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Hebelzertifikate: Chancen und Risiken einer außergewöhnlichen Wertpapiergattung

Hebelzertifikate vervielfachen Gewinne oder Verluste eines Basiswerts. Doch sind diese Papiere nichts für schwache Nerven. Eine Einführung.

 

Wer bei einer Geldanlage sehr risikobereit ist, für den sind Hebelzertifikate genau das Richtige. Sie hebeln mögliche Gewinne und Verluste. Zudem ermöglichen sie es Anlegern, auch auf fallende Kurse zu setzen. Doch Vorsicht: Ein Totalverlust ist nicht ausgeschlossen. Lesen Sie hier, welche Chancen und Risiken diese hochspekulative Wertpapiergattung mit sich bringt.

 

So funktionieren Hebelzertifikate

 

Eines haben Hebelzertifikate mit anderen Zertifikaten gemeinsam: Sie beziehen sich stets auf einen sogenannten Basiswert. Das ist meist eine Aktie, ein Rohstoff, eine Währung oder ein Index, von deren beziehungsweise dessen Kursentwicklung auch die Kursentwicklung des Zertifikats abhängt. Wie genau sich der Wert von Zertifikaten entwickelt, hängt stets von der Rechenformel ab, die ihnen zugrunde gelegt ist.

 

Chancen und Risiken von Hebelzertifikaten.jpg

 

Simple Rechenmethode, transparente Kursentwicklung

 

Bei Hebelzertifikaten der Delta 1 Gruppe (Unter einem Delta 1 Zertifikat versteht man eine besondere Gruppe der Finanzderivate, die sich in einer quasi 1:1 Korrelation zu ihrem Basiswert entwickeln) ist die Rechenformel ganz einfach: Jeder Gewinn oder Verlust des Basiswerts wird gehebelt, also vervielfacht. Dabei kann der Hebel bei 2, 3, 10 oder gar bei 100 und darüber liegen.

 

Ein Rechenbeispiel verdeutlicht, wie dieser Hebel wirkt:

Angenommen, ein Hebelzertifikat der Delta 1 Gruppe hat eine Aktie als Basiswert und den Hebel 8. Steigt die betreffende Aktie um nur einen Euro, hat der Zertifikate-Inhaber bereits acht Euro Gewinn gemacht. Verliert die Aktie dagegen einen Euro, beträgt allerdings auch der Verlust acht Euro.

 

Spekulation auf Gewinne und Verluste möglich

 

Nicht nur auf Gewinne des Basiswerts können Sie mit Hebelzertifikaten spekulieren. Sie können auch darauf setzen, dass der Basiswert Verluste macht, und Sie können an diesen Verlusten prächtig mitverdienen – ebenfalls wieder mit Hebel. Diejenigen Hebelzertifikate, mit denen der Anleger auf steigende Kurse setzt, heißen „Calls“ oder „Long-Zertifikate“. Diejenigen, mit denen der Anleger erst Geld verdient, wenn die Kurse sinken, heißen „Puts“ oder „Short-Zertifikate“.

 

Bei einem Put wird jede Kursbewegung mit umgekehrtem Vorzeichen gehebelt: Ein Kursgewinn des Basiswerts um einen Euro bedeutet bei Hebel 2 (nur bei Delta 1 Zertifikaten) also einen Verlust von zwei Euro. Ein Kursverlust des Basiswerts um einen Euro bedeutet dagegen einen Gewinn von zwei Euro.

 

Knock-out-Schwelle birgt Risiko eines Totalverlusts

 

Die Verlustrisiken beschränken sich bei Hebelzertifikaten allerdings nicht auf die gehebelten Verluste des Basiswerts. Es gibt noch eine weitaus schlimmere Tücke, die diese Wertpapiere mit sich bringen: die sogenannte Knock-out-Schwelle bei den sogenannten Knock-out Produkten. Das ist eine Kursschwelle, bei deren Erreichen das Zertifikat auf einen Schlag wertlos wird. Ein K.-o.-Schlag für dieses Investment sozusagen. Die Knock-out-Schwelle wird übrigens als Kurs des Basiswerts angegeben. Bei Calls liegt sie stets unter dem aktuellen Kurs, bei Puts darüber.

