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Was kosten Olympische Spiele?

Bereits die Bewerbung, Austragungsort für Olympische Spiele sein zu dürfen, verschlingt zweistellige Millionenbeträge. Was kostet dann erst die Veranstaltung selbst?

Lesen Sie hier, warum es für Länder und Städte so wichtig ist, einmal Olympische Spiele auszutragen und aufgrund welcher Parameter ein Standort den Zuschlag bekommt, wer dafür verantwortlich ist, wer letztendlich die Kosten trägt und von den Olympischen Spielen profitiert.

 

Das größte Sportfest der Welt – mehr als eine Kostenfrage

 

Am 5. August 2016 beginnen die XXXI. Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro, der über sechs Millionen Einwohner zählenden, brasilianischen Metropole. In 28 Disziplinen und 306 Wettbewerben werden rund 10.000 Sportlerinnen und Sportler aus 206 Nationen in der fünftgrößten Stadt der Welt gegeneinander antreten. Die Olympischen Spiele sind das größte und traditionsreichste Sportfest der Welt.

 

Seit den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit im Jahr 1896 in Athen wechselt der Ort regelmäßig und viele Städte und Länder möchten den Zuschlag bekommen. Die Austragung von Olympischen Spielen ist mehr als nur eine Frage der Kosten: Städte oder Regionen stehen während der Spiele im Mittelpunkt der Welt und erhalten dadurch ein enormes Renommee. Dieses lassen sie sich etwas kosten, und zwar rund 10 bis 15 Milliarden Euro für Olympische Sommer- und Winterspiele.

 

Die bisher teuersten Olympischen Spiele waren die Winterspiele von Sotschi 2014. Rund 40 Milliarden Euro sollen die russischen Spiele verschlungen haben. Dies war unter anderem der Tatsache geschuldet, dass Sotschi keine klassische Wintersportregion ist. Die Spiel- und Wettkampfstätten mussten deshalb alle neu erbaut werden. Zudem wurde Schnee in den weit entfernten Bergregionen abgetragen, für viel Geld eingelagert und dann erst zu den Spielen auf Pisten und Loipen verteilt. Selbstverständlich wollte sich Russland auch als moderner und erstklassiger Gastgeber präsentieren: Aus diesem Grund wurde am Olympia Park nicht nur das Athletendorf neu errichtet. Zahlreiche Häuser und Gebäudekomplexe in der Stadt sind entweder vollständig renoviert oder abgerissen und dann neu errichtet worden. Diese Maßnahmen haben die Kosten für die Olympischen Spiele von Sotschi so enorm steigen lassen.

 

Wer keine Kosten und Mühen scheut – das olympische Bewerbungsverfahren

 

Eine Stadt, die das Bewerbungsverfahren um die Austragung von Olympischen Spielen erfolgreich besteht, erfüllt bereits eine olympische Leistung. Nur wer im Vorfeld keine Kosten und Mühen scheut, hat überhaupt eine Chance. Politiker vieler Nationen muten ihrem Land und ihrer Stadt selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten große finanzielle Anstrengungen zu, um ihre Stadt Olympiastadt nennen zu dürfen.

 

Die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro 2016 sind ein typisches Beispiel dafür, denn die Olympiade findet in einem Land statt, das sich die hohen Kosten eigentlich nicht leisten kann. Die Spiele von Rio werden daher als Sparolympiade in die Geschichte eingehen. Aber mit gutem Grund, denn nicht nur für Rio ist es vorteilhaft, wenn der Planungs-Gigantismus großer Sportveranstaltungen zurückgeht. Zukünftig könnten dann auch Bewerber den Zuschlag für das sportliche Großereignis bekommen, die ein wesentlich kleineres Budget haben. Bei den Olympischen Spielen würde dann wieder mehr der Sport in den Mittelpunkt rücken und die gigantischen Ausgaben für Präsentation, modernste Spielstätten und teure Bewerbungen könnten etwas in den Hintergrund treten.

 

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By Breogan67, CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

 

Was geschieht, wenn die Bevölkerung über die Frage einer Olympiabewerbung entscheidet und nicht mehr bereit ist, Steuergelder für derartige Image-Projekte auszugeben, bewiesen die Bürgerbefragungen in Hamburg und München, denn in beiden Städten verzichteten die Bürger darauf, sportliches Zentrum der Welt zu werden. Die Bewerbung für die Olympischen Spiele in London 2012 hatte 38 Millionen Euro verschlungen. Die Kosten für die erfolgreiche Bewerbung Rio de Janeiros sind nicht bekannt, da eine genaue Abrechnung der Kosten erst nach den Spielen erfolgen soll.

 

Kosten und Nutzen von Olympischen Spielen

 

Die Kosten für Olympische Spiele verteilen sich auf

 

  • Bewerbungskosten
  • Organisationskosten
  • sportliche Infrastrukturkosten
  • allgemeine Infrastrukturmaßnahmen.

