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Gehebelte ETFs: Wie viel Risiko steckt im „Heiligen Amumbo“?

01.04.2025 10:40

Gehebelte ETFs klingen für viele wie ein echtes Wundermittel: Mit wenig Einsatz große Gewinne einfahren – klingt doch super, oder? Zumindest entsteht dieser Eindruck häufig in den sozialen Medien, wenn Finfluencer und Anleger von ihren Gewinnen berichten. Aber wie immer an der Börse gibt es nicht nur Sonnenschein, sondern auch Risiken. Wann machen gehebelte ETFs wirklich Sinn und worauf sollten Anleger achten?

 

 

 

 

 

  • - Gehebelte ETFs ermöglichen überproportionale Gewinne, verstärken jedoch auch Verluste.
  • - In stark schwankenden Märkten kann die Entwicklung von Hebel-ETFs langfristig deutlich vom Basisindex abweichen, was sie für langfristige Investitionen ungeeignet macht.
  • - Erfolgreiches Investieren mit gehebelten ETFs setzt fundiertes Wissen, eine gute Marktbeobachtung und disziplinierte Handelsstrategien voraus, um Verluste zu minimieren.

 

 

Was sind gehebelte ETFs? Und was ist der „Heilige Amumbo“?

 

Ein klassischer ETF bildet einen Index nahezu eins zu eins ab – steigt beispielsweise der DAX um 1 %, steigt auch der entsprechende ETF um 1 %. Bei gehebelten ETFs, oder leveraged ETFs, ist das anders: Sie setzen Finanzinstrumente ein, um die tägliche Kursentwicklung des Index zu vervielfachen. Ein 2x gehebelter ETF steigt also um 2 %, wenn der Index um 1 % steigt. Das klingt nach einer genialen Möglichkeit zur Gewinnmaximierung, hat aber einen Haken: Der Hebel wirkt in beide Richtungen. Fällt der Index, werden also auch die Kursrückgänge verstärkt.

 

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Der bekannteste Vertreter der gehebelten ETFs ist der „Heilige Amumbo“. Noch nie davon gehört? Der Begriff „Heiliger Amumbo“ ist ein humorvoller Spitzname für den Amundi ETF Leveraged MSCI USA Daily (WKN A0X8ZS). Dieser ETF bildet die tägliche Wertentwicklung des MSCI USA Index mit einem Hebel von 2 ab. Das bedeutet, dass Gewinne oder Verluste des Index verdoppelt werden. Der Name „Heiliger Amumbo“ stammt aus der Reddit-Community, insbesondere aus dem Subreddit „WallStreetBets“ und seiner deutschen Entsprechung „Mauerstrassenwetten“. Er setzt sich aus „Amundi“ (dem Anbieter des ETFs) und „Jumbo“ (als Synonym für Größe oder Leistung) zusammen.1

 

 

Vergleich „Heiliger Amumbo“ und MSCI USA

 

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Quelle: Bloomberg

 

 

Vorteile von gehebelten ETFs

 

Gehebelte ETFs eröffnen Anlegern besondere Chancen, die mit klassischen ETFs in dieser Form nicht bieten. Sie ermöglichen es, stärker von Marktbewegungen zu profitieren und können strategisch unterschiedlich eingesetzt werden.

 

  • Mehr Gewinnpotenzial
    Mit einem Hebel-ETF lässt sich mit weniger Kapitaleinsatz ein höherer Gewinn erzielen als mit einem klassischen ETF. Dies ist vor allem dann interessant, wenn kurzfristige Kursbewegungen ausgenutzt werden sollen.

 

  • Effizienter Kapitaleinsatz
    Da Hebel-ETFs mit geringerem Kapitaleinsatz größere Positionen abbilden, kann das Kapital effizienter eingesetzt werden. Dadurch bleibt mehr Spielraum für andere Investitionen.

 

  • Flexible Einsatzmöglichkeiten
    Gehebelte ETFs eignen sich nicht nur für spekulative Anlagen, sondern können auch zur Absicherung bestehender Positionen eingesetzt werden. So gibt es beispielsweise auch gehebelte Short-ETFs, mit denen auf fallende Kurse gesetzt werden kann.

 

 

Nachteile von gehebelten ETFs

 

Trotz der attraktiven Chancen sind gehebelte ETFs mit erheblichen Risiken verbunden. Insbesondere bei unvorhersehbaren Marktschwankungen können sie zu unerwarteten Verlusten führen und langfristig nicht die gewünschten Ergebnisse liefern.

 

  • Höhere Volatilität
    Der Hebel sorgt für stärkere Ausschläge – sowohl nach oben als auch nach unten. Das bedeutet: höhere Gewinnchancen, aber auch höhere Verlustrisiken. Wer nicht aufpasst, kann in kurzer Zeit einen großen Teil seines Kapitals verlieren.

 

  • Höhere Kosten
    Aufgrund der Konstruktion von Hebel-ETFs fallen häufig höhere Kosten an als bei einfachen ETFs. Diese Kosten können langfristig die Rendite schmälern.

