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In der Krise: Wie lege ich 10.000 Euro am besten an?

Der Krieg in der Ukraine beherrscht die Schlagzeilen. Doch was, wenn Sie gerade jetzt beispielsweise die hübsche Summe von 10.000 Euro anlegen wollen? Sollten Sie noch etwas warten oder ist das ein guter Zeitpunkt? Und wenn ja – gibt es aufgrund des derzeitigen Krisenumfelds Besonderheiten zu beachten? Diesen Fragen widmen wir uns in diesem Beitrag.

 

Wichtiger als die Weltlage: Ihr persönlicher Zeithorizont

 

Die „perfekte“ Geldanlage gibt es nicht, denn die Anforderungen sind individuell verschieden. An erster Stelle steht hierbei die Frage, für wie lange Sie das Geld anlegen möchten. Handelt es sich um einen kurzfristigen oder maximal mittelfristigen Zeitraum von höchstens 5 Jahren? In diesem Fall ist die Sache einfach, weil Aktienindex-ETFs und Aktienfonds weitgehend ausscheiden. Allenfalls ein kleiner Anteil von aktienbasierten Investments wäre hier sinnvoll.

Der Grund liegt im charakteristischen Verhalten von Aktien: Langfristig tendieren die Indizes aufgrund des allgemeinen Wirtschaftswachstums nach oben. Kurz- und mittelfristig sind jedoch größere Schwankungen einzukalkulieren. Dies gilt nicht nur aktuell in der Krisensituation, sondern allgemein.

Deshalb sind bei einer kürzeren Anlagedauer Anleihefonds und -ETFs, die in erstklassige Staats- und Unternehmenspapiere investieren, die bessere Wahl. Die mögliche Rendite ist dort geringer, aber auch das Risiko in Form der Volatilität der Wertpapiere. Vorsicht ist jedoch in der aktuellen Niedrigzinsphase bei einer Investition in Anleihefonds geboten, die vor allem in langlaufende Papiere investieren. Bei diesen drohen signifikante Abschläge, falls die Zinsen anziehen.

 

Das Risiko managen: Pantoffel-Portfolio und Sparpläne

 

Für Börsen-Newcomer ist die Versuchung groß, nach einem starken Kursrutsch mit dem ganzen verfügbaren Geld beispielsweise einen Aktienindex-ETF zu kaufen. Dies ist allerdings auch die riskanteste Vorgehensweise. Hier kommen zwei Dinge zusammen: Zum einen beträgt der Aktienanteil 100 Prozent. Zum anderen kann auf einen Kursrutsch nach einer kurzen Erholung durchaus ein weiterer folgen. Börsenprofis sprechen in solchen Fällen von einer „Bullenfalle“, in die die gleichnamigen optimistischen Anlegenden tappen.

Um das Risiko zu begrenzen, gibt es zwei einfache und bewährte Methoden: das Pantoffel-Portfolio sowie Sparpläne.

  • Das Pantoffel-Portfolio trägt diesen Namen, weil es sich einfach und bequem umsetzen lässt. Es basiert auf genau zwei Elementen: Das Erste ist eine Risikokomponente in Form eines breit gestreuten Aktienindex-ETFs, typischerweise auf den MSCI World-Aktienindex. Das Zweite ist eine Sicherheitskomponente aus Cash, Festgeld oder einem der schon erwähnten Anleihefonds und -ETFs. Durch die Größe der Risikokomponente lässt sich das Risiko auf Ihre Bedürfnisse einstellen: 75 Prozent gelten als offensiv, 50 Prozent als ausgewogen und 25 Prozent als defensiv. Auf diesem Konzept basieren auch unsere Musterportfolios für Einsteiger.
  • Sparpläne haben den Vorteil, dass sich Kursschwankungen aufgrund gestaffelter Einstiegszeitpunkte auspendeln. Dieser Effekt lässt sich auch nutzen, um einen größeren Betrag innerhalb einer bestimmten Frist anzulegen. Beispielsweise könnten Sie 10.000 Euro mittels Raten von jeweils 1000 Euro innerhalb von 10 Monaten investieren. Das schont zum einen die Nerven. Zum anderen ergibt sich durch den Cost-Average-Effekt potenziell ein günstiger Durchschnittskurs. Anschließend können Sie die Sparrate reduzieren oder den Sparplan pausieren oder stoppen.

Beides lässt sich gut miteinander kombinieren, indem Sie beim Pantoffel-Portfolio den Einstieg in den Aktienindex-ETF mittels eines Sparplans staffeln.

Doch welcher Risikoanteil beim Pantoffel-Portfolio ist der Richtige für Sie? Wer jung ist und über Jahrzehnte anlegen will, kann mehr Risiko wagen als Menschen in der zweiten Lebenshälfte. Zum anderen ist es auch eine Frage der Persönlichkeit: Stellen Sie sich vor, wie Sie bei zwischenzeitlichen Verluste reagieren. Die Risikokomponente sollte nicht so groß sein, dass Sie bei Turbulenzen unüberlegte Entscheidungen treffen.

 

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Für pessimistische Naturen: defensive Anlageprodukte

 

Mit dem Pantoffel-Portfolio und Sparplänen haben Einsteiger bereits gute Voraussetzungen, um das Risiko im Zaum zu halten. Wer allerdings von einer länger andauernden Eintrübung der Welt- und Wirtschaftslage ausgeht, hat noch weitere Möglichkeiten. Die wichtigsten Optionen stellen wir Ihnen vor:

  • ETFs und Fonds mit Dividendenwerten: Aktien von Unternehmen, die stabile und hohe Dividenden zahlen, gelten als recht defensiv, weil sie eine geringere Schwankungsbreite aufweisen. Dieses Phänomen haben wir schon in unserem Artikel zum Thema globale Dividendenstrategien untersucht.
  • Fokus auf Value- statt Wachstumsaktien: Günstig bewertete Value-Aktien sowie Fonds, die auf solche Wert setzen, haben sich in der Vergangenheit häufig als krisenresistenter erwiesen. Dagegen sind typische Wachstumsaktien anfälliger für konjunkturelle Abschwünge. Einer der Gründe dafür: Wachstumsunternehmen arbeiten stärker mit Fremdkapital.
  • Diversifikation mit anderen Anlageklassen: Für Einsteiger ist bei diesem Thema Vorsicht geboten, weil hier spezielle Risiken lauern. Aber kleine Depot-Beimischungen von Edelmetallen wie Gold und Rohstoffe können einen zusätzlichen Schutz bei hohen Inflationsraten darstellen. Allerdings sind diese Anlagen teils sehr schwankungsfreudig. Weniger volatil sind Immobilien in Form offener Immobilienfonds- und REITs.

 

So weit unser kleiner Überblick. Wollen Sie gerade einen größeren Betrag anlegen und hat Ihnen unser Artikel weitergeholfen? Hinterlassen Sie uns einen Kommentar!

 

Fazit

 

  • Allgemein – nicht nur im aktuellen Krisenumfeld – spielt bei der Geldanlage die Anlagedauer eine wesentliche Rolle.
  • Das Risiko einer Geldanlage lässt sich über die Anteile von Aktien und risikoarmen Anlagen steuern.
  • Um die Gefahr zu verringern, einen „falschen“ Einstiegszeitpunkt zu erwischen, eignen sich gestaffelte Käufe über einen Sparplan.
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