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Konsum im Wandel durch Corona: Gewinner & Verlierer

Die Pandemie hat unsere Gewohnheiten auf den Kopf gestellt. Welche Branchen profitieren davon und welche leiden – und nur jetzt oder auch in Zukunft?

 

Werktags ins Büro, am Wochenende zum Shopping in die Stadt und im Sommer mit dem Flugzeug in den Urlaub: Was früher für viele Menschen selbstverständlich war, ist es in Zeiten von Corona nicht mehr. Doch die Krise hat nicht nur unser Leben verändert, auch ihr Einfluss auf die Wirtschaft ist unübersehbar. Einige Effekte mögen vorübergehend sein, andere von Dauer. Die Pandemie wirkt teilweise wie ein Katalysator, der Entwicklungen beschleunigt, die sich länger abzeichneten. Werfen Sie mit uns einen Blick auf die derzeitige Lage und weiter reichende Konsequenzen.

 

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Top: Online-Shopping, Streaming und Apps – Flop: große Anschaffungen

Während der Einzelhandel im Jahr 2020 litt, trotzte der Online-Handel der Krise und verzeichnete Zuwächse. Das bekannteste Beispiel kennen Sie – es ist Amazon. Doch was ist, wenn der Normalzustand zurückkehrt? Es gibt Indizien für einen bleibenden Einfluss auf das Konsumverhalten. Im Rahmen des Reports „The Shape of Retail: Consumers and the New Normal“ hat das Beratungsunternehmen Alvarez & Marsal 6.000 Verbraucher*innen in sechs europäischen Staaten befragt. Die Ergebnisse sprechen für sich: 34 Prozent der Deutschen haben erstmals Artikel online bestellt, die sie sonst ausschließlich im Präsenzhandel kauften. 23 Prozent glauben, dass sie auch in Zukunft häufiger im Web shoppen werden.

 

Insgesamt geben die Käufer*innen aktuell aufgrund von Corona weniger Geld aus. Vor allem größere oder nicht notwendige Anschaffungen wie Kleidung, Elektrogeräte und Möbel werden laut Alvarez & Marsal aufgeschoben. Gewinner finden sich bei den digitalen Inhalten, beispielsweise Apps: Nach Angaben des Digitalverbands Bitkom erreicht deren Umsatz in diesem Jahr 1,99 Milliarden Euro und übertrifft den Vorjahresrekord um 24 Prozent. Ebenso boomt Video-Streaming, wie sich etwa an den Quartalsberichten des Marktführers Netflix ablesen lässt. Wer nicht ins Kino kann, schaut eben Filme und Serien online. Es geht sogar so weit, dass beispielsweise die US-amerikanische Film- und Fernsehgesellschaft Warner Bros. alle neuen Filme in diesem Jahr zeitgleich zum Kinostart auch ins Streaming bringen möchte.

 

Der Trend zum Homeoffice – und sein Einfluss auf Wohnen und Verkehr

Außer auf das Privatleben wirkt sich Corona auch auf die Art aus, wie wir arbeiten: wenn möglich, von zu Hause aus. Dies bleibt nicht ohne Folgen auf den Wohnungsmarkt, denn für ein komfortables Homeoffice ist zusätzliche Fläche erforderlich. Zwar gab es Anfang des Jahres durch den Corona-Schock zuerst einen Einbruch bei Wohnimmobilien. Doch schon im Juni ergab eine Auswertung von Immobilienscout24 eine stark erhöhte Nachfrage nach Häusern mit mehr als 150 Quadratmetern Wohnfläche. Die Anfragen stiegen um 37 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Aber was passiert mit Gewerbeimmobilien, wenn der Trend zum Homeoffice anhält? Bereits jetzt zeigt ein Bericht einen deutlichen Rückgang bei Bürovermietungen. Dies bedeutet eine potenzielle Gefahr für offene Immobilienfonds, die Gewerbeobjekte im Portfolio haben.

 

Darüber hinaus entfällt bei der Arbeit im Homeoffice die Fahrt ins Büro. Schlechte Aussichten für Autohersteller? So simpel ist es nicht, denn viele Menschen haben die Vorzüge des eigenen Autos gegenüber dem überfüllten öffentlichen Nahverkehr wiederentdeckt. Gleichzeitig kommt mit den hohen staatlichen Kaufprämien für Elektroautos und Hybridfahrzeuge ein weiterer Faktor ins Spiel. Wenig verwunderlich, dass E-Autos im November einen Anstieg von 522,8 Prozent bei den Zulassungszahlen des Kraftfahrtbundesamtes verbuchten. Die Krise löst somit möglicherweise einen beschleunigten Wandel hin zur Elektromobilität aus. Davon profitieren könnten Hersteller, die in diesem Segment gut aufgestellt sind und gefragte E-Modelle im Programm haben.

 

Contrarian-Perspektive: Gibt es Nachholbedarf nach dem Ende der Krise?

Auch wenn wiederholt vom „New Normal“, also einer neuen Normalität die Rede ist: Es wird eine Zeit nach der Krise geben. Aktuelle Entwicklungen setzen sich nicht in jedem Fall ungebremst weiter fort. Deutliche Gegenbewegungen, ausgelöst durch den Nachholbedarf der Verbraucher, sind nicht auszuschließen. Es gibt historische Beispiele für solche Phänomene. Denken Sie etwa an die „Fresswelle“ im Deutschland der 50er-Jahre: Nach den Entbehrungen des Krieges stieg die Nachfrage nach hochwertigen Lebensmitteln rasant an.

 

In naher Zukunft könnten somit Branchen zu den Gewinnern gehören, die derzeit unter Corona extrem leiden. Als Erstes kommt die Gastronomie in den Sinn. Die Möglichkeiten für private Anleger und Trader sind leider beschränkt – sie erstrecken sich in erster Linie auf große Fast-Food-Ketten. Anders sieht es bei Fluggesellschaften, Hotels und Reiseveranstaltern aus. Ein Reiseboom könnte diese beflügeln. Natürlich ist hier Vorsicht angebracht – denn einige Unternehmen werden die Coronakrise nicht überleben.

Was die Zukunft bringt, bleibt spannend. Wie sieht Ihre Einschätzung für die Zeit nach der Pandemie aus? Verraten Sie es uns in einem Kommentar!

 

Fazit:

  • Gewinner der Krise sind vor allem der Online-Handel sowie die Anbieter digitaler Inhalte wie Video-Streaming oder Apps.
  • Der Trend zum Homeoffice erhöht die Nachfrage nach größeren Wohnimmobilien und führt zu einem Einbruch bei Büro-Vermietungen.
  • Nach Corona könnte es zu einem Comeback von Branchen wie der Touristik kommen, die die Pandemie besonders hart getroffen hat.