 

  • Pfadabhängigkeit – warum langfristiges Halten problematisch sein kann
    Ein gehebelter ETF entwickelt sich nicht einfach doppelt so stark wie der Index – es kommt auf den Weg dorthin an. Zwei Beispiele verdeutlichen dies:


Beispiel 1: Index fällt erst und steigt dann
Beim Kauf eines zweifach gehebelten ETFs notiert der zugrundeliegende Index bei 100 Punkten, der ETF kostet 100 Euro. Am nächsten Tag fällt der Index um 10,00 % auf 90 Punkte. Der ETF fällt um 20,00 % auf 80 Euro. Den Tag darauf steigt der Index um 11,11 % auf 100 Punkte. Der ETF steigt um 22,22 % auf 97,78 Euro. Der Index hat sich somit nicht verändert, während der ETF einen Verlust von 2,22 % ausweist.

 

Index

ETF

Tag 1

100 Punkte

100 Euro

Tag 2

–10 % auf 90 Punkte

–20 % auf 80 Euro

Tag 3

+11,11 % auf 100 Punkte

+22,22 % auf 97,78 Euro

Ergebnis

unverändert

Verlust von 2,22 %

 

 

Beispiel 2: Index steigt erst und fällt dann
Beim Kauf eines zweifach gehebelten ETFs notiert der zugrundeliegende Index bei 100 Punkten, der ETF kostet 100 Euro. Am nächsten Tag steigt der Index um 10,00 % auf 110 Punkte. Der ETF steigt um 20,00 % auf 120 Euro. Den Tag darauf fällt der Index um 9,09 % auf 100 Punkte. Der ETF verliert 18,18 % auf 98,18 Euro. Der Index hat sich somit nicht verändert, während der ETF einen Verlust von 1,82 % ausweist.

 

Index

ETF

Tag 1

100 Punkte

100 Euro

Tag 2

+10 % auf 110 Punkte

+20 % auf 120 Euro

Tag 3

–9,09 % auf 100 Punkte

–18,18 % auf 98,18 Euro

Ergebnis

unverändert

Verlust von 1,82 %

 

Auch wenn die prozentualen Rückgänge in den Beispielen relativ gering sind, können sich nach einer längeren Verlustperiode oder einer sehr volatilen Seitwärtsbewegung viele kleine Verluste zu einem großen Verlust summieren.

 

 

Wie gehebelte ETFs richtig eingesetzt werden können

 

Der Umgang mit gehebelten ETFs erfordert eine klare Strategie und ein Verständnis der Marktmechanismen. Eine unüberlegte Investition kann schnell zu hohen Verlusten führen, während eine durchdachte Nutzung gezielte Chancen eröffnet. Gehebelte ETFs sind keine klassischen Buy-and-Hold-Produkte. Sie eignen sich vor allem für kurzfristige Spekulationen oder Absicherungen. Aufgrund ihrer hohen Reaktionsfähigkeit auf Marktbewegungen sollten sie nur eingesetzt werden, wenn eine klare Einschätzung zur Kursrichtung vorliegt.

 

Wer erfolgreich mit diesen Produkten handeln möchte, sollte sich bewusst sein, dass emotionale Entscheidungen oft ein Risiko darstellen. Disziplin und eine vorher definierte Exit-Strategie sind daher essenziell. Stop-Loss-Orders können helfen, Verluste zu begrenzen, während ein Take-Profit-Level Gewinne sichern kann, bevor der Markt sich dreht. In manchen Fällen könnten klassische ETFs oder andere Hebelprodukte wie Optionsscheine oder Knock-out-Zertifikate sinnvollere Alternativen sein, je nach Strategie, Risikobereitschaft und Marktbedingungen.

 

Im Vergleich zu klassischen ETFs ist die Auswahl bei Hebel-ETFs deutlich geringer. So gibt es beispielsweise keinen Hebel-ETF auf den bei Anlegern sehr beliebten Index MSCI World. Weltweit breit gestreut und mit Hebel zu investieren, ist daher derzeit nicht möglich.  Das Angebot beschränkt sich in der Regel auf Indizes wie den Nasdaq 100, den S&P 500, den MSCI USA, den Euro Stoxx 50, und den DAX.

 

Gehebelte ETFs sind ein mächtiges Instrument, aber sie erfordern Know-how und die richtige Strategie. Der „Heilige Amumbo“ steht symbolisch für die Faszination und das Risiko von gehebelten ETFs. In steigenden Märkten können sie überdurchschnittliche Renditen liefern, in fallenden Märkten aber ebenso hohe Verluste generieren. Wer sie nutzt, sollte ihre Funktionsweise genau verstehen und sie gezielt einsetzen – sonst kann der Traum vom schnellen Gewinn schnell zum Albtraum werden.

 

Haben Sie bereits Erfahrungen mit Hebel-ETFs gemacht? Schreiben Sie uns in den Kommentaren.

 

 

 

1 Quelle: Computer BILD (https://www.computerbild.de/artikel/cb-Tipps-Finanzen-Heiliger-Amumbo-etf-39394325.html)