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Firmenwagen oder Privat-Pkw: Was rechnet sich für mich?

von ‎16.11.2017 11:43 , bearbeitet ‎16.11.2017 11:44
2 Kommentare

In vielen Unternehmen gibt es für Mitarbeiter die Möglichkeit, einen Firmenwagen zu nutzen. Aber ist dieses Angebot auch immer sinnvoll? Erfahren Sie im Folgenden, wann sich die Nutzung eines Dienstwagens für Mitarbeiter lohnt und in welchen Fällen der eigene Pkw die günstigere Variante darstellt.

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Statussymbol versus Kosten-Nutzen-Rechnung

 

Einen Firmenwagen von seinem Arbeitgeber zur Verfügung gestellt zu bekommen, mag für einen Mitarbeiter auf den ersten Blick ein verlockendes Angebot sein. Schließlich ist dieses Privileg nicht jedem vorbehalten und damit ein Ausdruck von großer Wertschätzung – verbunden mit einem gewissen Maß an Prestige. Wenn neben Dienstreisen auch private Fahrten gestattet sind, spricht ja eigentlich nichts gegen einen Firmenwagen, oder? Aber Vorsicht. Bevor die Entscheidung für den Dienstwagen fällt, sollte sich der Mitarbeiter über sämtliche Vor- und Nachteile bewusst werden und über die Konsequenzen Gedanken machen. Denn die Nutzung eines Fahrzeugs, das dem Arbeitgeber gehört, hat Auswirkungen auf die Gehaltsabrechnung bzw. Steuererklärung.

 

Was sind die Vorteile eines Firmenwagens für Mitarbeiter?

 

Für den Arbeitnehmer entfallen die Anschaffungskosten eines eigenen Fahrzeugs. Auch für Unterhaltskosten, Reparaturen und Wartungen kommt der Arbeitgeber auf. In der Regel zahlt die Firma auch die Versicherung für den Dienstwagen. Hinzu kommt, dass den Wertverlust des Fahrzeugs ebenfalls der Arbeitgeber trägt. Im Rahmen der Einkommenssteuererklärung können Arbeitnehmer darüber hinaus auch die Pendlerpauschale als Werbungskosten geltend machen. Doch es gibt auch Tücken. Beispielsweise ist je nach Vereinbarung nur der Mitarbeiter und keine andere Person wie etwa der Ehepartner zur Nutzung berechtigt. Auch finanziell betrachtet hat ein Firmenwagen Konsequenzen.

 

Was hat es mit dem geldwerten Vorteil auf sich?

 

Wenn der Mitarbeiter einen Dienstwagen auch privat nutzen darf, handelt es sich im Prinzip um eine zusätzliche Vergütung in Form einer Sachleistung seitens des Arbeitgebers. Somit erhöht sich auch das zu versteuernde Einkommen eines Mitarbeiters. Man spricht dabei vom sogenannten „geldwerten Vorteil“. Dieser Betrag setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen: Mithilfe der Ein-Prozent-Regel in Bezug auf den Anschaffungspreis des Firmenwagens erhöht sich zum einen das zu versteuernde Einkommen um einen Pauschalbetrag. Zum anderen werden die Entfernungskilometer des Angestellten zur Arbeitsstätte (einfache Fahrtstrecke) mit 0,03 Prozent der Anschaffungskosten multipliziert.

Beispiel für die Berechnung des geldwerten Vorteils:

 

  • Kaufpreis (Listenpreis) des Firmenwagens: 25.000 Euro
  • Entfernung zur Arbeitsstätte: 30 Kilometer
  • 250 Euro (25.000 x 0,01) + 225 Euro (25.000 x 0,0003 x 30) = 475 Euro geldwerter Vorteil pro Monat

 

In diesem Beispiel müsste der Mitarbeiter durch die Nutzung des Firmenwagens 475 Euro zusätzlich beim Finanzamt steuerlich geltend machen. Durch diesen geldwerten Vorteil erhöhen sich für den Arbeitnehmer also die zu zahlende Lohnsteuer sowie die Leistungen für Sozialabgaben. Bei der Gehaltsabrechnung vermindert sich entsprechend der Nettolohn des Mitarbeiters. Wie hoch dieser „Verlust“ ist, muss individuell berechnet werden und ins Verhältnis mit den Kosten eines privaten Autos gesetzt werden.

