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Wie kommt es zu Überschuldung? Zehn Gründe, die Sie kennen sollten Teil 1

Erfahren Sie, welche Gründe mitunter zu einer Überschuldung führen und finden Sie Ihren individuellen Weg, Risiken zu vermeiden.

 

Sie schulden sich ein Leben ohne Schulden

 

„Selbst schuld!“ Diese prägnante Formel greift angesichts komplizierter Schuldenproblematik oft zu kurz. Das Leben ist mitunter turbulent und nicht immer geradlinig. Schulden sind bisweilen eine Folge der Achterbahn, die wir unser Leben nennen. Trotzdem lösen wir zu Recht weitere Tickets und hoffen, dass bei den nächsten Fahrten alles besser wird.

 

So bunt, wie das Leben sein kann, so vielfältig sind auch die Gründe, durch die Überschuldungen entstehen. Dennoch existieren in diesem Bereich „übliche Verdächtige“ – d. h. Gründe, die immer wieder für Überschuldungen verantwortlich zeichnen. Manchmal führt auch erst die Kombination mehrerer Faktoren zu einer tatsächlichen Überschuldung.

 

Wir wollen den klassischen Schuldenfallen nachzuspüren. Daraus ergibt sich ein ganz konkreter Nutzen. Zwar kann sich niemand vor jedem denkbaren Verschuldungsrisiko schützen. Der Leser erfährt aber zumindest, in welchen Lebensbereichen besondere Vorsicht walten sollte.

 

Bei der Auswahl der aufgeführten Gründe erfolgte eine grobe Orientierung an den Hauptauslösern, die auch das Statistische Bundesamt in seiner Überschuldungsstatistik „Statistik zur Überschuldung privater Personen“ (PDF-Download), im Folgenden „SÜPP“, erfasst. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes basieren auf freiwilligen Erhebungen, die Schuldnerberatungsstellen durchführen (siehe Erläuterungen des Amtes). Naturgemäß sind so nicht alle Überschuldeten zu erfassen. Hinweis: Die hier vorgenommene Reihenfolge der benannten Gründe unterliegt keiner spezifischen Aussage und soll keine Wertung darstellen.

 

Fehlendes Einkommen: Überschuldungsgrund Arbeitslosigkeit, gescheiterte Selbstständigkeit und Berufsunfähigkeit

 

Eine Arbeitsstelle ist die Chance, seine Talente einzusetzen und sich selbst zu verwirklichen. Nüchtern betrachtet ist sie allerdings einfach ein Muss, damit das Leben finanzierbar ist. Die klassische Arbeitslosigkeit von Arbeitnehmern stellt nur eine Variante dar, die zum Wegfall eines regelmäßigen Einkommens führt. Auch Selbstständige scheitern. Eine andere Ursache – die Berufsunfähigkeit als Folge von Krankheit, Unfall etc. – verhindert sogar, dass auf lange Sicht wieder ein angemessenes Einkommen erzielbar ist.

 

Was auch immer der Grund für das Wegbrechen des Jobs ist. Eines bleibt immer gleich: Rechnungen flattern weiterhin ins Haus. So laufen Zahlungen auf und Schulden können entstehen. Im Jahr 2012 hat das Statistische Bundesamt ermittelt, dass 25,6 % der Befragten Arbeitslosigkeit als Hauptauslöser für ihre Überschuldung betrachteten (SÜPP). Für 8,3 % der Befragten ist eine gescheiterte Selbstständigkeit der Hauptauslöser. Berufsunfähigkeit erfasst die Statistik nicht bzw. nicht einzeln.