 

Für all diese Faktoren fielen bei den Olympischen Spielen von 2012 in London Gesamtkosten in Höhe von rund 13,5 Milliarden Euro an.  Ein großer Teil dieser Kosten, rund 2,9 Milliarden Euro, kam der Organisation zu. Die Verbesserung der allgemeinen Infrastruktur und des Nahverkehrs verschlang 3,2 Milliarden Euro und die Errichtung der Sportstätten, des olympischen Dorfs und des Olympiaparks schlugen mit insgesamt 3,9 Milliarden Euro zu Buche.

 

Einen Teil der Kosten tragen staatliche Stellen, einen anderen die Sponsoren. Dennoch ist der größte Teil durch die Steuerzahler aufzubringen. Die Kosten für die Olympiade in Rio de Janeiro sollen niedriger ausfallen. Etwa zwölf Milliarden Dollar wurden ursprünglich geschätzt. Umgerechnet in Euro sollen es nun sogar nicht einmal mehr zehn Milliarden sein. Für Brasilien sind diese Zahlen dennoch katastrophal, denn in der Landeswährung Real haben sich die Kosten von rund 36 Milliarden auf etwa 39 Milliarden erhöht. Der schwache Wechselkurs stellt nicht nur die Zahlen falsch dar, sondern erhöht die Belastung zusätzlich.

 

Neben Sportstätten, die nach den Spielen örtlichen Sportvereinen und nationalen Verbänden weiterhin zur Verfügung stehen, profitieren die Austragungsorte insbesondere von den Verbesserungen der allgemeinen Infrastruktur und des Nahverkehrs. Auch der Imagegewinn ist nicht zu unterschätzen, denn Olympiastädte sind beliebte Touristenziele. Ein großer Teil der Kosten zieht somit schwer zu bewertende positive Effekte für den Austragungsort nach sich. Bereits jetzt sind 90 Prozent der Fremdenzimmer in Rio und der Umgebung der Stadt ausgebucht. Die Tourismusindustrie profitiert also deutlich von einer Olympiade.

 

Doch in keiner anderen Stadt wie dem ersten Austragungsort einer Olympiade in Südamerika war bisher der Verdacht größer, dass die Bewohner am wenigsten profitieren. Viele Anwohner wurden umgesiedelt und ganze Häusergruppen mussten weichen – sie haben nach Ansicht der zuständigen Funktionäre nicht in das Stadtbild von Rio gepasst. Hinzu kommt, dass viele Gebäudekomplexe aufwendig saniert wurden. Dies macht optisch zwar einen guten Eindruck, doch die Mieten der Anwohner werden nach den Spielen von Rio deutlich ansteigen. Zahlreiche Bewohner können sich die Kosten dann nicht mehr leisten. Wohl einzig die stark verbesserte Infrastruktur wird einigen Einwohnern zu Gute kommen. 

 

Wie denken Sie über die Kosten von Olympischen Spielen? Diskutieren Sie gerne mit uns darüber und teilen Sie und Ihre Meinung mit.

 

Fazit:

 

  • Die Kosten für die Organisation und Durchführung eine Olympiade bewegen sich im zweistelligen Milliardenbereich.
  • Bereits die Olympiabewerbung verschlingt zweistellige Millionenbeträge.
  • Rund die Hälfte der Olympiakosten trägt zur Verbesserung der Infrastruktur bei.
  • Der Imagegewinn für olympische Austragungsorte ist nur schwer zu beziffern, sollte aber nicht unterschätzt werden.

 

 

2 Kommentare

Neu hier!

Ich finde das mehr als bedenklich was die Spiele kosten, denn der Gigantismus ist kaum mehr zu überbieten. Das IOC verdient sich wie die FIFA und UEFA bei Großveranstaltungen eine Goldene Nase! Die Funktionäre bedienen sich und die Sportler gehen weitestgehend leer aus, obwohl sie die Hauptprotagonisten sind. Die gigantischen Sportstätten werden später kaum mehr benutzt und verfallen.


Regelmäßiger Besucher
Ein gigantischer Medienzirkus, womit ein zusätzlicher Profiteur sich auftut. Neben einer dünnen Elite von Funktionären und Spitzenathleten (die Masse der Athleten geht leer aus, ohne Aussicht auf 6- und 7-stellige Sponsorenverträge und wird allenfalls mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben aufgrund des nicht zu verantwortenden Übertrainings) sowie regionalen Baulöwen und kurz auch der Tourismusindustrie können zu den Hauptgewinnern die Medien gerechnet werden. Selbstverständlich sind wir alle ungefragt über unseren staatlichen Zwangsrundfunkt mit entsprechenden Summen dabei, wobei wir häufig nicht einmal erfahren, wie viele hundert Millionen die Übertragsrechte denn gekostet haben. Ähnlich dem Profifussball, für den die Staatlichen mittlerweile wohl etwa eine Milliarde Euro pro Jahr ausgeben. Ob 36 oder 39 Milliarden Euro, was hätte in Rio mit diesem Geld an Umweltinfrakstruktur (Kläranlagen, geregelte Abwasserversorgung Fehlanzeige, - eine Drecksschande!), sozialem Wohnungsbau und regionaler Verkehrsplanung alles erreicht werden können! München und Hamburg machen Mut, die Bürger fressen nicht mehr ohne Murren alles, was der Lobbyklüngel unter sich lässt.