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EZB und FED – die Leitzinspolitik der Zentralbanken

von am ‎05.09.2017 10:00

EZB und FED sind die bedeutendsten Zentralbanken weltweit. Welche Auswirkungen hat die Leitzinspolitik der Giganten?

 

Ändern die großen Zentralbanken den Leitzinssatz, berichten die Medien im großen Stil. Doch was bedeutet die Leitzinspolitik für Sie als Verbraucher? Weltweit sind die Europäische Zentralbank (EZB) und das Federal Reserve System (FED) der USA die wichtigsten Zentralbanken. Ihre Entscheidungen haben Auswirkungen, die weit über den eigentlichen Geltungsbereich der regionalen Währungshüter hinaus die Wirtschaft beeinflussen. Lesen Sie hier, was die Leitzinspolitik bewirkt.

 

Der Leitzinssatz

 

Der Leitzins ist das zentrale Werkzeug zur Steuerung der Geldpolitik. Er legt fest, zu welchem Zinssatz sich die Geschäftsbanken im Geltungsbereich einer Währung Geld von der Zentralbank leihen können. Bei der EZB betreffen Entscheidungen zum Leitzinssatz den gesamten Euro-Raum, die FED bestimmt die Geldpolitik in den Vereinigten Staaten von Amerika. Bei einem niedrigen Leitzinssatz können sich die Geschäftsbanken Geld sehr günstig leihen, steigt der Leitzins an, steigt auch der Preis für geliehenes Geld. Die Geldpolitik der Zentralbanken beeinflusst insbesondere die folgenden Bereiche:

 

  • die Verfügbarkeit von Krediten für Unternehmen und Privathaushalte
  • Inflationserwartungen von Unternehmen, Verbrauchern und Finanzmarktakteuren

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Die Leitzinspolitik als geldpolitisches Steuerungswerkzeug

 

Erhöht die Zentralbank den Leitzins, verteuert sich die Geldbeschaffung für Geschäftsbanken. Sie müssen höhere Zinsen für geliehenes Geld zahlen. Die Banken geben diese Verteuerung weiter. Die Zinsen für Beträge, die sich Banken untereinander leihen, steigen ebenso wie der Zinssatz für Kredite für Verbraucher und Unternehmen. Zugleich steigen die Zinsen für Geldanlagen. Damit greift eine Änderung des Leitzinses indirekt in die Preisentwicklung ein.

 

  • Bei niedrigen Leitzinsen sind Kredite günstig und Sparen ist wenig lohnend. Wirtschaft und Verbraucher stecken geliehenes Geld in Wachstum und Konsum, vorhandenes Geld wird eher ausgegeben als gespart. Das treibt die Inflation an.
  • Bei hohen Leitzinsen ist es umgekehrt. Die hohen Zinsen machen Kredite unattraktiv, Vermögen wird aufgrund der hohen Verzinsung eher gespart. Die Ausgaben für Investitionen und Konsum sinken, die Inflation wird ausgebremst.

Damit ist die Leitzinspolitik ein wirksames Werkzeug zur indirekten Steuerung der Geldmenge. Ein hoher Leitzins wirkt dämpfend auf das Geldmengenwachstum, da die Kreditnachfrage sinkt. Bei niedrigen Leitzinsen, da mehr Kredite nachgefragt werden und die Sparrate sinkt. Die Geldmenge hat einen großen Einfluss auf die Preisentwicklung in allen Lebensbereichen.

 

 

 

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Die Geldpolitik und die Wirtschaftspolitik

 

Die Währungshüter der Zentralbanken richten sich bei der Festsetzung des Leitzinssatzes nicht nur nach der Geldmenge und der Inflation. Auch die wirtschaftlichen Bedingungen und die Arbeitslosenquote fließen in die Berechnungen mit ein.  In Phasen mit niedrigem Wachstum und hoher Arbeitslosigkeit kann die Zentralbank den Leitzins senken und so die geldpolitischen Zügel für die Geschäftsbanken locker lassen. Die Gefahr von schnell steigenden Infaltionsraten ist in einem solchem Umfeld gering. Arbeitslöhne und Güterpreise drohen nicht sprunghaft zu steigen. Die Situation ist anders, wenn die Wirtschaft boomt und Vollbeschäftigung herrscht. Ist die Geldpolitik der Zentralbank dann zu locker, drohen **bleep** an den Kapitalmärkten und Investitionen in unrentable Projekte. Die Zentralbank muss frühzeitig mit höheren Leitzinsen gegensteuern, damit es nicht zu einer Überhitzung der Wirtschaft kommt und die Inflationsrate sprunghaft ansteigt.

 

 

Die Zentralbanken können das Wirtschaftswachstum nicht steuern. In Rezessionsphasen können sie mit niedrigen Zinsen die Wirtschaft unterstützen. Einen weitaus größeren Einfluss auf die Konjunktur hat die Wirtschaftspolitik der Regierungen. Kurzfristig können sie durch Ausgabenprogramme und Steuersenkungen das Wachstum stimulieren. Wichtig ist aber auch der gesetzliche Rahmen für die Wirtschaft, damit Wettbewerb und Innovation gefördert werden. Diese beiden Größen beeinflussen sehr stark die langfristigen Wachstumsperspektiven einer Wirtschaft.

 

 

Fazit:

 

  • Die Leitzinspolitik hat einen größeren Einfluss, als die meisten Verbraucher denken.
  • Die Zentralbanken bestimmen über den Leitzinssatz nicht nur die Höhe der Zinsen für Geldanlagen und Kredite.
  • Allerdings wird aktuell der Einfluss der Zentralbanken auch etwas überschätzt. Nicht ohne Grund mahnt EZB-Präsident Mario Drahi in jeder Pressekonferenz, dass wirtschaftspolitische Reformen in der Eurozone dringend erforderlich sind, damit die Geldpolitik wirken kann.

 

Was denken Sie über die Arbeit der Währungshüter? Wir freuen uns auf Ihre Meinung.

 

 

 

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