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Michael Novogratz: Vom Investment- zum Bitcoinbanker

von am ‎08.05.2018 14:45
2 Kommentare , 1 Like

Hedgefonds-Manager Michael Novogratz plant eine börsennotierte Handelsbank mit Kryptowährungen.  Erfahren Sie mehr über die Hintergründe des neuen Geldhauses.

 

"Ende 2018 dürfte der Bitcoin spielend bei 40.000 US-Dollar stehen": Mit dieser spektakulären Prognose machte der Hedgefonds-Manager Michael Novogratz im Spätherbst 2017 von sich reden. Der ehemalige Goldman-Sachs-Banker hatte in seinem privaten Hedgefonds "Galaxy Investment Partners" bereits Krypto-Positionen aufgebaut: mehrere Hundert Millionen Dollar in Bitcoin, Ether, Token und in digitalen StartUp-Währungen wie Ripple. Seitdem gilt er in der Szene der Krypto-Währungen als Star.

 

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Warum wechselt ein Top-Banker in die Kryptowelt?

 

Das Geldverdienen gestaltet sich im Hedgefonds-Bereich immer schwieriger – vor allem in Niedrigzinsphasen. Immer strengere Regulierungen erschweren es, eine Outperformance zu erwirtschaften. Die Renditeanforderungen der Hedgefonds-Investoren haben sich diesem Umfeld nicht angepasst.

Doch der Ex-Banker lässt sich nicht unterkriegen. Zwar konnte er im Dezember 2017 für einen von ihm initiierten Krypto-Hedgefonds trotz Turbulenzen an den Krypto-Börsen etwa 250 Millionen Dollar einwerben. Jedoch ging sein Fonds wegen des ungünstigen Marktumfeldes nicht an den Start. Ein weiterer Grund lag in Interessenskonflikten, die mit dem Kauf von Digitalwährungen auf Kundenrechnung und deren Verkauf über das eigene Handelskonto entstanden.

 

Erstes Finanzhaus für Bitcoin, Ripple & Co.

 

Kaum einen Monat später kündigt Novogratz neue Pläne an: Anvisiert ist der Aufbau einer Handelsbank für Kryptowährungen, um Interessenskonflikte und deren Notierung an der Börse zu vermeiden. Als Pendant zu Goldman Sachs soll sich die geplante Handelsbank auf digitale Währungen und Blockchain-basierte Projekte fokussieren und in folgenden Bereichen tätig werden:

 

  • Beratung
  • Vermögensverwaltung
  • Handel
  • Investments in Initial Coins Offerings (ICOs) und in daran beteiligte Unternehmen

 

Novogratz zieht sich aus der Wall Street zurück. Die Bank mit Novogratz als CEO und Chef des Verwaltungsrates wird aus regulatorischen Gründen ihren Sitz in Kanada haben.

 

In 3 Schritten zur Krypto-Handelsbank

 

Das Vorhaben soll durch drei große Maßnahmen umgesetzt werden - und zwar durch

 

  • die Übernahme des kanadischen Start-up First Coin Capital,
  • eine Fusion der neuen Einheit mit der börsennotierten kanadischen Mantelgesellschaft Bradmer Pharmaceuticals Inc. über einen sogenannten Reverse-Takeover und
  • die Notierung des Unternehmens unter dem Namen Galaxy Digital Holdings an der Toronto TSX Venture Exchange. Die Beteiligung Bradmers an der Bank bleibt bestehen

 

Dem Vernehmen nach wird Novogratz zunächst seine Krypto-Investments in die neue Bank einbringen. Er hat ein Team alter Wall-Street-Banker zusammengestellt, zu dem ehemalige Investmentbanker von RBC Capital Markets und der Schweizer Bank UBS gehören. Eigentlich sollte der Startschuss für das ambitionierte Projekt bereits im März 2018 fallen. Doch Nachrichten über einen erfolgreichen Abschluss suchen Interessierte im Netz vergebens. Lediglich einige Wasserstandsmeldungen geben darüber Aufschluss, dass Novogratz immer noch an der Umsetzung seiner Pläne arbeitet. So berichtet Bloomberg, dass Richard Kim – ein ehemaliger Vizepräsidenten von Goldman Sachs – als Chief Operating Officer (COO) für das Vorhaben verpflichtet wurde. Mit Luka Jankovic verliert Goldman zudem einen weiteren hochrangigen Finanzexperten an Galaxy Digital.

