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Gold – ein glänzendes Investment

von ‎01.10.2020 11:00 , bearbeitet ‎01.10.2020 11:01

Der Goldpreis kannte in den vergangenen Monaten nur eine Richtung: nach oben. Wie Anleger in das Edelmetall investieren können, wie mögliche Gewinne steuerlich behandelt werden und welche strategische Bedeutung es im Depot hat.  

 

Goldene Zeiten für Gold. Wer Anfang 2016 in das begehrte Edelmetall investierte und bis zum heutige Tag daran festhielt, verbucht einen stattlichen Gewinn. Von rund 1100 US-Dollar je Feinunze ging es seit dem um mehr als 60 Prozent nach oben. Allein seit Jahresbeginn steht ein Plus von mehr als 20 Prozent zu Buche. Für kurze Zeit sprang der Kurs sogar über die Grenze von 2000 Dollar. Ein neues Allzeithoch. Wer dagegen im gleichen Zeitraum breit gestreut in Aktien investierte, etwa mittels eines Exchange Traded Funds (ETF) auf den MSCI World Index, verbucht mehr als zehn Prozentpunkte weniger Gewinn.

 

Keine Frage: auch das ist immer noch ein sehr ordentliches Plus. Der Gewinn verringert sich allerdings nochmal, wenn er nicht nur theoretisch im Depot aufläuft, sondern tatsächlich realisiert wird. Denn verkauft man den ETF, fallen 25 Prozent Kapitalertragssteuern (zzgl. Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuern) auf Beträge oberhalb des Freibetrags von 801 Euro an, sofern dieser nicht bereits anderweitig ausgeschöpft ist. Dann ist der gesamte Gewinn zu verteuern. Goldanleger indes müssen dem Finanzamt nichts abgeben, wenn zwischen dem Kauf des Edelmetalls und der Veräußerung mehr als ein Jahr vergangen ist. Bei Veräußerung innerhalb der Jahresfrist ist der Gewinn dann im Rahmen der Steuererklärung anzugeben und wird zum persönlichen Steuersatz versteuert.

 

Entwicklung_Goldpreis.png

 

Schwarze Linie = Gold, grüne Linie = MSCI World Index; Stand 23.9.2020

Der Goldpreis hat in den vergangenen zwei Jahren kräftig zugelegt und sich sogar besser als der MSCI World Index entwickelt. Was überrascht, gilt doch Gold im Allgemeinen als ein „sicherer Hafen“ für Anleger, wenn es an den Börsen abwärts geht und umgekehrt als weniger attraktiv, wenn die Börse boomt. Zuletzt marschierten beide jedoch gleichermaßen nach oben.

 

Gibt es Nachteile für „Papiergold“?

Das gilt auch, wenn nicht direkt in Münzen oder Barren investiert wird, sondern in börsengehandelte Edelmetall-Zertifikate mit Auslieferungsanspruch wie etwa Xetra-Gold (WKN A0S9GB) oder Euwax-Gold I (WKN EWG0LD). Sie bilden den Goldpreis eins zu eins nach und verbriefen die Auslieferung des Edelmetalls, das der jeweilige Emittent für jeden verkauften Anteil in einem Tresor hinterlegt. Im Juli sah es kurz danach aus, als könnte es mit der Gleichstellung von physischem Gold und „Papiergold“ demnächst vorbei sein. Im Referentenentwurf zum Jahressteuergesetz hieß es nämlich, dass ab 2021 auf Gewinne mit entsprechenden Zertifikaten unabhängig von der Haltedauer von der Bank wie bei Aktien oder Fondsanteilen automatisch Kapitalertragssteuern abgeführt werden sollen. Im Regierungsentwurf des Gesetzes von Anfang September war der Passus dann aber nicht mehr enthalten. Das weitere Gesetzgebungsverfahren sollte allerdings genau verfolgt werden.

 

Wie funktioniert die physische Lieferung?

Bei physischer Lieferung des Goldes findet die einjährige Spekualtionsfrist für private Veräußerungsgeschäfte weiterhin Anwendung. Das ist in der Regel allerdings mit Gebühren verbunden, die von verschiedenen Variablen wie dem Goldpreis oder der Entfernung zum Lieferort abhängen. Insofern muss vorab genau kalkuliert werden, ob sich die Auslieferung zur Steuervermeidung rechnen würde. In den Auslieferungsbedingungen für Xetra-Gold etwa werden die Kosten für einen Kilobarren auf 275 Euro taxiert bei einem Goldpreis von 35 Euro je Gramm. Für zehn Barren je 100 Gramm wären sogar 625 Euro fällig. Aktuell liegt der Goldpreis jedoch bei mehr als 50 Euro je Gramm. Die Auslieferung kann auch nur zu einer Bankfiliale erfolgen. Bei Euwax Gold ist der erste Auslieferungsversuch innerhalb Deutschlands für den Anleger kostenfrei. Es können dabei nur Barren von mindestens 100 Gramm Gewicht oder einem Vielfachen davon ausgeliefert werden. Der Anbieter verweist jedoch auf eventuelle Gebühren seitens der depotführenden Bank für die Übermittlung der Ausübungserklärung sowie der Inhaberschuldverschreibung an die Zahlstelle.

