Wissen

... statt vermuten

abbrechen
Suchergebnisse werden angezeigt für 
Stattdessen suchen nach 
Meintest du: 

Gestalten Sie ein Zertifikat mit uns – Woche 5: Größe des Hebels

29.11.2022 07:43

Sie haben abgestimmt – und die Mehrheit hat sich in der letzten Woche für einen klassischen Optionsschein entschieden, um auf langfristig leicht steigende Kurse der Allianz SE zu setzen.

 

Nun befinden wir uns auf der Zielgeraden: Nur die Größe des Hebels steht noch aus. Im Folgenden erfahren Sie, wie sich der Hebeleffekt berechnet und was bei der Wahl des Hebels wichtig ist. Am Schluss sowie gleich hier haben Sie die Möglichkeit, über die Größe des Hebels abzustimmen.

 

 

Sie lesen zum ersten Mal von der Aktion? In der Einführung. klären wir auf, was es damit auf sich hat. 

 

Wie berechnet sich der Hebel bei einem klassischen Optionsschein?

 

Unter den Hebelprodukten sind klassische Optionsscheine am schwierigsten zu rechnen. Der „einfache Hebel“ lässt sich zwar mittels des Kurses des Basiswerts, des Bezugsverhältnisses und des Preises des Optionsscheins schnell ermitteln. Dieser allein sagt allerdings so gut wie nichts aus. Aufgrund der Konstruktion kommt dieser nämlich oft nur teilweise zum Tragen.

 

Wie groß der Hebel tatsächlich ist, hängt vom Delta ab. Das Delta entspricht im Prinzip der Ausübungswahrscheinlichkeit. Diese ist umso größer, je weiter der Optionsschein „im Geld“ ist, und kann maximal den Wert 1 (oder -1 bei Puts) annehmen. Ist der Schein sehr weit aus dem Geld, geht das Delta gegen 0. Weiterhin spielen für das Delta die Restlaufzeit und die erwartete, implizite Volatilität des Basiswerts eine Rolle. Berechnen lässt es sich deshalb nur mithilfe des Black-Scholes-Modells.

 

Der tatsächliche Hebel eines Optionsscheins ist das Omega, das sich dann folgendermaßen berechnet:

 

Omega = einfacher Hebel × Delta

 

Aufgrund der komplizierten Berechnung des Deltas gibt es spezielle Optionsscheinrechner. Ein solcher ist beispielsweise in unseren Optionsscheinfinder integriert. Dieser zeigt Ihnen zu den aufgelisteten Scheinen das Delta und das Omega an.

 

Weil der Hebel eines Optionsscheins variabel ist, hat der Emittent nach der Emission keinen Einfluss mehr darauf. Ab da hängt es von der Kursentwicklung und der Volatilität des Basiswerts ab, wie sich der Hebel verändert.

 

 

Was Sie bei der Auswahl des Hebels unbedingt beachten sollten

 

Vor allem große Hebel verführen Einsteiger in die Welt der Hebelprodukte manchmal, sich auf dem Papier „reich zu rechnen“. Dabei gerät gern in Vergessenheit, dass der Hebel ebenso ungünstige Kursveränderungen des Basiswerts verstärkt. Und damit steigt das Risiko von Verlusten. Deshalb sollten Sie sich vor jedem Trade die Frage stellen: Was ist der maximale Verlust, den Sie hinnehmen können?

 

Prinzipiell sollte der mögliche Verlust bei einem einzelnen Hebelprodukt-Trade nur so groß sein, dass eine Reihe von Verlustgeschäften kein Problem darstellt. Denn selbst wenn eine Strategie grundsätzlich funktioniert und nach einer größeren Anzahl von Trades unterm Strich ein Plus herauskommt: Der Ausgang einzelner Geschäfte lässt sich nicht vorhersehen.

 

Spielen Sie darüber hinaus durch, was Sie machen, wenn das erwartete Kursszenario nicht eintritt: Haben Sie die Disziplin, das Hebelprodukt zu verkaufen, bevor es weiter an Wert verliert? Falls nicht, ist es besser, nur eine Summe zu investieren, deren Totalverlust sie leicht wegstecken können. Dies empfiehlt sich bei Knock-outs, die kurz vor dem K. o. sind, übrigens generell.

