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Jesse Lauriston Livermore: Investieren mit Methode

von am ‎26.09.2017 13:28
5 Kommentare , 1 Like

Jesse Lauriston Livermore: Der Erfinder des Short Selling fasziniert Anleger bis heute und wird wegen seiner einzigartigen Erfolge und Strategien von Experten geschätzt.

 

Im Alter von 63 Jahren setzt Jesse Lauriston Livermore seinem Leben in einem Hotel in Manhattan ein Ende. Hinter ihm liegen eine bewegte Zeit und eine Vielzahl von spektakulären Erfolgen an den Märkten. Einer der größten Börsenspekulanten der Geschichte hatte nach zahlreichen legendären Coups den Mut zum Leben verloren – und nach mehreren Fehlschlägen auch das Vertrauen in seine Fähigkeiten. Dabei sind viele bis heute von seinem rasanten Aufstieg zum König der Spekulanten und seiner Meisterschaft des Short Selling fasziniert. Livermores Karriere beginnt schon als Jugendlicher – und seine Methoden sind für Anleger und Börsen-Experten nach wie vor aktuell und relevant.

 

Jesse Lauriston Livermore.jpg

 

Die Bucket Shops: Das jugendliche Börsen-Genie

 

Der Lebensweg von Jesse Lauriston Livermore ist vorgezeichnet. Der Junge aus Shrewsbury im US-Bundesstaat Massachusetts soll auf Wunsch seines Vaters Farmer werden und einen bodenständigen Beruf ausüben. Doch Livermore rebelliert und flüchtet bereits mit 14 Jahren mit dem Einverständnis seiner Mutter und einem Startkapital von 5,- Dollar aus dem Elternhaus. Er findet bald Arbeit in Boston, notiert hier zu Beginn die aktuellen Aktienkurse auf Tafeln und beginnt schließlich, selbst zu handeln. Zum Einstieg begnügt er sich noch mit den Bucket Shops – Spielhäusern, die den Handel als Wette nachahmen, ohne die Aktienkäufe wirklich auszuführen. Livermores Strategien verhelfen ihm schnell zu großem Erfolg: Schon im Alter von 15 erwirtschaftet er ein zu dieser Zeit beachtliches Vermögen von 1.000 Dollar. Mit 20 hat er an den Bucket Shops bereits 10.000 Dollar verdient. Daraufhin schließen die Bucket Shops für ihn ihre Tore und Livermore entscheidet sich, an den echten Märkten zu investieren.

 

Livermore: Der König der Spekulanten

 

Livermores Leben und Handeln an den Märkten weist zahlreiche Höhen und Tiefen auf. Bereits nach zwei Jahren in New York muss Livermore Verluste hinnehmen und erklärt seinen ersten Bankrott. Im Jahr 1907 erlangt Livermore erstmals Bekanntheit und Ruhm. Durch ein genaues Studium von Märkten und Wirtschaftslage wird ihm bewusst, dass ein baldiger Crash unvermeidlich ist. Zu wenig Kapital bewirkt einen massiven Preisverfall – und damit verdient Livermore beinahe auf einen Schlag eine Million Dollar. Das Muster wiederholt sich 1929, er setzt erneut auf die richtige Strategie und steigert sein Kapital auf über 100 Millionen Dollar, im heutigen Maßstab ein Milliardenvermögen. Der König der Spekulanten, der eigentlich ein Farmer werden sollte, führt jetzt ein luxuriöses Leben und besitzt Anwesen auf der ganzen Welt. Der Erfolg der beiden Geniestreiche ist allerdings nicht von Dauer. Livermore weicht von seinen eigenen Grundsätzen ab und vertraut unter anderem auf Tipps und Ratschläge von anderen – und muss zahlreiche Misserfolge hinnehmen.

 

Die zentrale Strategie: Das Short Selling

 

Livermore bringt sich als Jugendlicher das Handwerkszeug des Traders selbst bei und entwickelt so seine eigene Herangehensweise. Von überragender Bedeutung sind dabei die Leerkäufe, das Short Selling. Anstatt sich auf etablierte Sichtweisen und subjektive Ansichten zu verlassen, geben für Livermore stets die Zahlen und ihre Trends den Ausschlag. Den Fakten den Vorzug zu überlassen, zahlt sich bald für ihn aus. Leerkäufe vor rasant stürzenden Aktienkursen, die er korrekt vorausgesagt hat, machen ihn zu einem der wohlhabendsten Investoren der Welt. 1907 und 1929 zählt Livermore zu den großen Gewinnern – und wird damit zur Legende. Seine Regeln sind auch im digitalen Zeitalter von Bedeutung: Sie beschreiben Prinzipien, die Investoren zu Disziplin mahnen und davor bewahren, unsichere Käufe zu tätigen.

 

Börsenlegende Jesse Lauriston Livermore.jpg

 

Livermore: Rationalität schlägt Bauchgefühl

 

Livermores Credo ist simpel: Die Märkte sind insgesamt berechenbar, die Bewegungen bei den Aktienkursen vorhersagbar. Die wichtigste Ressource ist nicht das Kapital – es sind die Zeit bzw. der richtige Zeitpunkt sowie exakte Daten. Im analogen Zeitalter ersetzt Livermore selbst den Computer und bleibt den Methoden treu, die er als Jugendlicher mit dem Aufschreiben gelernt hat. Er verfolgt einige wenige Aktienkurse und sucht nach stabilen Entwicklungen. Sobald ausreichendes Datenmaterial gesammelt wurde, gilt es vorsichtig zu investieren und genau den Trends zu folgen. Damit setzt Livermore für konstante Gewinne nicht auf Instinkt oder Bauchgefühl, sondern auf Beobachtung, Rationalität und Akribie. Im Idealfall lassen Trader zum Beispiel den Markt reagieren, bevor sie zu größeren Summen greifen, und vermeiden dadurch riskante Transaktionen. Doch den eigenen Mahnungen folgt Livermore nicht strikt genug: Während sich einige Wetten auszahlen, verspielt er letztlich nahezu sein gesamtes, massives Vermögen.

