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Frugalismus - mit 40 in Rente?

von ‎21.03.2019 07:24 , bearbeitet ‎10.04.2019 12:59
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"frugal" - das bedeutet "bescheiden, einfach". Ursprünglich war es negativ konnotiert. Seit einiger Zeit ändert sich diese Einschätzung: Frugalismus als Lebensstil ist für viele eine Alternative zum üblichen Konsumverhalten und wird auch in Deutschland immer populärer.

 

In den USA erfreut sich der Frugalismus bereits seit längerer Zeit großer Beliebtheit. Zu seinen bekanntesten Vertretern gehört dort ein Blogger, der unter dem Pseudonym "Mr. Money Moustache" regelmäßig Spartipps und andere Beiträge zu dieser Lifestyle-Form veröffentlicht.

 

Was bedeutet Frugalismus und wie sieht der durchschnittliche Frugalist aus?

 

Frugalismus bedeutet eine bewusste Entscheidung gegen „unnötigen“ Konsum. Der Lifestyle setzt eine bewusste Entscheidung voraus. Es geht darum, deutlich weniger zu konsumieren, als es der eigenen finanziellen Situation entspricht. Der durchschnittliche Frugalist verfügt dabei über eine gute Ausbildung und verdient überdurchschnittlich.

 

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Die Anhänger der Bewegung verfolgen mit ihrem einfachen Lebensstil ein konkretes Ziel: Sie möchten so schnell wie möglich finanziell unabhängig vom Erwerbsleben werden. Durch diese Zielsetzung unterscheiden sich Frugalisten von Minimalisten, die ebenfalls einfach leben. Für Fans des Minimalismus steht nicht die Bildung eines Sparkapitals im Mittelpunkt. Vielmehr streben Sie eine Erhöhung ihrer Lebensqualität durch den Verzicht auf alles Überflüssige an.

 

Verzicht ist in diesem Zusammenhang allerdings streng genommen das falsche Wort - Frugalisten und Minimalisten empfinden ihre Art zu leben nicht als belastend, sondern als befreiend. Eine grundlegende Motivation für ihren Lebensstil ist dabei die Ablehnung der heutigen Konsum- und Wegwerfgesellschaft.

 

Wie funktioniert Frugalisums im Alltag?

 

Um ihre Ziele zu erreichen, verfolgen frugal lebende Verbraucher eine Strategie, die aus den folgenden Elementen besteht:

 

  • Maximierung der Einkünfte
  • Minimierung ihrer Ausgaben
  • Investition der Ersparnis in rentable Anlageformen

 

Ein frugaler Lebensstil ermöglicht es gut verdienenden Angestellten, 50 bis 80 Prozent ihres Monatseinkommens zu sparen. Dies setzt selbstverständlich voraus, dass Frugalisten auf kleiner Wohnfläche, vielfach sogar in einem WG-Zimmer leben und keine überflüssigen Objekte anschaffen. Sie definieren sich nicht über Status-Symbole und besitzen dementsprechend weder SUV, teure Uhren oder andere Luxus-Artikel. Ihr Kleiderschrank ist ebenso überschaubar wie ihre Büchersammlung und Küchenausstattung. Statt Restaurants zu besuchen, kochen sie lieber selbst. Gebrauchsgegenstände wie Haushaltsgeräte, Möbel und Ähnliches reparieren Frugalismus-Fans im Falle eines Defekts lieber, statt sie neu anzuschaffen. Wenn dies nicht möglich sein sollte, bevorzugen Frugalisten Second-Hand-Artikel für kleines Geld. Nach Möglichkeit verzichten frugal lebende Verbraucher auf ein eigenes Auto. Sie fahren mit dem Rad zur Arbeit oder nutzen den Öffentlichen Personennahverkehr. Benötigen sie doch einmal ein Fahrzeug, nutzen Sie das in deutschen Großstädten mittlerweile flächendeckend vorhandene Car-Sharing-Angebot. Auch frugal lebende Verbraucher machen gerne Urlaub - allerdings buchen Sie dafür keine kostspieligen Pauschalreisen, Kreuzfahrten oder Club-Ferien. Stattdessen wandern Sie, unternehmen Radtouren und übernachten in Jugendherbergen, im Zelt auf Campingplätzen oder in anderen preiswerten Unterkünften.

