_Gibt_es_einen_Cost-Average-Effekt.pdf

 

Damit wären wir soweit am Ende. Ich hoffe, ich konnte Ihnen damit bei ihrer künftigen Anlagenentscheidung weiterhelfen. Dankeschön.

 

10 ANTWORTEN 10

Enthusiast
Beiträge: 322
Registriert: 18.12.2014

Übrigens tritt der Cost Avarage Effect auch beim Tanken auf wenn man immer für den selben Geldbetrag statt die selbe Menge tankt (harmonisches Mittel statt arithmetisches Mittel), also z.B. immer für 50 Euro tankt. Dann kauft man nämlich automatisch mehr Benzin wenn der Preis niedrig ist. Der Preisvorteil ist aber höchsten 0,5 % oder so. Kann ja jeder selbst mal ausrechen.

 

Ich tanke aber immer voll.

 

VG Totti

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