 

Fazit:

 

  • Börsen-Legende Livermore – Erfinder des Short Selling
  • massive Gewinne beim Crash 1907 und 1929
  • Strategie: den Trends folgen, den Markt reagieren lassen
  • nach heutigem Maßstab Milliardenvermögen, luxuriöser Lebensstil
  • enorme Verluste – die eigenen Regeln nicht beachtet

 

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Kommentare
von
am ‎26.09.2017 16:14

Schade, dass ein von einer Bank verfasster Blog die Übersetzung von "short selling" ins Deutsche nich richtig wiedergibt. Leerkäufe haben mit short selling nichts zu tun. Es müsste "Leerverkäufe" heissen.

von
am ‎28.09.2017 06:16
Da ist wohl jemand mit dem falschen Fuss aufgestanden.. Ich fand es sehr unterhaltsam und kurzweilig
von
am ‎03.10.2017 12:59

Guten Tag!

 

Eine nette Geschichte, leider etwas am Thema vorbei.

Ich denke Livermore hat früh erkannt, dass die Marktrotation eine wesentliche Chance darstellt!

Er hat als einer der Ersten den sogenannten "Top - Down - Ansatz" entwickelt, d,h. der Markt muss erstmal insgesamt steigen, erst dann darf man in Aktien gehen (long).

Wenn der "Markt" steigt, sucht man die stärksten Sektoren im Markt (Branchen) und dort wieder die stärksten 2 Aktien. Er hat nach 2 steigenden Aktien gesucht, um seine Annahme zu bestätigen, hat aber nur die stärkste Aktie gekauft.

L. hat quasi das Momentum genutzt mit einem Marktfilter.

In den Sechzigern hat Roberet A. Levy versucht den Handelsansatz von L. zu mechanisieren. Er entwickelte die Relative Stärke nach Levy. Vom Konzept her recht einfach aber wirksam. Es ist faktisch die 1. Ableitung der Kurvendiskussion.

https://en.wikipedia.org/wiki/Robert_A._Levy

Diese Forschung hat C. Kirkpatrick ausgebaut und erfolgreich als Fondsmanager genutzt.

https://www.charleskirkpatrick.com/

C.K. hat ein sehr gutes Buch geschrieben, in diesem wird ein ganzes Handelssystem vorgestellt:

https://www.amazon.com/Beat-Market-Invest-Knowing-Stocks/dp/0132439786

James P. O` Shaughnessy bestätigt in seinem Bestseller "What works on Wall Street" die Ergebnisse von Levy und Kirkpatrick.

O`Shaughnessy verwaltet erfolgreich mehrere Milliarden als Fondsmanager.

Er ist nicht mit einem katholischen Priester zu vergleichen, der in der Paartherapie tätig ist.

Nun gibt es endlich ein Buch in deutscher Sprache, das fast alle Erkenntnisse der Top - Down - Handelsstrategie zusammenfast und alles im Rahmen eines Handelssystems erklärt, von Andreas Clenow:

https://www.amazon.de/Stocks-Move-schlagen-Momentum-Strategien-Hedgefonds/dp/3864703603

Leider wechselt C. leicht die Methode, er nützt zur Selektion nicht die Relative Stärke nach Levy sondern betrachtet den Steigungswinkel eines Regressionskanals über 90 Tage.

Am Ende betrachten alle in 1. Linie das Momentum, deren Güte und nutzen einen Marktfilter.

Das wertvolle am Buch von C. ist die Betrachtung eines Handels im S&P 500 über 15 Jahre inkl. der Lehman - Krise (mit geringsten Verlusten!).

Clenow bildet, nach meiner Meinung, auf zeitgerechte Weise den Handelsansatz von Jesse Livermore nach!

Nun  zu den gigantischen Gewinnen von Jesse Livermore, durch das Verständnis des Momentum - Ansatzes, im Zusammenhang mit seinen Filtern (Branche und deren "starken Aktien") erkannte er die sich bietende Chance zu Leerverkäufen.

Mit der heutigen IT und einem entsprechendem Datenanbieter hätte die advance / decline line den entsprechenden Hinweis gegeben!

Mit wohlstandsförderndem Gruß

Onassis

 

 

von
am ‎09.10.2017 13:41
"Clenow bildet, nach meiner Meinung, auf zeitgerechte Weise den Handelsansatz von Jesse Livermore nach!"
 
Wie kann man das als Amateur umsetzen?
Vielen Dank schon jetzt.
von
am ‎09.10.2017 16:36

Guten Tag Heiko!

 

Bist Du wieder im GeschäftSmiley (fröhlich)?

 

Hier findet gerade eine interessante Diskussion zum Thema statt,

http://www.aktienboard.com/forum/f40/jesse-l-livermore-u-andreas-clenow-t130587/

 

Mit wohlstandsförderndem Gruß

Onassis

 

 

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