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KFZ-Versicherung: Haftpflicht, Voll- oder Teilkasko?

von am ‎17.08.2017 08:47
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Viele Autofahrer behalten die zu Beginn gewählte Versicherungskombination ein Autoleben lang bei. Doch welche KFZ-Versicherung ist wirklich sinnvoll?

 

Für die meisten Autofahrer ist die Sache klar: Ein Neuwagen erhält als KFZ-Versicherung zusätzlich zur Haftpflichtversicherung einen Vollkasko-Schutz. Laut Angaben des Statistikportals Statista sind gut 23 Millionen der insgesamt rund 45 Millionen in Deutschland zugelassenen Pkw auf diese Weise versichert. Doch ist das immer sinnvoll? Immerhin ist die KFZ-Versicherung mit Vollkasko eine teure Angelegenheit. Wann lohnt sich die KFZ-Versicherung zum Vollkasko-Tarif und wann genügt der Schutz der Teilkasko?

 

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Die Haftpflichtversicherung als gesetzliche Vorschrift

 

Gesetzlich vorgeschrieben ist als KFZ-Versicherung lediglich eine KFZ-Haftpflichtversicherung. Diese Versicherung deckt mit dem Auto verursachte Schäden an fremden Gütern oder Personen ab. Ohne diesen Schutz darf kein Auto auf deutschen Straßen fahren. Um wirklich gut abgesichert zu sein, sind laut Gesetzgeber Verträge mit einer Deckungssumme von mindestens 1 Million Euro bei Sachschäden und 7,5 Millionen Euro bei Personenschäden empfehlenswert. Viele Versicherungen bieten aber Verträge mit Deckungssummen in Höhe von 100 Millionen Euro an, da die gesetzliche Mindestdeckungssumme heutzutage oftmals nicht mehr ausreichend ist. Die Beiträge ermittelt die Versicherung anhand der Region, in der der Fahrzeughalter lebt, des Fahrzeugmodells und der persönlichen Schadenfreiheitsklasse. Das bedeutet, je länger Sie unfallfrei fahren, desto günstiger wird der Vertrag.

 

Was ist eine Teilkaskoversicherung?

 

Während die Haftpflichtversicherung lediglich für Schäden an fremdem Eigentum aufkommt, sichert eine Kasko-Versicherung Schäden am eigenen Auto ab. Die KFZ-Versicherung als Teilkasko deckt bereits viele Schäden ab, die einen Autobesitzer ohne Versicherung teuer zu stehen kommen können. Der Vorteil der Teilkaskoversicherung liegt unter anderem darin, dass diese KFZ-Versicherung keine Schadensfreiheitsklassen kennt. Der Beitrag steigt nach einem gemeldeten Schaden nicht an, allerdings wirken sich schadenfreie Jahre ebenfalls nicht auf die Prämie aus. Die Teilkasko leistet unter anderem bei folgenden Schadensereignissen:

 

  • Diebstahl oder Teildiebstahl
  • Brand- oder Explosionsschäden
  • Wildschäden (in der Regel begrenzt auf Haarwild)
  • Direkt durch Sturm, Hagel oder Überschwemmung verursachte Schäden
  • Glasbruch
  • Kurzschluss
  • Marderbiss

 

Was leistet die Vollkaskoversicherung?

 

Die Vollkaskoversicherung schließt eine Teilkasko als KFZ-Versicherung mit ein. Darüber hinaus leistet die Versicherung für Schäden durch Vandalismus, bei selbst verschuldeten Schadenfällen sowie bei Schäden, die Ihnen durch Unfallflucht entstanden sind. Als Versicherungsnehmer sollten Sie die Angebote der verschiedenen Versicherer genau vergleichen. Denn mancher Tarif leistet nur bei Schäden durch Haarwild, andere Gesellschaften schließen Federwild mit ein. Bremsen Sie für einen Hund und erleiden einen Unfall, gehen Sie bei einigen Verträgen leer aus, andere leisten anstandslos. Eine Garantieversicherung ist die Vollkasko allerdings nicht. Schäden durch Verschleiß oder einen Motorschaden decken auch diese umfangreichen Policen nicht ab.

 

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Wann ist eine Vollkasko-KFZ-Versicherung sinnvoll?