 

Welche weiteren positiven Effekte hat ein frugaler Lebensstil?

 

Frugalismus ermöglicht darüber hinaus die Konzentration auf die Beschäftigung mit Themen, die den Anhängern dieser Lebensweise besonders wichtig sind. Dabei kann es sich beispielsweise um die Familie und Freunde oder die Hingabe an ein besonderes Hobby handeln. Oft engagieren sich Frugalisten auch für soziale und ökologische Projekte. Durch das Weglassen überflüssiger Dinge lässt sich im Alltag eine Menge Zeit gewinnen: Dies gilt zum Beispiel für den Verzicht auf ausgedehnte Shopping-Touren in den Innenstädten oder im Internet.

 

Phänomene wie "Fast Fashion" entsprechen so gar nicht dem Lebensstil der Frugalisten.

Nicht zuletzt dadurch leisten Frugalisten durch ihre Lebensweise einen wertvollen Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz. Durch ihre allgemeine Einstellung zum Konsum schonen sie mehr Ressourcen als der Durchschnittsbürger. Dabei setzen Sie bei ihren Kaufentscheidungen stets auf nachhaltige Qualität statt Quantität - wenn sie etwas kaufen, dann häufig hochwertige (und gleichzeitig teurere) Artikel, die sie dadurch mehr schätzen als es bei schnellen Kaufentscheidungen der Fall wäre.

 

Wem das frugale Leben zu viel des Guten ist, kann bereits durch kleinere Veränderungen im täglichen Konsumverhalten finanziell besser dastehen - und gleichzeitig die Umwelt schonen. Gerade tägliche Ausgaben rechnen sich gegen Ende des Monats zu einer hohen Summe auf - gleichzeitig können sie häufig einfach eingespart werden, wie der tägliche Coffee to go oder der Vormittags-Snack vom Bäcker. 

 

Fazit:

 

  • Frugalismus kann Stress reduzieren und mehr Lebensqualität ermöglichen
  • Frugalisten gestalten ihr Alltagsleben nachhaltig und umweltfreundlich, sodass sie auch in dieser Hinsicht eine Vorbildfunktion übernehmen
  • Der von Frugalisten angestrebte, möglichst frühe Ausstieg aus dem Berufsleben ist mit einigen Risiken verbunden

 

Wie ist Ihre Einstellung zum Thema Finanzen? Teilen Sie Ihre Meinung gerne mit uns und anderen Lesern in einem Kommentar. 

 

 

 

 

Kommentare
von Mr_Trader
am ‎22.03.2019 10:49

Hallo Consors-Team,
das ist ein super Blog-Beitrag.


Generell ist Sparsamkeit ein sehr wichtiges Thema und muss meiner Meinung nach gar nicht unbedingt in Frugalismus oder Geiz enden.


Es gibt ja diesen Spruch "wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen mit Geld, das wir nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht mögen". In diesem Sinne sollte man wirklich überlegen, ob man gewisse Dinge wirklich braucht. Das fängt beim Kaffee beim Bäcker an und endet beim 5-Sterne-Urlaub auf den Malediven. Es heißt nicht, dass man verzichten muss, sondern nur das es auch günstigere Alternativen gibt, ohne zu verzichten. Oft denken Menschen im Nachhinein darüber nach, ob es das Geld wirklich wert war – und kommen zu dem Schluss, dass es das nicht unbedingt war.


Ich halte Frugalismus für ein hervorragendes und erstrebenswertes Ziel. Es bedeutet einfach Freiheit! Um diese Freiheit zu erreichen, ist es wichtig clever zu sein - sowohl, um die nötien Einnahmen zu generieren, als auch die Ausgaben zu reduzieren. Ich halte es für möglich, dass man es schaffen kann - man muss nur hart und diszipliniert daran arbeiten.


