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Wie kommt es zu Überschuldung? Zehn Gründe, die Sie kennen sollten Teil 2

von ‎29.04.2014 10:42 , bearbeitet ‎24.04.2017 13:53

Wie kommt es zu Überschuldungen? Hier werden Ihnen die häufigsten Ursachen für den Weg in die Schuldenfalle aufgezeigt.

 

Überschuldungsgründe – so individuell wie wir Menschen

 

Im ersten Teil dieses Artikels haben Sie bereits erste gängige Gründe für Überschuldungen kennengelernt. Im Folgenden lesen Sie über sechs weitere Wege, die in die Schulden führen können.

 

Drogen, Glücksspiel und Co.: Überschuldungsgrund Sucht

 

Das gelegentliche Feierabendbier oder ein spaßiger Besuch mit Freunden im Kasino sei jedem gegönnt. Wenn es beim gelegentlichen Spaß bleibt. Süchte hingegen nehmen maßlose Züge an und sind mit zahlreichen Risiken verbunden. Auch Überschuldungen können das Resultat sein.

 

Vielfältige Möglichkeiten gibt es, sich durch eine Sucht zu verschulden. Zu einem Wegbruch des Einkommens kommt es, wenn der Süchtige aufgrund seiner Fokussierung oder durch Folgeerkrankungen keiner Arbeit mehr nachgehen kann. Schulden können auch entstehen, indem der Süchtige sein gesamtes Geld verspielt oder das Einkommen zur Beschaffung von Drogen nutzt. Zu guter Letzt ist nicht zu unterschätzen, dass Suchterkrankungen oft Probleme im familiären Bereich verursachen, die dann vielleicht Schulden begünstigende Ereignisse wie z. B. eine Scheidung nach sich ziehen.

 

Das Statistische Bundesamt fasst in seiner „Statistik zur Überschuldung privater Personen“ (PDF-Download, im Folgenden „SÜPP“) den Auslöser Sucht mit den Hauptursachen Krankheit und Unfall zusammen. 12,7 % der erfassten Überschuldeten waren im Jahr 2012 von einem dieser drei Hauptauslöser betroffen.

 

Handlungstipps

 

  • Selbstreflexion: Beobachten Sie Ihr eigenes Verhalten.
  • Hilfe: Suchen Sie frühzeitig Hilfe. Suchtberatungsstellen und Suchthilfeeinrichtungen finden Sie unter anderem über die Einrichtungsdatenbank der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS).
  • Offenheit: Gehen Sie mit Ihrem Problem offen um und suchen Sie das Gespräch mit Ihrer Familie. Sie ist der bedeutendste Halt und Anreiz, einen Weg aus der Sucht zu finden.

  

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Teures Leben: Verschuldungsgrund Preissteigerungen

 

Preissteigerungen fallen insbesondere bei einem niedrigeren Einkommen ins Gewicht. Dies gilt erst recht, wenn elementare Lebenshaltungskosten (Miete, Energie, Lebensmittel etc.) betroffen sind, bei denen das Einsparungspotenzial begrenzt ist. Preissteigerungen alleine treiben zwar kaum eine Person in hohe Schulden. Wer sich bei niedrigem Einkommen allerdings mehr als den elementaren Lebensunterhalt sichern möchte, ist leicht verführbar, für Konsumgüter Kredite aufzunehmen bzw. Ratenzahlungen zu nutzen (vgl. dazu im ersten Teil dieses Artikels). Hier ist dementsprechend häufig das Zusammenspiel mehrerer Gründe ausschlaggebend. Das Statistische Bundesamt erfasst den Aspekt Preissteigerungen nicht explizit als Auslöser. Allenfalls könnte er in den Komplex „Sonstige Gründe“ eingeflossen sein.

 

Tipps zur Vorbeugung und zum Handeln

 

  • Haushaltsbuch: Gewinnen Sie durch das Führen eines Haushaltsbuches einen besseren Überblick über Ihre Ausgaben und identifizieren Sie Einsparpotenziale.
  • Preisvergleiche: Vergleichen Sie auch die Preise für Gegenstände des alltäglichen Bedarfs.
  • Mehr Einnahmen: Versuchen Sie, Ihre Einnahmen zu erhöhen – zum Beispiel durch einen zusätzlichen Minijob. Prüfen Sie auch, ob Sie berechtigt sind, Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen.