 

Die Vollkasko bietet Ihnen als Fahrzeughalter einen sehr umfassenden Schutz. Dieser Komfort hat allerdings seinen Preis. Insbesondere Fahranfänger oder Fahrer mit mehreren Vorschäden zahlen eine stolze Prämie. Trotzdem ist die KFZ-Versicherung als Vollkasko in bestimmten Situationen empfehlenswert:

 

  • Neuwagen sollten mit einer Kombination aus KFZ-Haftpflicht und Vollkasko abgesichert werden.
  • Das gilt so lange, wie der Wiederbeschaffungswert des Wagens noch vergleichsweise hoch ist. In den meisten Fällen bietet sich diese KFZ-Versicherung für die ersten drei bis fünf Jahre eines Autolebens an.
  • Wird ein Fahrzeug finanziert oder über einen Leasingvertrag genutzt, ist die Vollkasko ebenfalls ein Muss. Ein selbst verursachter Totalschaden sorgt ansonsten dafür, dass Sie kein Auto mehr haben und zusätzlich einen Berg Schulden. Kreditgeber und Leasinggesellschaften setzen den Abschluss einer Vollkaskoversicherung zudem voraus.

 

Wann ist die Teilkasko empfehlenswert?

 

Ist der Wagen abbezahlt und bereits älter, bietet sich die günstigere Teilkaskoversicherung an. Hier sind immerhin die Schäden abgesichert, auf die das Fahrverhalten keinen Einfluss hat. So lange der Wert des Wagens noch so hoch liegt, dass eine Wiederbeschaffung nach einem Diebstahl oder einem Unwetter kaum zu stemmen ist, bietet sich diese Versicherung an. Überlegen Sie ab einem Fahrzeugalter von acht bis elf Jahren, ob eine Kasko-Versicherung weiterhin sinnvoll ist. Liegt der Wert des Wagens nicht deutlich über der Selbstbeteiligung, ist eine Teilkasko unnötig.

 

Wie sinnvoll sind weitere Versicherungsangebote?

 

Viele Versicherungen bieten Ihnen zusätzlich zur KFZ-Versicherung eine Insassenunfallversicherung an. Diese Versicherung gehört zu den unnötigeren Produkten. Bei einem selbst verschuldeten Unfall erhalten Mitfahrer Leistungen aus Ihrer KFZ-Haftpflichtversicherung. Hat der Gegner den Unfall verschuldet, leistet dessen Versicherung. Lediglich der Fahrer ist bei selbst verschuldeten Unfällen nur über seine Krankenversicherung abgesichert. Reicht Ihnen das nicht, denken Sie lieber über eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder Ähnliches nach. Der ebenfalls häufig angebotene Pkw-Schutzbrief kann dagegen eine günstige Alternative zur Mitgliedschaft in einem Automobilclub sein.

 

Fazit:

 

  • Die Haftpflicht als KFZ-Versicherung ist in Deutschland Pflicht.
  • Eine Vollkaskoversicherung bietet sich für Neuwagen an.
  • Auch während der Finanzierungsdauer und beim Leasing ist eine Vollkasko unumgänglich.
  • Ältere PKW sind mit der günstigeren Teilkasko ausreichend gut versichert.
  • Sehr alte Fahrzeuge mit einem geringen Wiederbeschaffungswert benötigen oft gar keinen Kasko-Schutz mehr.

 

Wie haben Sie Ihren Wagen versichert? Setzen Sie bei der KFZ-Versicherung auf die Vollkasko oder genügt Ihnen die Teilkaskoversicherung? Oder fahren Sie lediglich mit Haftpflicht? Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns und unseren Lesern!

Kommentare
von Waldachtal1
am ‎21.08.2017 09:03

Um auf die tatsächlichen Vollkaskokosten zu kommen muss zuerst die in der VK-Prämie enthalten Kosten für die Teilkasko abgezogen werden. Dann erst kommt es entscheidend auf die persönlichen Gegebenheiten des VN an wie Fahrleistung und finanzieller Status.

Wird z.B. für eine Ersatzbeschaffung ein Darlehen benötigt so können die Zinsen hierfür höher liegen als die reine VK - Prämie. Auch Schäden mit Unfallflucht oder vielfache Auslandsaufenthalte sind zu bedenken. VK kann auch für ruhigeren Schlaf sorgen. Risikominimierung hat auch seinen Preis. Fazit: Pauschal keine Empfehlung möglich.