 

Sie haben die Wahl: Wie groß soll der Hebel sein?

 

Jetzt wissen Sie das Wichtigste über den Hebeleffekt und kennen das Risiko, das mit hohen Hebeln einhergeht. Wie fällt Ihre Entscheidung aus? Wählen Sie den bevorzugten Hebel:

 

 

Dies war der letzte Schritt auf dem Weg zum gemeinsam gestalteten Zertifikat. In der nächsten Woche ist es soweit: Wir präsentieren das neue Derivat und sagen Ihnen, wie und wo es sich handeln lässt.

 

 

 

 

KundenbeaueneinZertifikat_Blog Asset _1240x620.png

 

Zur Aktion: Gestalten Sie ein Zertifikat mit vielen anderen

 

Zertifikate und Hebelprodukte eröffnen interessante Möglichkeiten. Aber was, wenn Ihnen ein ganz spezielles Produkt vorschwebt – das es (noch) nicht gibt? Dann können Sie nun versuchen, es in Abstimmung mit anderen zu bauen!

 

Realität wird das durch eine  erstmalige Aktion in Kooperation mit BNP Paribas: „Kunden bauen ein Produkt“. Dabei haben Sie die Gelegenheit, gezielt Einfluss auf die Ausgestaltung eines verbrieften Derivats zu nehmen. Und wer noch nicht mit Knock-out-Zertifikaten & Co. gehandelt hat, erfährt dabei Wissenswertes über deren Funktionsweise.

 

Eine Premiere in Zusammenarbeit mit BNP Paribas

 

 

Zertifikate und Hebelprodukte eröffnen interessante Möglichkeiten. Aber was, wenn Ihnen ein ganz spezielles Produkt vorschwebt – das es (noch) nicht gibt? Dann können Sie nun versuchen, es in Abstimmung mit anderen zu bauen!

 

Realität wird das durch eine  erstmalige Aktion in Kooperation mit BNP Paribas: Dabei haben Sie die Gelegenheit, gezielt Einfluss auf die Ausgestaltung eines verbrieften Derivats zu nehmen. Und wer noch nicht mit Knock-out-Zertifikaten & Co. gehandelt hat, erfährt dabei Wissenswertes über deren Funktionsweise.

 

Die Idee, Derivate „nach Maß“ anfertigen zu lassen, ist nicht neu. Dieser Weg steht sonst jedoch nur bei vergleichsweise hohen Anlagesummen offen. Großanlegende machen von dieser Variante schon seit Langem Gebrauch. Und zwar immer dann, wenn sich eine Markterwartung nicht oder nur schwer mit existierenden Instrumenten umsetzen lässt. Um auf eine bestimmte Marktentwicklung zu spekulieren oder sich dagegen abzusichern, wenden sie sich an eine (Investment-)Bank. Diese legt ein entsprechendes Finanzinstrument nach den Vorstellungen der Kundschaft auf.

 

Wir ermöglichen nun erstmals etwas Ähnliches für Privatanlegende – und das ganz ohne eine Mindestsumme. Bei unserer neuen Aktion können Sie über die Merkmale eines neuen Finanzinstruments online abstimmen: Das fängt beim Basiswert an, geht über die erwartete Marktentwicklung und führt bis hin zur Größe des Hebels. Es werden jeweils zwei oder mehr Optionen zur Auswahl stehen. Auf unserem Blog stimmen Sie wöchentlich über jeweils ein Merkmal des Derivats ab – über einen Zeitraum von insgesamt fünf Wochen.

 

Dabei gilt: Die Mehrheit entscheidet. Am Ende steht ein fertiges Hebelprodukt, das wir zusammen mit der BNP Paribas auf den Markt bringen.

 

Das klingt interessant für Sie? Dann machen Sie mit!

 

 

Der Fahrplan für alle 5 Wochen

  • Woche 1 (02.11. – 07.11.)

    Wir starten! Sie haben die Auswahl unter verschiedenen Aktien als Basiswert für das neue Hebelprodukt.