 

Zwei Beispiele:

 

Beispiel 1: Ein Call auf den DAX hat die Knock-out-Schwelle von 7.500 Punkten. Das heißt: Fällt der DAX auf oder unter diese Marke, dann verfällt dieses Hebelzertifikat wertlos.

Beispiel 2: Ein Put auf den DAX hat die Knock-out-Schwelle von 11.000 Punkten. Das heißt: Erreicht der DAX einen Punktestand von 11.000 oder mehr, dann verfällt auch dieses Hebelzertifikat wertlos.

 

Übrigens werden Hebelzertifikate genau wegen dieser K.-o.-Schwelle auch häufig als Knock-out-Zertifikate bezeichnet.

 

Kursentwicklung gleicht rasanter Achterbahnfahrt

 

Schon allein wegen des Hebels gleicht die Kursentwicklung von Hebelzertifikaten einer rasanten Achterbahnfahrt, bei der es innerhalb von kurzer Zeit (teilweise Minuten) kräftig auf und ab geht. Die Knock-out-Schwelle macht den Handel mit diesen Papieren noch riskanter. Ein Totalverlust ist möglicherweise vorprogrammiert – und übrigens gar nicht so selten.

 

Die besten Handelsplätze für Hebelzertifikate

 

Hebelzertifikate ordern Sie am besten im außerbörslichen Handel (OTC) oder über die Börsenplätze Stuttgart und Frankfurt.

Diese sind spezialisiert auf Derivate und somit auch auf Hebelzertifikate. Eine blitzschnelle Orderausführung ist hier gewährleistet – und das ist auch wichtig bei einem Wertpapier, bei dem jede Sekunde eine rasante Kursänderung mit sich bringt.

 

Hebelzertifikate.jpg

 

Unbedingt nötig: Stop-Loss-Marken

 

Klar ist: Wer in ein so hochriskantes Wertpapier investiert, darf den Markt nicht unbeobachtet lassen. Er sollte ständig überprüfen, wie sich der Kurs des Basiswerts bewegt und wie sich das auf das eigene Hebelzertifikat auswirkt. Zur Absicherung empfehlen sich auch Stop-Loss-Marken, also Kursschwellen, die Sie als Anleger festlegen und die einen automatischen Verkauf auslösen. Über deren Sinn oder Unsinn lässt sich normalerweise trefflich streiten. Nicht aber bei Hebelzertifikaten. Hier sind sie dringend notwendig. Denn nur ein Verkauf rechtzeitig vor Erreichen der Knock-out-Schwelle verhindert den Totalverlust. Deshalb sollten Sie die Stop-Loss-Marke stets mit ein paar Prozent Abstand über der Knock-out-Schwelle setzen.

 

Zahl ausgeknockter Papiere online ersichtlich

 

Damit Sie sich ein Bild davon machen können, wie häufig Hebelzertifikate ausgeknockt werden, lohnt sich ein Blick auf die Börse Stuttgart, die umsatzstärkste Börse bei Zertifikaten. Hier gibt es den „Ausgeknockte-Produkte-Finder“. Geben Sie in die Suchmaske einfach einen Zeitraum ein, und Sie sehen, wie viele Zertifikate innerhalb dieses Zeitraums wertlos verfallen sind.

 

Beispiel: Im September 2014 sind fast 80.000 Hebelzertifikate ausgeknockt worden. Bei einer Anzahl von rund 600.000 solcher Zertifikate ergibt sich damit ein Anteil von stolzen 13 Prozent.

Übrigens können Sie die Suche auch einschränken, beispielsweise auf einen bestimmten Emittenten oder einen bestimmten Basiswert.

