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Magic Leap: Wie sich mit einer Idee Milliarden generieren lassen

Bevor das Unternehmen Magic Leap ein fertiges Produkt präsentieren konnte, hatte es schon über 2 Milliarden US-Dollar Finanzierung erhalten. Was ist dran am Start-up?

 

Als Google seine Augmented-Reality-Brille (AR) vorstellte, versprach man sich viel von der neuen Technologie. Sie würde in einigen Jahren das Smartphone ersetzen, sagte man voraus. Statt eines Telefons würden Menschen Brillen tragen, die Inhalte direkt im Sichtfeld einblenden oder die Realität um digitale Komponenten erweitern. Das Projekt ist nicht gestorben. Entgegen des Hypes erlaubte die Technologie aber erst nur kleinere Sprünge. Einen ähnlichen Hype wie die Google Glasses löst seit ein paar Jahren das Startup Magic Leap aus. Ohne ein fertiges Produkt konnte das Unternehmen über zwei Milliarden US-Dollar in mehreren Finanzierungsrunden einsammeln. Mit dabei sind namhafte Investoren wie Alibaba, Google und Qualcomm. Auch Axel Springer hat eine Summe in unbekannter Höhe in das Start-up investiert.

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Magic Leap lief mit seinen Plänen lange Zeit weit unter dem Radar

 

Gegründet wurde Magic Leap bereits 2010, hatte damals allerdings noch bescheidenere Pläne. Ein Redakteur von Gizmodo fand 2014 heraus, dass die Firma ursprünglich an einer Comicserie arbeitete. Dass mehr hinter dem Start-up stecken musste, erahnte er, als Magic Leap 2014 über eine halbe Milliarde US-Dollar in einer einzigen Finanzierungsrunde einsammelte. Die Investoren damals: Google, Qualcomm, Legendary Pictures und Andreesen Horowitz. Namhafter konnte die Liste kaum sein. Ein Blick auf Stellenanzeigen des Unternehmens bot Hinweise, woran Magic Leap arbeiten könnte: Das Unternehmen suchte unter anderem Spezialisten für die Entwicklung einer AR-Hardware sowie für Machine-Learning und Bilderkennung. Weitere Andeutungen machte das Unternehmen selbst. Allerdings stets, ohne das wirkliche Vorhaben zu verraten. Wer sich dafür interessierte, konnte aus den Bruchstücken an Informationen allerdings recht schnell ablesen, dass Magic Leap an einer innovativen Augmented-Reality-Brille arbeiten musste.

 

Vom No-Name zum Hype-Startup

 

Allein die namhafte Auswahl an Investoren und die Aussicht auf eine funktionierende AR-Brille sorgten für viel Aufmerksamkeit. So entwickelte sich Magic Leap im Laufe der Jahre zu einem der interessantesten Startups überhaupt. Hinzu kamen große Namen, die auf weitreichende Pläne hinwiesen. Unter anderem stellte Magic Leap den Gamedesigner Greame Devine ein sowie Brian Wallace, der zuvor eine große Kampagne für Samsung-Smartphones entwickelte und durchführte. Wer solche Mitarbeiter für sich gewinnen konnte, musste wirklich etwas zu bieten haben.

 

Während über die genauen Spezifikationen des ersten Produkts in den Medien spekuliert wurde, sammelte Magic Leap rund 1,4 Milliarden US-Dollar von privaten Investoren ein. 2017 kamen noch einmal rund eine halbe Milliarde US-Dollar hinzu. Die Investoren diesmal: Google (wiederum), Alibaba und JP Morgan. Auch Axel Springer investierte mit seiner Digital-Ventures-Abteilung in Magic Leap. Die Summe ist unbekannt. Ende 2017 wurde Magic Leap mit sechs Milliarden US-Dollar bewertet.

 

Seit Anfang des Jahres gibt es die Magic Leap One Creator Edition für Entwickler. Seither existieren auch erste Erfahrungsberichte mit der AR-Brille. So sollen die Animationen zwar nicht an die Realität herankommen, aber doch verblüffend hochwertig sein. Die Brille kann seinen Träger in eine ganze andere Welt bringen, die komplett aus digitalen Animationen besteht. Oder sie blendet digitale Objekte in das Sichtfeld ein und lässt sie als Teil der Realität erscheinen. Ein Reporter des Rolling Stone berichtet von seiner einstündigen Demo. Während dieser wurde eine digitale Version einer Mitarbeiterin von Magic Leap in seinem Sichtfeld platziert. Als er sich bewegt, folgten ihre Augen seinen Bewegungen. Die Animation hielt Augenkontakt. Die Magic Leap One tauscht also Daten mit den Projektionen aus und ermöglicht so eine verblüffend reale Interaktion.

 

Rechtfertigt die Magic Leap derart hohe Investitionen?

 

Im März 2018 konnte Magic Leap noch einmal annähernd 500 Millionen US-Dollar einsammeln. Die große Frage lautet: Sind die Investitionssummen wirklich gerechtfertigt?

Magic Leap ist bei Weitem nicht das einzige Unternehmen, das an Virtual- und Augmented-Reality arbeitet. Microsoft, Apple und Google sind die drei Tech-Riesen, mit denen das Unternehmen in Konkurrenz steht. Jedes möchte das Erste sein, das die neue Technologie zur Marktreife für die breite Masse führt. Es gibt große Zweifel, dass AR schon bald marktreif sein wird. Eine Hürde ist die Hardware, die einerseits leistungsstark, andererseits kompakt und leicht sein muss. Schließlich wird sie in Form einer Brille getragen. Diese Hürde sieht man auch der Magic Leap One an: Die Brille an sich ist relativ groß und nicht vergleichbar mit einer normalen Sehhilfe. Zusätzlich befindet sich der Rechner in einem externen Gehäuse, das entweder in der Tasche aufbewahrt oder am Gürtel fixiert wird. Angesichts dessen ist es fraglich, ob Magic Leap in den kommenden Jahren bereits schwarze Zahlen schreiben wird. Wer als Kleininvestor an Aktien des Hype-Startups kommen will, muss sich ohnehin noch gedulden. Ein IPO ist nach der fünften Finanzierungsrunde aktuell noch nicht in Sicht.

 

Fazit:

 

  • Magic Leap arbeitet an einer Technologie, die noch viele Hürden hat
  • Die Liste namhafter Investoren und die Finanzierungssumme deuten darauf hin, dass die Lösung zu den vielversprechendsten auf ihrem Gebiet gehört und den Medienkonsum nachhaltig verändern könnte
  • Kleine Investoren können aktuell allerdings noch nicht investieren

 

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