  • Woche 2 (08.11. – 14.11.) 

    In der zweiten Woche widmen wir uns dem Anlagehorizont. Schwebt Ihnen kurzfristiges Trading vor oder haben Sie eine längere Perspektive?

  • Woche 3 (15.11. – 21.11.)
    Bulle oder Bär, steigende oder fallende Kurse? In dieser Woche dreht sich alles um die erwartete Marktentwicklung, auf die Sie setzen möchten.

  • Woche 4 (22.11. – 28.11.)
    Knock-out-Zertifikat, Faktor-Zertifikat oder klassischer Optionsschein? In der vierten Woche gilt es, über die Art des Hebelprodukts abzustimmen.

  • Woche 5 (29.11. – 05.12.)
    Moderater Hebel oder extrem spekulativ? Bestimmen Sie in der letzten Woche die Größe des Hebels – und damit die potenzielle Chance, aber auch das Risiko.

In jeder Woche erwartet Sie ein neuer Artikel auf unserem Blog, in dem Sie nützliche Informationen zum jeweiligen Thema finden. Dabei gehen wir beispielsweise darauf ein, welche Vorzüge und Nachteile ein Faktor-Zertifikat gegenüber einem Knock-out-Zertifikat hat – und auf vieles mehr. Es lohnt sich also, wöchentlich vorbeizuschauen.

 

Nach Ablauf der fünf Wochen stellen wir Ihnen das fertige Hebelprodukt mit sämtlichen Merkmalen vor. Außerdem erläutern wir, wie und wo es sich handeln lässt. Selbstverständlich steht Ihnen das Trading mit dem neuen Finanzinstrument auch offen, wenn Sie nicht bei den wöchentlichen Umfragen mitmachen. Voraussetzung ist lediglich die Termingeschäftsfähigkeit.

 

Sie möchten schon vorher mehr wissen? Dann sehen Sie sich doch unseren Artikel „Derivate verstehen: das Wichtigste für Einsteiger“ an.

 

 

 

 

Woche 1: Was ist der Basiswert bei einem Hebelprodukt?

Jedes Hebelprodukt bezieht sich auf einen bestimmten Basiswert. Basiswerte können beispielsweise Aktienindizes, Währungen oder einzelne Aktien sein. Die Kursveränderung des Instruments, etwa eines Faktor-Zertifikats, hängt somit wesentlich von der Kursveränderung des Basiswerts ab. Je nach Konstruktion bewegt sich das Zertifikat in die gleiche oder in die entgegengesetzte Richtung. Letzteres ermöglicht, von fallenden Kursen zu profitieren.

Die Kandidaten: Allianz, BASF, Tesla, Amazon

Bei unserer Kundschaft erfreuen sich unter anderem Derivate mit Aktien als Basiswerten großer Popularität. Deshalb haben wir uns entschieden, die Auswahl vorab auf vier bekannte und oft gehandelte Werte einzugrenzen: Allianz, BASF, Tesla sowie Amazon. Im Folgenden stellen wir Ihnen diese kurz vor und gehen auf interessante Aspekte ein.

 

  • Allianz – DAX-Schwergewicht des Finanzsektors
    Die Allianz SE (WKN 840400) ist mit einer Marktkapitalisierung von über 70 Milliarden Euro (Stand: 23.10.2022) der größte Finanzkonzern im DAX. Am bekanntesten ist das Unternehmen als Versicherungsdienstleister. Nicht ganz so bekannt ist, dass die Allianz auch einer der weltweit größten Vermögensverwalter ist. Für Finanzwerte allgemein gilt: Sie reagieren relativ sensibel auf Zinsänderungen. Allerdings so, dass sich steigende Zinsen häufig sogar positiv auswirken. Dieser Effekt ist aber nicht überzubewerten. Möglicherweise kommt er im Falle eines insgesamt negativen Umfelds gar nicht zum Tragen.

