Blog

Rebalancing – was verbirgt sich hinter der Anlagestrategie?

von ‎14.08.2018 10:16 , bearbeitet ‎14.08.2018 10:24

Lesen Sie hier, wie Sie Rebalancing zum Risikomanagement nutzen können und welche Vor- und Nachteile damit verbunden sind.

 

Anleger können aus einer Vielzahl von Anlagestrategien wählen. Fakt ist, dass eine langfristige Geldanlage auch immer einer Strategie folgen sollte. Die Strategie der Diversifikation sieht dabei vor, durch die Investition in mehrere Anlageformen eine solide Verteilung von Chancen und Risiken zu erreichen. Rebalancing ist eine Strategie, die eng mit der Diversifikation verbunden ist. Denn durch unterschiedliche Wertentwicklungen der jeweiligen Positionen kann sich die Anlagestruktur verändern. Wer die ursprünglich gewählte Gewichtung der einzelnen Anlageklassen in seinem Portfolio also beibehalten möchte, sollte sein Kapital regelmäßig umschichten, bzw. „ausbalancieren“.

 Rebalancing.jpg

 

Rebalancing – so funktioniert es

 

Grundsätzlich geht es beim Rebalancing darum, die ursprüngliche Aufteilung seiner Werte wiederherzustellen und damit auch das Risikoprofil beizubehalten. Folgende Schritte sind also notwendig:

 

  • Teilen Sie Ihr Kapital auf verschiedene Asset-Klassen auf. Unser Artikel zum Thema Diversifikation kann Ihnen dabei helfen, einen geeigneten Anlage-Mix zu finden.
  • Rebalancing kann auch innerhalb einer Asset-Klasse angewandt werden. In einem reinen Aktiendepot kann zum Beispiel eine Umverteilung zwischen den verschiedenen Einzelwerten stattfinden.
  • Legen Sie fest, wie hoch die Abweichung von der ursprünglichen Aufteilung sein muss, damit ein Rebalancing ausgelöst wird. Wenn beispielweise eine Anlageklasse um mehr als 10% vom ursprünglichen Anteil abweicht, müssen Sie umschichten. Eine allgemein gültige optimale Grenze gibt es hier leider nicht – jeder Anleger muss für sich entscheiden, welche Risikoverteilung für ihn tragbar und wann demnach eine Umschichtung notwendig ist.
  • Überprüfen Sie in regelmäßigen Abständen, wie sich die Kapitalverteilung entwickelt hat. Ein fester jährlicher Termin ist empfehlenswert.

 

Wichtig für das Rebalancing ist, dass Sie feste Regeln für anteilige Kapitalverteilung definieren, die Grenze für die erlaubte Abweichung festlegen und einen gleichbleibenden Zeitabstand für die Überprüfung einplanen. Ist der Stichtag gekommen, nehmen Sie die Entwicklung des angelegten Kapitals unter die Lupe. Es sind zwei Szenarien möglich:

 

Nur wenig veränderte Verhältnisse

 

Angenommen Sie haben jeweils die Hälfte des Kapitals auf Aktien und Tagesgeld verteilt, das Rebalancing möchten Sie erst bei einer Abweichung von 20 Prozent oder mehr durchführen. Am Tag der Überprüfung zeigen die Aktien einen Wertzuwachs. Ihr Kapital liegt nun zu 65 Prozent bei den Wertpapieren, 35 Prozent macht das Tagesgeld aus. Gemäß der von Ihnen definierten Rahmenbedingungen reagieren Sie nicht. Es wird kein Rebalancing durchgeführt und Sie gleichen die anteilige Kapitalverteilung nicht aus. Sie warten den nächsten Überprüfungszeitpunkt (z. B. in einem Jahr) ab und ermitteln dann die Verteilung erneut.

