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Erhebung von Schutzzöllen – eine erfolgsversprechende Maßnahme?

Schutzzölle der USA zum Schutz der heimischen Stahl- und Aluminiumbranche: Lesen Sie, warum diese schon in jüngerer Vergangenheit nicht den gewünschten Erfolg brachten.

 

Wie von US-Präsident Trump angekündigt, gelten seit dem 23. März Importsteuern von 25 Prozent auf Stahl und von 10 Prozent auf Aluminium zum Schutz der entsprechenden Branchen. Diese Zölle fallen zusätzlich zu bereits existierenden Importsteuern für diese Produktgruppen an. Noch bleiben Mexiko und Kanada von diesen Maßnahmen verschont.

Die Strafzölle der USA sollen ausländische Importe dämpfen, die nach Ansicht einiger Politiker auf unfairem Handel basieren. Dumping, der Billigst-Verkauf von Waren, gehört zu den häufigsten Vorwürfen. So bezichtigte Trump ausländische Staaten des Dumpings riesiger Stahlmengen bereits im Wahlkampf. Beispiele aus der Wirtschaftsgeschichte lehren jedoch, dass Strafzölle meistens nichts brachten, und dass sie sich negativ für alle Beteiligten auswirken.

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USA versus Kanada

 

Nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkrieges kündigten die USA den Handelsvertrag mit Kanada und verhängten Strafzölle auf kanadische Produkte. Erst 1879 reagierte das Nachbarland mit Strafzöllen auf US-Produkte. Tausende von amerikanischen Arbeitsplätzen verschwanden, weil 65 große US-Firmen ihre Werke von den USA in das Nachbarland verlegten. Ab 1890 verschärften beide Länder ihre Zölle und erweiterten diese auf landwirtschaftliche Produkte. Die USA exportierten um die Hälfte weniger nach Kanada. Das Nachbarland wandte sich stärker Großbritannien zu. Erst Jahrzehnte später normalisierten sich die Handelsbeziehungen beider Länder.

 

Beispiel Deutschland

 

1878/79 führte auch Deutschland einstmals hohe Strafzölle für die deutsche Stahlindustrie und Landwirtschaft im Osten ein. Beide Branchen waren negativ von der Globalisierung betroffen. Die Großchemie, Elektrotechnik und der Maschinenbau dagegen profitierten. Die Abgaben retteten etwa 40 Prozent der Arbeitsplätze, da sich die betroffenen Segmente stabilisieren und modernisieren konnten.

 

USA trotzen der Weltwirtschaftskrise

 

Ein Jahr nach dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise durch den Börsencrash vom „Schwarzen Donnerstag“, verhängten die USA im Zuge des Smoot-Hawley-Acts hunderte Strafzölle. US-Exporte nach Italien brachen um 75 Prozent ein. Die betroffenen Handelspartner wandten sich von den USA ab. Zwar konnten die Zölle das öffentliche Sentiment verbessern und den neu gewählten Präsidenten Roosevelt zum „New Deal“ ermuntern. Jedoch verhinderte laut Wirtschaftsexperten der Smoot-Hawley-Act, dass die USA die Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre schnell überwinden konnten.

 

Bush gegen den Rest der Welt

 

Im März 2002 führte US-Präsident George W. Bush Schutzzölle von 8 und 30 Prozent auf Stahl- und Aluminiumimporte ein, um den wegen der Terroranschläge geschwächten Stahlsektor zu schützen. Die Zölle wirkten sich katastrophal aus: Unter anderem stiegen die Preise für Stahlprodukte um bis zu 50 Prozent. Aufgrund der höheren Materialpreise mussten Stahl verarbeitende Branchen wie die Autoindustrie sparen. Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Industriemetall-Erzeuger blieben aus. Studien zufolge wurden etwa 200.000 Arbeitsplätze vernichtet.

Zudem drohte die EU mit Sanktionen gegen US-Produkte in einem Volumen von bis zu 2,2 Milliarden Dollar bzw. 1,9 Milliarden Euro. Nachdem die WTO die Schutzzölle für unzulässig erklärte, hob Präsident Bush die meisten Zölle auf und konnte Sanktionen verhindern. Der Handel normalisierte sich wieder.

 

Drei Gründe, warum Schutzzölle kontraproduktiv sind

 

Handelsbarrieren durch Strafzölle belasten die heimische Wirtschaft vor allem aus diesen drei Gründen:

 

1. Sie belasten den Export, weil sich die heimische Währung verteuert

 

Im jüngsten Handelskonflikt der USA erwarten Ökonomen einen Anstieg des US-Dollars, der amerikanische Produkte verteuert. Der US-Export sinkt und das Handelsdefizit Amerikas steigt. Die von Strafzöllen betroffenen Produkte aus dem Reich der Mitte verbilligen sich, weshalb die Amerikaner noch mehr chinesische Produkte kaufen.

 

2. Schutzzölle blockieren das Wirtschaftswachstum

 

Mit Handelsbarrieren und Zöllen lassen sich eigene Marktanteile kurzfristig verteidigen. Trotzdem leidet die Konjunktur.

Die Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass der internationale Handel

 

  • Wirtschaftswachstum und Wohlstand für alle schafft,
  • Firmen und Nationen hilft, sich zu spezialisieren und auf ihre Stärken zu konzentrieren,
  • die Produktivität fördert, in dem das Geld zu den produktivsten Betrieben fließt,
  • durch steigende Löhne mehr Geld in die Taschen der Verbraucher spült und
  • Länder mit negativer Handelsbilanz stützt.

 

 Der Protektionismus dagegen

 

  • erhält unrentable Betriebe am Leben,
  • verhindert notwendige Marktbereinigungen durch Sanierungen und Kapazitätsabbau
  • sorgt dafür, dass sich die betroffenen Länder andere Handelspartner suchen und sich zu Wirtschaftsblöcken zusammenschließen.

3. Hohe Importsteuern vernichten Arbeitsplätze

 

Schutzzölle verhindern infolge der rückläufigen Exporte nicht nur den Abbau von Arbeitsplätzen, die vom Strukturwandel betroffen sind. Der amerikanische Stahlsektor ist ohnehin im Niedergang. Der Kurswert aller börsennotierten US-Stahlproduzenten liegt unter dem Zuwachs an Marktkapitalisierung von nahezu 60 Milliarden Dollar. Darüber hinaus fallen – wie es die historischen Handelsbarrieren mit Ausnahme von Deutschland gezeigt haben – Jobs quer durch alle Branchen weg.

 

Fazit:

 

  • Der Protektionismus verhindert notwendige Bereinigungen auf dem Binnenmarkt
  • Schutzzölle jagen die Wechselkurse hoch und dämpfen den Export
  • Die betroffenen Länder suchen sich andere Handelspartner und bilden Handelsblöcke
  • Historische Beispiele lehren, dass Handelsbarrieren meistens nichts bringen

 

Was halten Sie von den neuen Schutzzöllen der USA? Teilen Sie uns Ihre Meinung in einem Kommentar mit.