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Praktiker – kommt es zur Renaissance der Baumärkte?

von am ‎15.03.2018 12:10
1 Kommentar

Nach der Insolvenz im Jahr 2013 hat die Baumarktkette Praktiker ihre Geschäftstätigkeit vollständig eingestellt.

 

Die Baumarktkette Praktiker erfreute sich bei deutschen Verbrauchern großer Bekanntheit. Insbesondere die regelmäßig unter dem Slogan „20 Prozent auf alles – außer Tiernahrung“ veranstalteten Rabattaktionen trugen dazu bei, dass das Unternehmen jedem ein Begriff war. Doch damit ist es schon seit ein paar Jahren vorbei: Praktiker war aufgrund einer anhaltenden finanziellen Krise gezwungen, Mitte 2013 Insolvenz anzumelden. Unvermutet tauchte der Name Praktiker dann drei Jahre später wieder auf: Zwei Investoren erwarben die Namensrechte, um darunter eine Vergleichsplattform für Baumarktartikel zu betreiben.

 

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Die Praktiker-Gründer Dirk Oschmann und Christoph Kilz (Quelle: Unternehmen)

 

Die bewegte Geschichte von Praktiker – 25 Jahre Expansion ohne Happy End

 

Seine Anfänge hatte die Baumarktkette im Jahr 1978 in Luxemburg. Dort eröffnete der heutige Metro Konzern, der damals noch unter Asko Deutsche Kaufhaus Konzern firmierte, den ersten Praktiker-Markt. Bereits ein Jahr später expandierte der Supermarkt für Heimwerker in Deutschland, indem er neun von der BayWa betriebene Baumärkte übernahm und vier weitere Filialen eröffnete. Die Ausweitung der Geschäftstätigkeit setzte Praktiker in den 80er und 90er Jahren konsequent fort. Schließlich konnte im Jahr 1998 in Erfurt der 250. Praktiker-Markt eröffnet werden. Auch im Ausland setzte die Praktiker-Gruppe auf Wachstum und gründete unter anderem in Ungarn, Polen und der Türkei Baumärkte.

 

Zur Praktiker Gruppe gehörten im Wesentlichen die folgenden Heimwerkermärkte:

 

  • Praktiker
  • Max Bahr
  • extra Bau + Hobby

 

Der Rückzug von Metro als Anfang vom Ende

 

Der Metro Konzern führte im Laufe der Jahrzehnte mehrere Umorganisations- und Strukturbereinigungsmaßnahmen durch, die auch die Praktiker Gruppe betrafen. Schließlich entschied die Konzernleitung, die gesamte Baumarktkette im Jahr 2005 an die Börse zu bringen. Auf diese Weise führte Metro seine eigenen Anteile an Praktiker auf 40,5 Prozent zurück. Kurze Zeit später folgte die vollständige Veräußerung der Aktien sowie der Verkauf der Immobilien, in denen die Baumärkte ihr Geschäft betrieben. Die folgenden Jahre waren von erheblichen finanziellen Schwierigkeiten gekennzeichnet. So sah sich Praktiker beispielsweise gezwungen, im Jahr 2009 Kurzarbeit für seine Beschäftigten anzumelden. Auch die mit hohen Beratungskosten verbundenen Restrukturierungs- und Modernisierungsprogramme, die Praktiker in den Jahren 2010 und 2011 durchführte, konnten den negativen Trend nicht aufhalten.

 

Im Juli 2013 beantragte die Geschäftsleitung schließlich Insolvenz für die gesamte Unternehmensgruppe bis auf die Auslandstöchter. Zunächst war es das erklärte Ziel des Insolvenzverwalters, den Konzern weiterzuführen. Er wollte insbesondere die Max Bahr-Baumärkte sanieren und zur wichtigsten Basis der Vertriebstätigkeit von Praktiker ausbauen. Doch tatsächlich scheiterte dieses Vorhaben ebenso wie alle angestrebten Verkäufe, sodass Praktiker seine Geschäftstätigkeit in Deutschland schließlich vollständig einstellte. Daraufhin verloren 20.000 in der Praktiker-Gruppe angestellten Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Lediglich in einigen europäischen Ländern, hauptsächlich in Osteuropa aber auch Griechenland, konnte sich der Konzern behaupten. Die Filialen in Deutschland hingegen wurden aufgelöst, von der Konkurrenz gekauft oder anderweitig genutzt. Die einstmalige Nummer 3 unter den deutschen Baumärkten war damit Geschichte.

