Blog

Facebook Libra: das sind die wichtigsten Fakten

von ‎22.10.2019 09:25 , bearbeitet ‎22.10.2019 09:27
1 Like

Ab 2020 soll die neue Cyberwährung Libra von Facebook am globalen Finanzmarkt mitmischen. Doch warum regt sich vielerorts Widerstand gegen diesen Coup?

 

Mit der Ankündigung einer neuen Kryptowährung hat Facebook im Juni dieses Jahres die Finanzwelt auf den Kopf gestellt. Libra soll nicht nur einfach als gewöhnliche Cyberwährung dienen. Vielmehr soll sie als erste stabile Kryptowährung ihrer Art das Finanzsystem revolutionieren. Gerade um das Thema Stabilität sorgen sich aber ihre Kritiker. Doch erst einmal von Beginn an: Was ist Libra überhaupt?

 

Libra.jpg

 

Libra: die wichtigsten Fakten

 

1. Die Basis: Blockchain-Technologie

 

Libra funktioniert über ähnliche Technologien wie andere Kryptowährungen. Blockchain

ist die Bezeichnung für eine Technologie, mit der z.B. Transaktionsdatensätze sicher in einem Peer-to-Peer-Netzwerk gespeichert werden können, anstatt sie an einem einzigen Ort zu speichern. Weltweit verteilte unabhängige Server, so genannte Nodes (Knotenpunkte), bilden das Netzwerk, dass die Blockchain betreibt. Die Libra-Blockchain ist Open Source (offene Quelle): Das bedeutet, mit der richtigen Programmiersprache kann jeder Software-Entwickler Apps schreiben, für die Transaktionen mit Libra funktionieren.

 

2. Eine neue Programmiersprache

 

Libra basiert auf der neuen Programmiersprache Move. Sie ermöglicht innerhalb der Libra Blockchain eine individuelle Transaktionslogik und so genannte „Smart Contracts“ – das sind Computerprotokolle, die der elektronischen Abwicklung und der Überprüfung von Verträgen dienen. Move ermöglicht „Ressourcentypen“, die digitale Vermögenswerte auf dieselben Eigenschaften wie physische Vermögenswerte beschränken. Das bedeutet, die Vermögenswerte haben jeweils einen festgelegten Besitzer, können nur einmalig verwendet werden und die Erstellung von neuen Ressourcen ist eingeschränkt.

 

3. Was ist das Ziel von Libra?

 

Eine digitale Währung schön und gut – aber damit sie verwendet wird, muss sie sich erst einmal legitimieren können. Wie begründet Facebook die Notwendigkeit von Libra?

Die offizielle Zielsetzung ist, digitale Bezahlung für alle zugänglich zu machen: Auch für Personen ohne Bankkonto. Man schätzt, dass das weltweit etwa 1,7 Milliarden Menschen betrifft. Libra soll außerdem in Ländern mit einer hohen Inflationsrate Sicherheit für Geldanlagen bieten. Die Stabilität der Währung soll dabei zu 100% gesichert sein – aus Bankguthaben und einem Wertpapierkorb in den Währungen USD, EUR, GBP und JPY sowie jüngst genannt auch SGD. Entstehende Gewinne aus den Wertpapieren werden dabei für die Systemkosten und unter Umständen für Ausschüttungen an die beteiligten Partner verwendet.

 

4. Wie funktioniert die Koordination von Libra?

 

Mitglieder der Libra Association bekommen ein Stimmrecht im Rat. Dieses Stimmrecht ist nicht bei jedem gleich gewichtet, sondern wird proportional zum jeweiligen Anteil an Libra berechnet. Um eine Machtkonzentration zu vermeiden, gibt es dennoch eine Obergrenze für das Stimmrecht pro Gründungsmitglied. Durch diese Funktionsweise mit Stimmrecht wird Libra analog zu anderen Kryptowährungen über das Engagement von Knotenbetreibern oder Anteilsnehmern gesteuert. Über die Abstimmung werden Technik und Finanzen koordiniert. Das bedeutet, es wird einerseits über die Ausrichtung der betriebenen Knoten entschieden, andererseits auch über die Verwaltung der Reserve (u.a. Währungsreserve) sowie über die Bereitstellung von Geldmitteln für soziales Engagement.

