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10 Irrtümer über Aktien

von ‎24.10.2017 10:11 , bearbeitet ‎27.09.2019 09:20
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Irrtümer über Aktien gibt es einige. Das Wissen um sie ermöglicht es Ihnen, entscheidende Fehler beim Aktien-Investment zuverlässig zu vermeiden. Erfahren Sie mehr über mögliche Fehlerquellen hier.

 

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1. Es lohnt sich immer, Aktien zu Tiefstpreisen zu kaufen

 

Nach einem Einbruch des Aktienmarktes, zum Beispiel aufgrund von bedeutenden negativen Ereignissen, denken viele Anleger, nun sei die Zeit des Einstiegs gekommen. Nur allzu oft führt diese Auffassung dazu, mehr oder weniger wahllose Titel zu kaufen. Leider führt das in vielen Fällen zu Verlusten. Warren Buffet sprach diese Wahrheit in seinem berühmten Zitat aus:  Der Kauf von durchschnittlichen Unternehmen lohnt sich auch zu einem großartigen Preis nicht. Denn eine Aktie, die kein wirtschaftliches Erfolgspotenzial aufweist, ist unabhängig vom Kurs keine gute Anlage.

 

2. Mit Aktien lassen sich Steuern sparen

 

Seit Einführung der Abgeltungsteuer im Jahr 2009 werden neben den Dividenden auch Kursgewinne unabhängig von der Haltedauer versteuert. Damit bietet die Investition in Aktien keinerlei steuerliche Vorteile mehr gegenüber der Anlage in festverzinslichen Wertpapieren oder Sparguthaben. Allerdings liegt der pauschale Steuersatz der Abgeltungssteuer mit 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer bei vielen Steuerpflichtigen unter deren Durchschnittssteuersatz auf andere Einkunftsarten. Auch der Sparerfreibetrag in Höhe von 801 Euro für Alleinstehende ist zu berücksichtigen.

 

3. Erfolgreiche Anleger setzen alles auf wenige Aktien

 

Diese Strategie ist viel zu riskant. Auch als Privatanleger sollten Sie stets ein Mindestmaß an Diversifikation einhalten. Aus diesem Grund sollte mindestens in acht bis zehn verschiedene Aktien investiert werden. Dabei sollte es sich um möglichst verschiedenartige Werte in Bezug auf die Branche und ihre Abhängigkeit von zyklischen Wirtschaftsschwankungen handeln.

 

4. Auf lange Sicht macht man immer Gewinne mit Aktien

 

Ob sich der Aktienerwerb lohnt, hängt entscheidend vom Kauf- und Verkaufszeitpunkt ab. So machten zum Beispiel viele Anleger massive Verluste, die Ende der 90er Jahre deutsche Aktien kauften und diese während der Finanzkrise im Jahr 2008 oder kurz danach wieder verkauften. Auch ein Blick auf die historische Entwicklung des japanischen Nikkei-Index verdeutlicht diese Tatsache: Seine Höchststände erlebte er Ende der 80erJahre mit einem Niveau von weit über 30.000 Punkten, das er seitdem auch nicht annähernd wieder erreicht hat. Andererseits gibt es auch Positivbeispiele: Wer kurz vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 zum damaligen Höchststand in den S&P 500 investiert hat, hat sein Geld verdoppelt. Wer langfristig in ein fundamental gesundes Unternehmen investiert, hat auf lange Sicht eine höhere Wahrscheinlichkeit, Gewinne zu erzielen. 

 

5. Wegen der außerordentlichen Renditechancen lohnt sich die Kreditfinanzierung von Aktien

 

Der sogenannte Leverage-Effekt stammt aus der Unternehmensfinanzierung. Er besagt, dass ein möglichst hoher Verschuldungsgrad die Eigenkapitalrendite steigert, wenn die mit der Geschäftstätigkeit erzielbaren Gewinne prozentual über den Zinsen für Fremdkapital liegen. Diese Hebelwirkung tritt zum Beispiel ein, wenn die Fremdkapitalzinsen bei zwei Prozent und die Umsatzrendite bei drei Prozent liegt. Aufgrund der mit der Aktienanlage verbundenen hohen Risiken sollten Sie dieses Prinzip aber auf keinen Fall Ihren Investments zugrunde legen.

 

6. Verluste lassen sich aussitzen

 

Leider entwickeln sich viele Aktien über Monate und Jahre negativ. Dann handelt es sich bei diesen Werten um Fehlinvestitionen, bei denen Abwarten die Verluste nur vergrößert. Davor schützt Sie ausschließlich eine Stopp-Loss-Grenze, die Sie in angemessener Höhe festlegen und beim Erreichen des entsprechenden Kurses als Verkaufssignal beachten. So können Sie zum Beispiel bei einer Aktie, die Sie zu einem Preis von 100 Euro kaufen, die Untergrenze von 80 Euro als Stopp-Loss-Linie definieren.

 

7. Dividenden sind von untergeordneter Bedeutung

 

Hohe Ausschüttungen, die börsennotierte Unternehmen regelmäßig vornehmen, spielen tatsächlich eine wichtige Rolle für die Attraktivität von Aktien, sollten aber nie das einzige Auswahlkriterium sein. Insbesondere bei Werten mit relativ wenig volatilen Kursen bieten diese Dividenden jedoch eine zuverlässige Rendite. Darüber hinaus entsprechen wertstabile Aktien, die regelmäßig Dividendenausschüttungen auslösen, in der Regel den Auswahlkriterien für das Value Investing und sind damit besonders für eine langfristige Geldanlage geeignet. Anleger sollten jedoch immer prüfen, ob die Dividenden dauerhaft aus den Gewinnen und nicht aus der Substanz des Unternehmens gezahlt werden.

