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Datenbrillen und Smartwatches: Trend oder nicht?

09.02.2016 13:27

Datenbrillen und Smartwatches: Was leisten Wearables und haben sie das Potenzial, sich für den Alltagsgebrauch durchzusetzen?

 

Was sind „Wearables“?


Am Schlagwort „Wearables“ kommen technikinteressierte Personen in letzter Zeit kaum mehr vorbei. Das deutsche Wort „tragbar“ beschreibt den Techniktrend allerdings nur unzureichend – schließlich sind auch MP3-Player, Smartphones und Co. tragbar. Die Beschreibung „anziehbar“ fasst die modernen Entwicklungen besser: Ist die Rede von Wearables, sind nämlich solche Daten verarbeitenden Geräte gemeint, die Sie quasi an Ihren Körper anlegen können.


Aktuell unterstützen Wearables Sie als kleine Accessoires mit vielen praktischen Funktionen: Uhren, die Smartwatches heißen, oder Brillen, die Informationen anzeigen. Zweifellos eine interessante Entwicklung, wenngleich sich die Frage stellt, ob Datenbrillen und Smartwatches tatsächlich das Potenzial besitzen, sich in Zukunft durchzusetzen.

 

Google Glass.jpg

"Google Glass detail" by Antonio Zugaldia


Was können Smartwatches?


Eine Smartwatch kann mehr, als nur die Uhrzeit anzuzeigen: Sie ist quasi ein kleiner Computer, der das World Wide Web ans Handgelenk holt und sich mittels Apps durch zahlreiche Funktionen erweitern lässt. Je nach Modell ist es möglich, zu navigieren, Mails zu lesen, sich über die Wettervorhersage zu informieren, eigene Körperfunktionen wie den Puls zu überwachen oder Musik zu hören. Gleichzeitig arbeitet die Uhr gegebenenfalls mit anderen Endgeräten wie dem Smartphone in der Hosentasche zusammen. Erste Smartwatches von LG, Google und Samsung haben bereits den Markt erobert, die Apple Watch, die noch in diesem April erhältlich sein wird, startet mit einer Auflage von fünf bis sechs Millionen Exemplaren in verschiedenen Varianten von sportlich bis elegant.


Was können Datenbrillen?


Das Besondere bei Datenbrillen ist, dass der Nutzer nicht erst ein Gerät aus der Hosentasche holen und den Blick auf ein Display richten muss, sondern die Brille Informationen direkt in das Sichtfeld einblendet. Datenbrillen sind somit eine kleine technische Revolution. Denkbar sind unterschiedlichste Funktionen wie die digitale Kommunikation, Navigation, Internetnutzung sowie das Filmen und Fotografieren. Heftige Kritik erntete zuletzt die Datenbrille Google Glass. Ende November 2014 tauchten die ersten Gerüchte über ein mögliches Ende von Glass auf. Nach aktuellen Quellen will Google jetzt ein neues, besseres Modell der Glass entwicklen. Dabei rechnete die Technikszene fest mit einem Release 2015.

 

Must-have oder doch nur Schwadronade über eine unrealistische Vision?


Ob Wearables wie Smartwatches und Datenbrillen zu einem echten Trend werden, scheint aktuell schwer absehbar. Dies zeigt sich schon an der Tatsache, dass sich Umfragen zum Interesse der Bevölkerung an diesen technischen Accessoires teilweise widersprechen:


• Einer aktuellen Umfrage zufolge lehnen 96 Prozent der Verbraucher Wearables als „technischen Schnickschnack“ ab.

 

• Für mehr Optimismus wiederum sorgt eine Presseinformation des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. (BITKOM) vom 1. September 2014.

 

Im Auftrag des BITKOM fand das Marktforschungsinstitut Aris in Zusammenarbeit mit Bitkom Research in einer repräsentativen Umfrage heraus, dass ein zunehmendes Verbraucherinteresse an Wearables zu verzeichnen ist. An der Befragung nahmen 1.004 Personen ab 14 Jahren teil. Für 31 Prozent der Befragten käme es demnach infrage, eine Datenbrille wie Google Glass zu verwenden. Vor einem Jahr fiel das Ergebnis hier mit 20 Prozent bescheidener aus. Eine Smartwatch zu kaufen, ist für 38 Prozent unter bestimmten Voraussetzungen vorstellbar. Letztes Jahr interessierten sich laut der Studie erst 31 Prozent für eine Smartwatch.


