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Clever handeln: Wie die Chart-Analyse Ihnen bei Anlage-Entscheidungen hilft - ein Basis-Einblick

 

Für kurz- und mittelfristige Anleger ist die Chart-Analyse eine wertvolle Entscheidungshilfe. Liefert sie doch klare Kauf- und Verkaufssignale, die sich allein aus dem Chart eines Wertpapiers ableiten lassen, sprich aus seiner Kursentwicklung. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Überlegungen der Chart-Analyse zugrunde liegen und wie sie Ihnen hilft, clevere Anlageentscheidungen zu treffen.

 

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Dow-Theorie: Alle Informationen stecken schon im Chart

 

Die wichtigste Annahme, auf der die Chart-Analyse beruht, lautet: Alle Informationen über ein Wertpapier stecken bereits in seinem Chart. Formuliert hat diese Theorie erstmals der US-amerikanische Finanzjournalist Charles Dow (sein Name steckt ebenso im „Dow Jones“). Dieser Ansatz ist auch plausibel, wenn man bedenkt, wie schnell ein Chart auf Gerüchte und Nachrichten reagiert und wie sehr er die Psychologie der Anleger bzw. ihre Gier, Angst oder Kaufzurückhaltung widerspiegelt. Wie viel Psychologie in der Chart-Analyse steckt, erfahren Sie in unserem kostenfreien Webinar „Die Psychologie der Chart-Technik“.

 

Die Dow-Theorie besagt außerdem: Trends lassen sich anhand des Charts klar identifizieren, eine Trendumkehr ebenso. Voraussetzung ist allerdings, dass diese Entwicklungen auch mit einem entsprechenden Handelsvolumen einhergehen. Wenige Trades mit einem bestimmten Wertpapier können keinen Trend begründen oder brechen.

 

Von Trendlinien und Widerständen: Wie sich Trends identifizieren lassen

 

Um Trends zu identifizieren brauchen Sie zunächst nur ein Lineal, mit dem Sie gerade Linien ziehen. Die Geraden verbinden die verschiedenen Höchst- oder Tiefkurse eines Charts. Das Ergebnis:

 

  • Trendlinien: Das sind aufwärts oder abwärts gerichtete Geraden durch die Chartunter- bzw. -obergrenzen. Sie zeigen an, ob der Kurs weiter steigt oder sinkt.
  • Trendkanäle: Das sind zwei parallele Trendlinien, die einerseits die Kursunter- und andererseits die Kursobergrenzen markieren.

Schon aus Trendlinien, Trendkanälen und Widerständen lassen sich klare Handlungsempfehlungen ableiten. Immer dann, wenn der Kurs einen Trendkanal oder oberen Widerstand nach oben durchbricht, ist das ein Kaufsignal. Durchbricht er Trendlinie, Trendkanal oder unteren Widerstand dagegen nach unten, ist das ein Verkaufssignal. Mehr über diese Grundlagen der Chart-Analyse erfahren Sie in unserem kostenfreien Webinar „Technische Chart-Analyse“.

 

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Formationen, gleitende Durchschnitte und Oszillatoren: Trends früh erkennen

 

Wer allein mit Trendlinien, Trendkanälen und Widerständen arbeitet, erfasst einen Trend zwar, aber eben erst, wenn er in vollem Gange ist und nicht schon früher als andere Anleger. Aus diesem Grund nutzen Chart-Analysten noch andere Indikatoren, um Trends frühzeitig zu erkennen:

 

Formationen

 

Manchmal lässt sich aus einem Chart fast ein Bildchen malen, indem man die verschiedenen Kursausschläge mit geraden Linien verbindet. Mit ein wenig Fantasie zeigen sich dann Flaggen, Wimpel, Keile, auf- und absteigende Dreiecke oder Schulter-Kopf-Schulter-Formationen. Auch daraus lassen sich Schlüsse über die künftige Kursentwicklung ziehen. Wie Sie solche Formationen interpretieren und für Ihre Trading-Strategie nutzen, zeigt Ihnen das kostenfreie Webinar „Trading-Strategien mit klassischen Chartmustern“.

