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Hinterbliebenenrente: finanzielle Hilfe nach einem Todesfall

Finanzielle Absicherung für Familien: Die Hinterbliebenenrente schützt Witwen und Witwer nach einem Todesfall – doch die Rentenhöhe variiert.

 

Damit Witwen und Witwer nach dem Tod des Partners finanziell abgesichert sind, wird die Hinterbliebenenrente ausgezahlt. Sie dient in erster Linie dazu, die Familie nach dem Wegfall eines Einkommens zu schützen – dies gilt auch für eine eingetragene Lebenspartnerschaft.

 

Wie hoch der Anspruch genau ausfällt, richtet sich nach dem jeweiligen Einzelfall. Durchschnittlich erhalten Hinterbliebene 400-800 €. Nach einer Gesetzesänderung im Jahr 2002 gelten für die Hinterbliebenenrente zudem zwei parallele Systeme. Die neue Rechtslage ist insgesamt weniger großzügig, verringert und begrenzt Ansprüche zeitlich. Die älteren Bestimmungen gelten für Sie, wenn

 

  • der Ehepartner vor dem 1. Januar 2002 gestorben ist
  • die Ehe vor dem 1. Januar 2002 geschlossen wurde und ein Partner vor dem 2. Januar 1962 geboren wurde.

 

Witwen_Witwerrente.jpg

 

Voraussetzungen für die Hinterbliebenenrente

 

Um für die Hinterbliebenenrente infrage zu kommen, müssen die Eheleute mindestens ein Jahr verheiratet gewesen sein. Diese Regelung soll verhindern, dass es sich um eine Versorgungsehe gehandelt hat. Darüber hinaus richtet sich die Höhe der Hinterbliebenenrente nach dem Rentenanspruch des Verstorbenen. Dieser muss wenigstens für einen Zeitraum von fünf Jahren in die Rentenversicherung eingezahlt haben. In diesem Fall wird grundsätzlich zunächst die kleine Witwen-/Witwerrente ausgezahlt.

 

  • Sie beläuft sich auf 25 Prozent der Rente des Partners.
  • Nach neuem Recht ist sie auf zwei Jahre begrenzt.
  • Nach altem Recht kann sie lebenslang erhalten werden.

 

Die große Witwen-/Witwerrente

 

Höher fällt die Hinterbliebenenrente aus, wenn ein Anspruch auf die große Witwen-/Witwerrente besteht. In diesem Fall haben Sie ein Anrecht auf 55 Prozent (nach altem Recht: 60 Prozent) der Rente des verstorbenen Partners. Diese wird ohne zeitliche Begrenzung ausgezahlt. Unter folgenden Voraussetzungen herrscht ein Anspruch auf die große Witwen-/Witwerrente:

 

  • bei Berufsunfähigkeit oder Erwerbsminderung des Hinterbliebenen
  • ab einem bestimmten Alter: ab Vollendung des 45. Lebensjahrs (diese Grenze verschiebt sich bis 2029 stufenweise auf das 47. Lebensjahr)
  • solange ein Kind unter 18 Jahren erzogen wird
  • bei einem behinderten Kind, das sich nicht selbst versorgen kann

 

Zu beachten: Einkommen und neue Ehe

 

Die Hinterbliebenenrente stellt eine Absicherung dar, die vor allem Familien mit geringen Einkünften oder nur einem Einkommen schützen soll. Aus diesem Grund wird das jeweilige Einkommen von Witwen und Witwer angerechnet. Aus Sicht des Gesetzgebers ist eine finanzielle Unterstützung in vielen Fällen nicht notwendig. Dies gilt zum Beispiel, wenn ein bisher allein verdienender Partner sich und die Familie weiterhin selbst versorgen kann.

 

  • Gegebenenfalls wird die Hinterbliebenenrente gekürzt oder sogar gestrichen.
  • Einen ersten Überblick bieten Online-Rechner für die Witwen-/Witwerrente.

 

Weiterhin entfallen die Ansprüche, wenn Hinterbliebene erneut heiraten. Dafür erhalten sie eine Abfindung und genießen einen wichtigen Schutz: So besteht bei einer Scheidung die Option, die Hinterbliebenenrente für die vorherige Ehe zu beantragen.

 

Neu beantragen: Hilfe bei Berufsunfähigkeit

 

Wer zunächst nur die kleine Witwen-/Witwerrente bekommt, verliert nicht den Anspruch auf die große Hinterbliebenenrente. Sobald eine der Bedingungen erfüllt ist, kann umgehend die höhere Rentenzahlung beantragt werden. Gerade bei einer eingeschränkten Erwerbsfähigkeit ist dies ein großer Vorteil. Doch auch das Erreichen der Altersgrenze reicht aus, um ein Anrecht auf die große Hinterbliebenenrente zu haben. In der Regel wird dies von der Rentenversicherung berücksichtigt und die Rentenzahlung daraufhin automatisch angepasst. Nichtsdestotrotz ist es ratsam, die Situation regelmäßig zu überprüfen und die Rentenversicherung bei Fragen zu kontaktieren.

 

Hinterbliebenenrente: ausreichende Absicherung?

 

Ob die Hinterbliebenenrente eine vollständige Absicherung darstellt, ist generell schwierig zu bewerten. Die Vorteile der Gesetzeslage sind vor allem die Sonderregelungen für die Erziehung von Kindern und der Schutz bei einer Berufsunfähigkeit. So wird gewährleistet, dass Witwen und Witwer nach dem Tod des Partners bei Bedarf eine finanzielle Unterstützung erhalten. Außerdem ist die Hinterbliebenenrente flexibel, denn auch nach einer erneuten Heirat und im Falle einer anschließenden Scheidung behalten die Hinterbliebenen ihre Ansprüche aus der vorherigen Ehe. Dennoch ist und bleibt die Hinterbliebenenrente eine Grundsicherung, auf die das aktuelle Einkommen angerechnet wird. Wenn Familien sehr stark von einem besser verdienenden Partner abhängig sind, erscheint eine weitergehende Absicherung empfehlenswert.

 

Fazit:

 

  • Hinterbliebenenrente: finanzielle Absicherung nach einem Todesfall
  • Regelungen gelten auch für eingetragene Partnerschaften
  • Voraussetzungen: 12 Monate verheiratet, fünf Jahre eingezahlt
  • kleine Rente: 25 Prozent für 24 Monate, große Rente: 55 Prozent lebenslang
  • Bedingungen für große Rente: Kinder, Berufsunfähigkeit oder Erreichen der Altersgrenze
  • Einkommen wird angerechnet, Rente in der Folge gekürzt oder gestrichen

 

Wie beurteilen Sie die Bestimmungen zur Hinterbliebenenrente sowie die Änderungen vom alten zum neuen Recht? Verraten Sie uns Ihre Meinung und diskutieren Sie mit den anderen Lesern!