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Snapchat – so will Evan Spiegel das Geschäft beleben

Die wirtschaftliche Entwicklung und der Aktienkurs von Snapchat enttäuschen bisher. Eine neue Geschäftsstrategie soll die Trendwende bringen.

 

Der Messenger-Dienst Snapchat macht es möglich, Fotos und andere Mitteilungen so zu verschicken, dass sie der Empfänger nur für wenige Augenblicke betrachten kann. Danach erfolgt die automatische Löschung der Botschaften. Aus diesem Grund können Nutzer spontan kommunizieren, ohne sich Gedanken über den weiteren Verbleib ihrer Mitteilungen innerhalb eines sozialen Mediums machen zu müssen.

 

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Das im Jahr 2011 in Kalifornien gegründete Unternehmen erlebte einen rasanten Aufschwung und eine schnell wachsende Userzahl. Seriösen Schätzungen zufolge nutzen täglich mehr als einhundert Millionen Menschen weltweit diesen Service – damit erreicht Snapchat sogar höhere Benutzerzahlen als Facebook.

 

Der zunächst erfolgreiche Börsengang

 

Im Februar 2017 brachten die bisherigen Eigentümer unter der Leitung des Snapchat-Gründers Evan Spiegel ihre Anteile an die Börse. Erstaunlicherweise waren Anleger bereit, in ein Unternehmen zu investieren, das über eine halbe Milliarde Dollar Verluste machte und auch für die nächsten Jahre keine Gewinne erwartete. Außerdem mussten die Aktionäre hinnehmen, dass sie als Anteilseigner keine Stimmrechte genießen. Dafür verlangten die Emittenten einen Ausgabepreis von 17 Dollar je Aktie. Insgesamt wurden 200 Millionen Snapchat-Aktien verkauft. Der Börsengang entwickelte sich zunächst als voller Erfolg, der erste Kurs wurde bei einem Wert von 24 Dollar festgestellt, um kurz danach auf bis zu 26 Dollar zu steigen. Zum Ende des ersten Handelstages lagen die Notierungen bei immerhin noch 24,50 Dollar. In den ersten zwei Tagen nach dem Börsenstart erreichte die Snapchat-Aktie sogar Spitzenwerte von über 29 Dollar.

 

Doch einige Analysten warnten bereits zu diesem frühen Zeitpunkt, dass die Snapchat-Aktien überbewertet seien, ihrer Einschätzung nach wäre ein langfristiges Kursziel von nur zehn Dollar realistisch. Insgesamt brachte der Börsengang von Snapchat den stolzen Wert von 3,5 Milliarden Dollar hervor. Die anfängliche Euphorie, von der die Aktien des Mitteilungsdienstes getragen wurden, erklärte sich nicht zuletzt aus der positiven Stimmung, die zum damaligen Zeitpunkt allgemein am amerikanischen Aktienmarkt herrschte. Die Anleger erwarteten, dass der neue US-Präsident Donald Trump und seine unternehmerfreundliche Politik zu einer massiven Belebung der Wirtschaft führen würden.

 

Die weitere Entwicklung – leider enttäuschend

 

Die Pessimisten, die sinkende Kurse von Snapchat Aktien voraussagten, sollten Recht behalten. Sie wurden nicht müde, auf die äußerst unbefriedigende Gewinnsituation des Börsenneulings hinzuweisen: Während für 2015 ein Verlust in Höhe von 373 Millionen Dollar zu verzeichnen war, summierte sich dieser für das Jahr 2016 bereits auf 515 Millionen Dollar. Da die Nutzung des Mitteilungsdienstes von Snapchat kostenlos ist, beschränken sich die Erträge der Aktiengesellschaft ausschließlich auf Werbeeinnahmen. Das Geschäftsmodell von Snapchat konkurriert somit direkt mit den amerikanischen Internet-Giganten Google und Facebook. Als sich im Verlauf des Jahres 2017 dann auch noch abzeichnete, dass Snapchat seine Ergebnis- und Umsatzziele deutlich verfehlen würde, verloren auch wohlwollende Beobachter die Geduld.

 

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Kampf der sozialen Netzwerke: Facebook hat es auf Snapchat abgesehen

 

Zu den größten Risiken, die den Erfolg von Snapchat gefährden, gehört die Strategie von Facebook, den unliebsamen Wettbewerber mit allen Mitteln zu bekämpfen. Nachdem der Facebook-Chef Mark Zuckerberg mit seinem Vorhaben gescheitert war, Snapchat zu kaufen, führt er einen erbitterten Kampf gegen seinen Erzrivalen. So kopierte Facebook erfolgreich wesentliche Leistungsmerkmale von Snapchat bei seinem Fotodienst Instagram. Selbst die Analysten von Morgan Stanley, also des Bankhauses, das den Börsengang von Snapchat organisierte, ließen zwischenzeitlich verlauten, dass sie sich in Bezug auf die Erfolgsaussichten von Snapchat getäuscht haben.

Die Aktie verlor daraufhin schnell an Wert: Bereits im August 2017 notierte sie bei Kursen, die nur knapp über 10 Dollar lagen. Seit dieser Zeit dümpelt der Aktienkurs von Snapchat vor sich hin und konnte die 15 Dollar-Marke bislang nicht wieder überschreiten.

 

Die neue Strategie von Snapchat

 

Nachdem sich auch die Kamerabrille „Snap Spectacles“ als wirtschaftlicher Flop entpuppt hatte, musste die Führung des Börsenneulings dringend ihr Geschäftskonzept ändern, um neue Perspektiven zu eröffnen. Der Gründer und CEO von Snapchat, Evan Spiegel, gab Ende des Jahres 2017 bekannt, die App in Bezug auf ihre Bedienbarkeit zu optimieren. Insbesondere älteren Verbrauchern fiel es bislang schwer, Fotos und andere Inhalte mit Snapchat zu versenden oder zu empfangen. Mit der Gewinnung von Nutzern im fortgeschrittenen Lebensalter hofft Snapchat, seine wirtschaftliche Situation nachhaltig verbessern zu können. Allerdings besteht die Gefahr, dass der Messenger-Dienst dadurch an Attraktivität bei jungen Leuten verliert. Auch deswegen erscheint es eher zweifelhaft, dass Snapchat auf diese Weise seine Nutzer- und Ergebniszahlen deutlich steigern kann.

 

Fazit:

 

  • Die Entwicklung der Snapchat-Aktie ist bisher negativ
  • Experten sehen auch die neue Strategie von Snapchat eher kritisch

 

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