 

5. aktuelle Kritikpunkte

 

Kritiker und Experten fürchten einen weiteren Machtausbau von Facebook, dessen Ausmaß aktuell nur schwer abschätzbar ist. Neben der politisch-regulatorischen Opposition, die den Start von Libra 2020 verzögern oder gar verhindern kann, gibt es Zweifel an der Stabilität und Deckung der neuen Währung.

 

Auch ist die Verarbeitung und Verwendung der Daten ungewiss. Besonders, da man den Datenskandal von Facebook 2018 noch nicht ganz verdaut hat, sind einige zunächst besorgt, über welche Wege die Daten zugänglich sein könnten. Wie bei jeder Währung besteht zudem das Risiko der Nutzung für Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung.

Da Libra das Ziel hat, Menschen in Schwellenländern stabilere Sparanlagen möglich zu machen, könnten die Währungen durch eine Flucht in Libra in diesen Ländern weiter unter Druck geraten, wodurch sich ein systemischer Nachteil für Menschen ergäbe, die Libra nicht nutzen wollen oder können.

 

Libra kommt 2020 - diese Partner stehen bereits fest

 

Der Start von Libra ist für 2020 geplant. Aktuell haben sich über 20 Partner beteiligt, man rechnet allerdings mit etwa 100 Partnern bei Livegang der Währung. Diese Partner bilden die Libra Association, die Knotenpunkte für Libra betreiben. Diese Knotenpunkte, auch Validator Nodes, bilden das Netzwerk, durch das die Blockchain funktioniert. Mitglied bei der Libra Association wird man entweder durch eine ausreichend hohe Beteiligung an Libra oder durch die Betreibung solcher Knotenpunkte. Einige der bekannten Partner sind:

 

  • Spotify AB
  • Uber Technologies
  • Vodafone Group

Weitere Partner gibt es in den Bereichen Blockchain und Risikokapitalanlagen. Aber auch gemeinnützige Organisationen werden Partner von Libra sein. Einige sehr prominente, bisherige Unterstützer wie ebay, pay pal, VISA und Mastercard scheinen auch durch den öffentlichen Druck zunächst wieder Abstand von dem Projekt genommen zu haben. Es bleibt spannend, ob und wie sich die Liste der Partner in den nächsten Monaten erweitern wird.

 

Ausblick

 

Etablierten Finanzdienstleistern könnten durch Libra wichtige Einnahmequellen im Niedrigzinsumfeld wegfallen. Gleichzeitig sind aber auch neue Geschäftsmodelle möglich. Im Vorfeld des Launches von Libra existieren noch einige Unwägbarkeiten. Insbesondere politische und regulatorische Baustellen stehen der neuen Währung aktuell im Weg. Wie und in welcher Form Libra letzten Endes auf den Markt kommt, ist noch offen. Insgesamt könnte Libra den weltweiten Zahlungsverkehr erheblich vereinfachen. Wie genau die Zahlung mit der neuen Währung aussehen soll, ist aktuell noch nicht bekannt. Eines ist jedoch auch klar: Libra hat die Finanzwelt aufgerüttelt. So denken auch einige Zentralbanken (z. B. Schweden mit der E-Krona) offen über die Einführung von digitalen Währungen nach bzw. forschen an dem Thema, um dieses Feld nicht privaten Unternehmen zu überlassen.

 

Fazit:

 

  • Libra bringt als neue Kryptowährung von Facebook zusätzliche eine Plattform für Smart Contracts
  • Die Gefahren liegen vor allem in Kursverlusten, fehlendem Verbraucherschutz und Liquiditätsproblemen
  • Trump fordert, dass Libra ähnlich wie andere Finanzinstitute einer Bankenzulassung unterliegen sollte
  • Beim Thema Facebook Libra war und ist Vieles in Bewegung

 

Was halten Sie von der neuen Kryptowährung? Würden Sie in Libra investieren? Teilen Sie Ihre Meinung hier mit uns und unseren Lesern.