 

Tipps zur Vorbeugung und zum Handeln

 

  • Beratung: Nehmen Sie umfassende Beratung in Anspruch, wenn es um eine Selbstständigkeit geht. Lassen Sie sich auch über Ihr Haftungsrisiko aufklären und entschärfen Sie dieses möglichst.
  • Ihre Qualifikation: Beugen Sie einer möglichen Arbeitslosigkeit durch hohe Bildungsabschlüsse, Weiterbildungen und lebenslanges Lernen vor.
  • Ihre Flexibilität: Steigern Sie Ihre Karrierechancen durch Ihre Bereitschaft, an einen neuen Wohnort zu ziehen. 
  • Vorsorge: Erkundigen Sie sich über geeignete Versicherungen, welche die Folgen einer Berufsunfähigkeit und anderer Risiken ggf. abfedern.
  • Rücklagen: Bilden Sie in guten Zeiten Rücklagen, damit Ihnen kurze Phasen der Erwerbslosigkeit weniger zu schaffen machen.
  • Anpassung Ihrer Ausgaben: Passen Sie in Phasen der Arbeitslosigkeit Ihre Ausgaben an. Dies gelingt zum Beispiel, indem Sie unnötige Versicherungen, Abos etc. kündigen.
  • Mut bewahren: Nachhaltigsten Schutz vor Schulden bietet die Aufnahme einer neuen Beschäftigung. Bleiben Sie am Ball.

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Unkontrolliertes Erfüllen aller Wünsche: Überschuldungsgrund falsches Konsumverhalten

 

Der Nachbar fährt schon wieder ein neues teures Auto? Die Kollegin gibt mit ihrer Designerkleidung an? Da kann es schnell im Bauch grummeln und sich der Gedanke einschleichen, mithalten zu wollen. Doch Schulden vereiteln schnell die Freude an neuen Errungenschaften.

Ein Konsumverhalten, das den eigenen Verhältnissen nicht angepasst ist, führt nicht selten zu schleichend anwachsenden Verschuldungen. Ratenzahlungen, Zahlpausen und Co. sind verführerisch, schnell geht hier aber der Überblick verloren. Das Statistische Bundesamt benennt in seiner Statistik zur Überschuldung den Punkt „falsches Konsumverhalten“ nicht explizit. Allerdings lässt sich hier der Grund „unwirtschaftliche Haushaltsführung“ finden, der teils vergleichbar sein sollte. Im Jahr 2012 war dieser bei 11,6 % der Befragten primär für die Überschuldung verantwortlich.

 

Tipps zur Vorbeugung und zum Handeln

 

  • Führen Sie ein Haushaltsbuch: Es fasst Ihre Ausgaben zusammen und hilft Ihnen, diese zu kontrollieren.
  • Vermeiden Sie Spontankäufe: Schreiben Sie Ihre Wünsche auf und legen Sie Ihren Wunschzettel zunächst zur Seite. Erfüllen Sie sich ab und an einen Wunsch, der auch nach einer Phase des Wartens noch Bestand hat und der zu Ihren finanziellen Möglichkeiten passt.

 

Das Leben ohne den anderen: Überschuldungsgrund Scheidung

 

Scheiden tut weh – auch dem Konto. Nicht nur direkte Anwaltskosten spielen eine Rolle. Nach der Trennung muss jeder Partner seinen eigenen Haushalt führen – das ist teuer. Ebenfalls herausfordernd sind Unterhaltszahlungen oder das Vorhaben, den Ex-Partner auszubezahlen, damit zum Beispiel das Häuschen erhalten bleibt. Das Statistische Bundesamt erfasst den Überschuldungsgrund „Scheidung“ in seiner Überschuldungsstatistik nicht einzeln. Die Statistiker betrachten Scheidungen zusammen mit Trennungen und dem Tod eines Partners als einen Komplex. Im Jahr 2012 war für 14,2 % der Befragten einer dieser drei Gründe der Hauptauslöser für die Überschuldung.

 

Tipps zur Vorbeugung und zum Handeln

 

  • Vorsorge: Erkundigen Sie sich vor einer Heirat, ob ein Ehevertrag für Sie sinnvoll ist.
  • Vermeiden Sie einen Rosenkrieg: Wer sich schon außergerichtlich über das Wesentlichste mit seinem Partner einigen kann, spart Geld.
  • Machen Sie Zugeständnisse: Ist zum Beispiel ein Haus im Trennungsfall nur schwer zu halten, denken Sie über Alternativen wie den Verkauf nach.