  • BASF – umsatzstärkster Chemiekonzern der Welt
    Mit einem Umsatz von über 80 Milliarden US-Dollar ist BASF (WKN BASF11) der größte Chemiekonzern der Welt. Das Unternehmen hat eine umfangreiche Palette an Produkten, die für zahlreiche Branchen von der Autobranche über die Pharmaindustrie bis zur Landwirtschaft unerlässlich sind. Dazu gehören technische Kunststoffe, veredelte Chemikalien und Pflanzenschutzmittel. Trotzdem ist die Chemiebranche traditionell zyklisch: Sie reagiert vergleichsweise stark auf Konjunkturschwankungen – anders als beispielsweise Konsumgüterhersteller.

  • Tesla – innovativer E-Autohersteller mit Tweet-Risiko
    Tesla (WKN A1CX3T) hat zwar eine Marktkapitalisierung von über 660 Milliarden US-Dollar (Stand 23.10.2022) und gehört damit zu den sogenannten Mega-Caps. Gleichzeitig gilt die Aktie des Herstellers von Elektroautos und Solarenergiesystemen als ausgesprochen spekulativ. Die historische Volatilität liegt auf Sicht von zwölf Monaten bei über 60 Prozent. Das bedeutet ein entsprechendes Risiko, das ein Hebelprodukt noch verstärkt – aber auch Chancen für kurzfristige Trader. Eine Unwägbarkeit bei Tesla ist CEO Elon Musk selbst: Er sorgte in der Vergangenheit mit seinen Twitter-Nachrichten wiederholt für starke Kursbewegungen.

  • Amazon – der Platzhirsch im Online-Versandhandel
    Angefangen hat alles mit Büchern, heute bietet Amazon (WKN 906866) ein gigantisches Sortiment, das den kompletten Konsumgüterbereich abdeckt. Ob Computer, Küchengeräte oder Sportartikel – es gibt eigentlich nichts, was das Unternehmen nicht anbietet. Auch der Streaming-Dienst Amazon Prime Video gehört dazu. Obwohl es sich primär um einen Versandhandel handelt, wird er von Marktbeobachtenden häufig bei den Technologiewerten einsortiert. Tatsächlich korreliert der Kursverlauf stark mit den bekannten Tech-Aktien aus dem NASDAQ 100. Ebenso typisch ist die hohe historische Volatilität von über 40 Prozent auf Jahressicht.

Sie haben sich entschieden: die Wahl fiel auf Allianz SE als Basiswert für das Zertifikat.

 

 

 

Woche 2 - Der Anlagehorizont allgemein und speziell bei Hebelprodukten

 

Der Anlagehorizont gibt die geplante Haltedauer einer Geldanlage an. Im normalen Börsenjargon ist bei mehr als zehn Jahren die Rede von langfristigen Anlagen. Als kurzfristig gelten solche, die Sie weniger als zwei Jahre im Depot haben. Und mittelfristig ist alles dazwischen.

 

Bei Hebelprodukten gelten jedoch andere Maßstäbe. Weil diese aufgrund ihrer Hebelwirkung die Kursänderungen des Basiswerts verstärken, fällt die Haltedauer typischerweise viel kürzer aus. Deshalb zählt hier bereits alles über einem Jahr zum langfristigen Anlagehorizont. Darunter gibt es weitere Abstufungen – bis zu einer sehr kurzfristigen Haltedauer von weniger als drei Monaten.

Der Anlagehorizont gibt zugleich an, wie lange die Restlaufzeit eines Hebelprodukts mindestens sein sollte. Übrigens haben nicht alle Instrumente eine bestimmte Restlaufzeit. Dazu gleich mehr.

 

Außerdem kann der Anlagehorizont auch deutlich kürzer als drei Monate sein. Das erweist sich beispielsweise bei Faktor-Zertifikaten als sinnvoll. Warum das so ist, erfahren Sie in einem der nächsten Blogbeiträge im Rahmen unserer Aktion.

 

Welche Hebelprodukte haben eine Restlaufzeit, welche nicht?

 

Bei den Hebelprodukten sind die drei populärsten Varianten Faktor-Zertifikate, Turbo-Zertifikate/Knock-out-Zertifikate sowie klassische Optionsscheine.

