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SPACs – das steckt hinter dem Boom der neuen Anlage

Aufmerksamen Beobachtern der Finanzmärkte kommt das Kürzel „SPAC“ in letzter Zeit häufiger unter. Doch was verbirgt sich hinter diesem Begriff?

 

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In Zeiten von Null- oder extremen Niedrigzinsen ist viel Liquidität auf der Suche nach renditestarken Möglichkeiten der Geldanlage. Dies führte in der Vergangenheit beispielsweise zu einem Run auf Neuemissionen – ebenfalls bekannt als IPOs, Initial Public Offerings. Auch in der jüngsten Hausse macht eine Anlagemöglichkeit mit einem kryptischen Kürzel von sich reden: die sogenannten SPACs. Im Folgenden verraten wir Ihnen, was es damit auf sich hat.

 

Was sind SPACs?

SPAC steht für „Special Purpose Acquisition Company“. Es handelt sich um Firmenmäntel, die einzig für die spätere Akquisition eines anderen Unternehmens gegründet werden. Bei den potenziellen Übernahmekandidaten handelt es sich üblicherweise um noch nicht an der Börse vertretene Firmen. Das Kapital für dieses Vorhaben erhält ein SPAC im Zuge eines Börsengangs, bei dem er Geld von Investoren einsammelt. In diesem Hinblick ähnelt das Ganze einer normalen Neuemission.

 

Jedoch steht bei einem SPAC zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest, worin tatsächlich investiert wird. In der Regel besteht nur eine Vorgabe bezüglich Branche und Größe infrage kommender Übernahmekandidaten. Die letztendliche Auswahl übernimmt das Management des SPACs. Allerdings haben die Aktionäre ein Mitspracherecht. Vor der endgültigen Übernahme ist deren Zustimmung auf der Hauptversammlung notwendig. Lehnen diese ab, erfolgt die Auflösung des SPACs und die Rückzahlung des eingesammelten Kapitals. Das Gleiche geschieht, falls es zu keiner Übernahme in einem vorher festgelegten Zeitrahmen, beispielsweise 24 Monate, kommt.

 

Die Vorteile von SPACs gegenüber IPOs für Börsenkandidaten

Sich von einem SPAC übernehmen zu lassen, stellt insbesondere für Start-ups eine interessante Möglichkeit dar, an die Börse zu kommen. Die ansonsten vorhandenen Hürden für einen Börsengang fallen weg, weil der SPAC bereits börsennotiert ist. Das schlägt sich auch in einer schnellen Abwicklung nieder, die es ermöglicht, ein positives Marktumfeld rechtzeitig zu nutzen. Kein Wunder, dass in den USA Börsengänge über die „Abkürzung“ eines SPACs einen Höhenflug erleben. Das zeigen die Zahlen aus dem „Top of Mind“-Report vom 28. Januar 2021 von Goldman Sachs: 2020 erfolgten 50 Prozent aller Börsengänge in den Vereinigten Staaten über SPACs.


Großen Chancen bei SPACs stehen hohe Risiken gegenüber

Investoren in einen SPAC können im wahrsten Sinne das große Los ziehen – wenn es gelingt, ein aufstrebendes Unternehmen zu akquirieren. Interessant hierbei für private Anlegende: Anders als bei normalen Neuemissionen konkurrieren Sie bei SPACs in der Regel nicht mit institutionellen Anlegern um eine Zuteilung. So fällt es leichter, Anteile zu ergattern.

 

Doch SPACs stehen auch in der Kritik. Um einem Missbrauch vorzubeugen, muss das eingesammelte Geld der Investoren in einen SPAC zwar auf einem Treuhandkonto eingezahlt werden. Dies schließt aber andere Risiken nicht aus.

Der wichtigste Aspekt: Ob sich die die Investition letztendlich auszahlt, steht und fällt mit der Qualität des akquirierten Unternehmens. Das Management besitzt quasi einen Blankoscheck, einen geeigneten Kandidaten zu finden und diesen zu beurteilen. Ein mögliches Problem stellt hier der Anreiz dar, vor Fristablauf noch schnell eine Akquisition abzuwickeln. In diesem Fall erhalten die Gründenden des SPACs nämlich einen Anteil von 20 Prozent der Aktien.

 

Ein kompetentes Management – unerlässlich für den Erfolg

Ein besonderes Augenmerk bei der Anlage in einen SPAC verdient deshalb das Know-how der Führung. Darauf deutet auch eine Untersuchung von McKinsey zum Erfolg von SPACs seit 2015 hin.

Während die Performance im Bereich der Führung insgesamt durchwachsen war, konnten nach der Studie solche SPACs überzeugen, deren Führungspersonal über eine „C-Suite“-Erfahrung verfügte, also beispielsweise in der Vergangenheit als CEO (Chief Executive Officer) oder CFO (Chief Financial Officer) tätig war.

 

Folgerichtig stehen bei diversen geplanten SPAC-Börsengängen bekannte Namen im Hintergrund. Dazu gehört beispielsweise der ehemalige CEO der Credit Suisse, Tidjane Thiam. Sein Ziel: ein aussichtsreiches Unternehmen aus der Finanzbranche zu übernehmen. Und der ehemalige Siemens-Vorstand Klaus Kleinfeld sammelte mit seinem SPAC bereits 300 Millionen Dollar ein, wie Bloomberg berichtete.

 

Reines Glücksspiel oder eine sinnvolle Beimischung in einem breit aufgestellten Portfolio – wie schätzen Sie SPACs ein? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar!

 

Fazit:

  • SPACs sind quasi Blankoscheck-Investments, bei denen Anlegende die sprichwörtliche Katze im Sack kaufen.
  • Entsprechend hoch sind die Risiken – auf der anderen Seite winken hohe Renditen im Erfolgsfall.
  • In der Vergangenheit war ein Zusammenhang zwischen dem Know-how des Führungspersonals und der Rendite von SPACs zu beobachten.