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Milliardäre unter sich: das Wettrennen um Weltraumflüge

von ‎02.11.2017 08:17 , bearbeitet ‎02.11.2017 11:42

Der Wettstreit um die kommerzielle Nutzung des touristischen Potenzials von Weltraumtrips ist an Spannung kaum zu überbieten.

 

Der Brite Richard Branson und der US-Amerikaner Jeff Bezos liefern sich einen unerbittlichen Wettkampf um die Eroberung des Alls mit kommerziellen Flügen für Privatpersonen. Da beide Unternehmer äußerst erfolgreiche, weltweit aktive Konzerne besitzen, können Sie hohe Millionenbeträge in die Entwicklung von geeigneten Weltraumfahrzeugen investieren.

 

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©Virgin Galactic

 

Mission Zukunft – Bransons Weg in den Weltraum

 

Branson ist ein ausgesprochener Visionär, der zielstrebig innovative Projekte umsetzt. Dies bewies er bereits mit seinem Engagement für den Klimaschutz und bedrohte Tierarten. Der für seine Durchsetzungsstärke bekannte Brite hegt außerdem eine ausgesprochene Leidenschaft für rasante Geschwindigkeiten. Mit seinem eigenen Rennstall Virgin Racing nahm er an mehreren Formel 1-Weltmeisterschaften teil. Bransons Faible für Luftfahrzeuge zeigte sich unter anderem in seinen zahlreichen Rekordflügen mit Heißluftballons. Seine beiden Vorlieben vereinte er in seinem Unternehmen Virgin Galactic. Im Dezember 2009 präsentierte er das SpaceShipTwo – ein kleines Raumschiff, das kurze Trips von Privatpersonen in den Weltraum ermöglichen soll.

 

SpaceShipTwo – ambitioniert oder zum Scheitern verurteilt?

 

Seit dem Jahr 2012 steht das Unternehmen, das zuvor als Joint Venture mit dem Scales Composites Konzern geführt wurde, im alleinigen Besitz von Virgin Galactic. Das SpaceShipTwo ist ein kleines Weltraumflugzeug. Ursprünglich hatte Branson geplant, damit ab 2015 Flüge im All unterhalb der Erdumlaufbahn durchzuführen. Er beabsichtigte, sie später kommerziell als Weltraumausflüge für ein begütertes Klientel anzubieten. Bislang konnte der britische Milliardär dieses Vorhaben allerdings nicht in die Tat umsetzen: Im Herbst 2014 stürzte der Prototyp VSSEnterprise spektakulär ab, was einen der beiden Piloten das Leben kostete und die Planung um Jahre zurückwarf. Zwei Jahre später kam es zum nächsten Fehlschlag: Das Nachfolgermodell stürzte aufgrund von technischen Problemen mit dem Hybridantrieb ab, wobei erneut ein Pilot starb. Ob das SpaceShipTwo jemals zu einem wirtschaftlichen Erfolg werden wird, steht nach diesen beiden Tragödien in den Sternen. Zwar haben bereits Hunderte von vermögenden Privatpersonen, darunter auch prominente Künstler wie Justin Bieber und Leonardo DiCaprio, Tickets reserviert. Dabei wurde eine hohe Anzahlung auf den voraussichtlichen Kaufpreis von einer Viertelmillion US-Dollar fällig. Doch ohne ein sicher funktionierendes Raumschiff wird es keinerlei Erträge geben. Die Finanzierung der Konstruktion eines neuen SpaceShipTwo könnte die Zukunft der gesamten Virgin Gruppe aufs Spiel setzen. Da Branson als risikofreudiger, aber auch als erfolgreicher Unternehmer bekannt ist, ist eine erneute Finanzierung über die Virgin Gruppe vorerst nicht zu erwarten.

 

 

Blue Origin – unternehmerischer Griff oder Fehlgriff nach den Sternen?

 

Jeff Bezos, der Erzrivale von Richard Branson, gründete und betreibt Amazon. Darüber hinaus ist er seit 2013 Eigentümer der Washington Post. Auch ihm steht ein enormes Kapital zur Verfügung, um seinen Traum von der Durchführung und Vermarktung von Weltraumflügen zu realisieren. Zu diesem Zweck rief Bezos im Jahr 2000 das Unternehmen Blue Origin ins Leben. Blue Origin arbeitet intensiv an der Entwicklung eines wiederverwendbaren Trägersystems für die Durchführung von Raumflügen unterhalb der Erdlaufbahn - genau wie Richard Branson. Unter dem Namen New Shepard, in Anlehnung an Alan Shepard, dem ersten US-amerikanischen Piloten, entwickeln Luft- und Raumfahrtingenieure ein autonomes Fluggerät, das ohne Bodenkontrolle auskommen soll. Im Herbst 2015 verzeichnete Bezos mit dem ersten gelungenen Testflug einen großen Erfolg, der einen bedeutenden Meilenstein auf dem Weg zur Kommerzialisierung der Raumfahrt darstellt. Darüber hinaus plant Blue Origin die Entwicklung eines Landesystems für den Mond, das Fracht bis zu einem Gewicht von über 4.000 Kilogramm transportieren soll.

 

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Blue-Origin und Amazon-Gründer Jeff Bezos ©Blue Origin

 

Wie aussichtsreich die Projekte von Jeff Bezos sind, lässt sich an der Tatsache ablesen, dass er für seine Blue Origin-Projekte Fördergelder von der NASA erhält. Im Rahmen des NASA-Programms "Commercial Crew Development" unterstützt die US-amerikanische Weltraumbehörde Privatunternehmen, die private Flüge zur Weltraumstation ISS planen. Wie sein Konkurrent Richard Branson besitzt auch Jeff Bezos überlegenen unternehmerischen Weitblick. Er ist bekannt für sein Talent, neue Marktchancen zu erkennen und erfolgreich für sich zu nutzen. Deshalb erscheint es auch bei Jeff Bezos ausgeschlossen, dass er für die Aufbringung der Mittel für Blue Origin seine anderen Unternehmen gefährden würde. Eine spürbare Beeinträchtigung der laufenden Geschäfte von Amazon und der Washingtion Post ist deshalb nicht zu erwarten.

 

Wer den Wettbewerb um die private Luftfahrt im All gewinnen wird, ist momentan noch offen. Experten halten es auch für denkbar, dass ein dritter Konkurrent das Rennen macht: Elon Musk, der mit PayPal und Tesla Milliarden verdient, bemüht sich ebenfalls um die Schaffung eines privaten Flugdienstes ins All. Sein Unternehmen SpaceX plant noch für 2017 den Start seines bemannten Dragon-Raumschiffes in den Weltraum.

 

 

Fazit:

 

  • Blue Origin und Virgin Galactic benötigen nach seriöser Einschätzung noch Jahre, um erste Weltraumflüge anbieten zu können.
  • Der kommerzielle Erfolg des Vorhabens scheint sowohl für Richard Branson als auch für Jeff Bezos (zunächst) noch von untergeordneter Bedeutung zu sein.
  • Auch Elon Musk liegt als Dritter Konkurrent gut im Rennen.

 

Wie schätzen Sie persönlich die Erfolgsaussichten von privaten Ausflügen ins Weltall ein? Teilen Sie uns und unseren Lesern in den Kommentaren Ihre Meinung mit!