 

  • Faktor-Zertifikate laufen normalerweise endlos (Open End). Sie können jedoch vom Emittenten börsentäglich gekündigt werden. Anlegende erhalten dann den aktuellen Wert des Zertifikats ausgezahlt.

  • Turbo-Zertifikate/Knock-out-Zertifikate gibt es mit begrenzter Laufzeit und als Open-End-Varianten. Bei Letzteren gilt das Gleiche wie bei Faktor-Zertifikaten: Eine Kündigung und Erstattung des Werts durch den Emittenten ist möglich.

  • Klassische Optionsscheine gibt es dagegen nur mit einer festen Laufzeit. Doch warum? Das bedarf einer tiefergehenden Erläuterung, der wir uns im folgenden Abschnitt widmen.

Warum haben klassische Optionsscheine immer eine Restlaufzeit?

 

Warum in diesem Fall eine feste Laufzeit notwendig ist, lässt sich am Beispiel eines Call-/Kaufoptionsscheins auf eine Aktie beleuchten: Dieser berechtigt dazu, die Aktie (amerikanischer Typ) bis zu einem bestimmten Datum zum Basispreis zu kaufen. Dieses Recht würden Sie natürlich nur ausüben, wenn dies günstiger ist, als die Aktie direkt zu erwerben.

 

Die Gegenpartei hat dagegen keine Wahl. Sie muss liefern, wenn Sie Ihr Optionsrecht ausüben. Diese asymmetrische Risikoverteilung lässt sich die Gegenpartei vergüten – deshalb enthält die Optionsprämie einen sogenannten Zeitwert. Dieser Zeitwert nimmt mit der schwindenden Restlaufzeit ab, weil die Wahrscheinlichkeit für weitere Kursveränderungen der Aktie immer geringer wird. Am Verfallstag des Optionsscheins ist der Zeitwert also null. Damit sich der Zeitwert jedoch überhaupt bestimmen lässt, muss es ein Ablaufdatum geben.

 

Ebenso verhält es sich bei Put-/Verkaufsoptionsscheinen, bei denen die Gegenpartei zur Abnahme des Basiswerts verpflichtet ist. Bei Aktienindizes und Aktien ist keine Lieferung möglich. In diesem Fall erfolgt bei Ausübung ein Barausgleich, das Prinzip bleibt das Gleiche.

 

Übrigens: Die tatsächliche Gegenpartei bei einem Optionsschein ist nicht der Emittent. Dieser sichert die Derivate wiederum am Terminmarkt ab. Der Gewinn des Emittenten resultiert aus zwei Dingen: der Differenz zwischen An- und Verkaufspreisen der Optionsscheine sowie einem im Preis enthaltenen Aufgeld.

 

Die Entscheidung steht fest: Das Zertifikat mit dem Basiswert Allianz SE wird einen längerfristigen (über 1 Jahr) Anlagehorizont haben.

 

 

Woche 3: Long, short und weitere wichtige Begriffe bei Hebelprodukten

Mit Hebelprodukten lässt sich auf steigende wie auf fallende Kurse setzen. Long-Zertifikate entwickeln sich in dieselbe Richtung wie der Basiswert. Short-Zertifikate bewegen sich in die entgegengesetzte Richtung. Sprich: Das Zertifikat steigt im Wert, wenn der Kurs des Basiswerts fällt.

 

Manchmal heißen Long-Zertifikate auch Bull-Zertifikate. Wir erinnern uns: An der Börse steht der Bulle für steigende Kurse. Folgerichtig gibt es als Pendant Bear-Zertifikate, die nichts anderes als Short-Zertifikate sind. Bei klassischen Optionsscheinen sind traditionell andere Begriffe üblich. Käufer von Call-Optionsscheinen, auch bekannt als Kauf-Optionsscheine, hoffen auf steigende Kurse. Käufer von Put-Optionsscheinen erwarten einen fallenden Basiswert.

