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Update: Der Zins ist weg – wohin mit dem Geld?

von am ‎21.03.2016 10:45 - zuletzt bearbeitet am ‎06.05.2016 13:08  von
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Welche Anlagemöglichkeiten gibt es im Niedrigzinsumfeld? Letzes Jahr haben wir bereits verschiedene Investitionsalternativen im Niedrigzinsumfeld aufgezeigt. In diesem Artikel-Update haben wir die Informationen nach der EZB-Entscheidung vom 10. März 2016 aktualisiert.

 

Seit 10. März 2016 können sich Banken bei der EZB Geld zum Zinssatz von 0% leihen. Der Einlagenzins, den Banken für Geld erhalten, das sie auf Konten bei der EZB halten ist nochmals gesunken und zwar von -0,3% auf -0,4%. Und Peter Praet, Mitglied des EZB-Direktoriums, hat am 18. März in einem Interview gesagt, dass die Zinsen noch weiter sinken könnten.

 

Dementsprechend ernüchternd ist der aktuelle Blick auf die Konditionen für Sparbücher und Tagesgelder. Der Zins liegt nur noch wenig über Null. Unternehmen und Banken haben sich bereits daran gewöhnt, dass sie für ihre Sichteinlagen (so heißen Sparbücher und Geldmarktkonten im Fachjargon) Zinsen bezahlen müssen. In der Schweiz, wo der Leitzins noch tiefer im negativen Bereich liegt als in der Eurozone, müssen Sparer bereits in der Breite Geld bezahlen anstatt Zinsen zu erhalten, wenn sie Geld bei der Bank auf dem Konto deponieren.

 

Der Zins ist weg_wie Geld anlegen.jpg

 

In einem solchen Umfeld liegt die Frage nach den Alternativen nahe. Eines steht allerdings immer fest: wer eine Geldanlage mit einfach planbarem Ergebnis sucht und nicht das Risiko eines überraschenden Wertverlustes eingehen möchte, kommt an Sparbüchern und Staatsanleihen auch in Zeiten negativer Zinsen nicht vorbei. Wer mehr Ertrag sucht, muss zwangsläufig auch mehr Risiko eingehen. Aber nicht alle Risiken sind gleich und wirken sich in der gleichen Art und Weise aus.

 

Mindestens zwei Größen sollte man sich als Anleger überlegen. Die erste ist der Anlagehorizont. Die Zahl der Jahre, über die man sich an eine Anlage binden möchte, entscheidet wieviel Verlust man in Kauf nehmen kann. In den vergangenen zehn Jahren musste ein Anleger, der im DAX 30 investiert war einen maximalen Verlust von 54,77% hinnehmen. Die Abwärtsphase begann am 17. Juli 2007 und es dauerte bis zum 3. Mai 2013 bis der Verlust wieder ausgeglichen war und der DAX 30 wieder bei der Marke von 8.106 Punkten stand.

 

Interessant ist: wer am Höchststand im Juli 2007 in den DAX 30 investiert hat und einfach das Investment hielt, verzeichnet trotzdem eine Rendite von 22,6% oder knapp2, 5% pro Jahr. Wer dagegen den Tiefpunkt am 6. März 2009 zum Einstieg genutzt hat, kann sich aktuell über einen Buchgewinn von 169% oder 15% pro Jahr freuen. Dennoch bleibt festzuhalten, dass ein DAX Investment einen langen Anlagehorizont voraussetzt. Schließlich brauchten Anleger, die zum schlechtesten Termin eingestiegen sind fast sechs Jahre bis ihre Position wieder in der Gewinnzone lag.

 

Anders sieht es bei Euro-Staatsanleihen mit sehr gutem Rating aus. Hier fällt die stärkste Verlustphase der vergangenen zehn Jahre nicht mit der Finanzkrise zusammen. Sie begann am  16. April 2015. In den folgenden Wochen mussten Anleger einen Verlust von knapp 4% hinnehmen. Gut acht Monate später, am 29. Februar 2016, war der Verlust wieder ausgeglichen. Damit reicht ein deutlich kürzerer Anlagehorizont aus, damit die Chance auf ein positives Anlageergebnis besteht.