 

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Praktiker-Filiale in Heidelberg (Quelle: Radosław Drożdżewski, Wikimedia Commons)

 

Der neue Praktiker – die Wiederauferstehung im Internet

 

Unter dem Motto „Wir sind wieder da“ und mit dem hierzulande noch immer bekannten Logo in Gelb-Blau betreiben Dirk Oschmann und Christoph Kilz eine Vergleichs- und Informationsplattform für Heimwerker und Bastler. Bei den jungen Gründern des Start up-Unternehmens handelt es sich um erfahrene E-Commerce-Experten, die bereits mit anderen Shops und Plattformen Erfolg hatten. Der Online-Auftritt von Praktiker umfasst gegenwärtig eine Vergleichsplattform. User können über Links die gesuchten Artikel, deren Eigenschaften, Funktionen und ausführliche Produktbeschreibungen einsehen, im nächsten Schritt dann bei verschiedenen Anbietern kaufen. In einem übersichtlichen Vergleich finden Sie Angaben über die Verkaufspreise und Versandkosten. Außerdem lassen sich beim „neuen“ Praktiker die folgenden Services nutzen:

 

  • Newsletter
  • Baumarktfinder
  • Ratgeber

 

Bislang deckt die Plattform allerdings nur einen Teil der in Deutschland aktiven Anbieter der einzelnen Produkte ab. Die Betreiber planen nach eigenen Angaben auch mittel- und langfristig weder einen in Eigenregie betriebenen Online-Shop für Heimwerkerprodukte noch eine Reaktivierung der legendären 20 Prozent-Rabattaktionen. Wie erfolgreich das Portal tatsächlich wird, hängt entscheidend von einer zügigen Ausweitung der in den Preisvergleich einbezogenen Anbieter ab.

 

Grundsätzlich stehen die Wachstumschancen für das Selbstbau-Segment laut dem Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten nämlich gut – allein im Jahr 2015 sei das Segment um 10,5 Prozent gewachsen. Die großen Baumarktketten haben allerdings die Bedeutung des Internets erst relativ spät erkannt und haben daher Aufholbedarf. Mit der Plattform, die übersichtlich Angebote bündelt und darüber hinaus Selbstbau-Anleitungen und Ratgeber anbietet, könnten die Gründer also einen Nerv getroffen haben. Allerdings sehen sich die Betreiber einer starken Konkurrenz gegenüber: IDEALO, Check24 oder guenstiger.de stellen etablierte Portale dar, die Verbraucher intensiv für Preisvergleiche nutzen. Aus diesem Grund bleibt es spannend, ob sich Praktiker auf Dauer durchsetzen kann.

 

Fazit:

 

  • Unter dem Namen „Praktiker“ betreiben zwei Gründer ein Vergleichsportal für Handwerkerbedarf.
  • Bislang sind darin allerdings nur wenige Anbieter eingebunden.
  • Eine Neueröffnung von Praktiker-Filialen ist weder in Form von lokalen Verbrauchermärkten vor Ort noch als Online-Shop zu erwarten.

 

Wie sehen Sie die Chancen von Praktiker? Denken Sie, dass die Plattform dauerhaft bestehen bleibt oder wird die Marke im hart umkämpften Online-Handel erneut untergehen? Teilen Sie Ihre Meinung mit uns und unseren Lesern!

 

Kommentare
von
am ‎16.03.2018 12:21

Der Titel klingt verheißungsvoll.

Der Leser erfährt aber nichts über Baumärkte , schon gar nichts über deren. Renaissance.

Ausführlich wird aber über die Pleitefirma Praktiker berichtet und über Dirk Oschmann und Christoph Kilz, die die Namensrechte von Praktiker gekauft haben.

Die beiden haben keine Ahnung vom Baumarktgeschäft, haben sich vorher schon häufig mit diversen Online Vergleichsportalen versucht.

Ob das diesmal etwas wird mit einem Vergleichsportal für Baumarktartikel , ist sehr fraglich.

Man erfährt nichts weiter über die Firma, die ihren Sitz in Dresden hat.

Nach meiner Information aus dem informativen Artikel des Stern bietet die Plattform nur Artikel von Hagebau und Amazon an.

Welcher Heimwerker bestellt  denn Artikel über die Plattform?

Man bestellt entweder bei Amazon oder besucht direkt einen der großen Baumärkte, die es in großer Zahl in D gibt. Dort bekommt der Käufer sachkundige Hilfe.

Die Marke Praktiker ist mit ihrem Slogan " 20% für alles- außer Tiernahrung" für immer "verbrannt". Da gibt es keine Renaissance.Smiley (zwinkernd)

 

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