 

Bitcoin-Bank – riskantes und reizvolles Projekt

 

Das Projekt ist riskant. Denn der Bitcoin rauschte von einem Rekordhoch von über 20.000 Dollar im Dezember 2017 auf unter 10.000 Dollar im Januar 2018 hinab. Seitdem legt der Bitcoin-Kurs eine wahre Achterbahn aufs Parkett. Bisweilen fiel die Digitalwährung sogar unter die magische 6.000-Dollar-Marke, ohne eine klare Richtung einzuschlagen.

Obendrein gab es Spekulationen, dass Südkorea den Handel mit Kryptowährungen deutlich stärker regulieren wolle. Auch in anderen Ländern gibt es Tendenzen, den Handel mit digitalen Währungen noch mehr an die Kandare zu nehmen. Vor diesem Hintergrund erscheint die Erwartung einer schnellen und nachhaltigen Erholung des Bitcoin, Dash & Litecoin sehr ambitioniert. Es bleibt abzuwarten, ob die neue Digitalbank überhaupt an den Start gehen wird.

 

Risiko – für Novogratz ein Fremdwort

 

Das Risiko hat Novogratz aufgrund seiner Persönlichkeit noch nie gescheut. Zum einen betätigte er sich als Antreiber im U.S. National Wrestling Team. Die National Wrestling Hall of Fame ernannte ihn 2007 sogar zum "Outstanding American" und 2010 zum "Wrestling Man of the Year". Zum anderen betätigte er sich kurz als Hubschrauberpilot bei der New Jersey National Guard.

 

Danach begann Novogratz im April 1989 seine Karriere bei Goldman Sachs als Salesman im Geldmarkt. Somit gehörte es zu seinem Beruf, hohe Risiken einzugehen – schon ab dem Berufsstart. Und umso mehr als Partner bei Goldman Sachs und Hedgefonds-Manager bei der Fortress Investment Group. Nach Führungspositionen als Präsident von Goldman Sachs Lateinamerika und Head of Fixed Income, Currency & Commodity in Asien wurde er 1998 zum Partner ernannt. Im März 2002 wechselte Novogratz zu Fortress Investment Group, die im Februar 2007 an die Börse ging. 2015 verließ er die Investmentgesellschaft, nachdem ein von ihm gemanagter Fonds erhebliche Mittelabflüsse verzeichnete. Seither etablierte sich der ehemalige Goldman-Sachs-Banker als Krypto-Investor und Experte für die Blockchain-Technologie.

 

Fazit:

 

  • Die Novogratz-Bank soll zum Goldman-Sachs-Pendant im Kryptobereich werden
  • Angesichts der Unsicherheit an den Digitalbörsen ist es fraglich, ob die Bank überhaupt an den Start geht
  • Das Risiko hat Michael Novogratz noch nie gescheut, weder im Berufs- noch im Privatleben

 

Wie schätzen Sie die Aussichten für die Krypto-Bank ein? Teilen Sie anderen Lesern Ihre Meinung mit! Wir freuen uns auf Ihren Kommentar!

 

Kommentare
von Gertrud
am ‎09.05.2018 16:57

Kommentar:

Augen zu . . .  und durch, und dabei wünschen und hoffen, dass keine undurchdringliche Mauer den Durchbruch mit Exodus enden läßt! Wäre **bleep** schade um das Kapital

der Krypto-Bank und der Anleger.

von Marlboro
‎10.05.2018 22:43 , bearbeitet ‎10.05.2018 22:47

Ich finde es schade das Consors jetzt auch schon von Krypto-Währungen berichtet. Jeder der das Wort Währung benutzt, sollte auch wissen, was eine Währung bedeutet.

Ganz einfach auf einen Nenner gebracht. Da sind Scharlatane am Werk die mit diesen "Währungen" sich eine goldene Nase verdienen, auf Kosten von anderer, die eines Tages ihre Einlage verlieren werden. Die Herausgabe einer Währung ist das Hoheitsrecht eines Staates und kann weder von einer Firma, anderer Institution oder erst recht nicht von Privatpersonen herausgegeben und initiiert werden. Ein Reisepass, Personalausweis usw. kann auch nur an einer staatlichen Behörde erworben werden. Genauso ist es mit Währungen!!! Will jetzt hier kein Roman über Gesetze, Regulatorien, Kontrollorgane und Aufsichten usw. schreiben. Ich muss zugeben das es mich wundert, warum weltweit die Behörden noch nicht eingeschritten sind, um diesen Kryptosumpf trocken zu legen. Okay, in vielen Länder sind hohe Politiker und einflussreiche Personen selber in diesem perfieden Spiel beteiligt um ihre "Schäfchen" zu waschen. Das ist so der einzige Grund warum ich mir es erklären kann, dass man da noch eine weile zusieht. Die Technologie dahinter ist interessant und sollte man beobachten, aber nicht die Währungen.