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Traden auf dem Smartphone – so mobil sind Anleger

Immer mehr Investoren wickeln Wertpapierkäufe- und -verkäufe über ihr Smartphone ab. Vor allem junge Anleger nutzen diesen Weg verstärkt. Sind sie auch bei der Aktienauswahl tech-lastiger? Beeinflusst der Handelsweg die Performance? Eine Untersuchung anonymisierter Kundendaten der Consorsbank gibt Aufschluss.

 

Am 9. Januar 2007 stellte der damalige Apple-Chef Steve Jobs das erste iPhone vor – der Startschuss für eine Kommunikationsrevolution. Kaum eine Technologie hat binnen so weniger Jahre eine so weite Verbreitung gefunden wie das Smartphone. Ein Alltag ohne die allgegenwärtigen Alleskönner ist kaum noch vorstellbar. In der Altersgruppe der 20- bis 39-Jährigen nutzten im Jahr 2020 bereits 98 Prozent ein multifunktionales und internetfähiges Mobiltelefon, zeigt die Verbrauchs- und Medienanalyse VuMA.

 

Auch bei der Geldanlage spielt der mobile Zugang zum Depot eine immer größere Rolle. Rund ein Viertel aller Kunden der Consorsbank nutzte im Jahr 2020 für die Abwicklung von Wertpapiertrades in mindestens 2/3 der Fälle die Consorsbank-App. 15 Prozent waren sogar ausschließlich auf dem Smartphone oder Tablet aktiv. Weitere rund 15 Prozent griffen zumindest gelegentlich zu diesen Geräten für Käufe und Verkäufe von Aktien, ETFs & Co. Das Trading über mobile Kanäle hat damit einen ordentlichen Sprung gemacht. 2020 kletterte der Anteil der Nutzer, die überwiegend oder ausschließlich zur App griffen, im Vorjahresvergleich um mehr als 50 Prozent.

 

 

Anteil der Trading-Kunden nach Nutzung mobiler / stationärer Endgeräte

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Basis: Consorsbank-Kunden mit mindestens einem Wertpapiertrade im Jahr 2020

Definition: überwiegend App bzw. Browser = App- bzw. Browser-Nutzung bei 2/3 oder mehr der ausgeführten Trades; App und Browser = weniger als 2/3 der Trades wurden jeweils via App bzw. Browser ausgeführt

 

 

Die Affinität zum mobilen Traden ist vor allem in der jüngeren Generation besonders ausgeprägt. Mit 25 Prozent findet man den größten Anteil an Kunden, die 2020 ausschließlich über die App Wertpapiere handelten, in der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen. Weitere etwa 13 Prozent handelten überwiegend via App.

 

 

Anteil der Trading-Kunden nach Nutzung mobiler / stationärer Endgeräte

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Basis: Consorsbank-Kunden mit mindestens einem Wertpapiertrade im Jahr 2020

Definition: überwiegend App bzw. Browser = App- bzw. Browser-Nutzung bei 2/3 oder mehr der ausgeführten Trades; App und Browser = weniger als 2/3 der Trades wurden jeweils via App bzw. Browser ausgeführt

 

 

 

Der Anteil des mobilen Handels verändert sich nicht nur mit dem Alter, er hängt auch von der Zahl der im Jahr getätigten Käufe  und Verkäufe ab. Wer nur 1 bis 12 Trades im Jahr macht, wickelt diese zu gut zwei Dritteln ausschließlich über den Browser am Laptop oder PC ab. Werden indes mehr als 100 Trades getätigt, schrumpft dieser Anteil auf nur rund 46 Prozent. Eine mögliche Erklärung: Anleger, die laufend die Märkte beobachten und entsprechend öfter reagieren und handeln, variieren entsprechend auch öfter die Nutzung abhängig von der Situation. Sie traden mal zuhause, mal von unterwegs, oder mal bewusst und intensiver vor dem Rechner oder mal schnell am Handy oder Tablet. Entsprechend ausgewogener ist die Nutzung der Zugangswege. Wer indes stärker eine „buy and hold“ Strategie verfolgt und nur wenig Orders aufgibt, der macht dies vermutlich in der Tendenz in der immer gleichen Situation – zum Beispiel einmal im Monat abends auf dem Sofa via Smartphone oder den Laptop.