 

Starke Abweichungen sind entstanden

 

Die jeweils zur Hälfte angelegten Kapitalanteile haben sich deutlich unterschiedlich entwickelt. Am Tag der Prüfung macht das Festgeld nur noch 20 Prozent des Gesamtkapitals aus, 80 Prozent liegen in Aktien. Der Schwellenwert von 20 Prozent ist überschritten, deshalb reagieren Sie und führen ein Rebalancing durch. Sie haben die Wahl zwischen zwei Maßnahmen, um das Rebalancing durchzuführen:

 

Anlagestrategie-Rebalancing.jpg

 

Maßnahme 1: Sie verkaufen Wertpapiere und legen das frei gewordene Kapital in Tagesgeld an, um wieder je 50 Prozent pro Anlageform zu erreichen. Damit sichern Sie sich die durch Aktien erzielte Rendite und minimieren das Risiko, falls die Kurse in Zukunft fallen. Nach dem Ausgleich warten Sie wieder ein Jahr ab, bevor eine neue Beurteilung ansteht und bei Bedarf umgeschichtet wird. Sollte sich eine andere Verteilung ergeben, weil die Aktien an Wert verloren haben, reagieren Sie. Ebenso, wenn der Schwellenwert überschritten wird. In diesem Fall nutzen Sie die günstigen Kurse, um weitere Aktien einzukaufen.

 

Maßnahme 2: Ebenso können Sie neues Geld in die unterrepräsentierte Anlageklasse investieren, um die ursprüngliche Verteilung wiederherzustellen.

 

Vorteile

 

Wer sich streng an seine vordefinierten Rebalancing-Kriterien hält, kann von verschiedenen Faktoren profitieren:

 

  • Risikomanagement: In der Regel sind es die Anteile risikoreicher Anlageklassen, wie beispielsweise Aktien, die eine starke Wertsteigerung erleben. So entsteht im Laufe der Zeit eine stärkere Gewichtung dieser Anlageklassen in Ihrem Portfolio und es kann sein, dass das Portfolio nicht mehr zu Ihrer persönlichen Risikobereitschaft passt. Rebalancing dient damit dem Risikomanagement und ist vor allem für sicherheitsorientierte Anleger sinnvoll.
  • Antizyklisches Handeln und objektive Anlagekriterien: Beim Rebalancing werden Anlagen mit einer sehr positiven Wertentwicklung in der Regel verkauft und Anlagen mit einer moderateren Entwicklung gekauft. Somit handelt man automatisch entgegen der vorherrschenden Marktmeinung. Darüber hinaus sorgen die vorab festgelegten Rebalancing-Kriterien dafür, dass die Anlageentscheidung nicht emotionalen Kriterien

Nachteile

 

  • Rendite: Studien belegen, dass Anleger, die Ihr Portfolio regelmäßig auf Anlageklassen-Ebene rebalancieren, im Durchschnitt eine etwas niedrigere Rendite erzielen. Denn bei nicht-rebalancierten Portfolios steigt der Anteil an Aktien und anderer risikoreichen Anlagen im Zeitablauf automatisch an und erzielt damit in der Regel höhere Renditen. Dabei sollte man jedoch beachten, dass bei diesen Portfolios auch die Volatilität entsprechend höher ist. Setzt man die durchschnittliche Rendite ins Verhältnis zu den Wertschwankungen, zeigen rebalancierte Portfolios im Schnitt eine bessere Performance. Rebalancing innerhalb einer Anlageklasse, wie zum Beispiel Aktien, führt außerdem im Durchschnitt zu etwas höheren Renditen.
  • Kosten: Zu häufiges Rebalancing ist mit hohen Kosten, etwa in Form von Gebühren und Steuern verbunden. Diese können die Rendite negativ beeinflussen.

 

Fazit:

 

  • Beim Rebalancing investieren Sie bestimmte Anteile des Kapitals in verschiedene Anlageformen oder Aktien
  • Sie legen fest, ab welchem Schwellenwert Sie ein Rebalancing durchführen.
  • Ist zum gewählten Stichtag der Schwellenwert überschritten, passen Sie Ihre Investitionen wieder an die Ausgangsverteilung an
  • Sind die Veränderungen im Rahmen geblieben, warten Sie einfach ab
  • Rebalancing eignet sich für die langfristige Geldanlage

 

Was halten Sie vom Rebalancing der Geldanlagen? Teilen Sie uns und unseren Lesern Ihre Meinung mit!

 

Dieser Artikel ersetzt keine Beratung. Er klärt lediglich allgemein auf. Die Blogredaktion übernimmt damit keine Gewähr und/oder Haftung für die Vollständigkeit und Aktualität sowie Richtigkeit der Inhalte und Darstellungen.