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EZB-Zinssenkung nach Ratssitzung am 05.06.2014

In einer historischen Entscheidung hat die Europäische Zentralbank am 5. Juni 2014 die Leitzinsen gesenkt. Erstmalig wird der Guthabenzins, den Banken von der EZB erhalten, negativ sein und -0,10 % betragen. Der Hauptrefinanzierungszins zu dem sich Banken Geld bei der EZB Geld leihen können sinkt von 0,25% auf 0,15%.

 

EZB Zinssenkung.jpg

 

Darüber hinaus hat die EZB mehrere Maßnahmen (siehe unten) beschlossen, die die Wirksamkeit der Geldpolitik verbessern sollen. Die EZB will vor allem die Kreditvergabe an private Unternehmen in der Eurozone zu verbessern. Unternehmen in Spanien und Italien müssen aktuell deutlich höhere Zinsen bezahlen als ihre Wettbewerber in Deutschland bei gleicher Kreditwürdigkeit. Zudem geben die Banken in den südlichen Ländern weniger Kredite aus. Letzten Endes soll mit den neuen geldpolitischen Instrumenten das Wirtschaftswachstum in der Eurozone erhöht werden und die Inflationsrate steigen.

Die Finanzmärkte haben die Entscheidungen des EZB-Rates bereits erwartet.

 

Dementsprechend gering fiel die Reaktion an den Aktien- und Anleihenmärkte aus. Die am 5. Juni beschlossenen Maßnahmen der EZB werden ihre volle Wirksamkeit allerdings erst im Lauf der kommenden zwei Jahre entfalten. EZB-Präsident Mario Draghi betonte in der Pressekonferenz mehrmals, dass weitere Strukturreformen in den Mitgliedsländern notwendig sind. Die EZB unterstützt diesen Reformprozess mit ihrer Geldpolitik, der endgültige Erfolg hängt aber von den Reformen der Regierungen ab.

 

Die beschlossenen „unorthodoxen“ geldpolitischen Maßnahmen der EZB sind:

 

  • Durch Einführung von sog. Targeted Longer-Term Refinancing Operations können sich Banken zweckgebunden Geld bei der EZB leihen, um damit Kredite an Unternehmen zu vergeben. Das Geld darf nicht zur Staatsfinanzierung, für Immobilienfinanzierungen oder zur Kreditvergabe an andere Banken eingesetzt werden. Die Banken können sich ab sofort einmal im Quartal Geld bei der EZB leihen. Der letzte Termin hierfür wird der Juni 2016 sein. Alle diese zweckgebundenen Kredite an die Banken werden im September 2018 fällig.
  • Banken können sich weiterhin in unbegrenzter Höhe, gegen die Hinterlegung von Sicherheiten bei der EZB, Geld für 3 Monate leihen. Das Programm wurde bis Dezember 2016 verlängert, ursprünglich sollte es Mitte 2015 enden.
  • Die EZB arbeitet verstärkt an einem Programm zum Ankauf von sogenannten Asset Backed Securities (verbriefte Portfolios, die aus Forderungen bestehen).

 

Für unsere Anlageentscheidungen bedeutet dies, dass wir weiterhin Investments in europäischen Aktien bevorzugen. Die Renditen von Anleihen erscheinen vergleichsweise unattraktiv. Die Leitzinsen der EZB werden voraussichtlich nicht vor 2016 ansteigen.