PS: Schade, dass es in Deutschland in der Schule an der finanziellen Bildung mangelt. Wenn das anders wäre, wären das Thema "Frugalismus" und das Wissen über Wertpapieranlagen sicherlich weiter verbreitet.

von sternzeit
am ‎22.03.2019 18:03
Hallo Mr Trader, stimme Ihnen voll zu; nur durch das persönliche Entkoppeln von Einnahmen und Konsum-Ausgaben kann man dem Hamsterrad entkommen. Und das ist durch das genaue Durchdenken der eigenen Konsum-Wünsche möglich: brauche ich das wirklich oder geht es eher um (m)ein Gefühl des Bedürftigseins ? OK, wir sind alle bedürftig, aber ich kann mich dann erneut fragen, ob es andere, echte Möglichkeiten gibt, diesen Wünschen nachzukommen. So kann man Schritt für Schritt die Kontrolle über das eigene Leben erwerben; Wünsche, klar, gibt es weiterhin, der Chef aber bin ich - nicht meine Nachbarn, Freunde, Umwelt, nicht die schöne Warenwelt und nicht mein Geltungsbedürfnis. So konnte ich mir die Freiheit schaffen, die es erlaubt, großzügig mit meinen Nachkommen und mit mir zu sein. Sternzeit
von Schrottwichteln
am ‎25.03.2019 15:45

Sehr guter Artikel. Ich fühl mich richtig verstanden.

Schaut mal auf schrottwichtel.com, da bekommen alte Möbel die Chance auf ein 2. Leben.

Der Schrottwichtel

von supertramp
am ‎05.04.2019 13:08

Ein Super Artikel
im Grunde genommen habe ich noch nie davon gehört,aber ich praktiziere diesen Frugalismus unbewusst zumindest in Teilen und Ansätzen schon jahrelang selbst, ohne bis jetzt eine plausible Erklärung dafür zu haben.Allenfalls Unverständnis und Kopfschütteln von Kollegen und Freunden.Mein Ziel ist es ebenfalls mich so schnell wie möglich von der Abhängikeit der Arbeitswelt so früh wie möglich zu entziehen.Mit 40 werde ich das allerdings nicht mehr schaffen,bin schon weit darüber.Aber bis weit unter der Regelaltersrente ist noch mach-und erstrebenswert. 50-70 % meines Arbeitslohnes bekomme ich dabei schon seit etlichen Jahren auf die Seite.Auf ein Auto verzichten ist bei mir wirklich nicht möglich,da ländlicher Raum.Und auch sonst gönne ich mir mal einen Urlaub und etwas Luxus, ohne dabei das Ziel aus dem Auge zu verlieren.Man muss ja auch kein "Hardcore Frugalist" sein.Der Konsum -und Wegwerfwahn ist mir schon lange suspekt und zuwider..Wichtig dabei ist auch ein Partner der diese Lebenseinstellung mit teilt.

Aber wie oben schon gesagt, ein hervorragendes und erstrebenswertes Ziel.
Nochmals vielen Dank für diesen hervorragenden Artikel.

supertramp

von
am ‎16.04.2019 20:03

Zur Motivation, "frugal" zu leben, ist hier schon genug Sinnvolles geschrieben worden. Im Kern geht es doch darum, wie die individuelle Balance zwischen "must" und "nice to have" ausgestaltet wird. Dafür braucht es aber kein Schlagwort, wie @supertramp richtig bemerkt.

 

Wovor sich der Autor des Artikels und auch die meisten der Vorschreiber drücken, ist der zweite Aspekt im Titel:

" ... und mit 40 in Rente?"

 

Wieviel Vermögen bedarf es, sein Wunschleben noch 40-50 Jahre bis zum statistischen Ende fortzuführen?

Oder anders gefragt: Wie sieht die Ansparphase aus, wie die Entnahmephase?

 

Ich habe mir dazu einen variablen Rechner gestrickt und komme damit zum Ergebnis:

Viele fühlen sich berufen - wenige werden auserwählt sein.