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Zahnzusatzversicherung – Gesundheitspolice mit Biss?

von ‎09.03.2017 07:31 , bearbeitet ‎14.03.2017 13:35

15,3 Millionen Deutsche haben eine Zahnzusatzversicherung – Tendenz steigend. Lesen Sie, worauf Sie beim Vertragsabschluss achten sollten. 

 

Die Anzahl der privaten Zahnzusatzversicherungen in Deutschland hat sich zwischen 2005 und 2015 faktisch verdoppelt. Das hat einen triftigen Grund – seit Einführung des Gesundheitsreformgesetzes wurde die Kostenerstattung der gesetzlichen Krankenversicherung bei Zahnersatz deutlich begrenzt. Patienten, die regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchführen lassen, bekommen nur noch maximal 65 Prozent erstattet. Für Menschen ohne ein lückenlos gefülltes Bonusheft sieht es noch schlechter aus – für sie liegt der Zuschuss bei mageren 50 Prozent. Zudem zahlen Krankenkassen nur für die sogenannte Regelversorgung. Wer besondere Ansprüche und Wünsche an seinen neuen Zahnersatz hat, muss dafür tief in die eigene Tasche greifen.

 

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Was sollte eine private Zahnzusatzversicherung leisten?

 

Eine private Zahnzusatzversicherung kann in solchen Fällen Abhilfe schaffen. Sie deckt eben jene finanziellen Risiken ab, die nicht durch die gesetzliche Grundversorgung abgegolten sind. Welche zusätzlichen Leistungen eine Zahnzusatzpolice im Einzelfall bietet, hängt von mehreren Kriterien ab und lässt sich nicht allgemein formulieren. Versicherungen, die einen „All-inklusive“-Schutz für Prophylaxe, Kieferorthopädie, Zahnersatz und Zahnbehandlungen bieten, sind gemeinhin relativ kostspielig. Private Grundabsicherungen, die nur einen Teilbereich der zahnmedizinischen Möglichkeiten abdecken, sind entsprechend günstiger zu haben. Zwischen diesen beiden Varianten gibt es eine große Zahl verschiedener Leistungsmodelle, die von Anbieter zu Anbieter stark variieren können. Doch welche Vertragsinhalte sind eigentlich besonders empfehlenswert?

 

Grundsätzlich sollte die generelle Übernahme der Kosten eines Zahnersatzes versichert sein. Auch die keramische Verblendung von Brücken und Kronen ist aus kosmetischen Gesichtspunkten ein ratsamer Vertragsbestandteil. Wenn Versicherungsnehmer eine Police auswählen, die auch Implantate erstattet, sollte der zuvor eventuell notwendige Knochenaufbau mitversichert sein. Dieser kann nämlich nicht nur sehr zeitaufwendig, sondern auch kostenintensiv werden. Bei Policen für Kinder und Jugendliche bieten sich hingegen Versicherungen an, die kieferorthopädische Leistungen mit einbeziehen. Solche Verträge decken z. B. Kosten für Therapien bei Zahnfehlstellungen. Zusätzliche Absicherungen, wie etwa die Kostenübernahme für professionelle Zahnreinigungen, machen generell nur dann Sinn, wenn die eigene gesetzliche Krankenkasse die Rechnung dafür nicht ohnehin schon übernimmt oder bezuschusst.

 

Zahnzusatzversicherung – vor Abschluss Leistung und Prämie vergleichen

 

Bei der Auswahl einer passenden Zahnzusatzversicherung gibt es einige Fallstricke zu beachten. Zunächst ist es in den allermeisten Fällen nicht möglich, eine bereits laufende Behandlung abzusichern. Um dem gezielten Abschluss einer Police bei akuten Zahnproblemen entgegenzuwirken, haben viele Versicherungsunternehmen nämlich Karenzzeiten in ihren Verträgen festgelegt. Diese geben an, nach wie vielen Monaten Beitragszahlung entsprechende Versicherungsleistungen überhaupt erst in Anspruch genommen werden können. Auf dem Markt gibt es auch Verträge, bei denen in den ersten Versicherungsjahren die Vertragsleistung begrenzt ist (Zahnstaffel).

 

Weiterhin gilt zu beachten, dass die Prämien für eine Zahnzusatzversicherung sehr stark vom Alter des Versicherungsnehmers abhängig sind. Junge Kunden werden teils deutlich günstiger versichert als ältere Patienten. Das liegt u. a. daran, dass im Alter die Ausgaben für Zahngesundheit, Implantate und Kronen deutlich ansteigen. Manche Versicherungsanbieter bilden für diese Ausgaben in den ersten Jahren Beitragsrückstellungen und halten die Prämien auf diese Weise stabil, andere bitten ältere Versicherungsnehmer hingegen von Jahr zu Jahr mehr zur Kasse.

 

Für den Vergleich der am Markt befindlichen Tarife sollte also definitiv etwas Zeit eingeplant werden. Auch werbewirksame Versprechen müssen Versicherungsnehmer kritisch hinterfragen. Eine „100-prozentige Erstattung“ klingt zunächst gut, bezieht sich in vielen Fällen aber nur auf den Festzuschuss der gesetzlichen Kasse. In diesem Fall müssen Patienten bei Regelversorgung mit Metallkronen oder -brücken keine Zuzahlung leisten. Implantate wären aber nicht abgesichert, da diese nicht zur Regelversorgung gehören. Es lohnt sich also, vor Abschluss die Vertragsmodalitäten genauestens unter die Lupe zu nehmen.

 

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Wer braucht eine private Zahnzusatzversicherung?

 

Eine Zahnzusatzversicherung ist generell empfehlenswert, denn der Bedarf an zahnärztlichen Leistungen ist in Deutschland allgemein sehr hoch und wird aufgrund demografischer Entwicklungen voraussichtlich weiter zunehmen. Die Kassen übernehmen in der Regel nur noch Regelleistungen. Im Gegenzug werden die medizinischen Möglichkeiten beim Zahnersatz immer vielfältiger und leistungsstärker. Eine Zahnzusatzversicherung kann diese Diskrepanz deutlich eindämmen. Wer aber von Kindesbeinen an über ein gesundes Gebiss verfügt, kann im Zweifelsfall auf eine solche Versicherung verzichten. Alternativ ist es auch denkbar, selbst Geld für Zahnarztbehandlungen zur Seite zu legen. Wer einen angenommenen Mitgliedsbeitrag von 40 Euro pro Monat in Eigenregie spart, verschafft sich eine jährliche Rücklage in Höhe von 480 Euro.

 

Fazit:

 

  • Beliebteste Gesundheitspolice in Deutschland (Ende 2016: 15,3 Mio. Verträge)
  • Ohne Police nur gesetzliche Regelversorgung (maximal 65 Prozent Erstattung)
  • Leistung und Prämien sind von Angebot zu Angebot sehr unterschiedlich.
  • Oftmals keine oder geringe Leistung bei Vertragsbeginn (Zahnstaffel, Wartezeit)
  • Jüngere Menschen versichern sich häufig deutlich günstiger (oftmals steigende Beiträge im Alter).
  • Ein Tarifvergleich in Bezug auf Prämien und Leistungen lohnt sich.

 

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