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Wird Bauen 2018 wieder teurer?

von ‎15.05.2018 12:02 , bearbeitet ‎15.05.2018 12:02
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Seit zwei Jahren ziehen die Zinsen für Baugeld moderat an. Wie entwickeln sich die Bauzinsen 2018? Lesen Sie hier mehr. 

 

Welche Faktoren beeinflussen den Bauzins?

 

Die Gründe für die moderaten Zinsen bei der Immobilienfinanzierung sind vielfältig. Folgende Faktoren haben einen besonders großen Einfluss auf die Entwicklung der Zinsen beim Bau oder Kauf von Immobilien auf Kredit:

 

  • Bundesanleihen: Deutsche Staatsanleihen bilden den Basiswert für die Pfandbriefe, mit denen die Banken Immobiliendarlehen absichern. Aktuell ist die Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen ungebrochen hoch, was zu niedrigen Zinsen und Renditen führt. Entsprechend gering fällt die Verzinsung der Pfandbriefe aus. Diese günstigen Konditionen können Banken an ihre Kunden weitergeben
  • EZB: Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank beeinflusst die Zinsen für die Immobilienfinanzierung nur indirekt. Insbesondere der Leitzins hat keinen großen Einfluss. Allerdings kauft die EZB im Rahmen des Anleihekaufprogramms auch deutsche Staatsanleihen auf. Enden die Käufe der Zentralbank wie geplant im September 2018, könnten die Zinsen für eine Immobilienfinanzierung anziehen. Denn eine sinkende Nachfrage nach Staatsanleihen hat steigende Zinsen zur Folge. Dann verteuern sich auch Pfandbriefe und die Banken können die günstigen Konditionen nicht halten
  • Fed: Das Vorgehen der US-amerikanischen Notenbank Fed beeinflusst ebenfalls die Höhe der Bauzinsen in Deutschland. Leitzinserhöhungen in den USA locken Anleger, die Ihr Kapital bisher in niedrig verzinste, aber sichere Bundesanleihen und Pfandbriefe gesteckt haben. Deshalb führen positive Entwicklungen in den USA zu einem Abzug von Kapital aus Deutschland und Europa. Die Nachfrage nach Bundesanleihen und Pfandbriefen sinkt, die Zinsen für die Immobilienfinanzierung steigen

 Baukosten 2018.jpg

 

Die Prognose für die Zinsentwicklung bei Baudarlehen 2018

 

Die bisherigen Entwicklungen lassen einen moderaten Zinsanstieg bei Darlehen zur Baufinanzierung mit einer mittelfristigen Zinsbindung von 5 bis 10 Jahren erwarten. Wahrscheinlich bewegen sich die Zinsen bis in den Spätsommer eher seitlich und schwankend mit einer leichten Tendenz nach oben. Erst im Herbst, mit dem Ende des EZB-Kaufprogramms für Anleihen, ist mit deutlicheren Zinssteigerungen zu rechnen, die im Vergleich zur Vergangenheit allerdings kaum als hoch zu bezeichnen sind. Von den Zinssätzen von rund 5 Prozent während der Finanzkrise oder gar von circa 9 Prozent in den 1990er-Jahren für Annuitätendarlehen mit mittellanger Zinsbindung bleibt der Markt weit entfernt.

 

Das folgende Rechenbeispiel zeigt, wie sich ein Zinsanstieg auf die Immobilienfinanzierung auswirkt. Angenommen wird eine Darlehenssumme in Höhe von 150.000 Euro bei 10-jähriger Zinsbindung und einer anfänglichen Tilgung in Höhe von 3 Prozent.

 

Zinssatz

1,6 %

2,1 %

Höhe der monatlichen Rate

575 Euro

638 Euro

Restschuld am Ende der Zinsbindung

101.235 Euro

99.975 Euro

Summe der gezahlten Zinsen

20.235 Euro

26.475 Euro

 

Die Tabelle zeigt, dass ein moderater Zinsanstieg die Immobilienfinanzierung zwar verteuert, aber nicht unmöglich macht.

 

Weitere Einflussfaktoren auf die Preise für Bauen und Kaufen

 

Auch ohne steigende Zinsen zeigt sich deutlich: Das Bauen oder Kaufen von Immobilien wird auch im Jahr 2018 teurer. Denn die starke Nachfrage nach Bestandsimmobilien und Grundstücken lässt in vielen Regionen die Preise steigen. Der Markt für Baugrund ist traditionell klein, aktuell erscheint er in einigen Gemeinden geradezu leer gefegt. Zudem steigen die Kosten für Baustoffe, da der Bedarf der privaten, gewerblichen und öffentlichen Bauherren weiter wächst. Aktuell bestehen z. B. Versorgungsengpässe bei Sand, da der Rohstoffabbau mit der steigenden Nachfrage nicht mithalten kann. Handwerksbetriebe verzeichnen eine sehr gute Auftragslage. Manche Unternehmen müssen sogar Aufträge ablehnen. Dazu steigen die Löhne in der Baubranche und im Handwerk. Allein diese Punkte lassen die Kosten für den Bau oder den Kauf von Immobilien deutlich steigen. Zusammen mit einer moderaten Zinssteigerung bei der Baufinanzierung können sich so die Preise für den Bau oder Kauf von Immobilien in einigen stark nachgefragten Regionen deutlich verteuern.

 

Fazit:

 

  • Bis zum Herbst sind nur leicht steigende Zinsen bei der Baufinanzierung zu erwarten
  • Mit Auslaufen des Anleihekaufprogramms der EZB könnten die Zinsen für Baugeld anziehen
  • Aktuell verteuern die Zinsen den Bau oder Kauf von Immobilien kaum. Belastungen entstehen eher durch die steigenden Kauf- und Baukosten. Grundstücke und Immobilienpreise steigen aufgrund der wachsenden Nachfrage. Baustoffe und Dienstleistungen verteuern sich ebenfalls

 

Wie schätzen Sie die Entwicklung der Zinsen in der Immobilienfinanzierung ein? Teilen Sie Ihre Erfahrungen und Erwartungen mit uns und unseren Lesern und diskutieren Sie mit uns.