Blog

Twitter & Co können Aktienkurse beeinflussen

von ‎12.05.2015 10:00 , bearbeitet ‎09.02.2016 13:57
1 Like

Immer wieder wird über die Macht der sozialen Medien in unserem Alltag spekuliert. Schon lange ist Unternehmen bekannt, dass Twitter, Facebook oder YouTube großen Einfluss auf Kaufentscheidungen der Kunden haben können. Und auch das Image kann über Social-Media binnen kürzester Zeit positiv beeinflusst, aber auch durchaus zerstört werden. Neu ist jedoch: Twitter & Co haben ebenfalls Einfluss auf die Entwicklung von Aktienkursen.

 

Die Firma Colt Technology Services hat im letzten Jahr eine Umfrage durchgeführt, deren Ergebnis den sozialen Medien eine neue Bedeutung gegeben hat: Die öffentlichen Meinungsäußerungen auf sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook können Auswirkungen auf den Verlauf von Aktienkursen haben.

 

Twitter und Co.

 

Einzelne Aktienbewertungen werden von Twitter & Co beeinflusst

 

Das Unternehmen fand heraus: 63 Prozent der Teilnehmer der Studie sind überzeugt, dass sich öffentliche Äußerungen und Posts in den Netzwerken auf die Bewertung der Aktien auswirken.

Zum Hintergrund: Die Studienteilnehmer setzten sich zum einen aus Börsenmaklern und zum anderen aus Führungskräften von Unternehmen im Wertpapierhandel zusammen. Es waren also Branchenkenner, die hier ihre Meinung mitteilten.

Fast 50 Prozent der Teilnehmer gehen davon aus, dass es einen nachgeordneten Einfluss auf die öffentliche Stimmungslage gibt. Und sogar 7 Prozent messen den sozialen Netzwerken eine größere Rolle zu: Sie nutzen diese nämlich als Frühindikator für die Entwicklung von Aktienkursen.

 

Social-Media als neues Arbeitsinstrument von Hedgefonds und Handelshäusern

 

Diese Annahme hat auch einen Einfluss auf die Arbeit von Hedgefonds und Handelshäusern. Sie nutzen Social-Media für ihre Zwecke, indem sie die Medien-Daten sichten und Statusmeldungen sowie Tweets nach verschiedenen Stimmungsbildern kategorisieren. Algorithmen oder Strategien aus dem Hochfrequenzhandel ermöglichen es ihnen somit, ihre Handelsaufträge zu optimieren und sich gegenüber Händlern, die mit traditionellen Mitteln arbeiten, Margenvorsprünge zu verschaffen. Social-Media hat sich damit also zu einem wichtigen Instrument für die Arbeit an der Börse entwickelt.

Die Entwicklungen bewertet Dr. Jürgen Hernichel, Vorstandsmitglied bei Colt, in einer offiziellen Pressemeldung folgendermaßen: „In einem Markt, in dem Liquidität zählt, Investoren jedoch vorsichtig agieren, sind neue Möglichkeiten zur Sicherung eines Wettbewerbsvorsprungs immer willkommen. Um aber Social-Media und Data Mining in die Handelsstrategien einfließen lassen zu können, kommt es vor allem auf eine schnelle Verarbeitung der aus Millionen von Statusmeldungen gewonnenen Informationen an.“ 

thumbnail.png

 Zu große Datenflut

 

Und genau deswegen sinken die Statusmeldungen auch wieder etwas in ihrer Bedeutung. Denn die Verarbeitungs- und Reaktionsgeschwindigkeit ist ein von den Marktteilnehmern geäußerter kritischer Faktor für die Alltagstauglichkeit des Sentiment-basierten Börsenhandels. Obwohl es eine deutliche Verbindung zwischen dem Aktienkurs und der weltweiten Stimmungslage gibt, ist es fast unmöglich, sich innerhalb kürzester Zeit ein schlüssiges Bild aus den Statusmeldungen zu machen. Außerdem bedarf es nicht nur der Erkenntnis, sondern auch einer Reaktion. Man kann die Statusmeldungen nur als Indikator sehen. Panisch zu handeln, ist weniger ratsam.

