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Nachhaltiges Investment – Chancen und Herausforderungen

von ‎22.05.2014 11:25 , bearbeitet ‎24.04.2017 13:41
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Sie möchten, dass Ihr Geld einem guten Zweck dient, es aber nicht verschenken? Lernen Sie nachhaltiges Investment kennen. 

 

Geld muss arbeiten – aber in welcher Form?

 

Haben Sie sich schon einmal gefragt, was Ihr Geld so treibt, wenn es nicht unter Ihrem Kopfkissen liegt, sondern Sie es in klassische Spareinlagen, Fonds, Aktien oder andere Geldanlagen investieren? Eine gute Rendite lässt sich nur erzeugen, wenn Ihr Geld arbeitet.

 

Kaufen Sie zum Beispiel eine neue Unternehmensanleihe, fördern Sie das jeweilige Unternehmen und verhelfen Ihrem Geld zu einem neuen Job: Das von Ihnen ausgewählte Unternehmen kann Ihr Geld investieren und sich somit eventuell vergrößern, neue Märkte erobern und an Bedeutung gewinnen. Sogar das Geld auf Ihrem Sparkonto muss arbeiten, damit Sie schlussendlich Zinsen erhalten.

 

Dieser Sachverhalt, der im Alltag oft in Vergessenheit gerät, regt zu weiteren Gedankenspielen an. Bleiben wir bei dem risikobehafteten, aber gut verständlichen Anlagebeispiel der Unternehmensanleihe: Ist es für Sie weniger wichtig, welches Unternehmen Sie fördern, Hauptsache die Rendite stimmt? Oder möchten Sie vielleicht einen Schritt weitergehen und nur Unternehmen fördern, von denen Sie sich auch unabhängig von möglichen Renditen einen positiven Effekt versprechen?

 

Falls Letzteres der Fall ist, sollten Sie sich näher mit dem Punkt „nachhaltiges Investment“ auseinandersetzen. Dieser Artikel bietet Ihnen einen ersten Einstieg in diese interessante Thematik. 

 

Nachhaltiges Investment.jpg

 

Von Nachhaltigkeit und Ethik

 

Nachhaltigkeit ist ein relativ dehnbarer Begriff. Zunächst impliziert er eindeutig eine Zukunftsorientierung: Maßnahmen, die nachhaltig sind, sollen nicht nur aktuell eine positive Wirkung besitzen, sondern im Idealfall langfristig. Eng verbunden damit ist der Gedanke, nicht nur der heutigen, sondern auch zukünftigen Generationen gleich gute oder sogar bessere Voraussetzungen zu gewährleisten. Angesichts des Klimawandels begrenzen Medien die Definition von Nachhaltigkeit oft auf ökologische Aspekte.

 

Wie der Artikel „Eine kurze Geschichte der Nachhaltigkeit“ der Deutschen UNESCO-Kommission allerdings zeigt, ist Nachhaltigkeit heute ein Gesamtkonzept, das nicht nur der ökologischen Entwicklung Bedeutung beimisst, sondern auch der ökonomischen und sozialen. Entwicklungen auf allen drei Ebenen müssen Hand in Hand gehen und gewissen Kriterien genügen. Wer sich umfassende Gedanken um Nachhaltigkeit macht, berücksichtigt auch ethische Aspekte.

 

Vereinfacht ausgedrückt ist im Sinne einer langfristig wirksamen Nachhaltigkeit abzuwägen, was auf ökologischer, sozialer und ökonomischer Ebene gleichermaßen als gut und begrüßenswert zu bewerten ist. Eine nachhaltige Wirkung ergibt sich erst aus der Berücksichtigung aller Zusammenhänge. Dies ist immer auch eine individuelle Frage.

 

Auswahlmöglichkeiten für nachhaltige Geldanlagen

 

Doch wie können Sie herausfinden, ob eine Geldanlage Ihren Vorstellungen von Nachhaltigkeit genügt? Ein einheitliches und allgemeingültiges Bewertungsmuster, nach dem sich Geldanlagen klar in nachhaltig oder nicht einteilen lassen, ist schon allein deshalb nicht zu finden, weil es unterschiedliche Definitionen von Nachhaltigkeit gibt. Vielmehr existieren bei der Auswahl nachhaltiger Produkte unterschiedliche Ansätze, die ggf. auch unterschiedlich weit reichen. Zwei dieser Ansätze, die sich auch Finanzprofis zunutze machen, lassen sich recht einfach herleiten.

 

Zum einen lässt sich bei der Auswahl von nachhaltigen Finanzprodukten mit Negativkriterien arbeiten. Sie können somit zum Beispiel für sich klar die Regel aufstellen, nicht in die Erdölbranche, in die Gentechnik, in die Produktion von Waffen, in die Tabakbranche, in die Massentierhaltung, in Unternehmen, die Kinderarbeit nutzen, oder in Atomkraft investieren zu wollen.

 

Zum anderen besteht die Möglichkeit, mit Positivkriterien zu arbeiten. In diesem Fall stellen Sie Ideale auf, die Sie bei ihrer Investitionswahl unbedingt erfüllt sehen möchten – zum Beispiel: besondere Leistungen im Bereich Schadstoffemissionsreduzierung, Zugehörigkeit zu einer als umweltfreundlich geltenden Branche, nachhaltiger Rohstoffeinsatz oder Umsetzung von Antidiskriminierungsmaßnahmen.

 

In Sachen Geldanlagen können der jeweilige Ansatz zur Sondierung der Möglichkeiten und seine tatsächliche Ausgestaltung einen Unterschied machen: Stark formulierte Kriterien besitzen in der Praxis oft auch eine starke Wirkung. Damit können Sie zum Beispiel die Unterstützung von umweltbelastender Kohle rigoros und klar per Negativkriterium ausschließen.

 

Andererseits könnte sich bei unausgereifteren Kriterien zum Beispiel ein Finanzprodukt in die eigene Auswahl hineinschmuggeln, welches ein Unternehmen begünstigt, das auf die eine oder andere Art doch Kohle zu Geld macht.

 

Es ist durchaus möglich, Positiv- und Negativkriterien bei der individuellen Entscheidungswahl zu kombinieren, um eine möglichst gründliche Auswahl zu treffen. Im persönlichen Interesse sollten Sie hierbei allerdings darauf achten, dass Ihr Anlageuniversum nicht zu sehr schrumpft und sich somit mangelnde Produktvielfalt nicht risikoerhöhend bemerkbar macht.

 

Weitere Ansätze können die Auswahl bei nachhaltigen Geldanlagen vereinfachen. So nennt zum Beispiel die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen neben der Prüfung nach Positiv- und Negativkriterien auch den Best-in-Class-Ansatz, sowie die Option der Einflussnahme auf Unternehmen. Der Best-in-Class-Ansatz, der im Grunde eine Variante des Ansatzes mit Positivkriterien ist, sortiert zunächst keine Branche als grundsätzlich nicht-nachhaltig aus.

 

Vielmehr versucht dieser Ansatz, die nachhaltigsten Unternehmen aller Branchen zu identifizieren, um die in diesem Sinne Besten dann schlussendlich zu fördern. So kann zum Beispiel auch ein Kohlekonzern als nachhaltig eingestuft werden – solange er eben nachhaltiger arbeitet als seine Konkurrenz.

 

Wer hingegen eine unmittelbare Einflussnahme auf Unternehmen in Richtung Nachhaltigkeit bevorzugt, sichert sich ein Mitbestimmungsrecht – zum Beispiel über den Kauf von Aktien. So kann indirekt auf mehr Nachhaltigkeit hingewirkt werden – allerdings gelingt dies hier hauptsächlich Großanlegern oder aber zahlreichen Kleinanlegern, welche gemeinsam das Ziel verfolgen, im jeweiligen Unternehmen das nachhaltige Prinzip verstärkt umzusetzen. Es existieren auch noch andere Wege, über Geldanlagen Einfluss auf Unternehmen zu gewinnen. Bedenken Sie ebenfalls, dass Sie durch den Abzug Ihrer Gelder aus einer bestimmten Geldanlage durchaus direkten Einfluss ausüben können.

 

Eine bunte Mischung – Geldanlageformen beim nachhaltigen Investment

 

Viele Geldanlageformen können von ihrer Art und Weise auch nachhaltig sein. Geht es um gängige Spareinlagen, kommen zum Beispiel Produkte von Banken infrage, die sich der Nachhaltigkeit ganz konkret verschrieben haben. Solche Banken investieren die von Ihnen angelegten Gelder zum Beispiel dafür, besonders ausgewählten Unternehmen Kredite zu geben. Mitunter haben Sie bei einzelnen Sparprodukten auch die Wahl, ob die Zinsen Ihnen allein zukommen oder ob Sie diese (zum Teil) spenden möchten.

 

Auch komplexere Finanzprodukte wie zum Beispiel Investmentfonds, geschlossene Fonds, Genussrechte, Unternehmensanleihen, Aktien etc. können den Nachhaltigkeitsgedanken aufgreifen. Überlegen Sie sich dabei aber genau, wie direkt Sie Nachhaltigkeit fördern möchten und welches Risiko Sie einzugehen bereit sind.

 

Bei Cortal Consors, zum Beispiel können Sie schnell den Fonds finden, der Ihren Werten entspricht. Wählen Sie einfach in der Fonds-Suche die Option „Nachhaltigkeits-Kriterien“ und entscheiden Sie, welche Aspekte Ihnen wichtig sind (z.B. Umweltschutz, alternative Energien oder ethische sowie soziale Werte).

 

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Nachhaltige Investments – immer die bessere Wahl?