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Geburt eines Kindes und Babypausen: Überschuldungsgrund Familienzuwachs

 

Es ist traurig, aber offensichtlich wahr: Insbesondere alleinerziehende Mütter, aber auch Väter sind laut SÜPP überproportional von Überschuldungen betroffen. Grundsätzlich gilt, auch für Familien mit beiden Partnern: Kündigt sich Nachwuchs an, sind nicht nur neue Anschaffungen zu tätigen. Das Kind ist zudem zu betreuen, sodass der Beruf häufig erst einmal zurückstehen muss. Ist der vorübergehende Verlust eines Einkommens nicht durch Leistungen wie Elterngeld und Co. ausreichend zu kompensieren, können eventuell Schulden auflaufen. Das Statistische Bundesamt hat im Rahmen seiner Studie ebenfalls ermittelt, dass der Komplex Haushaltsgründung/Geburt eines Kindes für 1,8 % der Befragten der Hauptauslöser für die Überschuldung war. Es bezieht sich somit nicht allein auf den Familienzuwachs.

 

Handlungstipps

 

  • Familienplanung: Planen Sie sorgfältig, zu welchem Zeitpunkt auch unter finanziellen Gesichtspunkten Familienzuwachs infrage kommt. (Informativ: „Was kostet ein Kind?“ bei ZDFZEIT)
  • Kinderbetreuung: Erkundigen Sie sich über alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der Kinderbetreuung. Hilfreiche Informationen dazu bietet u. a. das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend herausgegebene Portal www.familien-wegweiser.de unter dem Schlagwort Kinderbetreuung.

  

Hilfsbereitschaft ohne Grenzen: Überschuldungsgrund Bürgschaften

 

Bei einer Bürgschaft steht die bürgende Person für die finanziellen Verpflichtungen einer anderen Person ein. Sie besitzt allerdings keinen wirklichen Einfluss auf die Erfüllung der Pflichten. Kann der Schuldner seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen, wenden sich die Gläubiger an den Bürgen, ohne dass dieser zum Beispiel jemals von einer Kreditaufnahme direkt profitiert haben muss. Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, dass Zahlungsverpflichtungen aus einer Bürgschaft, einer Übernahme oder einer Mithaftung im Jahr 2012 für 2,5 % der berücksichtigten Betroffenen Hauptauslöser für eine Überschuldung waren.

 

Tipps zur Vorbeugung und zum Handeln

 

  • Sichere Nummer: Übernehmen Sie nach Möglichkeit schlichtweg nie eine Bürgschaft.
  • Rechtsberatung: Scheidet die sichere Variante aus, lassen Sie sich vor der Unterzeichnung einer Bürgschaft über alle möglichen Folgen unabhängig aufklären. Suchen Sie vor allem dann fachkundige Hilfe, wenn Sie schlussendlich tatsächlich zur Kasse gebeten werden sollen.
  • Sittenwidrig? Besteht zwischen Ihnen und der Person, für die Sie bürgen, eine emotionale Bindung, hat die Bürgschaftsverpflichtung von Beginn an nicht zu Ihrer Leistungsfähigkeit gepasst und war sie Ihnen wirtschaftlich nicht nutzbringend, ist die Bürgschaft eventuell sittenwidrig. Mehr Informationen hierzu finden Sie im Beitrag „Ehegattenbürgschaft: Bürge darf nicht immer zur Kasse gebeten werdender Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

 

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Schlechte Beratungen und Beeinflussungen: Überschuldungsgrund fehlendes Finanzwissen

 

Mangelhaftes Finanzwissen macht Anleger zu Spielbällen unseriöser Berater. Sicherheit und Rentabilität von Anlagen sind ohne relevantes Wissen nicht zu ermitteln. Die Vermittlung risikoreicher oder unpassender Finanzprodukte kann zum Verlust des Vermögens oder gar zur Entstehung von Schulden führen. Das SÜPP führt zu den Überschuldungshauptauslösern den Komplex „fehlendes Finanzwissen“ in dieser Art zwar nicht an. Es erfasst aber den Grund „unzureichende Art der Kredit- und Bürgschaftsberatung“, der in diesen Komplex zumindest mit hineinspielt. Im Jahr 2012 war in der entsprechenden Untersuchung dieser Grund zu 2,9 % Hauptauslöser für Überschuldungen.

