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Drucken statt bauen: fantastisch oder alltagstauglich?

von ‎03.08.2017 10:29 , bearbeitet ‎03.08.2017 10:42
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Mehr als eine Zukunftsvision, denn innovative Technik macht es möglich: Ein Haus aus dem 3D-Drucker ist schnell gebaut und kostet wenig.

 

Warum nicht einfach ein Fertighaus ausdrucken? Zum ersten Mal ist es der Firma Apis Cor gelungen, ein komplettes Haus mit einem 3D-Drucker zu fertigen. Diese Technik könnte die Architektur revolutionieren. Die Technik unterscheidet sich dabei nicht von den mittlerweile für den Heimgebrauch erhältlichen 3D-Druckern. Lediglich die Größe des Geräts sowie das verwendete Material sind anders. Wie wird sich diese innovative Technik auf den Hausbau der Zukunft auswirken?

 

Das Haus aus dem Drucker-Apis Cor.jpg

Dieses Haus entstand in 24 Stunden. Quelle: Apis Cor

 

Eine Idee auf dem weltweiten Vormarsch

 

Seit der Erfindung des 3D-Drucks interessieren sich viele Branchen für die Verwendung. Dass sich die Baubranche neugierig zeigt, ist nicht überraschend. Erste Projekte gab es bereits in den letzten Jahren. Eine Luxusvilla in China haben Fachleute bereits gedruckt. 400 Quadratmeter Wohnfläche, verteilt auf zwei Etagen sind ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann. Die Villa ist dabei keineswegs in Leichtbauweise entstanden, die Grundmauern haben eine Breite von bis zu zwei Metern. Das ganze Gebäude soll Erdbeben bis zu einer Stärke von 8,0 auf der Richterskala standhalten. