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NFTs: Was hinter dem spektakulären Boom steckt

Sogenannte NFTs sorgten in den letzten Monaten für Furore. Diese digitalen Objekte erzielten teilweise astronomische Preise. Was steckt dahinter? Handelt es sich um eine irrationale Blase oder eine ernst zu nehmende Anlagemöglichkeit? Und was sind NFTs überhaupt? Bevor wir uns den Details widmen, ein kurzer Rückblick auf die spektakulärsten NFT-Deals der letzten Zeit:

 

  • Den Rekord hält bisher ein NFT des Bilds „Everydays: The First 5000 Days“ des Digitalkünstlers Beeple, bürgerlich Mike Winkelmann: Es erzielte bei Christie‘s unglaubliche 69,3 Millionen US-Dollar.
  • Bei „CryptoPunk #3100“ handelt es sich um eines von 10.000 individuell verschiedenen Pixelbildern mit Comic-Charakteren. Es wechselte am 11. März 2021 für umgerechnet 7,6 Millionen US-Dollar die Hände. Bezahlt wurde mit der Kryptowährung Ethereum.
  • „Doge“ ist ein NFT des aus Memes bekannten Hundebilds eines Shiba Inu. Es wurde im Juni dieses Jahres für umgerechnet 4 Millionen US-Dollar verkauft.

Nicht ganz so kostspielig war beispielsweise ein Videoclip-NFT eines Slam Dunk von LeBron James. Dieses war schon für mickrige 208.000 US-Dollar zu haben. Es gibt auch Objekte im Bereich von einigen Hundert bis zu einigen Tausend US-Dollar.

 

Nicht zum Anfassen, nur zum Besitzen: Was sind NFTs?

 

Das Kürzel NFT steht für „Non-fungible Token“. Sinngemäß übersetzt ist darunter ein nicht austauschbares Objekt zu verstehen. Nicht austauschbar heißt, dass jedes Objekt einzigartig und nicht durch ein anderes ersetzbar ist. Was das bedeutet, lässt sich durch den Vergleich mit austauschbaren Objekten verdeutlichen, etwa einer Währung: Ein Euro gleicht dem anderen, beide sind gleich viel wert. Zudem lässt sich beispielsweise ein 100-Euro-Schein problemlos in zwei 50-Euro-Scheine wechseln.

Die Einzigartigkeit eines NFT ist vergleichbar mit einem Ölgemälde: Es ist nicht exakt reproduzierbar. Selbst der beste Kunstfälscher schafft es nicht, jeden einzelnen Pinselstrich wie beim Original zu setzen. Eine Kopie oder ein Foto wäre noch weiter vom realen Werk entfernt. Damit bleibt das Original für immer ein Einzelstück.

 

NFTs sind eine Art virtueller Sammlerstücke. Sie beziehen sich auf digitale Schöpfungen wie Bilder, Videos, Musik, Programmcode und sogar Tweets: Twitter-Gründer Jack Dorsey hat ein NFT seines ersten Tweets für unglaubliche 2,9 Millionen Dollar verkauft. Aber digitale Werke und Daten lassen sich doch beliebig kopieren und jede Kopie gleicht der anderen? Stimmt, aber das NFT lässt sich nicht vervielfältigen. Im Prinzip handelt es sich um eine digitale Besitzurkunde, die bescheinigt, im Besitz eines hypothetischen „Originals“ zu sein. Tatsächlich sind die zugrunde liegenden Werke in der Regel frei im Netz verfügbar.

 

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Was haben NFTs mit Kryptowährungen zu tun?

 

NFTs basieren ebenso wie Kryptowährungen auf der Blockchain-Technologie. In einer Blockchain lassen sich Transaktionsdaten festhalten. Dabei ist jeder Datenblock mit dem vorhergehenden kryptografisch verbunden, sodass nachträgliche Änderungen unmöglich sind. 

Bei Kryptowährungen gewährleistet die Blockchain, dass sich neue Währungseinheiten nur durch elektronisches Mining schaffen und anschließend zuverlässig transferieren lassen. Niemand kann sich einfach auf „Knopfdruck“ neue Währungseinheiten in seine digitale Geldbörse zaubern. Auf ähnliche Weise garantiert die Blockchain die Einzigartigkeit eines NFT. Sie hält die Existenz des Non-fungible Token sowie die Eigentumsverhältnisse fest.

Der Erwerb eines NFT schließt aber nicht die Urheberrechte ein. Was passiert also, wenn Urheberrechtsinhabende von Werken später weitere Non-fungible Token verkaufen? Dagegen gibt es keinen Schutz. Allerdings wären sich diese NFTs nur ähnlich und nicht exakt gleich. Vergleichbar ist das mit einer Signatur bei Kunstdrucken: Nehmen wir an, Sie kaufen einen signierten Druck, der eine Auflage von 50 Stück besitzt. Sie haben keine absolute Sicherheit, dass nicht weitere 500 Stück gefertigt werden. Allerdings wäre aufgrund der Unterschrift plus laufender Nummer Ihr Exemplar weiterhin einzigartig und als Teil der ersten Auflage erkennbar.

 

Sammlerobjekte mit echtem Wert oder irrationale Blase?

 

Für NFTs spricht, dass sie Kreativen den Verkauf digitaler Werke und den Handel damit ermöglichen. Ob die teilweise extremen Preise gerechtfertigt sind? Eine häufige und plausible Kritik lautet, NFTs seien nichts anderes als „digitale Angeberrechte“: Sie dienten in erster Linie dazu, damit zu prahlen, Unsummen für nicht greifbare Sammelobjekte ausgegeben zu haben.

Allerdings weist der Handel mit Kunst- und Sammelobjekten seit jeher ein irrationales Element auf. Ganz gleich, ob Baseballkarten oder Ölgemälde: Auch hier spielt der Stolz auf den Besitz eine wesentliche Rolle, da diese Dinge keinen Nutzwert haben.

 

Und wie sind NFTs aus der Sicht von Anlegenden zu bewerten, die auf eine Wertsteigerung hoffen? Die Entwicklung der letzten Monate nährt die Befürchtung, dass es sich um eine Blase handelt. Aber bekanntlich gilt: Ob es eine war, lässt sich erst im Rückblick feststellen.

NFTs – „digitale Angeberrechte“ ohne echten Wert oder eine sinnvolle Erfindung? Teilen Sie uns Ihre Meinung im Kommentarbereich mit!

 

Fazit

 

  • NFTs stellen digitale Sammelobjekte dar, die einzigartig und nicht reproduzierbar sind.
  • Durch ein NFT wird ein digitales Werk, das prinzipiell nicht von beliebigen Kopien zu unterscheiden ist, zu einem „Original“.
  • Im Zuge des NFT-Booms erreichten die Preise für einige Non-fungible Tokens schwindelerregende Höhen.
  • Kritische Stimmen bezeichnen NFTs als „digitale Angeberrechte“, weil damit nur eine Art digitaler Besitzurkunde erworben wird.
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