 

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Wann lohnt sich ein Fahrtenbuch?

 

Neben der Ein-Prozent-Regel gibt es eine weitere Möglichkeit, die Steuer auf den geldwerten Vorteil zu berechnen. Um den Gebrauch des Firmenwagens zu dokumentieren, können Mitarbeiter ein Fahrtenbuch führen. Dabei muss der Arbeitnehmer jede einzelne Dienstfahrt mit Datum sowie Zeit eintragen und dies anhand von Belegen nachweisen können. Somit lassen sich Dienst- von Privatfahrten genau abgrenzen und der tatsächlich erlangte Vorteil exakt beziffern. Aus dem Verhältnis von privaten Fahrten zur gesamten Fahrstrecke ergibt sich dann der zu versteuernde geldwerte Vorteil, indem dieses Verhältnis auf die Gesamtkosten des Autos übertragen wird. Diese im Gegensatz zur „bequemen“ Ein-Prozent-Regel aufwendige Arbeit lohnt sich vor allem für diejenigen, die das Fahrzeug hauptsächlich für Dienstfahrten nutzen. Nutzen Arbeitnehmer ihren Firmenwagen hingegen signifikant häufiger für private Fahrten, ist die Ein-Prozent-Regel die deutlich sinnvollere Variante als das penible Führen eines Fahrtenbuchs.

 

Übrigens: Wenn dem Arbeitnehmer die private Nutzung komplett untersagt wird, entfällt auch die Versteuerung. Mitarbeiter und Arbeitgeber müssen dann allerdings mit Kontrollen seitens der Finanzbehörde rechnen. Auch die Versicherung schaut im Schadensfall dann ganz genau hin.

 

Auf die Bedingungen kommt es an

 

Ob Sie sich im Zweifel eher für einen Firmen-Pkw oder ein Privatfahrzeug entscheiden sollten, hängt vor allem von den Nutzungsbedingungen des Firmenwagens ab. Der ADAC-Autokostenrechner kann helfen, die privaten Kosten für ein Auto zu ermitteln und mit dem geldwerten Vorteil durch einen Firmenwagen zu vergleichen. Auf den ersten Blick fällt die Rechnung oftmals deutlich positiv für den Firmenwagen aus. Dabei sollten Sie aber die Nutzungsbedingungen beachten – manche Arbeitgeber können Urlaubsfahrten zum Beispiel von der privaten Nutzung eines Firmenwagens ausschließen oder bezahlen das Benzin lediglich anteilig. Auch ob Sie sich privat eher einen Neuwagen oder ein gebrauchtes Fahrzeug zulegen spielt eine Rolle. Zudem sollten Sie berücksichtigen, dass Sie bei einem Firmenwagen deutlich weniger Stress haben – denn um Werkstatttermine, einen Ersatzwagen und Wiederverkauf kümmert sich der Arbeitgeber. 

 

Wirtschaftlicher Nutzen auch für den Arbeitgeber

 

Bei aller erlangten Wertschätzung sollten Angestellte nicht vergessen, dass auch der Arbeitgeber durch die Zurverfügungstellung eines Fahrzeugs in den Genuss verschiedener Vorteile kommt. Denn im Gegensatz zu einer Gehaltserhöhung verringert sich das Bruttogehalt – und somit reduzieren sich auch die Lohnnebenkosten um den geldwerten Vorteil des Firmenwagens. Eine Gehaltserhöhung anstelle eines Firmenwagens kann aber für den Mitarbeiter unter Umständen die bessere Alternative sein.