 

Tipps zur Vorbeugung und zum Handeln

 

  • Machen Sie sich schlau! Sie lesen diesen Blog – das ist ein guter Anfang. Vertiefen Sie Themen, die für Sie wichtig sind, durch geeignete Fachliteratur. Auch die Verbraucherzentralen halten zahlreiche nützliche Publikationen bereit.
  • Ihr Durchblick: Entscheiden Sie sich nur für Finanzprodukte, die Sie auch verstehen.
  • Ihre Risikobereitschaft: Verwenden Sie für risikoreichere Investments nur Gelder, auf die Sie im schlimmsten Falle verzichten könnten.

   

Trauer und fehlende Eigenständigkeit: Überschuldungsgrund Tod des Partners

 

Stirbt ein Partner, muss der Hinterbliebene die Kosten für den Lebensunterhalt allein stemmen. Dies ist vor allem dann problematisch, wenn das Paar zuvor zahlreiche finanzielle Verpflichtungen eingegangen ist oder wenn es gilt, eine ganze Familie zu versorgen. Schulden sind dann häufig vorprogrammiert. Aber selbst, wenn es keine Familie gibt und finanzielle Verpflichtungen nicht zu leisten sind, ist es oft notwendig, Veränderungen auf der Ausgabenseite vorzunehmen. Unterbleibt dies, können nach dem Tod eines Partners auch hier Überschuldungen entstehen.

 

Tipps zur Vorbeugung und zum Handeln

 

  • Schutz über Versicherungen: Prüfen Sie schon jetzt, ob Restschuldversicherungen, Risikolebensversicherungen und Co. für Sie infrage kommen. Produkte dieser Art bieten Ihnen im Fall des Todes Ihres Partners unter Umständen wertvollen Schutz vor finanziellen Engpässen.
  • Leben danach: Passen Sie Ihre Ausgaben der neuen Einkommenssituation möglichst schnell an – dies kann zum Beispiel bedeuten, in eine kleinere, besser finanzierbare Wohnung zu ziehen.

 

Cortal Consors Blog.pngDie wichtigsten Punkte auf einen Blick

 

  • Süchte können auf vielfältigen Wegen zu Überschuldungen führen. Die Inanspruchnahme qualifizierter Hilfe verspricht, einen Weg aus der Sucht zu finden.
  • Allgemeine Preissteigerungen sind für Verbraucher mit geringem Einkommen eine Herausforderung. Dies gilt insbesondere, wenn die elementaren Lebenshaltungskosten betroffen sind. Schulden können vor diesem Hintergrund mitunter dann entstehen, wenn sich Betroffene mehr als den Lebensunterhalt gönnen möchten und zum Beispiel für ihren Konsum Kredite, Ratenzahlungen und Co. nutzen.
  • Familienzuwachs ist vor allem, aber nicht ausschließlich für Alleinerziehende eine finanzielle Herausforderung.
  • Bürgschaften sind riskant. Kommt es hart auf hart, muss der Bürge mit einer finanziellen Belastung rechnen, die je nach Umfang auch zur Überschuldung führen kann.
  • Mangelndes Finanzwissen kann zur falschen Auswahl von Finanzprodukten führen. Im schlimmsten Fall kommt es zum Vermögensverlust oder gar zu Schulden.
  • Der Tod eines Partners ist in finanzieller Hinsicht ein Verschuldungsrisiko, wenn hohe finanzielle Verpflichtungen bestehen, die alleine nicht mehr zu stemmen sind, und/oder Ausgaben nicht an die neue Einnahmensituation angepasst werden.

 

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