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Wenn Pressemitteilungen Kurse beeinflussen

Pressemitteilungen können Aktienkurse hochjagen oder in den Keller schicken. Erfahren Sie hier wichtige Anhaltspunkte für Ihre Einschätzung.

 

Was beeinflusst den Kursverlauf einer Aktie normalerweise? In erster Linie bestimmen Angebot und Nachfrage den Aktienkurs. Beide Faktoren werden hauptsächlich von unternehmensbezogenen Daten beeinflusst. Sie liefern Hinweise auf die künftige Entwicklung eines Unternehmens. In zweiter Instanz zählen Leitzinsen, konjunkturelles Umfeld und Branchen News.

 

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Zu den unternehmensbezogenen Faktoren gehören:

 

  • Umsatz und Gewinn
  • das Management
  • Konkurrenz

 

Die Nachfrage nach einer Aktie steigt, wenn das Unternehmen gute Chancen hat, zu wachsen und höhere Gewinne zu erzielen. In diesem Fall wird die Aktie meistens gekauft und der Aktienkurs steigt. Deutet die Pressemeldung auf verschlechterte Perspektiven hin, werden die Aktien verkauft und der Kurs fällt.

 

Wann reagiert die Börse nicht auf Nachrichten?

 

Jedoch kann es an der Börse auch vorkommen, dass der Aktienkurs auf eine Pressemeldung nicht reagiert. Typisches Beispiel hierfür ist der Quartalsbericht eines Unternehmens.

 

Liegt er im Rahmen der Analystenschätzungen, reagiert der Aktienkurs oftmals kaum. Die Börse hat ihn bereits vor dessen Erscheinen in den Aktienkurs eingepreist (eskomptiert). Bei einem erwartet guten Ergebnisbericht ist der Aktienkurs schon gestiegen. Im Fall gesunkener Umsätze oder Gewinne ist der Aktienkurs bereits gefallen. Die Pressemeldung hat sich in beiden Fällen als non-event entpuppt.

Liegen die Quartalsergebnisse überraschend weit unter den Erwartungen, fallen die Aktien meistens weiter. Börsianer erwartet, dass Analysten diese Aktien auf „Verkaufen“ herabstufen. Sie verkaufen, um den Folgen der Herabstufung zu entgehen. Im umgekehrten Fall steigt der Aktienkurs weiter, weil der Markt die Hochstufung der Aktie auf „Kaufen“ erwartet.

 

Welche Pressemeldungen beeinflussen den Aktienkurs wirklich?


Es gibt tatsächlich Nachrichten, bei denen der Aktienkurs in der Vergangenheit nahezu immer reagiert hat.

 

News über neue Produkte

 

Beispiel:

Im September 2014 präsentierte Apple eine neue iPhone-Generation und seine erste Apple Watch. Offensichtlich stießen die vollmundig als innovativ angekündigten neuen Produkte am Tag der Präsentation nur auf verhaltene Begeisterung der Investoren. Die Apple-Aktie schoss bei einem Eröffnungskurs von 99,08 Dollar auf ein Tageshoch bei 103,08 Dollar hoch. Anschließend fiel sie wie ein Stein auf 96,14 Dollar und schloss bei 97,99 Dollar. In den folgenden drei Tagen bewegte sich der Apple-Kurs nach oben.

 

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Wettbewerber treten in Erscheinung

 

Beispiel:

Im Mai 2018 kündigte Facebook die Einführung einer eigenen Online-Partnervermittlung an. In den USA haben etwa 27 Prozent der Smartphone-Besitzer eine Dating-App installiert. Diese Pressemeldung schlug der Konkurrenz heftig auf den Magen. Die Aktie von Match Group, dem Anbieter der Dating-Apps Tinder und OkCupid stürzte zwischenzeitlich um 22 Prozent auf 36,71 Dollar ab. Die Facebook-Aktie reagierte verhalten positiv.