Um die Informationen aus dem Social-Media-Bereich sinnvoll verarbeiten zu können, bedarf es umfangreicher IT-Systeme. Nur so ließen sich sinnvolle Strategien aus den Tweets und Postings ableiten.

 

Dennoch: Beziehen Sie Social-Media als Randinformation mit ein

 

Auch wenn sich aus den Statusmeldungen im Social-Media-Bereich nicht gleich eine Anlagestrategie ableiten lässt, können Anleger die Medien nutzen, um mit einem weiteren Puzzleteil das Gesamtbild eines Unternehmen zu vervollständigen.

Denn: Die sozialen Netzwerke geben Ihnen auf eine sehr direkte und ehrliche Weise wieder, wie Kunden zu dem Unternehmen stehen, ob Konkurrenzunternehmen bevorzugt werden und wie zufrieden Kunden mit neuen Produkten sind. Dieses Wissen können Anleger nutzen. Ein sehr gutes Beispiel ist Apple. Immer wieder finden sich Posts auf Facebook wie: „Welchen Laptop würdet ihr mir empfehlen? Apple oder doch einen anderen Anbieter?“ Ähnlich ist es, wenn ein neues iPhone auf den Markt kommt. Schauen Sie in dieser Zeit mal nach, wie viele in Ihrem Netzwerk ein altes Smartphone zum privaten Verkauf anbieten.

 

Social Media beeinflusst Aktienkurse

 

Diese Kennzahlen sind wichtig

 

Neben den Kundenmeinungen gibt es klare Kennzahlen, die wichtig sind, wenn Sie sich für oder gegen ein Investment entscheiden möchten. Diese Kennzahlen sollten Sie unter anderem über ein Unternehmen einholen:

 

  1. Gewinn: Der Gewinn oder auch Jahresüberschuss ist das, was übrig bleibt, wenn man die Aufwendungen eines Jahres von den Erträgen desselben Jahres abzieht. Er ist das Ergebnis der Gewinn- und Verlustrechnung.
  2. Operativer Cashflow: Der operative Cashflow macht eine Aussage darüber, wie erfolgreich ein Unternehmen zu einer beliebigen Zeit mit seinem operativen Geschäft war. Er gibt Auskunft über die finanziellen Mittel, die das Unternehmen mit der laufenden Geschäftstätigkeit tatsächlich erwirtschaftet hat. Sie erfahren so, ob das Geschäftsmodell funktioniert.
  3. Eigenkapitalquote: Die Eigenkapitalquote drückt aus, wie hoch der Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital einer Aktiengesellschaft ist. Sie wird in Prozent angegeben. Je höher der Prozentsatz liegt, desto weniger verschuldet ist die AG.
  4. Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV): Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist die gängigste Bewertungskennzahl für Aktien. Das KGV zeigt Anlegern, mit welchem Vielfachen des Gewinns ein Unternehmen an der Börse bewertet wird.

 

Fazit

 

Nutzen Sie Twitter, Facebook & Co nur als Ergänzung, um sich über Aktien zu informieren. So interessant diese neue Möglichkeiten sind, so riskant sind sie auch – wenigstens in Isolation betrachtet. Die klassischen Kennzahlen sind hier immer noch erste Wahl.

 

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

 

  • Nicht nur Kaufentscheidungen werden durch Twitter & Co beeinflusst. Auch einzelne Aktienbewertungen können abhängig von den Tweets und Statusmeldungen gemacht werden.
  • Hedgefonds und Handelshäuser werten die Daten in den sozialen Medien aus und kategorisieren die Stimmungsbilder. Social-Media wird also Arbeitsinstrument für Börsianer.
  • Die Flut an Daten macht eine Auswertung insgesamt aber noch schwierig.
  • Anleger können sich über soziale Medien weitere Anhaltspunkte zu einem Unternehmen einholen. Prinzipiell gibt es aber wichtigere Bewertungskennzahlen bei der Aktienauswahl.