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Lomografie – die Fotografie mit Hang zum Unperfekten

von ‎29.06.2017 14:29 , bearbeitet ‎01.08.2017 15:34
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Lomografie ist das Gegenstück zur digitalen Perfektion – und genau deswegen total angesagt. Erfahren Sie hier mehr über die Technik.

 

Dem Trend zum technischen Perfektionismus in der digitalen Fotografie setzt sich die sogenannte Lomografie mit ihren ganz eigenen Merkmalen zur Wehr. Erfahren Sie hier, was man genau unter Lomografie versteht, wo sie ihren Ursprung hat und wie Sie sich Ihre persönliche Lomo-Kamera sichern können.

 

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Was versteht man unter Lomografie?

 

Ein Leben ohne Fotos ist in der heutigen Zeit kaum vorstellbar. Schließlich ist mittlerweile fast jeder dazu in der Lage, ein qualitativ hochwertiges Bild von sich, seinen Freunden oder seiner Umgebung aufzunehmen. Immer ausgereiftere Technik – mit wachsenden Mega-Pixeln bei sinkenden Preisen – macht es möglich. Aber nicht nur die technischen Geräte wie Digitalkameras oder Smartphones können mehr, auch die Fotografen selbst legen immer mehr Wert auf Perfektion. Um sich möglichst gut in Szene zu setzen, achtet man heute verstärkt auf optimale Lichtverhältnisse und klassische Perspektiven kombiniert mit vorteilhaften Posen. Mit einem Bildbearbeitungsprogramm werden dann oft noch die letzten „Problemstellen“ kaschiert und fertig ist das scheinbar ideale Bild! Das Problem bei der Sache: Solche Fotos wirken oftmals beliebig, ja geradezu austauschbar.

Ob in sozialen Medien, auf Werbeplakaten oder selbst in üblichen Foto-Alben: Statt spontaner Schnappschüsse mit unverfälschtem Charakter sind allerorten tadellose, aber uninspirierte Motive zu sehen. Alles wirkt so makellos und perfekt. Aber mal ehrlich: Wer ist schon perfekt? Genau hier setzt die Lomografie an. Sie ist das Gegenstück zur digitalen Perfektion. Das Ziel dieser authentischen Fotokunst ist es, das Motiv wieder in den Mittelpunkt zu stellen und dabei auch „Fehler“ zuzulassen.

 

Der Zufall verhilft dem Foto zur Einzigartigkeit

 

Lomografie möchte das Leben so zu (Foto-)Papier bringen, wie es wirklich ist. Eine niedrige Bildqualität ist also kein Makel des Fotos, sondern Ausdruck kreativer Unverwechselbarkeit.

 

Folgende Merkmale zeichnet Lomografie im Speziellen aus:

 

  • Authentizität
  • Kreativität
  • Spontanität
  • Einzigartigkeit
  • Emotionen
  • Unverwechselbarkeit
  • Unvollkommenheit

 

Wodurch werden diese Merkmale der Lomografie in die Tat umgesetzt? Ganz einfach: vor allem mit einer Lomo-Kamera. Diese zeichnet sich durch ihre verhältnismäßig simpel strukturierte Bauweise und ein einfaches Objektiv aus. Auch „Kommissar Zufall“ spielt bei der Bildentstehung eine entscheidende Rolle: Weil Fokus, Blende und Verschlusszeit in der Regel nicht regulierbar sind, haben fotografisches Geschick bzw. Professionalität eine eher untergeordnete Funktion. Umso spannender ist das „zufällige“ Ergebnis am Ende nach der Filmentwicklung. Darüber hinaus lassen sich auch bei der Entwicklung des Films weitere Lomo-Effekte erzielen, beispielsweise durch das Vertauschen von Chemikalien („Cross-Entwicklung“). So kann zum Beispiel die Verwendung von Negativfilmen für Farbaufnahmen zu ungewohnt starken Kontrasten führen und dem Bild dadurch eine einzigartige Note verpassen.

 

Lomografie.jpg

 

Wie ist Lomografie entstanden?

 

Die Geschichte der Lomografie beruht mehr oder weniger auf einen Zufall. Wir schreiben das Jahr 1991, als ein paar Wiener Studenten an das analoge Kamera-Modell LC-A der Firma Lomo (1982 erstmals produziert) gerieten und damit während eines Trips durch Prag unzählige Fotos schossen. Dabei beachteten sie keinerlei fotografische Regeln, sondern machten unbedarft einen Schnappschuss nach dem anderen. Weil das Ergebnis so überraschend gut und schillernd war, entwickelte sich schnell eine wachsende Fan-Gemeinde. So gründete sich 1992 die Lomographic Society International (kurz LSI), die zwei weitere Jahre später als lomo.com im Internet auftauchte.

Zur gleichen Zeit veranstaltete die LSI in Moskau und New York bedeutende Ausstellungen, bei denen die Metropolen mit riesigen sogenannten LomoWalls verziert wurden. Der Clou: Die Bilder zeigten überwältigende Motive der jeweils anderen Stadt. Schnell wurde das unkonventionelle und spontane Fotografieren ein Trend. Nach und nach eröffneten Lomography Stores mit eigener Fashion-Linie und der Hype nahm seinen Lauf. Seit 1997 werden regelmäßig Kongresse veranstaltet, in denen beeindruckende Lomografien der Öffentlichkeit präsentiert werden.

 

Fazit:

 

  • Lomografie ist eine Gegenbewegung zur digitalen Perfektion.
  • Entscheidende Merkmale sind Authentizität, Unverwechselbarkeit und Unvollkommenheit.
  • Die erste Lomo-Kamera wurde 1982 produziert.
  • Der Ursprung der Lomografie entstand 1991 durch einen Zufall.

 

Wie sehen Sie die Lomo-Technik? Legen Sie bei Ihren privaten Fotos Wert auf Perfektion und Technik oder bevorzugen Sie unperfekte Schnappschüsse? Teilen Sie Ihre Meinung mit uns und unseren Lesern!