 

Gleitende Durchschnitte (GD)

 

Wie verhält sich ein Chart im Vergleich zu seinem Durchschnitt der letzten 30, 38, 90 oder 200 Tage? Es ist sinnvoll, sich die „gleitenden Durchschnitte“ über die entsprechenden Zeiträume anzusehen. Hier wird über jedem Handelstag oder -monat der Durchschnitt eingetragen. Auf unserer Website lassen sich diese GD-Linien anzeigen, indem Sie den Chart des gewünschten Wertpapiers oder Index aufrufen und im Auswahlmenü darüber die entsprechenden gleitenden Durchschnitte auswählen. Im folgenden Beispiel, einem 10-Jahres-Chart des DAX, sehen Sie rot die 38-Tage-Linie und orange die 200-Tage angezeigt.

 

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Je länger der Zeitraum des gleitenden Durchschnitts, desto glatter gebügelt ist die GD-Linie und desto weiter nach rechts verschoben sind die Extreme. Die gleitenden Durchschnitte nutzen Sie für Zukunftsprognosen. Den Zeitraum wählen Sie entsprechend Ihrem Anlagehorizont. Interessant sind die Schnittpunkte, an denen der Chart die GD-Linie nach unten oder oben kreuzt. Das zeigt meist eine Trendumkehr und ist entsprechend ein Kauf- oder Verkaufssignal.

 

Oszillatoren

 

Noch frühzeitiger lässt sich eine Trendumkehr bestimmen, wenn Sie nur die sogenannten Oszillatoren betrachten. Stellen Sie sich dazu vor, ein gleitender Durchschnitt würde einfach wie ein Faden geradegezogen und auf der x-Achse eines Koordinatensystems waagerecht abgelegt. Darüber aufgetragen werden nun die Abstände des eigentlichen Charts zum gleitenden Durchschnitt. Und – voilà – schon haben Sie einen Oszillator! Liegt er im Plus, besteht ein Aufwärtstrend. Dreht er ins Minus, ist das ein Zeichen für eine Trendumkehr.

 

Candlestick-Charts: Eine (faszinierende) Wissenschaft für sich

 

Kursverläufe lassen sich nicht nur als Linien darstellen. Deutlich mehr Information steckt in einem Candlestick- oder auf Deutsch: Kerzenchart. Tatsächlich gleichen hier die Kurseinträge entfernt einer mehr oder weniger langgezogenen Kerze mit Docht. Beispiel:

 

Sie können sich übrigens jeden Chart auf unserer Website als Candlestick-Chart anzeigen lassen. Wählen Sie einfach unter „Charttyp“ die entsprechende Option aus und klicken Sie dann auf „Anzeigen“. In einem solchen Candlestick-Chart stecken deutlich mehr Informationen als in einem Linienchart. Er enthält nämlich Aussagen über den Kursverlauf eines jeden Handelszeitraums (Jahr, Monat, Tag):

 

  • Die Anfangs- und Schlusskurse sind die Begrenzungen der Kerzenkörper.
  • Ein schwarzer Candlestick bedeutet sinkende Kurse: Der Schlusskurs liegt unter dem Anfangskurs.
  • Ein weißer Candlestick bedeutet steigende Kurse: Der Schlusskurs liegt über dem Anfangskurs.
  • Der „Docht“ jedes Candlesticks zeigt die stärksten Kursausschläge an. Je länger der Docht, desto nervöser die Märkte.

In Candlestick-Charts gibt es nun ebenfalls bestimmte Formationen, die Aufschluss geben über die weitere Kursentwicklung. Beispielsweise eine Abfolge bestimmter Candlesticks. Wenn Sie von dieser speziellen Form der Chart-Analyse profitieren möchten, dann finden Sie ausführliche Infos, Erläuterungen und Tipps in unserem kostenfreien Webinar „Trading-Strategien mit Kerzencharts“.