 

8. Aktienkauf ist reine Glückssache

 

Wer dieser Auffassung ist, sollte besser ein Casino besuchen. Alle erfolgreichen Börsenexperten haben ihre Gewinne einer durchdachten Strategie zu verdanken. Auch als Einsteiger sollten Sie einen tragfähigen Plan für Ihr Aktieninvestment entwickeln. Dabei kommt es entscheidend darauf an, den Erfolg dieser Strategie in regelmäßigen Abständen zu überprüfen, um gegebenenfalls rechtzeitig Korrekturen vornehmen zu können.

 

9. Häufige Umschichtungen des Depots erhöhen die Rendite

Wenn Sie oft Aktienkäufe und -verkäufe vornehmen, verbessern Sie mit großer Wahrscheinlichkeit nicht die Performance Ihres Depots. Stattdessen steigern Sie damit die Summe der dafür anfallenden Transaktionskosten, die sich direkt negativ auf die mit Aktien erzielbare Rendite auswirken. Deswegen ist von hektischem „Aktienhopping“ eher abzuraten.

 

10.  Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist von untergeordneter Bedeutung

Das Gegenteil ist der Fall: Diese Kennzahl, für die auch die Abkürzung KGV gebräuchlich ist, stellt einen der wichtigsten Indikatoren für Aktien dar. Ein aussichtsreiches Unternehmen mit niedrigem KGV ist tendenziell unterbewertet und kann eine lohnende Anlagechance darstellen. Umgekehrt ist vom Aktienkauf abzuraten, wenn Werte bereits ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis erreicht haben. In diesen Fällen sind in der Notierung der Aktien positive Zukunftserwartungen bereits eingepreist. Der Wert ist entsprechend teuer. Damit zeigt dieser Indikator an, dass unter Umständen kein geeigneter Einstiegszeitpunkt vorliegt. Um das KGV richtig einschätzen zu können, sollten Sie sich über deren langfristige Entwicklung informieren und einschlägige Analysen von Fachleuten studieren.

 

Fazit:

 

  • Irrtümer über Aktien gefährden den Anlageerfolg
  • Fehleinschätzungen zu vermeiden, hilft dabei, eine realistische und langfristige Anlagestrategie zu entwickeln sowie umzusetzen
  • Risikobegrenzung, zum Beispiel durch Stopp-Loss-Limits und Beachtung des KGVs spielt eine wichtige Rolle
  • Systematische Analysen, um geeignete Einstiegs- und Ausstiegszeitpunkte zu erkennen

 

Sind Sie schon diesen oder anderen Irrtümern beim Handel mit Aktien unterlegen? Diskutieren Sie gerne mit uns und anderen Usern.

Kommentare
von
am ‎04.09.2018 17:23
@Mariboso Was passiert? Nix. Ausser du verkaufst die Aktien.
von
am ‎06.02.2020 11:58

Hallo! Zu jedem Zeitpunkt sind bei Kauf und Verkauf von Aktien 50% der Marktteilnehmer der Meinung, dass der Wert fällt und 50% dass er steigt. Die Internationale Börse ist das radikaldemokatische Instument, dass ich kenne. Da niemand die Zukunft vorhersagen kann, kann niemand halbwegs zuverlässig sagen, wie sich eine Aktie oder sich der Markt insgesamt erntwickeln wird, es sei denn, er habe Insiderwissen, und das zu verwerten ist strafbar. Daraus folgt: Egal wie die Aktie steht, ob sie steigt oder fällt, der Preis ist zu jedem Zeitpunkt angemessen, niemals günstig, niemals teuer. Wenn hier empfohlen wird eine Aktie, die im Wert fällt, zu verkaufen, ist das daher irrational. (siehe auch Kahnemann - Nobelpreis Wirtschaft 2002). Ich lerne aber sehr gerna dazu. Dies auch der Grund für meinen Beitrag hier. Es sind soviele Menschen anderer Meinung als ich, dass ich einen Irrtum in Erwägung ziehen muss. Daher bitte ich um Argumente.(nicht um Meinungen, die habe ich selber :-))

von
am ‎14.05.2020 00:20

Ob es die Experten der Depotbanken, Anlageberater oder die Kundenbetreuer der Sparkassen sind, allen höre ich erst einmal zu, denn sie stellen oft den Makttrend oder aktuelle Strömungen dar. Ob dies durch wenige Persönlichkeiten propagiert wird, oder tatsächliche langfristige Entwicklungen wiederspiegelt, muss letztendlich jeder für sich entscheiden.

 

Die vorgenannten Irrtümer sind wohl so alt wie der Aktienmarkt selbst. Vor der Leeman-Krise wurden sie sogar von vielen Fachleuten ignoriert. Ich habe schon in den 1990´gern einen Crash persönlich beobachtet, in Frankfurt direkt auf dem Parkett im großen Saal. Das Verhalten der "Experten", die Panik und die Kopflosigkeit haben meine Ansicht über die Börse grundlegend geändert. In der heutigen Zeit sind es zusätzlich die Algorythmen der Server, für die man ein Verständnis entwickel muss.

 

Manchmal helfen dem privaten Entscheider aber genau die Fragen, die jeder Häuslebauer vor dem Abschluss von der Bank gestellt bekommt. Die Fragen sind zwar recht konservativ, aber effektiv. Im Fall der Leeman-Krise haben sie meine Entscheidungen nachhaltig beeinflusst.