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Wohin steuert die Eurozone – kommen japanische Verhältnisse?

Japan wird von Anlegern wenig beachtet. Aus volkswirtschaftlicher Sicht lohnt sich dennoch ein Blick auf das Land, das gerade einen gewaltigen finanz- und geldpolitischen Veränderungsprozess durchläuft. Dieser wurde notwendig, da die vergangenen zwei Jahrzehnte durch niedriges Wirtschaftswachstum, ausufernde Staatsverschuldung und Deflation geprägt waren.

 

Der Gegenpol unter den Industrienationen sind wohl die USA mit hohem Wirtschaftswachstum und angemessener Inflationsrate. Wohin bewegt sich aber aktuell die Eurozone?

 

USA EU Japan volkswirtschaftliche Entwicklung.jpg

Lautet das Zukunftsszenario für die EU Japan oder USA?

 

Diese Frage hat weitreichende Folgen für die Geldanlage. Einerseits besteht die Gefahr, dass japanische Verhältnisse Einzug in die Eurozone halten. Dies bedeutet, dass die niedrige Inflation zur Deflation wird. Das Wirtschaftswachstum würde über viele Jahre hinweg am Rande der Rezession verharren und gelegentlich dorthin zurückfallen. Das Zinsniveau könnte noch etwas weiter zurückgehen. Für die Aktienmärkte bedeutet dies, eine seitwärts oder sogar leicht abwärts gerichtete Tendenz.

 

Fazit: Im japanischen Szenario wären Anleihen den Aktien klar vorzuziehen.

 

Der optimistische Standpunkt besteht darin, dass die Eurozone wieder ein gutes Stück zu den USA aufschließt. Das wäre gleichbedeutend mit mehr Wirtschaftswachstum und steigender Inflation.

 

Fazit: In diesem Umfeld sind Aktien die Favoriten und Anleihen eher die Risikoposten.

 

Auf welche Faktoren muss man achten, damit man sich auf das richtige Szenario einstellt?

 

Es gibt drei maßgebliche Einflussgrößen, die neben dem demographischen Wandel für die aktuelle Situation in Japan verantwortlich sind. Premierminister Abe versucht nun gegen sie anzukämpfen.

 

  • Als wohl wichtigste Entwicklung ist die zu zögerliche Sanierung der Bankbilanzen zu nennen. Notleidende Kredite wurden tendenziell verlängert anstatt sie abzuschreiben. Auf diese Weise konnte das wahre Ausmaß der Probleme lange verschleiert werden. Der Preis dafür war unter anderem ein deutlich niedrigeres Wirtschaftswachstum.
  • An zweiter Stelle ist mangelnder Reformwille einer Reihe japanischer Regierungen zu nennen, die dafür sorgten, dass der Arbeitsmarkt unflexibel und die Unternehmen relativ abgeschottet gegenüber ausländischem Einfluss blieben.
  • An dritter Stelle kommt das zögerliche Handeln der Zentralbank bei der Deflationsbekämpfung.

Handlungsfelder für die Eurozone

 

Überträgt man die Punkte auf die Eurozone so ergeben sich zwei wichtige Handlungsfelder für die Politik in der Eurozone (Sanierung der Bilanzbanken und Reformen durch Regierung). Das dritte Feld (Deflationsbekämpfung durch die Zentralbank) bearbeitet die EZB bereits mit Elan. Zuletzt hat sie am vergangen Donnerstag ein umfangreiches Maßnahmenbündel vorgestellt, mit dem die deflationären Tendenzen bekämpft werden sollen.

 

Seit 2010 verschafft die EZB den Regierungen der Eurozone den größtmöglichen Handlungsspielraum, um die Haushalte zu sanieren und Strukturreformen in die Wege zu leiten. In den Pressekonferenzen und zuletzt auf der Tagung der Zentralbanken in Jackson Hole mahnte Mario Draghi diese Strukturreformen vehement an. Werden sie nicht entschlossen genug angegangen, läuft seine Geldpolitik ins Leere.

 

Durch stabile Rahmenbedingungen und eine unternehmensfreundliche Politik sollen die Regierungen die Rahmenbedingungen für mehr Investitionen und die steigende Kreditnachfrage schaffen, für die die EZB die Mittel bereitstellt. Einige Länder sind darin erfolgreich, so z.B. Spanien, Portugal und Irland. In Frankreich und Italien sind noch deutliche Defizite vorhanden. Bleibt der erste Punkt, die Sanierung der Bankbilanzen. Hier dürfte der Stresstest der EZB Ende Oktober mehr Klarheit bringen.

 

Damit er glaubwürdig ist, erwarten viele Beobachter, dass eine größere Anzahl von Banken in der Eurozone Kapitallücken aufweisen. Wenn sie geschlossen sind und auch weitere Unternehmen durch Konkurs entschuldet würden, wäre der Weg frei für wieder mehr Wirtschaftswachstum Die extrem niedrigen Zinsen dürften dennoch dafür sorgen, dass auch (zu) schwache Unternehmen überleben.

 

EU Entwicklungen.jpgWohin bewegt sich aktuell die Eurozone?

 

Der Weg, auf den sich die Eurozone befindet führt weg vom japanischen Szenario und hin zu einem optimistischeren Zukunftsszenario. Es liegt vor allem in der Hand der Politiker, ob sie ausreichend Ausdauer und Durchsetzungswillen mitbringen, um die Reformen weiter voranzubringen.

 

Auch wenn es in Frankreich und Italien eine Vielzahl von kleinen Schritten sein werden, anstatt dem „Big Bang“, sind wir weiter auf der Seite der Optimisten und positionieren uns auf dem Aktienmarkt. Im optimistischen Szenario haben die Unternehmen die Chance den Rückstand bei den Gewinnmargen gegenüber den Unternehmen in den USA zu verringern. Die Wirkung auf die Kurse sollte spürbar positiv sein.