 

Die zweite wichtige Einflussgröße für die Auswahl der Geldanlage ist die Verlusttoleranz. Wie oben bereits gezeigt, braucht man für die Geldanlage in Aktien eine höhere Toleranz gegenüber Verlusten als bei Staatsanleihen mit sehr guter Bonität. Denn selbst wenn man den notwendigen langen Atem für Aktieninvestments hat, muss man auch den zwischenzeitlichen Verlust von über der Hälfte des eingesetzten Kapitals verkraften können. In diesem Zusammenhang ist ein Blick auf einen Sparplan hilfreich.

 

Zinsalternativen.jpg

 

Wer am 2. Januar 2006 einen Sparplan auf den iShares Core Dax ETF über 50 € pro Monat begonnen hat, verfügte am 15. März 2016 über einen Depotwert von 8.716,40 €. Die 123 geleisteten Sparraten haben einen Wert von 6.150 €. 

Wer die 6.150 € komplett am 2. Januar 2006 investiert hätte, konnte sich am 15. März 2016 über deinen Depotbestand von 11.099,60 € freuen. In diesem Fall ist der Endbetrag der Einmalanlage höher als der des Sparplans.

 

Die künftige Kursentwicklung war aber im Zeitpunkt der Investition nicht prognostizierbar. Hinzu kommt, dass über die gesamte Dauer mehr Kapital gebunden war und die Wertschwankungen der Einmalanlage deutlich höher ausfielen. Sparpläne können gerade bei sehr schwankungsintensiven Investments ein Mittel zur Risikosenkung und zur Überlistung der eigenen Psyche sein. Denn häufig neigt man dazu, dass man nach einem Crash verkauft und erst nach einem deutlichen Kursanstieg wieder bereit ist zu kaufen.

 

Fazit

 

Zusammenfassend lässt sich sagen: wer ein gut kalkulierbares Anlageergebnis sucht und keine Überraschungen erleben möchte, sollte weiterhin auf die klassischen Sparprodukte wie Tagesgeld & Co. setzen. Der Preis dafür sind die niedrigen oder teilweise sogar negativen Zinsen z.B. bei Bundesanleihen. Für alle Anleger, die bereit sind ein Stück dieser Planbarkeit aufzugeben, gibt es Alternativen, die sich bezüglich ihres Schwankungsrisikos und dem notwendigen Anlagehorizont unterscheiden. Eine Übersicht mit beispielhaften Produkten und Anlagealternativen finden Sie in diesem Bereich unserer Website.  Zusätzlich können mit Sparplänen die Risiken gemildert werden. Somit sind die niedrigen Zinsen nicht alternativlos.

Kommentare
von
am ‎29.03.2016 15:13

Guter Beitrag!

von
am ‎09.04.2016 13:57

Dem schließe ich mich an, danke für den Beitrag.

von
am ‎12.04.2016 15:10

Danke für den Beitrag. Gerne mehr davon :-)

von
am ‎15.04.2016 17:24

Gut erklärt! (ich wünschte, die webinare wären auch so gut verständlich!)

von
am ‎01.06.2016 08:57

 Gut erklärt, einleuchtend, neutral, spricht mir (leider) aus der Seele. 

von
am ‎07.06.2016 13:52
Ein sehr wichtiger Beitrag! Ich würde mir wünschen so etwas öfter zu lesen und dann natürlich auch Alternativen zu nennen.
von
am ‎11.09.2016 07:06

Eines sollte man bei Anleihen aber bedenken. Falls die Zinsen irgendwann mal wieder steigen, werden die Kurse fallen. Wer Anleihen hält sollte die Zinsentwicklung immer im Auge behalten. Ansonsten kann man auch mit Anleihen massive Verluste einfahren.