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Fluggesellschaften: Unsicherheit, Krisen und hohe Konkurrenz

Status Quo am Himmel – um besser auf dem globalen Markt agieren zu können, hoffen europäische Airlines auf Hilfe von der Politik.

 

Aktuell sorgt die Fluggesellschaft Tuifly für Aufregung, weil sie aufgrund kurzfristiger Krankmeldungen von Kabinen- und Cockpitpersonal zahlreiche Flüge streichen musste. Hintergrund ist eine geplante Umstrukturierung, bei der Tuifly und Air Berlin unter dem Großaktionär Etihad Airways planen, ihr Touristikgeschäft zusammenzulegen. Die Mitarbeiter fürchteten aufgrund dessen um ihre Arbeitsplätze. Auch die Nachricht, dass Air Berlin – immerhin die zweitgrößte Fluggesellschaft Deutschlands – keine eigenen Flugzeuge mehr besitzt und stattdessen ausschließlich auf Leasing setzt, sorgte für Verwunderung. Kein einziges der über 140 Flugzeuge der Flotte gehört dem Unternehmen. Zwar setzen viele Firmen teilweise auf Leasing, doch bestehen nach Ansicht von Experten auch Risiken. Durch Kooperationen und Umstrukturierungen versuchen derzeit viele Airlines, sich besser aufzustellen. Die europäischen Fluggesellschaften müssen sich zudem verstärkt auf die Konkurrenz aus anderen Weltteilen einstellen – und hoffen dabei auf die Politik.

 

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DLR, CC BY 3.0, via Wikimedia Commons

 

Vorteil beim Leasing: Umstrukturieren und Kosten sparen

 

Aus Sicht der Geschäftsführung von Air Berlin besteht kein Grund zur Sorge: Nach Verlusten versucht das Unternehmen, durch Umstrukturierungen Kosten zu sparen und sich besser zu positionieren. Durch Leasing haben Firmen die Möglichkeit, sich Entwicklungen auf dem Markt anzupassen und beispielsweise auf weniger Buchungen zeitnah zu reagieren. Diese Flexibilität sorgt für eine bessere Auslastung und bietet zugleich die Möglichkeit zur Optimierung: Air Berlin will schon bald einheitlich auf Flugzeuge vom Typ Airbus A320 umsteigen und Abläufe dadurch günstiger gestalten. Dank der Kooperation mit Etihad Airways und der Umstellung will die Airline sich als Alternative zur Lufthansa etablieren.

 

Nachteile beim Leasing: Weniger Sicherheit für Fluggesellschaften

 

Dennoch sind die Reaktionen auf die Strategie von Air Berlin von Skepsis geprägt. So bewerten viele einen hohen Anteil an eigenen Flugzeugen als Zeichen von Stabilität. Für Fluggesellschaften ist es dadurch unter anderem einfacher, Kredite zu erhalten und neue Investoren zu gewinnen. Zum Vergleich: Weit über die Hälfte der 710 Maschinen der Lufthansa gehören dem Unternehmen. Firmen mit einem hohen Besitzanteil sind in Krisen tendenziell besser geschützt und häufig strukturell weniger anfällig für Schwankungen auf dem Markt. Gerade politische Veränderungen wie der Brexit treffen aus diesem Grund eher kleinere Fluggesellschaften und Billigflieger, die sich auf eine Region spezialisiert haben. Für die Vorstände der großen, europäischen Airlines ist dabei klar: Um sich der Konkurrenz weltweit zu stellen, muss der globale Wettbewerb fairer werden.

