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Frauenfonds – Investment unter dem Gender-Gesichtspunkt

Laut Jason Baron verbessern Frauenfonds indirekt die Entwicklung von Unternehmen. Ist diese Theorie auch für Anleger Erfolg versprechend?

 

Jason Baron, Gründer der Fondsgesellschaft US Trust betrachtet hohe Frauenquoten in Führungspositionen als guten Indikator für Investments in Frauenfonds. Daraus resultiert seine spezielle Women & Girls-Investmentstrategie. Er führt seine Erkenntnis auf Studien zurück, denen zufolge sich Unternehmen mit einem vergleichsweise hohen Frauenanteil in der Unternehmensführung besser entwickeln als Unternehmen mit einer klassischen Männer-Dominanz.

 

Er bezieht sich dabei insbesondere auf die Women Matter Studie von McKinsey & Co., die sich seit 2007 diesem Thema widmet. Die Studienergebnisse führen für Jason Baron zu der Konsequenz, dass US Trust mit Women & Girls Equality spezielle Frauenfonds anbietet.

 

Inwiefern beziehen sich Frauenfonds auf Frauen?

 

Frauenfonds fassen Aktien zusammen, die in bestimmter Weise mit Frauen zu tun haben. Der von Jason Baron entwickelte Women & Girls Equality Fonds der Fondsgesellschaft US Trust bezieht ausschließlich Aktien von Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil im Vorstand und im Aufsichtsrat ein. Zahlreiche Frauenfonds folgen diesem Beispiel mit unterschiedlichen Zugangskriterien.

 

Andere Fondsgesellschaften nehmen in ihre Frauenfonds nur Aktien von Unternehmen auf, die nicht mit Ländern zusammenarbeiten, in denen Frauen diskriminiert werden. Eine dritte Form umfasst Aktien von Unternehmen, die spezielle Produkte für Frauen herstellen und anbieten, zum Beispiel von Mode- oder Kosmetikkonzernen. Obwohl Aktienfonds grundsätzlich renditeorientiert investieren, unterscheidet sich die letztgenannte Fondspolitik deutlich von den übrigen.

 

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Bei diesen Fonds ist die Rendite das einzige Anlageziel. Frauenfonds im Sinn von Jason Baron gehören dem wachsenden Bereich des Social Investments an. Darunter fasst man Aktien und Aktienfonds von Unternehmen, die einen nachhaltigen sozialen Zweck erfüllen. Sie engagieren sich zum Beispiel auf dem Gebiet des Umweltschutzes, der Einhaltung von Menschenrechten oder des Tierschutzes. Im Rahmen des Social Investments dienen Frauenfonds neben der Renditeerzielung auch dazu, die Frauenquote in den Führungsetagen zu verbessern und die Gleichberechtigung der Frauen zu unterstützen.

 

Die Kriterien des Women & Girls Equality Fonds

 

Ein Drittel der Vorstands- und Aufsichtsratspositionen in einem Unternehmen sollte mit Frauen besetzt sein, damit eine Aktie in den Women & Girls Equality Fonds aufgenommen wird. Darüber hinaus müssen Unternehmen weitere Kriterien erfüllen. Sie dürfen nicht mit Ländern zusammenarbeiten, in denen Frauen nicht als vollwertige Staatsbürger gelten. Eine sexistische und negative Darstellung von Frauen in der Werbung führt ebenfalls zum Ausschluss eines Unternehmens aus dem Fonds.

 

Jason Baron legt Wert auf eine gerechte Gehaltsstruktur von Männern und Frauen und eine Frauenförderung im Unternehmen. Aktien von Firmen, die spezielle Frauenprojekte in Entwicklungsländern unterstützen, nimmt US Trust ebenfalls in den Fonds auf. Jason Baron unterstellt, dass Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil in der Leistungsspitze ein besseres Entwicklungspotenzial haben, da Frauen ausgleichend wirken, enge Kundenkontakte pflegen und verständnisvoller gegenüber Mitarbeitern agieren.

 

Längerfristige Beobachtungen der Aktienentwicklung von Firmen mit hoher Frauenquote führen zu dem Ergebnis, dass die Aktienkurse von Unternehmen mit hohem Frauenanteil in der Geschäftsführung kontinuierlich gestiegen sind. In den Jahren 2013 und 2014 haben amerikanische Frauenfonds die Erwartungen der Anleger und ihren Vergleichswert übertroffen. Im Jahr 2015 waren die Kurszuwächse verhaltener, aber dennoch vorhanden.

 

Ist ein Zusammenhang zwischen Frauenquote und Unternehmenserfolg messbar?

 

Trotz der diversen Studien, auf die sich Jason Baron beruft, ist ein Zusammenhang zwischen der positiven Entwicklung eines Unternehmens und seiner Aktienkurse mit der Anzahl der Frauen in leitenden Positionen nicht gegeben. Die Studien sowie die Theorie Barons beziehen sich vielmehr auf Beobachtungen der Aktienkurse über mehrere Jahre. Neben den Umsatzrenditen der meisten Unternehmen mit hohem Frauenanteil hat sich auch der Kurs der Frauenfonds selbst positiv entwickelt.

 

Hierbei handelt es sich jedoch um Beobachtungswerte, die keinen eindeutigen Rückschluss auf den Zusammenhang zulassen. Sicher ist, dass Frauen mit Führungsaufgaben anders entscheiden als Männer. Sie sind risikoscheuer, gehen stärker auf Kundenwünsche ein und neigen nach Angaben der Direktorin des US-amerikanischen Finanzdienstleisters MSCI, Ulrike Modersohn, zudem weniger zu Konflikten und Skandalen. Aufgrund der genderspezifischen Entscheidungs- und Leitungskriterien fallen unternehmerische Entscheidungen in paritätisch besetzten Leitungsgremien anders aus als in rein männlichen Vorständen und Aufsichtsräten.

 

Frauenfonds in Deutschland

 

Ein weiterer bedeutender internationaler Frauenfonds ist der International Pax Ellevate Global Women's Index der ehemaligen Führungskraft aus dem Bankengewerbe Sallie Krawcheck. Sie galt einst als mächtigste Frau in der Finanzbranche der USA. Der Fonds wird jedoch in Deutschland nicht angeboten. Aber auch in der Bundesrepublik bieten Fondsgesellschaften seit einigen Jahren erste Frauenfonds an, die vorwiegend Werte von Unternehmen mit hohen Frauenquoten in den Vorständen und Aufsichtsräten aufnehmen. Der bekannteste deutsche Frauenfonds ist der Ampega Gender Plus Aktienfonds (WKN A12BRD), der sich auf der Grundlage des German Gender Index zusammensetzt. Den German Gender Index (WKN SLA0QF) stellt das Brokerhaus Solactive gemeinsam mit der Börse Hannover aus den Aktien von 50 deutschen Unternehmen mit einer überzeugenden Entwicklung der Gleichberechtigung von Männern und Frauen zusammen.

 

Fazit:

 

  • Studien belegen durch Beobachtungswerte, dass Unternehmen mit paritätisch besetzten Leitungsgremien erfolgreicher sind.
  • Frauenfonds und Aktienkurse der darin enthaltenen Unternehmen sind grundsätzlich erfolgreich.
  • Ein wissenschaftlich messbarer Zusammenhang zwischen genderspezifischen Entscheidungen und Unternehmenserfolgen besteht nicht.
  • Frauenfonds stärken die Gleichberechtigung von Männern und Frauen in Führungspositionen.

 

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