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Der mächtigste Mann der Welt

von ‎22.01.2021 12:35 , bearbeitet ‎22.01.2021 15:22 (510 Ansichten)

Am 20. Januar 2021 wurde Joe Biden als 46. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt und folgt damit auf eine der kontroversesten Figuren, die dieses Amt wohl jemals ausgefüllt haben – Donald Trump.

 

Der neue Amtsinhaber stellt jedoch nicht nur charakterlich einen Kontrast zu seinem Vorgänger dar, auch die politischen Inhalte und Zielsetzungen könnten gegenteiliger kaum sein. Daher kam es auch nur wenig überraschend, dass Joe Biden bereits mit seinen ersten Amtshandlungen eine Kehrtwende in wesentlichen Bereichen der US Politik eingeleitet hat und zum Beispiel den Wiedereintritt in die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie die Neuratifizierung des Pariser Klima-Abkommen angeordnet hat.  Was Joe Biden darüber hinaus für die USA, China und Europa bringt haben wir übrigens erst kürzlich in einem Blog-Beitrag beleuchtet.

 

Die für Anleger aber vermutlich interessanteste Frage dürfte jedoch lauten, welchen Einfluss der Präsident sowie die Zusammensetzung des Kongresses auf die Aktienmärkte haben.  

 

Eine Betrachtung der annullierten Renditen des S&P 500 seit dem Amtsantritt von Franklin Roosevelt 1932 fällt leicht zu Gunsten der Demokraten aus. Während der Index unter der Rigide eines rep. Präsidenten um durchschnittlich 10,23 % stieg, konnte er bei einem dem. Amtsinhaber um 13 % p. a. zulegen.

 

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Man könnte also bereits jetzt den Schluss ziehen, dass Biden als Demokrat ein gutes Omen für den US Aktienmarkt ist. Hierbei würde man aber wesentliche Dinge vernachlässigen: zum Beispiel die Zusammensetzung des Kongress und auch den Umstand, dass der S&P500 nicht der einzige US Leitindex ist. Außerdem haben wir beim US-Aktienmarkt das Glück, eine recht verlässliche Preishistorie bis ins Jahr 1789 zu haben. Tauchen wir also noch ein wenig tiefer in den Kaninchenbau ein. 

 

Schauen wir zunächst, wie sich die Märkte in den einzelnen Jahren der Präsidentschaft entwickelt haben. Hier drängt sich sofort der Eindruck auf, dass sich die Märkte erst ein wenig an den neuen Amtsinhaber gewöhnen müssen, da die durchschnittliche jährliche Entwicklung mit Fortschreiten der Amtszeit steigt.

 

Besonders auffällig erscheint der deutliche Anstieg vom 2. auf das 3. Jahr. Der Grund hierfür könnte in den zu diesem Zeitpunkt stattfindenden Zwischenwahlen im Kongress, den sog. „Mid-Terms“, liegen.

 

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* der comp Index besteht aus Daten zum Dow Jones Industrial Average, dem S&P500 sowie der Cowles Comission, Quelle: Fidelity

 

Schaut man also beim 4-Jahresturnus einer Präsidentschaft zunächst nur auf die erste Hälfte, so ergibt sich tatsächlich ein recht gemischtes Bild mit einer breiten Streuung an Ergebnissen. Bezieht man jedoch die gesamte 4-jährige Amtszeit mit ein, so gleichen sich die Ergebnisse deutlich an und liegen sehr nahe beieinander. Der langfristige Einfluss erscheint also sehr begrenzt.

 

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* der comp Index besteht aus Daten zum Dow Jones Industrial Average, dem S&P500 sowie der Cowles Comission, Quelle: Fidelity

 

Das aktuelle Szenario einer einheitlichen Demokratischen Regierung rangiert hierbei leider auf den hinteren Plätzen. Allerdings findet auch hier in den letzten beiden Jahren eine deutliche Erholung statt so dass auch der Wert einer einheitlich demokratischen Regierung nahe des Durchschnitts liegt.

 

Zusammenfassend kann man festhalten, dass sowohl die Partei des Präsidenten als auch die Zusammensetzung des Kongresses zwar einen kurzfristigen Einfluss haben können, langfristig für die Marktentwicklung jedoch keine wesentliche Rolle spielen. Auch lässt sich an Hand der vorliegenden Daten nicht mit Sicherheit sagen ob die wirtschaftliche Entwicklung (abzulesen am Aktienmarkt) tatsächlich von den Regierenden abhängen oder ob es nicht vielleicht sogar zu einem gewissen Maße umgekehrt ist.

 

Es erscheint daher ratsam, sich nicht auf Parteizugehörigkeiten zu konzentrieren sondern auf die politische Agenda. Auf diesem Wege kann man Sektoren und Industrien identifizieren, die von der angestrebten Politik aus Washington überproportional profitieren oder unter ihr leiden dürften. Unter dem 46. Präsident der USA dürften die Themenfelder Infrastruktur und Energiewende vermutlich eher zur erstgenannten Kategorie gehören.

 

Anleger die dieser Einschätzung folgen und potentielles Interesse an Investitionen in die o. g. Sektoren haben, könnten folgende beispielhafte Produkte in Betracht ziehen:

 

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