 

Harte Konkurrenz: Fluggesellschaften aus dem Ausland

 

Laut den Zahlen des Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft für das erste Halbjahr 2016 sind deutsche Fluggesellschaften im internationalen Vergleich deutlich abgeschlagen. Während der Passagierluftverkehr weltweit um 6% gewachsen ist, sind deutsche Airlines um 0,8% geschrumpft. Von dem Wachstum profitierten vor allem Wettbewerber aus dem Nahen Osten, Asien und Afrika. Starke Konkurrenten sind für deutsche und europäische Airlines also vor allem die Unternehmen außerhalb der EU. Sie müssen nicht auf EU-Richtlinien Rücksicht nehmen und haben dadurch häufig Pluspunkte in Sachen Wettbewerbsfähigkeit.

 

  • Deutsche Airlines werden durch die Luftverkehrssteuer belastet.
  • Auch Nachtflugverbote sowie Gebühren für Flughäfen bedeuten enorme Nachteile.
  • Regierungen außerhalb der EU unterstützen nationale Fluggesellschaften häufig.
  • Hohe Fragmentierung im europäischen Wettbewerbsumfeld

 

Beobachter fürchten deshalb, dass europäische Airlines langfristig an Bedeutung verlieren. Mit neuen Richtlinien sollen Unternehmen auf dem globalen Markt besser agieren können. So sollen langfristig Arbeitsplätze gerettet und die Zukunftschancen der Branche gesichert werden. Dazu gehört auch die Forderung, dass Investoren von außerhalb der EU Airlines übernehmen dürfen.

 

Fluggesellschaften: Turbulenzen in der Reisebranche

 

Reiseunternehmen und Fluggesellschaften sind stets gezwungen, auf aktuelle Entwicklungen schnell zu reagieren. Naturkatastrophen führen zu Umsatzeinbrüchen, Terroranschläge verunsichern die Reisenden und systematische, großzügige Subventionen begünstigen die internationale Konkurrenz. Von akuten Schwankungen und neuen Trends sind besonders kleinere Airlines betroffen, die beispielsweise durch politische Unruhen einen Umsatzrückgang verzeichnen und diese Einbußen nicht in anderen Regionen ausgleichen können. Doch auch größere Fluggesellschaften müssen sich auf Risiken einstellen und auf aggressive Konkurrenten reagieren. Einen guten Schutz vor Krisen bietet mitunter der eigene Besitz – so gelangen Fluggesellschaften einfacher an Kredite und Kapital. Entsprechend kritisch bewerten einige Investoren das Leasing, wenn Unternehmen größtenteils auf geliehene Flugzeuge setzen.

 

Neue Richtlinien: Mit der Konkurrenz gleichziehen

 

Europäische Unternehmen erhoffen sich deshalb, dass die EU rechtzeitig reagiert und die Wettbewerbsnachteile deutlich verringert. Dafür spricht vor allem, dass Anbieter aus dem arabischen Raum die Vorteile nutzen und durch günstigere Angebote profitieren. Verhandlungen mit Ländern außerhalb der EU, die europäischen Regelungen anzunehmen, werden generell pessimistisch bewertet. Zugleich drängt die Zeit: Wenn keine globale Chancengleichheit sichergestellt wird, verspielt Europa seine Vorherrschaft in der Luftfahrt. Darüber hinaus empfehlen Experten, die Einschränkungen für Investoren abzuschaffen. Geldgebern aus dem nicht-europäischen Ausland dürften dann Fluggesellschaften aus EU-Staaten kaufen – bisher sind Mehrheitsbeteiligungen verboten.

 

Fazit:

 

  • Air Berlin: Keine eigenen Flugzeuge, nur noch Leasing
  • Vorteile: Mehr Flexibilität, besser reagieren auf Schwankungen
  • Lufthansa: Besitz der meisten Maschinen, dadurch höhere Sicherheit
  • Reisebranche wird von Trends auf dem globalen Markt bestimmt
  • Für EU-Airlines: Nachteile bei der Wettbewerbsfähigkeit
  • Internationale Fluggesellschaften erhalten oft Subventionen
  • Hoffnung auf die Politik: EU-Richtlinien ändern
  • Durch Chancengleichheit die Stärke bei der Luftfahrt sichern

 

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