 

Die Feinheiten: Unterschiede von Short-Trades zu Long-Trades

 

Short-Trades und Short-Derivate haben in der Öffentlichkeit oft einen schlechten Ruf, weil damit Gewinne bei fallenden Kursen möglich sind. Tatsächlich erfüllen sie jedoch eine wichtige Funktion. Durch solche Trades können sich negative Einschätzungen von Anlegenden, die den Basiswert nicht besitzen, in den Preisen abbilden. Ansonsten müssten diese einfach an der Seitenlinie bleiben, sodass nicht alle Informationen in den Markt gelangen. Short-Handelnde können also ein sinnvolles Gegengewicht zu allzu optimistischen Marktteilnehmenden sein und dämpfend auf ungerechtfertigte Kursexzesse wirken.

 

Möchten Sie mit einem Short-Zertifikat oder Put-Optionsschein auf sinkende Aktienkurse setzen, ist das Timing allerdings noch wichtiger als bei Long-Trades. Das hängt mit dem allgemeinen Marktverhalten zusammen:

  • Die Aktienmärkte besitzen langfristige Aufwärtstendenz. Abschwungphasen sind oft heftig, aber auch vergleichsweise kurz. Rein statistisch ist es deshalb schwieriger, den richtigen Zeitpunkt zu treffen. Das gilt ebenso bei einzelnen Aktien, sofern diese nicht ausgesprochen schlecht performen – denn viele Werte korrelieren stark mit dem Gesamtmarkt.

  • Innerhalb von längeren Abwärtsbewegungen kommt es an den Aktienmärkten oft zu sogenannten Bärenmarkt-Rallys. Also kurzfristige Kurserholungen (Zwischenerholung) innerhalb einer längerfristigen Abwärtsbewegung. Diese Gegenbewegungen können extrem dynamisch ausfallen. Dies ist unangenehm, falls Sie gerade ein Short-Zertifikat mit hohem Hebel gekauft haben.

  • Ein möglichst guter Zeitpunkt für den Ausstieg ist bei profitablen Short-Trades schwieriger zu finden als bei Long-Trades. Trendwechsel nach oben erfolgen an den Aktienmärkten typischerweise schneller und überraschender als die umgekehrte Variante. Im Chart zeigt sich ein abrupter Richtungswechsel dann als V-Umkehr.

 

Das bedeutet umgekehrt aber nicht, dass Long-Trades mit Hebelprodukten leicht sind. Auch hier sind eine überlegte Strategie und das Timing wesentlich für den Erfolg.

 

In dieser Woche hat sich die Mehrheit für ein Long-Hebelprodukt entschieden, um auf langfristig leicht steigende Kurse der Allianz SE zu setzen. 

 

 

 

 

Woche 4: Faktor-Zertifikat, Knock-Out-Zertifikat oder Optionsschein

 

Im Folgenden gehen wir auf die Funktionsweise der einzelnen Instrumente und ihre wichtigsten Vorteile und Nachteile ein.

 

Möglichkeit 1: Faktor-Zertifikat

 

Ein Faktor-Zertifikat verstärkt die Bewegungen des Basiswerts um einen festgelegten Faktor. Beispiel Faktor-Long-Zertifikat mit dem Faktor 5: Steigt die Aktie, auf die sich das Papier bezieht, um 1 %, bewegt es sich um 5 % nach oben. Das Gleiche gilt natürlich auch bei einer ungünstigen Kursentwicklung.

 

Vorteil: Im Laufe eines Tages ist die Kursentwicklung relativ zum Basiswert genau nachvollziehbar. Denn der Hebel ist konstant und bezieht sich auf den Schlusskurs des Basiswerts am Vortag. Das macht Faktor-Zertifikate interessant für sehr kurzfristige Trades.

 

Nachteil: Bei einer Haltedauer von mehr als einem Tag kann der konstante Hebel zum Problem werden. Er führt dazu, dass vorteilhafte Kursentwicklungen des Basiswerts vorangegangene, identisch große, unvorteilhafte Kursentwicklungen nicht wettmachen.

 

Ein Beispiel:

  • Nehmen wir an, unser Long-Faktor-Zertifikat mit Faktor 5 kostet 100 Euro, die Aktie, auf die es sich bezieht, ebenfalls.