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Vom Eigenheimtraum: Überschuldungsgrund Hausbau oder Hauskauf

 

Ein Hausbau bzw. Hauskauf ist ohne Finanzierung kaum möglich. Aber: Es gibt einen Unterschied zwischen Verschuldung und Überschuldung. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein definiert eine Überschuldung als den Umstand, dass nach der Abrechnung des grundlegenden Lebensbedarfs weitere Zahlungsverpflichtungen nicht mehr pünktlich zu erfüllen sind. Eine Verschuldung sei immer dann gegeben, wenn überhaupt Schulden vorlägen – ohne im Einzelnen zu berücksichtigen, welche Belastung von ihnen ausgehe.

Die monatlichen Belastungen durch eine Baufinanzierung sind im Normalfall durchaus tragbar. Falsche Beratung, mangelhafte Planungen und viele weitere Gründe können allerdings zum Scheitern der Finanzierung führen. Da es bei der Baufinanzierung in der Regel um sehr hohe Summen und um jahrelange Verpflichtungen geht, sollte kaum eine andere Anschaffung so gut überlegt sein, wie die einer Immobilie. Laut SÜPP war im Jahr 2012 für 3,6 % der Befragten eine gescheiterte Immobilienfinanzierung der Hauptauslöser ihrer Überschuldung.

 

Tipps zur Vorbeugung und zum Handeln

 

  • Beratung: Nehmen Sie objektive Beratung in Finanzierungsfragen in Anspruch.
  • Individualität: Passen Sie Ihre Finanzierung gut an Ihre individuellen Umstände an. Ihr Darlehen sollte z. B. auch dann noch tragbar sein, wenn es zu einem leichten Einkommensrückgang kommt.
  • Darlehen senken: Achten Sie auf eine möglichst hohe Eigenkapitalquote. Sie führt zu einer Senkung des Finanzierungsbedarfs.
  • Verlässliche Partner: Wählen Sie Baufirmen sorgfältig aus, um sich vor unerwarteten Insolvenzen zu schützen.
  • Machen Sie den Check: Lassen Sie bestehende Immobilien, die für den Kauf infrage kommen, durch einen Fachmann bewerten.
  • Wertentwicklung: Achten Sie bei der Auswahl Ihrer Immobilie auch auf das Wertentwicklungspotenzial. In schweren Zeiten können Sie Ihr Haus dann ggf. zu guten Konditionen wieder veräußern.

  

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 Die wichtigsten Punkte auf einen Blick

 

  • Arbeitslosigkeit, eine gescheiterte Selbstständigkeit oder eine Berufsunfähigkeit führt zu einem Rückgang der Einnahmen. Bei gleichzeitig unangepassten Ausgaben können Schulden entstehen.
  • Ein unangemessenes Konsumverhalten kann zu Ausgaben führen, die in einer schlechten Relation zu den Einnahmen stehen. Es besteht die Gefahr, den Überblick zu verlieren, und somit in die Schuldenfalle zu geraten.
  • Scheidungen lassen Anwaltskosten sowie häufig die Notwendigkeit entstehen, einen neuen Haushalt auszustatten. Unterhaltszahlungen und Auszahlungen des Partners können die finanzielle Lage zusätzlich verschärfen.
  • Der Bau oder Kauf eines Hauses ist unter anderem dann problematisch, wenn eine falsche Beratung, eine mangelhafte Planung oder eine unangepasste Finanzierung vorliegt. Steht das Finanzierungskonzept auf wackligen Füßen und fällt schlussendlich in sich zusammen, können hohe Schulden zurückbleiben. 


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Lieber Leser, lernen Sie im zweiten Teil unseres Artikels sechs weitere Gründe für eine Überschuldung kennen, damit Sie sich möglichst umfassend gegen Überschuldungsrisiken wappnen können.