Wohin geht die Entwicklung?


Auch wenn die Mehrzahl technischer Neuentwicklungen aktuell dem Unterhaltungsbereich zuzuordnen ist, besteht die Möglichkeit, dass Geräte unser Leben künftig auf ganz anderer Ebene verändern. Potenzial scheint hier unter anderem die Datenbrille mitzubringen, deren Einsatz auch im Berufsleben angedacht ist. Mit Oculus Rift forscht der Hersteller Fidelity außerdem an einer Datenbrille speziell für Börsenspezialisten, um bei der Entwicklung der virtuellen Realität im Konsumentenbereich vorn dabei zu sein.


Der Gedanke der Wearables lässt sich auch noch weiterspinnen: Erste Ansätze zur medizinischen Nutzung gibt es mit den Fitness-Armbändern von Adidas, dem UP3 von Jawbone oder dem bislang in den USA erfolgreichen Sportarmband von Microsoft, die Körperfunktionen messen und über GPS verfügen. Der Bekleidungshersteller Ralph Lauren verbaut die Messfunktionen hingegen im Shirt „Polo Tech“. Intel strebt noch in diesem Jahr die Markteinführung eines Computers in Knopfgröße an.


Ganz genau kann wohl niemand sagen, in welche Richtung es in Sachen Wearables gehen wird. Zu einem echten Massentrend können technische Neuentwicklungen erst dann werden, wenn auch weniger technikaffine Verbraucher ihre Berührungsängste ablegen. Man denke nur an die Erfolgsgeschichte der Mobiltelefone. Nicht zu unterschätzen sind allerdings auch die datenschutzrechtlichen, ethischen und sozialen Probleme, die bei technischen Innovationen in der heutigen Zeit immer intensiver in den Vordergrund rücken.

 

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Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

 

  • Datenbrillen und Smartwatches zählen zu den sogenannten Wearables. Dies sind kleine technische Accessoires mit zahlreichen Funktionen für Kommunikation, Navigation, Körperfunktionsüberwachung sowie fürs Fotografieren und Filmen, die sich am Körper tragen lassen.
  • Momentan ist ungewiss, ob sich Datenbrillen und Smartwatches als Must-have durchsetzen, wie es zum Beispiel beim Mobiltelefon der Fall war.
  • Aktuell verfügbare Wearables und solche, die bald den Markt erobern sollen, sind primär dem Unterhaltungsbereich zuzuordnen. Nicht auszuschließen ist allerdings, dass Wearables in Zukunft auch in hoch technisierten Bereichen eine Rolle spielen.

 

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Wearables gemacht? Wenn ja, welche Geräte mit welchen Funktionen finden Sie besonders toll?  Wir freuen uns auf Ihre Kommentare!

1 Kommentar

Enthusiast

Ich habe zeitweilig das Jawbone-Up-Fitnessarmband getragen. Es erfüllt seinen Zweck, aber für mich war es nichts, denn ich fand es lästig  wenn ständig irgend etwas ums Handgelenk gebunden ist. Ich bin im Handyzeitalter groß geworden, und es nicht gewöhnt eine Armbanduhr zu tragen. Außerdem decken die Funktionen in meinem Samsung Galaxy S5 schon einen Großteil von dem ab was Jawbone-Up kann.

 

Aber sicherlich kommen da viele interessante Entwicklungen auf uns zu und die Uhrenbranche muss sich ziemlich warm anziehen. Das erinnert etwas an die 70er Jahre als etliche schweizer Uhrenhersteller plötzlich Pleite gegangen sind, nachdem billige Quarzuhren aus Japan und USA die Genauigkeit jeder mechanischen Uhr übertrafen. Die die jetzt noch da sind, haben sich ins Luxussegment gerettet. Aber wenn die anspruchsvollen Kunden dann lieber Smartwatch tragen wollen und die nicht schnell genug entwickeln können, sind die bald auch abgehängt.