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OPEC: Wie viel Einfluss hat das Erdöl-Kartell?

von Donnerstag

Die Zeiten, in denen die Organisation of Petroleum Exporting Countries (OPEC) Weltgeschichte schrieb, scheinen vorerst vorbei zu sein. Dem Öl-Kartell gelingt es seit einiger Zeit nicht mehr, den Preis für das Schwarze Gold maßgeblich zu bestimmen.

 

Die OPEC – so fing alles an

 

Ende der 1950er Jahre befand sich der Ölpreis aufgrund der umfangreichen Erschließung neuer Erdölquellen in einem lang anhaltenden Verfallsprozess. Daraufhin schlossen sich im Jahre 1960 die erdölproduzierenden Länder Saudi-Arabien, Kuwait und Venezuela sowie der Irak und Iran zusammen, um den Rohstoff Erdöl gemeinsam zu vermarkten. Ihr erklärtes Ziel war eine Steuerung des Ölpreises durch die Festlegung beziehungsweise Begrenzung der Angebotsmengen. Dieses Vorhaben funktionierte überraschend und zulasten der industrialisierten Ländern zunächst gut. Der Ölpreis stieg deutlich und nachhaltig. Da die Weltwirtschaft extrem abhängig von Öl war und ist, gewann die Organisation entscheidenden Einfluss auf die globale Konjunktur. Der Sitz der OPEC befand sich zunächst in Genf und wurde 1965 nach Wien verlegt.

 

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Die Organisation

 

Sitzungen der OPEC finden dreimal im Jahr in Wien statt. Die für die Erdölförderung zuständigen Minister vertreten hier ihre Länder. Sie legen gemeinsam die Förderquoten fest. Seit dem Jahre 1985 sind diese Mengen an die noch vorhandenen Ölreserven gekoppelt. Jedes Mitgliedsland hat eine Stimme, die geförderten Erdölmengen spielen keine Rolle. Weder Russland noch die USA, beides bedeutende Erdölproduzenten, sind Mitglieder der OPEC.

Heute besteht die OPEC aus diesen fünfzehn Staaten:

 

  • Algerien
  • Angola
  • Ecuador
  • Äquatorialguinea
  • Gabun
  • Iran
  • Irak
  • Kuwait
  • Libyen
  • Katar
  • Kongo
  • Nigeria
  • Saudi-Arabien
  • Vereinigte Arabische Emirate
  • Venezuela

 

Die Ölkrise als Machtdemonstration der OPEC

 

Früher konnte das Öl-Kartell das Weltgeschehen durch die Festsetzung des Ölpreises maßgeblich beeinflussen. So stürzte die OPEC die globale Wirtschaft am 16. Oktober 1973 in eine tiefe Krise, indem sie durch eine drastische Kürzung der Fördermengen den Ölpreis vervielfachte. Diese radikale Verknappung des Angebots stellte auch eine politische Antwort der arabischen Staaten auf den von Israel gegen Ägypten und Syrien ausgetragenen Jom-Kippur-Krieg dar. Die Industrieländer hatten daraufhin mit den dramatischen Auswirkungen der Ölpreiserhöhung zu kämpfen und fielen in eine tiefe Rezession. Sie griffen zu teils ungewöhnlichen Maßnahmen. Die Regierung der Bundesrepublik ordnete zum Beispiel autofreie Sonntage an. Diese Ereignisse gingen unter der Bezeichnung „erste Ölkrise“ in die Geschichte ein. 1979/80 folgte die zweite Ölkrise, die durch die islamische Revolution im Iran und den dadurch bedingten Ausfall von Ölfördermengen veranlasst war. Allerdings blieben die Auswirkungen der zweiten Ölkrise wesentlich geringer als die der ersten, da die erdölerzeugenden Staaten die Produktion schnell wieder ausweiteten, sodass der Preis innerhalb von kurzer Zeit sank.

 

Der gegenwärtige Machtverlust der OPEC

 

Vor allem die zunehmende Gewinnung von Schieferöl durch Fracking in den USA führte zur drastischen Verringerung des Einflusses, den die Erdöl exportierenden Staaten auf die Weltkonjunktur ausüben können. So ökologisch zweifelhaft diese innovative Methode der Gewinnung von Schieferöl auch sein mag, hat sie in dieser Hinsicht doch einen ausgesprochen positiven Effekt auf die Weltkonjunktur. Seit 2014 lohnt sich die Methode des Fracking auch wirtschaftlich und führte zu einem Ölboom in den USA. Allerdings ist die moderne Fördertechnologie mit hohen Kosten verbunden, die das Ausbeuten von Schieferölvorkommen erst ab einem gewissen Preisniveau rentabel macht. Aus diesem Grund erweisen sich Anhebungen des Rohölpreises durch eine Angebotsverknappung seitens der OPEC als wirkungslos: Sobald der Preis kurzfristig zulegt, steigt die Fördermenge in den USA und es kommt erneut zu einem Ölpreisrückgang.

 

Hinzu kommt die Uneinigkeit, die zwischen den einzelnen Mitgliedern der OPEC herrscht. Diese Organisation kann die gesetzten Ziele nur erreichen, wenn sich alle teilnehmenden Länder an die selbst gesetzten Vorgaben halten. Die OPEC-Länder müssen die beschlossenen und ihnen jeweils zugeteilten Förderquoten genau einhalten, um die gewünschte Verknappung des Angebots zu bewirken, damit es zu dem angepeilten Preisanstieg kommen kann. Dies gelingt der einst so mächtigen Organisation in letzter Zeit kaum noch: Länder, in denen Bürgerkrieg herrscht oder in denen die politischen Rahmenbedingungen aufgrund anderer Entwicklungen an Stabilität verlieren, beachten die Vorgaben für die Fördermengen nicht. Zu diesen OPEC-Mitgliedern zählen beispielsweise die afrikanischen Staaten Libyen und Nigeria. Mittlerweile sind die beiden Bürgerkriegsländer sogar von der Drosselung der Fördermengen von Anfang an ausgenommen.

 

Ausblick

 

Es steht fest, dass die erreichbaren Mengen an Schieferöl in den USA zu Ende gehen werdem. Sollte Venezuela zu politischer Stabilität zurückfinden und seine Fördermengen steigern, könnte dies zumindest teilweise eine Kompensation bewirken. Dagegen könnte eine Durchsetzung der Sanktionen gegen den Iran, wie der US-amerikanische Präsident Donald Trump sie anstrebt, zu einer weiteren Verknappung führen. Aktuell gibt es Anzeichen dafür, dass die Ausfuhr von iranischem Rohöl künftig an private Unternehmen  erlaubt werden soll, um drohende US-Sanktionen zu umgehen. Es ist derzeit nur schwer absehbar, wie sich die Macht der OPEC und der Ölpreis weiter entwickeln werden.  

 

Fazit:

 

  • Zurzeit kann die OPEC den Ölpreis kaum steuern, sodass er sich auf einem relativ niedrigen Niveau stabilisiert hat
  • Das Fracking von Schieferöl in den USA stellt die Hauptursache für diese Entwicklung dar
  • Die nordamerikanischen Ölvorkommen sind begrenzt, sodass die Macht der OPEC langfristig wieder steigen könnte

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