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Der Zins ist weg – wohin mit dem Geld?

Welche Anlagemöglichkeiten gibt es im Niedrigzinsumfeld? Lesen Sie hier die Meinung unseres Experten Stefan Maly, stellvertr. Leiter der Anlagestrategie bei der Consorsbank.

 

Der Blick auf die Konditionen für Sparbücher und Tagesgelder ist aktuell sehr ernüchternd. Der Zins liegt nur noch wenig über Null. Unternehmen und Banken haben sich bereits daran gewöhnt, dass sie für ihre Sichteinlagen (so heißen Sparbücher und Geldmarktkonten im Fachjargon) Zinsen bezahlen müssen. In der Schweiz, wo der Leitzins noch tiefer im negativen Bereich liegt als in der Eurozone, müssen Sparer bereits in der Breite Geld bezahlen anstatt Zinsen zu erhalten, wenn sie Geld bei der Bank auf dem Konto deponieren.

 

 Alternativen im Niedrigzinsumfeld.jpg

 

In einem solchen Umfeld liegt die Frage nach den Alternativen nahe. Eines steht allerdings immer fest: wer eine Geldanlage mit einfach planbarem Ergebnis sucht und nicht das Risiko eines überraschenden Wertverlustes eingehen möchte, kommt an Sparbüchern und Staatsanleihen auch in Zeiten negativer Zinsen nicht vorbei. Wer mehr Ertrag sucht, muss zwangsläufig auch mehr Risiko eingehen. Aber nicht alle Risiken sind gleich und wirken sich in der gleichen Art und Weise aus.

 

Mindestens zwei Größen sollte man sich als Anleger überlegen. Die erste ist der Anlagehorizont. Die Zahl der Jahre, über die man sich an eine Anlage binden möchte, entscheidet wieviel Verlust man in Kauf nehmen kann. In den vergangenen zehn Jahren musste ein Anleger, der im DAX 30 investiert war einen maximalen Verlust von 54,77% hinnehmen. Die Abwärtsphase begann am 17. Juli 2007 und es dauerte bis zum 3. Mai 2013 bis der Verlust wieder ausgeglichen war und der DAX 30 wieder bei der Marke von 8.106 Punkten stand.

 

Interessant ist: wer am Höchststand im Juli 2007 in den DAX 30 investiert hat und einfach das Investment hielt, verzeichnet trotzdem eine Rendite von 44,6% oder knapp 5% pro Jahr. Wer dagegen den Tiefpunkt am 6. März 2009 zum Einstieg genutzt hat, kann sich aktuell über einen Buchgewinn von 220% oder 21% pro Jahr freuen. Dennoch bleibt festzuhalten, dass ein DAX Investment einen langen Anlagehorizont voraussetzt. Schließlich brauchten Anleger, die zum schlechtesten Termin eingestiegen sind fast sechs Jahre bis ihre Position wieder in der Gewinnzone lag.

 

 

Anders sieht es bei Euro-Staatsanleihen mit sehr gutem Rating aus. Hier begann die stärkste Verlustphase der vergangenen zehn Jahre am 8. Februar 2008. In den folgenden Wochen mussten Anleger einen Verlust von 4% hinnehmen. Bereits am 3. Oktober 2008 war der Verlust wieder ausgeglichen. Damit reicht ein deutlich kürzerer Anlagehorizont aus, damit die Chance auf ein positives Anlageergebnis besteht.

 

Die zweite wichtige Einflussgröße für die Auswahl der Geldanlage ist die Verlusttoleranz. Wie oben bereits gezeigt, braucht man für die Geldanlage in Aktien eine höhere Toleranz gegenüber Verlusten als bei Staatsanleihen mit sehr guter Bonität. Denn selbst wenn man den notwendigen langen Atem für Aktieninvestments hat, muss man auch den zwischenzeitlichen Verlust von über der Hälfte des eingesetzten Kapitals verkraften können. In diesem Zusammenhang ist ein Blick auf einen Sparplan hilfreich.

 

 Sparplan.jpg

 

Wer am 2. Januar 2006 einen Sparplan auf den iShares Core Dax ETF über 50 € pro Monat begonnen hat, verfügte am 31. März 2015 über einen Depotwert von 9.846,10 €. Die 110 geleisteten Sparraten haben einen Wert von 5.500 €.  

Wer die 5.500 € komplett am 2. Januar 2006 investiert hätte, konnte sich am 31. März 2015 über deinen Depotbestand von 11.976,50 € freuen. In diesem Fall ist der Endbetrag der Einmalanlage höher als der des Sparplans. Die künftige Kursentwicklung war aber im Zeitpunkt der Investition nicht prognostizierbar. Hinzu kommt, dass über die gesamte Dauer mehr Kapital gebunden war und die Wertschwankungen der Einmalanlage deutlich höher ausfielen. Sparpläne können gerade bei sehr schwankungsintensiven Investments ein Mittel zur Risikosenkung und zur Überlistung der eigenen Psyche sein. Denn häufig neigt man dazu, dass man nach einem Crash verkauft und erst nach einem deutlichen Kursanstieg wieder bereit ist zu kaufen.

 

Fazit

 

Zusammenfassend lässt sich sagen: wer ein gut kalkulierbares Anlageergebnis sucht und keine Überraschungen erleben möchte, sollte weiterhin auf die klassischen Sparprodukte wie Tagesgeld & Co. setzen. Der Preis dafür sind die niedrigen oder teilweise sogar negativen Zinsen z.B. bei Bundesanleihen. Für alle Anleger, die bereit sind ein Stück dieser Planbarkeit aufzugeben, gibt es Alternativen, die sich bezüglich ihres Schwankungsrisikos und dem notwendigen Anlagehorizont unterscheiden. Eine Übersicht mit beispielhaften Produkten finden Sie in diesem Bereich unserer Website.  Zusätzlich können mit Sparplänen die Risiken gemildert werden. Somit sind die niedrigen Zinsen nicht alternativlos.