 

Fazit: Ein hochspekulatives Investment – nur für risikobereite Anleger geeignet

 

Hebelzertifikate bieten überproportional hohe Gewinnchancen, aber auch gewaltige Risiken. Geeignet ist dieses Wertpapier nur für Menschen, die einen Totalverlust verkraften können und bereit sind, dieses Risiko einzugehen. Auch bietet es aufgrund des hohen Risikos an, lediglich geringe Positionen zu erwerben, um einen Totalverlust zu vermeiden. Der große Vorteil eines Hebelzertifikates ist, dass auch mit kleinen Positionen gutes Geld verdient werden kann. Wer in Hebelzertifikate investiert, sollte sich mit Stop-Loss-Marken absichern und zudem den Markt ständig beobachten.

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Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

 

  • Hebelzertifikate sind Derivate (abgeleitete Wertpapiere). Ihr Kurs hängt ab vom Kurs des Basiswerts und einer Rechenformel, die jede Kursbewegung vervielfacht.
  • Gattungen von Hebelzertifikate werden oft auch Knock-out-, Turbozertifikate oder Faktorzertifikate genannt.
  • Kursgewinne des Basiswerts werden gehebelt, Kursverluste ebenso.
  • Preise für die Zertifikate sind transparent und dadurch leicht nachvollziehbar
  • Mit Hebelzertifikaten können Anleger nicht nur auf steigende Kurse setzen (Long-Zertifikate, Calls), sondern auch auf fallende Kurse (Short-Zertifikate, Puts).
  • Hebelzertifikate verfallen wertlos, wenn der Basiswert die sogenannte Knock-out-Schwelle erreicht oder unterschreitet (bzw. bei Puts überschreitet).
  • Häufig verfügen Knock-Out Zertifikate noch über eine zweite Barriere, die Stopp-Loss-Schwelle. Diese Schwelle ist eine Sicherheitsbarriere. Sie schützt den Anleger vor dem Totalverlust und liegt meist einige Prozent vom Knock-Out-Niveau entfernt. Nach unterschreiten/überschreiten der Schwelle wird der Handel mit dem Zertifikat eingestellt und der Anleger bekommt am Ende der Laufzeit seinen Restwert zurück.
  • Wie bei allen Zertifikaten besteht bei Hebelzertifikaten ein Emittentenrisiko. Bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten ist ein annähernder Totalverlust möglich.

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Beachten Sie dazu auch unsere StarPartner Angebot sowie unser Webinar-Angebot:

 

Unsere StarPartner - sechs große Namen, die für besondere Qualität und Kompetenz im Wertpapierbereich stehen. Mit anderen Worten: Stars aus der Branche - BNP Paribas, Commerzbank, DZ Bank, iShares, Lyxor und Vontobel.

 

Webinar: "Hebelzertifikate verstehen und handeln"

8 Kommentare

Regelmäßiger Autor

Hebelzertifikate ordern Sie am besten im außerbörslichen Handel (OTC) oder über die Börsenplätze Stuttgart und Frankfurt.

Diese sind spezialisiert auf Derivate und somit auch auf Hebelzertifikate. Eine blitzschnelle Orderausführung ist hier gewährleistet

 

Leider entspricht gerade das Ausführungstempo nach meinen Erfahrungen nicht dem hier ausgelobten und als "gewährleistet" dargestellten tatsächlichen Ablauf. Es dauert oft minutenlang; wie das mit "blitzschnell" zusammengehen soll, kann ich nicht nachvollziehen.

 

Und gerade in diesem Moment (9.6.2016, 11:00) öffnet sich nicht einmal die neue und schon so lange dauergetestete Überblicksseite, auch z.B. für ein Hebelprodukt, aber auch andere Depotpapiere, also weder nach Minuten, noch blitzschnell: gar nicht! Wenn nicht an anderer Stelle schon dargelegt wurde, wie wenig überzeugend der Auftritt der "neuen" Faceliftseite ist, dann könnte man hier wieder einen neuen Thread starten.