 

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Coppock, Fibonacci, Elliott-Wellen: Chart-Werkzeuge für Fortgeschrittene

 

Fortgeschrittene Chart-Analysten nutzen noch ganz andere Werkzeuge. So vergleichen sie beispielsweise mehrere bestimmte Oszillatoren miteinander und bilden aus diesem Vergleich den sogenannten Coppock-Indikator, um langjährige Trends zu bestimmen. Auch das Handelsvolumen beziehen sie in ihre Betrachtungen ein und leiten daraus Indikatoren ab.

 

Ebenfalls greifen sie gerne auf Fibonacci-Zahlen zurück. Das sind Zahlenreihen eines Mathematikers aus dem Mittelalter, die noch heute gültig sind. Erstaunlich oft lassen sich damit Kursmarken identifizieren, auf die ein Chart bei einer Korrektur voraussichtlich zurückfällt beziehungsweise die beim Anstieg den nächsten Widerstand bilden.

Schließlich gibt es noch Elliott-Wellen, benannt nach einem US-Finanzmarkt-Experten der 20er-Jahre des vorigen Jahrhunderts. Er identifizierte langfristig wiederkehrende psychologische Trends. Dabei zeichnete sich ein Wellenmuster ab, das auch heute noch in der Chart-Analyse hilfreich ist.

 

Schlussendlich bleibt als Fazit zu sagen, dass es viele gute Ansätze in der Chart-Analyse gibt, jeder sich letztendlich aber seine eigene, maßgeschneiderte Strategie für sich selbst entwickeln muss.

 

Wenn Sie sich für diese Werkzeuge interessieren, empfehlen wir Ihnen unser kostenloses, zweiteiliges Webinar „Indikatoren verstehen und eigene Handelsansätze entwickeln, Teil 1“ und „Indikatoren verstehen und eigene Handelsansätze entwickeln, Teil 2“.

 

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Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

 

  • Die Dow-Theorie besagt: Alles, was Sie über ein Wertpapier wissen müssen, ist aus seinem Chart (seiner Kursentwicklung) ablesbar.
  • Anhand des Charts lassen sich Auf- und Abwärtstrends ebenso frühzeitig identifizieren wie eine Trendumkehr.
  • Ein Trend lässt sich durch Trendlinien und -kanäle sichtbar machen, Unterstützungs- und Widerstandslinien sind als Ober- und Untergrenzen psychologische Barrieren, über die ein Kurs nicht hinausschießt.
  • Weitere Hilfsmittel der technischen Analyse sind gleitende Durchschnitte (GD), die die durchschnittliche Kursentwicklung über fest definierte vergangene Zeiträume, z. B. 30, 38, 90 oder 200 Tage, darstellen. Auch damit lassen sich Trends identifizieren.
  • Oszillatoren zeigen den Abstand des Kurses vom gleitenden Durchschnitt an. Ist der Oszillator positiv, ist das ein Kaufsignal, ist er negativ, ist das ein Verkaufssignal.
  • Ganz eigene Analysen ermöglicht die Interpretation von Kerzencharts (Candlestick-Charts), bei denen nicht allein die Schlusskurse, sondern zusätzlich für jeden Handelstag oder -monat auch die Anfangskurse, die Kurstendenz (abwärts oder aufwärts) sowie die stärksten Kursausschläge eingetragen sind.
  • Fortgeschrittene Trader und Chart-Analysten nutzen außerdem Coppock-Indikatoren, die Fibonacci-Analyse und die Elliott-Wellen-Theorie, um die künftige Entwicklung eines Charts vorherzusagen.
1 Kommentar

Regelmäßiger Autor

"Traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast"

 

Sir Winston Churchill.

 

Smiley (zwinkernd)