  • Am ersten Tag sinkt die Aktie um 5 % von 100 auf 95 Euro. Dadurch verliert das Faktor-Zertifikat um 25 % an Wert und landet bei 75 Euro.

  • Am zweiten Tag steigt die Aktie auf 100 Euro zurück. Dieser Anstieg von 95 Euro auf 100 Euro entspricht 5,26 %. Entsprechend bewegt sich das Faktor-Zertifikat um 26,3 % nach oben. Das bedeutet aber nur einen Anstieg von 75 Euro auf 94,74 Euro. Das Zertifikat steht also mehr als 5 Euro tiefer als am Anfang, obwohl der Basiswert wieder beim ursprünglichen Kurs ist.

Aufgrund dieser Pfadabhängigkeit können sogar Seitwärtsphasen zu deutlichen Verlusten führen. Bei starken Trends kann sie sich jedoch auch positiv auswirken: Läuft der Markt jeden Tag in die „richtige“ Richtung, legt ein Faktor-Zertifikat überproportional zu.

 

Möglichkeit 2: Knock-out-Zertifikat

 

Knock-out-Zertifikate verfügen über die namensgebende Knock-out-Schwelle. Berührt der Basiswert dieses Preislevel, verfällt das Zertifikat wertlos. Eine Ausnahme bilden Varianten mit vorgelagerter Stop-loss-Schwelle. Wird diese erreicht, verfallen solche Papiere ebenfalls vorzeitig, aber Sie bekommen in der Regel noch einen (geringen) Restwert. Der Wert des Zertifikats sowie der Hebel hängen vom Abstand des aktuellen Kurses des Basiswerts zum Basispreis des Knock-out-Zertifikats ab. Der Basispreis ist meistens identisch mit der Knock-out-Schwelle.

 

Vorteil: Anders als bei Faktor-Zertifikaten gibt es das Problem der Pfadabhängigkeit nicht. Dadurch sind Knock-out-Zertifikate bei einer längeren Haltedauer normalerweise die bessere Wahl.

Nachteil: Insbesondere bei geringem Abstand zwischen aktuellem Kurs des Basiswerts und der Knock-out-Schwelle ist das Risiko eines Totalverlusts hoch.

 

Möglichkeit 3: Klassischer Optionsschein

 

Der mögliche Gewinn ergibt sich durch eine Kursdifferenz zwischen dem Aktienkurs zu diesem Zeitpunkt und dem Basispreis abzüglich der Optionsprämie. Die Optionsprämie ist nichts anderes als der für den Optionsschein gezahlte Preis.

 

Während der Laufzeit besteht diese Optionsprämie aus einem sogenannten inneren Wert und einem Zeitwert. Einen inneren Wert hat der Schein allerdings nur, wenn er sich „im Geld“ befindet. Das heißt, wenn sich bei einem Kaufoptionsschein (Call) der Aktienkurs über dem Basispreis befindet beziehungsweise bei einem Verkaufsoptionsschein darunter. Der Zeitwert hängt primär davon ab, welche Kursveränderungen beim Basiswert bis zum Laufzeitende noch wahrscheinlich sind. Maßgeblich sind dafür zwei Faktoren: die Länge der Restlaufzeit und die erwartete Volatilität des Basiswerts.

 

Vorteil: Ein klassischer Optionsschein hat keine Knock-out-Schwelle. Dadurch gibt es kein Risiko eines vorzeitigen Verfalls. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Totalverlust am Laufzeitende ausgeschlossen ist.

Nachteil: Vor allem der Einfluss der Volatilität sorgt oft für Kopfzerbrechen. Dadurch kann es beispielsweise passieren, dass ein Call-Optionsschein im Wert fällt, obwohl der Basiswert steigt. Und zwar dann, wenn sich die Volatilität so stark reduziert, dass der Zeitwert stärker sinkt, als der innere Wert steigt. Wer mit Optionsscheinen handelt, sollte sich deshalb intensiv mit deren Preisbildung auseinandersetzen.

 

In dieser Woche hat ein klassischer Optionsschein das Rennen gemacht. In den Vorwochen viel die Wahl auf langfristig leicht steigende Kurse der Allianz SE.

12 Kommentare