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Earth Overshoot Day: Ressourcenverbrauch ohne Halten?

Der 4. Mai 2022 – für viele ein Tag wie jeder andere. Doch das Datum markierte auch den nationalen Country Overshoot Day von Deutschland. Was hat es damit auf sich? Es ist der Tag, an dem alle erneuerbaren natürlichen Ressourcen des laufenden Jahres verbraucht sind. Er dient seit 2006 dazu, auf das Problem des enormen ökologischen Fußabdrucks der Menschheit aufmerksam zu machen. Wir beleuchten das Thema – und mögliche Auswege.

 

Die Geschichte und die Berechnung des Earth Overshoot Day

 

Der Earth Overshoot Day oder Erdüberlastungstag geht auf den Ökonomen Andrew Simms, einen Mitarbeiter der Denkfabrik New Economics Foundation, zurück. Das Ziel besteht darin, den Verbrauch natürlicher Ressourcen mit der Kapazität der Erde zu deren Erneuerung zu vergleichen. Die grundlegende Berechnung ist einfach:

  • (Biokapazität der Erde / ökologischer Fußabdruck der Menschheit) x 365 = Erdüberlastungstag

Die globale Biokapazität entspricht den erneuerbaren Ressourcen, die aus nutzbarem Land und Gewässern entstammen. Dazu zählen Wälder ebenso wie Anbauflächen, Weideland und Fischfanggebiete. Auf der anderen Seite bestimmt unser Verbrauch an Energie und Nahrungsmitteln, aber auch der Flächenverbrauch für Städte den ökologischen Fußabdruck. In diesen fließen außerdem die CO2-Emissionen ein. Diesem stehen Waldflächen gegenüber, die das CO2 wieder absorbieren und umwandeln.

Statt den Erdüberlastungstag zu berechnen, lässt sich das Ganze auch umdrehen: Teilen wir den globalen ökologischen Fußabdruck durch die Biokapazität, sehen wir, wie viele Erden wir beim aktuellen Verbrauch eigentlich benötigten.

Der globale Erdüberlastungstag fiel im Jahr 2021 auf den 29. Juli. Anders ausgedrückt: Die Menschheit verbrauchte im gesamten Jahr die Ressourcen von 1,75 Erden. Das Datum berechnet das Global Footprint Network, eine Partnerorganisation der New Economics Foundation, jeweils im Nachhinein anhand des tatsächlichen Verbrauchs.

 

Nationale Overshoot Days und der Verbrauch im Zeitverlauf

 

Neben dem globalen Erdüberlastungstag errechnet das Global Footprint Network Overshoot Days für einzelne Länder im Voraus. Hier bilden die nationale Biokapazität und der nationale Verbrauch die Basis. Dabei zeigen sich die großen regionalen Unterschiede: In Industrieländern ist der Stichtag im Mai oder früher, in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern erst spät in der zweiten Jahreshälfte. Im Südsudan, einem der ärmsten Länder der Welt, ist es beispielsweise erst am 25. Dezember 2022 so weit.

Ebenso bemerkenswert stellt sich die Entwicklung im Zeitverlauf dar. Denn es gab eine Zeit, als die Welt im Hinblick auf den Verbrauch natürlicher Ressourcen noch in Ordnung war: Im Jahr 1970 datierte der globale Earth Overshoot Day erst auf den 30. Dezember. Die Menschheit lebte damals ökologisch betrachtet dementsprechend noch nicht „auf Pump“. Doch 1990, also nur zwei Jahrzehnte später, fiel der Erdüberlastungstag schon auf den 10. Oktober. In den folgenden 20 Jahren beschleunigte sich die Entwicklung. Gründe dafür sind aufstrebende Staaten wie China sowie das weltweite Bevölkerungswachstum.

 

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Wege zu einem nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen

 

Doch wo liegt der Ausweg? Eine simple Verzichtslogik scheint wenig zielführend. Dies zeigen die bereits erwähnten Schwellen- und Entwicklungsländer eindrücklich: Obwohl der Lebensstandard dort niedrig ist, bleibt der Ressourcenverbrauch nicht oder nur knapp im Rahmen des ökologisch Verträglichen. Außerdem soll der Status quo natürlich nicht so bleiben: Das Ziel muss sein, dass auch diese Länder den Sprung aus der Armut schaffen.

Also müssen andere Lösungen her. Ein Baustein ist ein bewussterer Konsum, bei dem wir nachhaltige Produkte und Dienstleistungen bevorzugen und unser Verhalten anpassen. Wo hier persönliches Optimierungspotenzial besteht, lässt sich mit dem Rechner für den ökologischen Fußabdruck herausfinden.

Der andere Baustein? Entwicklung und Ausbau von modernen Technologien, die Ressourcen und die Umwelt schonen. Dazu zählen beispielsweise:

  • Erneuerbare Energiequellen wie Wind, Solar, Wasser und Erdwärme
  • Energiesparende Gebäude, Fahrzeuge und Fertigungsprozesse
  • Fortschrittliche Anbaumethoden mit minimiertem Flächenverbrauch
  • Entwicklung von Fleisch-Alternativen mit geringem CO2-Fußabdruck
  • Hochgeschwindigkeitszüge als attraktive Alternative zum Flugzeug
  • Energieeffiziente Verfahren für Recycling und Wasseraufbereitung

Dass der technologische Umbruch etwas bewirkt, zeigt sich übrigens schon – anhand einer Entschleunigung beim Ressourcenverbrauch: Von 2011 bis 2021 ist der Earth Overshoot Day nur noch um fünf Tage vorgerückt.

Aber es gibt noch ein enormes Potenzial, was die weitere Entwicklung angeht. Anlegende müssen sich glücklicherweise nicht darauf beschränken, diese passiv vom sprichwörtlichen Sessel aus zu betrachten: Sie können das Nützliche mit attraktiven Renditechancen verbinden – und in entsprechend innovative Unternehmen investieren. Eine Möglichkeit für alle, die kein aufwendiges Stock-Picking betreiben möchten: nachhaltige Fonds und ETFs, die nach dem Environment-Social-Governance-Konzept (ESG) anlegen.

Der Earth Overshoot Day: Ein guter Anlass, bei Konsum und Investments in Zukunft Nachhaltigkeitskriterien zu berücksichtigen? Verraten Sie uns Ihre Meinung in einem Kommentar!

 

Fazit 

 

  • Der Earth Overshoot Day markiert den Tag, an dem der Verbrauch an nachwachsenden Rohstoffen die Kapazität der Erde überschreitet.
  • Während die Ökobilanz der Menschheit 1970 noch ausgeglichen war, lebt sie inzwischen einen großen Teil des Jahres „auf Pump“.
  • Statt bloßen Verzichts bieten sich moderne Technologien als Lösung an – was auch Chancen für Investierende eröffnet.