 

Es ist ohne Frage beruhigend, dass es auch möglich ist, in Sachen Geldanlage ethischen und nachhaltigen Aspekten eine besondere Bedeutung beizumessen. Sie als Anleger sind hier allerdings besonders gefordert: Im Idealfall entwickeln Sie Ihre eigenen Kriterien oder prüfen vorhandene, um nicht blind Finanzprodukte zu kaufen, die Anbieter als nachhaltig bewerben. Ansonsten könnte es sein, dass Sie in Bereiche investieren, die Ihren eigenen Ansprüchen nicht genügen, da die Anbieter schlichtweg andere Kriterien zugrunde legen.

 

Ihr Entschluss bzw. das Ziel der entsprechenden Anbieter, ein Produkt als nachhaltig einzustufen, sagt zudem noch nichts über die Chancen und Risiken desselben aus. Das Kriterium „nachhaltig“ muss kein Garant für fette" Gewinne sein. Gleichermaßen ist es aber ein Vorurteil, zu glauben, nachhaltige Geldanlagen brächten generell keine Erträge und sind nur etwas für Gutmenschen.

 

Die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien sollte in keinem Fall dazu führen, dass Sie Finanzprodukte auswählen, die zum Beispiel nicht zu Ihrer persönlichen Risikofreude passen. Beim Kauf „grüner“ Aktien sind Sie beispielsweise genauso wenig vor dem möglichen Totalverlust gefeit wie auch bei jeder anderen Aktie – die Form der Geldanlage bleibt schließlich dieselbe.

 

Diese Tatsache sollte auch kein noch so guter Zweck verschleiern. Wer der Nachhaltigkeit bei seiner Geldanlage Bedeutung beimessen möchte, sieht sich dementsprechend einer weiteren Auswahlaufgabe ausgesetzt und keiner, die andere Auswahlkriterien ersetzt. Prüfen Sie also auch bei jeder nachhaltigen Geldanlage wie gehabt die Sicherheit, das Risiko, die Renditechancen, die Produktstrukturen und die gebotene Liquidität. Stellen Sie sicher, dass die ausgewählten Produkte auch in dieser Hinsicht Ihre Erwartungen erfüllen.

 

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 Die wichtigsten Punkte auf einen Blick

 

  • Nachhaltigkeit kann ein weiteres Kriterium bei der Auswahl von Finanzprodukten sein.
  • Nachhaltigkeit ist nicht nur auf ökologische Aspekte begrenzt, sondern auch auf soziale und ökonomische zu beziehen. Ethische Abwägungen kommen mit ins Spiel.
  • Ein allgemeingültiges Bewertungsmuster zur Einschätzung der Nachhaltigkeit von Finanzprodukten gibt es nicht. Nachhaltigkeit kann unterschiedlich definiert werden.
  • Zur Auswahl nachhaltiger Geldanlagen existieren unterschiedliche Ansätze. Hierbei lässt es sich etwa mit Positivkriterien, Negativkriterien oder mit dem Best-in-Class-Ansatz arbeiten. Zudem besteht die Möglichkeit, zum Beispiel durch Mitbestimmungsrechte direkten Einfluss auf Unternehmen auszuüben.
  • Stark formulierte Nachhaltigkeitskriterien können eine starke Wirkung aufweisen, allerdings im Extremfall auch zu einer risikoerhöhenden Verkleinerung des Anlagehorizontes führen. Die Entwicklung eigener Kriterien oder die Überprüfung angewandter Kriterien ist dem Anleger ans Herz zu legen.
  • Im Bereich des nachhaltigen Investments stehen diverse Geldanlageformen zur Verfügung (Beispiele: Spareinlagen, Fonds, Aktien, Unternehmensanleihen, Genussrechte).
  • Die Anwendung von Nachhaltigkeitskriterien darf nicht das Risiko des Finanzproduktes verschleiern oder in den Hintergrund stellen. Nachhaltigkeit ist ein zusätzliches Auswahlkriterium, das andere Kriterien nicht ersetzt.

 

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Kommentare
von
am ‎11.01.2017 19:07

Dieser Artikel über die ganz indivduellen Möglichkeiten Auswahlkriterien anzulegen hilft mir sehr, mich für eine nachhaltige Investition zu entscheiden. Vielen Dank!

von
am ‎13.01.2017 12:11

Ein sehr interessanter Artikel, den man auch im Kopf haben sollte, wenn man nicht direkt in Nachhaltigkeit investieren will. Gerade Unternehmen, die sich nicht den ethischen oder nachhaltigen Grundsätzen anpassen wollen, laufen Gefahr durch gesetzliche Neuregelungen oder auch durch ein verändertes Kaufverhalten in Schieflage zu laufen.

 

Ein gutes Beispiel ist FareTrade. Ein Unternehmen, welches nicht den Trend beachtet könnte schnell mit wesentlich höheren Einkaufpreisen konfrontiert sehen. Da dann auch höhere Verkaufspreise verlangt werden müssen, kann der Umsatz schnell fallen.