 

Alternativ könnten Anleger ihre Gold-Wertpapiere auch über die Börse veräußern und den Erlös wieder in physisches Gold investieren bei einem stationären oder einem Online-Goldhändler. Auch das ist mit Kosten verbunden. Beim Verkauf fallen die von der jeweiligen Depotbank in Rechnung gestellten Ordergebühren an. Beim Kauf wiederum streicht der Händler eine Marge ein. Für einen Barren mit 100 Gramm liegt der Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufspreis bei ungefähr drei bis fünf Prozent. Er fällt in der Regel anteilig höher aus, je geringer die gekaufte Menge ist. Hinzu kommen gegebenenfalls Kosten für die Lagerung etwa in einem Bankschließfach.

Sollte das Gold zuhause gelagert werden, ist eine entsprechende Sicherung gegen Diebstahl ratsam. Dabei sollte auch unbedingt überprüft werden, inwiefern die Hausratversicherung im Schadenfall für Verluste aufkommt. Der Schadenersatz kann sehr unterschiedlich ausfallen und ist mitunter an eine besonders gesicherte Verwahrung geknüpft. Der Versicherungsvertrag muss dann gegebenenfalls angepasst werden.

 

Wie kann ich möglichst einfach investieren?

Consorsbank-Kunden, die Erlöse aus Gold-Zertifikaten wieder anlegen oder erstmals in das Edelmetall investieren möchten, bietet sich eine komfortable Lösung über den Kooperationspartner pro aurum an. Wer über ein Depot und Verrechnungskonto verfügt, kann aus seinem Account heraus bequem online Barren und Münzen ab 1/10 Unze Gewicht kaufen und verkaufen. Gesonderte Ordergebühren fallen nicht an. Es besteht jedoch eine Differenz zwischen An- und Verkaufspreis. Der Handel ist außerhalb von Feiertagen von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr möglich. Das Gold wird entweder sicher in einem Sammeltresor bei pro aurum verwahrt gegen eine Gebühr von 0,6 Prozent des Gegenwerts im Jahr. Oder es kann – abhängig vom Gegenwert – ab einer Gebühr von 9,95 Euro nach Hause ausgeliefert werden. Bestand und Wertentwicklung können jederzeit im Depot eingesehen und verfolgt werden.

 

Wie sind die weiteren Aussichten?

Bleibt die Frage: Wie sinnvoll ist eine Investition in Gold überhaupt? Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Als Rendite-Anlage eignet sich Gold eher weniger. Es wirft weder Zinsen noch Dividenden ab. Der Preis wird im Wesentlichen durch die Nachfrage und das Angebot bestimmt. Eine innere Entwicklung wie bei Unternehmen (Wachstum, Produktivität, Innovation, Profitabilität etc.), die sich im Aktienkurs niederschlägt, gibt es nicht. Auch wenn das Edelmetall gerade einen Höhenflug hinlegt, in der Vergangenheit hat es im Mittel weniger an Wert gewonnen als etwa Aktien.

 

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Schwarze Linie = Gold, grüne Linie = MSCI World Index; Stand 23.9.2020

Auch wenn sich auf kürzere Sicht der Goldpreis besser entwickelt hat als der MSCI World Index (s. Grafik oben), auf lange Sicht bleiben Aktien das renditeträchtigere Investment.

 

Sinnvoller erscheint der Ansatz, sich mit Gold gegen einen Währungscrash zu wappnen oder sich damit eine Absicherung gegen Verluste mit Aktien ins Depot zu holen. Für diese Zwecke kann ein überschaubarer Teil des Vermögens in das Edelmetall investiert werden. Allerdings muss beachtet werden, dass Aktienverluste steuerlich nicht mit Goldgewinnen verrechnet werden können.

 

Da das Vorkommen begrenzt ist, wird Gold wohl auch weiterhin einen gewissen Sachwert behalten. Es ist seit hunderten von Jahren ein weltweit akzeptiertes Zahlungsmittel. Zudem bewegt sich der Kurs - auch wenn das aktuell nicht der Fall ist – meist entgegengesetzt zur Börse. Die Logik dahinter: schwächeln Wirtschaft und Börsen, suchen Anleger nach einem sicheren Parkplatz für ihr Geld und weichen vielfach in Edelmetall aus. So vermindert die Beimischung von Gold im Portfolio dessen Schwankungen.

Die mittelfristigen Aussichten für den Goldpreis bleiben unterdessen positiv. Der Hanauer Industriekonzern und Edelmetallspezialist Heraeus geht in einer Prognose von Angang September davon aus, dass der Preis auf bis zu 2200 Dollar je Unze steigen könnte. Goldman Sachs geht sogar von 2300 Dollar je Unze in den kommenden Monaten aus.

 

Fazit

  • Gold hat in den vergangenen Monaten einen enormen Preisanstieg verzeichnet.
  • Gewinne mit physischem Gold sowie mit Gold-Zertifikaten mit Auslieferungsanspruch sind nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei.
  • Wer als Zertifikate-Investor die Auslieferung in Anspruch nimmt, muss dafür in der Regel Gebühren zahlen. Auch der physische Goldkauf ist mit Kosten verbunden.
  • Wer sich das Edelmetall ins Depot legt, sollte dies nicht unter Rendite-Gesichtspunkten tun, sondern eher als Absicherung gegen Währungs- und Aktienverluste

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