Besonders smartphone-affin sind übrigens die Anleger im Norden Deutschlands. So ist in Hamburg der Anteil der Kunden, die überwiegend oder ausschließlich via App Wertpapiere handeln, um 2,5 Prozentpunkte höher als im Bundesdurchschnitt. Dahinter folgen Niedersachsen und Bremen. In Sachsen am Ende der Rangliste sind es etwas mehr als zwei Prozentpunkte weniger als im Mittel. Insgesamt sind die Unterschiede aber nur gering.

 

 

Anteil Trading-Kunden, die überwiegend / nur per App traden (Abweichung vom Mittelwert)

 

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Basis: Consorsbank-Kunden mit mindestens einem Wertpapiertrade im Jahr 2020

Definition: überwiegend App bzw. Browser = App- bzw. Browser-Nutzung bei 2/3 oder mehr der ausgeführten Trades; App und Browser = weniger als 2/3 der Trades wurden jeweils via App bzw. Browser ausgeführt

 

 

 

Frauen sind unterrepräsentiert

Auffällig dagegen sind die Unterschiede zwischen Männern und Frauen beim mobilen Trading. Die weiblichen Kunden greifen deutlich seltener zum Smartphone oder Tablet, um Orders aufzugeben, als ihre männlichen Pendants. Während etwa in den Altersgruppen der 18- bis 24-Jährigen und der 25- bis 34-Jährigen bei den Männern der Anteil der ausschließlich und überwiegend die App nutzenden Kunden bei rund 40 Prozent liegt, beträgt dieser bei den Frauen nur 24 bzw. 29 Prozent. Sie fühlen sich offenbar mit der Orderaufgabe über den Browser deutlich wohler. Lediglich bei den älteren Kundinnen ab 75 Jahren zeigt sich eine leicht höhere Affinität zum App-Trading als bei den Männern im gleichen Alter. Auch hier ist aber der Browser für mehr als 85 Prozent der Kundschaft der ausschließlich genutzte Handelsweg.

 

 

Anteil der Trading-Kunden nach Nutzung mobiler / stationärer Endgeräte*

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Basis: Consorsbank-Kunden mit mindestens einem Wertpapiertrade im Jahr 2020

Definition: überwiegend App bzw. Browser = App- bzw. Browser-Nutzung bei 2/3 oder mehr der ausgeführten Trades; App und Browser = weniger als 2/3 der Trades wurden jeweils via App bzw. Browser ausgeführt

* Angabe in %

 

 

App-Trader investieren techlastiger

Betrachtet man die Orderwege bezogen auf unterschiedliche Wertpapiergattungen, zeigt sich, dass beim Aktienhandel der Anteil der Kunden am größten ist, die ausschließlich und überwiegend via App traden. Auf Rang zwei folgen ETFs vor gemanagten Fonds. Die Rangreihe ist wenig überraschend, erfolgen doch Anlagen in ETF und Fonds in der Tendenz mit einem zeitlich längeren Horizont, während Aktien öfter ge- und verkauft werden und somit der kurzfristige Trade über die App auf dem Smartphone öfter in Betracht kommt.

Wird viel gehandelt oder geht es um größere Summen bei einem Trade, scheint das Vertrauen in den Browser am PC indes deutlich größer zu sein als ins Handydisplay. Denn liegt der Anteil der Kunden, die zumindest gelegentlich zur App greift beim Aktienhandel bei etwas mehr als 41 Prozent, entfallen von allen Trades nur rund 29 Prozent auf diesen Kanal. Legt man das Handelsvolumen zugrunde, macht der Handel via App sogar nur ein Viertel der Summe aus.

 

 

 

Aktienhandel nach Nutzung mobiler / stationärer Endgeräte Anteil Trades

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Basis: Consorsbank-Kunden mit mindestens einem Wertpapiertrade im Jahr 2020

Definition: überwiegend App bzw. Browser = App- bzw. Browser-Nutzung bei 2/3 oder mehr der ausgeführten Trades; App und Browser = weniger als 2/3 der Trades wurden jeweils via App bzw. Browser ausgeführt

 

 

Eine interessante Beobachtung: Kunden, die ausschließlich via Browser handeln, tendieren mehr zu konservativen Werten, während App-Nutzer spekulativer agieren und stärker auf Technologiewerte setzen. Das wird besonders deutlich, wenn man das gehandelte Volumen für die Rangreihung der beliebtesten Aktien beider Gruppen zu Grunde legt. Die App-Trader investierten hier im vergangenen Jahr spürbar techlastiger als die Browser-Trader. Bei den Browser-Tradern etwa tauchen BASF und SAP in den Top 10 auf, die bei den App-Nutzern mit Rang 14 und 15 deutlich weiter hinten rangieren. Umgekehrt sieht das Bild für Microsoft und Ballard Power (Brennstoffzellentechnologie) aus. Sie kamen bei den App-Anwendern unter die Top-10, blieben bei den Browser-Anwendern mit Platz 15 und 18 jedoch deutlich zurück.