Community Manager

Hallo @Zimizifuga,


vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Blog und für die Schilderung Ihrer Erfahrungen mit dem Handel von Hebelzertifikaten.


Das Feedback unserer Kunden ist uns sehr wichtig. Gerne leiten wir Ihren Kommentar an die verantwortlichen Kollegen weiter.


Viele Grüße aus Nürnberg
Ihr Consorsbank Online Team


Regelmäßiger Autor

Bietet die ConsorsBank auch Hebelzertifikate und Faktorzertifikate an? Ich bin bis jetzt noch bei der dab-Bank (leider geht sie in consors über und damit die mir bekannten Darstellungen des Kontos, Depots....)

Bisher handelte ich diese Zertifikate bei dab von der Commerzbank.


Community Manager

Hallo @oller,

 

besten Dank für Ihre Rückfrage!

 

Auch bei der Consorsbank können Sie Hebel- wie auch Faktorzertifikate handeln. Ich kann Ihnen dafür unsere Wertpapiersuche empfehlen.

Wir freuen uns darauf zukünftig mehr von Ihnen zu lesen!

 

Herzliche Grüße aus Nürnberg,

Sonja

Community Moderator


Häufiger Besucher

Hallo, ich bin öfter mal auf der Suche nach einem PUT Zertifikat auf den DAX. Leider kann ich mein eigenes Suchkriterium nicht in der Suchmaske wiederfinden - das Handelsvolumen. Ich denke, jeder der ein Zertifikat gekauft hat, möchte es auch mal wieder loswerden. Daher gilt meinem Interesse die meistgehandelsten Zertifikate zu suchen.


Häufiger Besucher

Hallo,

Hebelzertifikate werden auch direkt mit den Emittenten gehandelt. Sie sind auch an den meisten Geschäften an den Börsen beteiligt. Insofern besteht kein besonderes Risiko.

 

Was allerdings passieren kann: in Extremsituationen handelt der Emittent oft nicht. Dann wird es aber auch an der Börse eng.

 


Regelmäßiger Autor

Hallo woscsnh u.a.

meine persönliche Erfahrung mit Faktorzertifikaten -die ich bisher fast ausschließlich von der Commerzbank als Emittent kaufte- ist die, dass Faktis zwar schnell im Wert steigen, aber auch sehr schnell fallen können. Denk mal an Dax oder Brent Faktor 10 in jede Richtung. Wenn  mal ein Wert im Keller ist, so ist es fast unmöglich, das wieder aufzuholen. Hier die Erfahrung vor allem meiner Börsenkumpels, dass die Emittentenbank das Faktorzerti einfach kündigt. Zu seinem Gunsten natürlich. Da wird man gar nicht gefragt.

 

Bei Optionsscheinen mit k.o. machte ich die Erfahrung, dass -wenn der Kurs der OS  an das k.o. herankommt- die Bank (s.o.) den Kurs der zugrundeliegenden Aktie manipuliert, so dass der k.o. erreicht wird und die Bank verdient. Das ist keine spekulative Aussage, sondern eine Aussage, die mir von einem Bankmitarbeiter am Telefon bestätigt wurde (hoffen hat keine mitgehört und er hat seinen Job deswegen verloren, er war noch jung und unerfahren)


Regelmäßiger Autor

"Übrigens werden Hebelzertifikate genau wegen dieser K.-o.-Schwelle auch häufig als Knock-out-Zertifikate bezeichnet." ====

die Leute müssen unterscheiden können zwischen den verschiedenen Arten von Derivaten:

OS mit begrenzter Laufzeit

OS mit unbegrenzert Laufzeit, aber beide

OS mit k.o.

Beide haben einen Hebel und werden daher als Hebelzertifikate bezeichnet

 

Faktorzertifikate haben eine unbegrenzte Laufzeit und keinen k.o. Können aber genauso im Wert fallen und dieser Verlust- wenn er mal die 90% überschritten hat,- kann so gut wie nicht mehr in absehbarer Zeit aufgeholt werden.