 

Fußballspiele und sportliche Ereignisse

 

Beispiel:
Neben den Ergebnissen eines Fußballspiels wirken sich auch Erwartungen und Spielort auf Fußball-Aktien aus. Zu diesem Ergebnis kamen Wirtschaftswissenschaftler der TU München in einer Untersuchung am Beispiel der BVB-Aktie. Sie verglichen die Kursänderungen der Borussia Dortmund-Aktie nach sechs Spielzeiten der Borussia mit den entsprechenden Tageswerten des Gesamtmarktes. Am ersten Handelstag nach einem Sieg stieg der Börsenkurs der BVB-Aktie um durchschnittlich 1,31 Prozentpunkte, während Niederlagen zu einem Minus von 2,83 Prozent führten. Ein Unentschieden sorgte für einen negativen Effekt von durchschnittlich 1,78 Prozent. Die Ergebnisse der TU-Wissenschaftler bestätigten sich auch bei den Aktien im Stoxx Europe Football Index. Da der Index auch weniger liquide Fußball-Aktien enthält, fielen die Kursausschläge etwas schwächer aus.

 

News bzw. „Fake-News“

 

Beispiel:
Am Sonntag hatte Elon Musk in einem Aprilscherz auf Twitter Tesla für „völlig bankrott“ erklärt. Trotz eines Massenverkaufs von Ostereiern und anderer „großer Anstrengungen“ fehle ihm immer noch Geld, um den Bankrott des Autobauers abzuwenden. Die Investoren verstehen keinen Spaß. Die Tesla-Aktie setzte ihren Anfang März eingeleiteten Abwärtstrend fort. Durch den missglückten Aprilscherz wurden Kursschwankungen der Tesla-Aktie provoziert. News und Fake-News können Aktienkurse also beeinflussen. In diesem Fall stieg die Aktie nach kurzen Schwankungen wieder. Die Bedeutung von Nachrichten und Mitteilungen rund um ein Unternehmen sollte dennoch nicht unterschätzt werden. Der Aktienkurs von Tesla konnte sich seither wieder etwas erholen.


So verhalten Sie sich bei einer Pressemeldung

 

Bei Pressemeldungen zählt die Reaktionen der Börsianer mehr als der Inhalt. Daher beobachten erfahrene Trader erst die Reaktionen und reagieren dann entsprechend.

Bei Aktien aus dem DAX oder MDAX-Index lassen sich Kursverluste unter Umständen je nach Risikotoleranz aussitzen. Wenn sich die Fundamentaldaten des Unternehmens nicht gravierend verändert haben, kehrt der Aktienkurs in seinen ursprünglichen Trend zurück.

Doch sollten Sie Ihre Risiken bei Small Caps oder sehr volatilen Aktien begrenzen. Legen Sie eine Stop-Loss-Order für die betreffende Aktie in den Markt. Die Aktie wird automatisch verkauft, wenn der Aktienkurs den Stop-Loss-Kurs berührt. Steigt der Kurs ohne das Limit anzutasten, wird Ihre Aktie nicht verkauft. Ziehen Sie Ihre Stop-Loss-Order nach, um auch diese Kursgewinne zu sichern. Grundsätzlich sollte das Limit nicht zu nah am aktuellen Kurs liegen. Geht es in einer ersten Reaktion mit dem Aktienkurs nach unten, könnte die Verkaufsorder zu schnell ausgelöst werden.

 

Fazit:

 

  • Angebot und Nachfrage beeinflussen normalerweise den Aktienkurs
  • Pressemeldungen können den Aktienkurs beeinflussen, müssen es aber nicht
  • Bei Blue-Chips-Aktien lassen sich Kursverluste unter Umständen aussitzen
  • Bei volatilen und Aktien mit geringer Marktkapitalisierung lässt sich das Verlustrisiko am besten mit einer Stop-Loss-Order begrenzen

 

Welche Erfahrungen haben Sie mit Pressemitteilungen und Auswirkungen an den Börsen gemacht? Teilen Sie uns gern Ihre Meinung mit.