Außerdem ist die Anschaffung von Fahrzeugen für Unternehmen steuerlich günstig. Beim Kauf erhält der Arbeitgeber zum einen die Umsatzsteuer zurück, zum anderen darf er Anschaffung und laufende Kosten (Unterhalt) als Betriebsausgaben abschreiben. Wenn Mitarbeiter zudem ihren Privat-Pkw häufig für berufliche Zwecke nutzen, muss der Arbeitgeber auch für die entstehenden Kosten aufkommen. In der Regel erstatten Firmen jeden Kilometer einer Dienstfahrt mit 30 Cent. Ein Firmenwagen stellt somit häufig die günstigere Lösung dar.

 

Fazit:

 

  • Durch den Firmenwagen spart sich der Arbeitnehmer Kosten für Anschaffung, Unterhalt, Versicherung und Wartung.
  • Abhängig von Listenpreis und Kilometern entsteht ein geldwerter Vorteil, der versteuert werden muss.
  • Ob sich ein Firmenwagen mehr als ein Privat-Pkw lohnt, muss individuell analysiert werden.
  • Vor der Entscheidung sollten Kriterien wie berechtigte Fahrer, versicherungsrechtliche Regelungen und Umgang mit Kosten seitens der Firma geklärt werden.

 

Nutzen Sie einen Dienstwagen und welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Sehen Sie es eher als Privileg oder kritisch? Teilen Sie uns gerne Ihre Ansichten mit.

 

Dieser Artikel ersetzt keine Steuerberatung. Er klärt lediglich allgemein über steuerliche Themen auf. Die Blogredaktion übernimmt damit keine Gewähr und/oder Haftung für die Vollständigkeit und Aktualität sowie Richtigkeit der Inhalte und Darstellungen. 

Kommentare
von Diver1205
am ‎20.11.2017 08:28

Anmerkung: Steuerlich wirksam bei der Berechnung des geldwerten Vorteils über die 1 % - Regel ist nicht der Anschaffungspreis eines Fahrzeugs sondern der Listenpreis. Rabatte, Sonderkonditionen und dergleichen, die ggfs. die Leasingrate reduzieren werden nicht steuerreduzierend berücksichtigt.

 

von Rakete69
am ‎20.11.2017 23:35

Die Angaben der CONSORS Bank sind klasse und passen bis auf den Hinweis zum Anschaffungspreis.

Der Hinweis von Diver1205 zum "Listenpreis" ist genauer gesagt der Bruttolistenpreis also incl. der gesetzlich gültigen Mehrwertsteuer (z.Zt. 19%).

 

Faustregeln:

Im Allgemeinen kann der Nutzungs-Vorteil eines Firmenwagens (z.B. VW- Golf, SKODA-Oktavia, OPEL Astra-Klasse) mit einer vergleichbaren Brutto-Lohnsumme von ca. 550,-€/Mon angegeben werden, unabhängig der gefahrenen Kilometer.

Wenn der Argeitgeber damit lockt, den PKW für Firmenfahrten selbst zu stellen, sollte dafür eine Brutto-Summe von mind. 1.000,-€/Mon Mehrgehalt vereinbart werden, damit es sich für den Arbeitnehmer lohnt. In solchen Fällen sind die Kosten für Vollkasko-Versicherung einzupreisen und es ist ein Fahrtenbuch zu führen.

 

Beim Firmenwagen durch den Arbeitgeber sind die Regelungen des Betriebs zur Dienstwagenregelung genau zu studieren, da manche Betriebe die privaten Wochenend- und Urlaubs-Fahrten per GPS-Controlling in Abzug bringen. Ob die Wagenreinigung (Waschanlage) vom Arbeitgeber übernommen wird, ist ebenso ein wichtiger Faktor.

Man muss rechnen!