 

 

Top-10 gehandelter Aktien nach Tradeanzahl

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Basis: Consorsbank-Kunden mit mindestens einem Wertpapiertrade im Jahr 2020

 

 

 

Top-10 gehandelter Aktien nach Volumen

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Basis: Consorsbank-Kunden mit mindestens einem Wertpapiertrade im Jahr 2020

 

 

Hybride Trader waren erfolgreicher

Zeigen sich auch Unterschiede bei der Wertentwicklung der Depots in Abhängigkeit vom vorwiegend genutzten Kanal beim Traden? Die Antwort lautet: Ja, zumindest im Jahr 2020. Hier verbuchten Anleger, die ausschließlich über die App oder den Browser Wertpapiere handelten, einen deutlich geringeren Wertzuwachs als Kunden, die beide Zugangswege nutzen. Eine mögliche Interpretation dieser Beobachtung: Anleger, die ihr Smartphone für den Wertpapierhandel nutzen, neigen dazu, ein höheres Risiko bei der Geldanlage einzugehen. Das zeigen Untersuchungen von Wissenschaftlern u.a. von der Goethe Universität Frankfurt (Studie „Smart(Phone) Investing?“). Zudem ist der Aktienhandel via App ausgeprägter als der Handel mit Fonds und ETF und somit das Geschehen volatiler. In den sehr unruhigen Zeiten an der Börse im vergangenen Jahr haben die App-Trader möglicherweise zu forsch agiert und sich etwas verspekuliert. Bei den Kunden, die ausschließlich am Laptop oder Desktop-PC getradet haben, war möglicherweise das Timing das Problem, dass sie nicht flexibel genug auf das Geschehen am Markt reagieren konnten. Anleger, die einen Mix von mobilem und stationärem Endgerät nutzten, gelang das offenbar besser. Wohl dem, der eine Bank hat, die beide Zugangswege anbietet.

 

 

Wertzuwachs in den Depots nach Nutzung mobiler / stationärer Endgeräte

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* Um Depotzugänge und -äbgänge bereinigt

Basis: Consorsbank-Kunden mit mindestens einem Wertpapiertrade im Jahr 2020

Definition: überwiegend App bzw. Browser = App- bzw. Browser-Nutzung bei 2/3 oder mehr der ausgeführten Trades; App und Browser = weniger als 2/3 der Trades wurden jeweils via App bzw. Browser ausgeführt

 

 

Schon die App installiert?

Mit der Consorsbank-App haben Kunden auch von unterwegs bequem Zugriff aufs Depot und können schnell reagieren, wenn sich die Märkte bewegen und Wertpapiere kaufen und verkaufen. Eine Übersicht über alle Funktionen und Features sowie die jüngsten Neuerungen und die Links zum Apple Store und zu Google Play finden sich auf dieser Übersichtseite.

 

 

Fazit:

  • Das Smartphone wird für Wertpapiertrades immer beliebter.
  • Vor allem junge Kunden handeln über diese Zugangsweg zum Depot. Frauen nutzen ihn jedoch deutlich weniger als Männer.
  • Wer viel über die App auf dem Handy handelt, der tendiert bei der Aktienauswahl stärker zu Techwerten als Anleger, die über ihren Laptop oder PC traden.
  • 2020 waren hybride Anleger, die Smartphone und Laptop bzw. PC gleichermaßen fürs Trading nutzen, deutlich erfolgreicher als Anleger, die nur auf einen der beiden Handelswege setzten.
  • Die komplette Studie kann hier heruntergeladen werden
1 Kommentar

Aufsteiger
Bin bei CortalConsors ständig am Einloggen (am Smartphone und Computer) - manchmal 50 mal und mehr am Tag. Eine Zumutung, wenn man mit den aktuellen Kursen von Wertpapieren auf dem Laufenden sein und zudem noch handeln will. Gut gemeint ist das Gegenteil von gut!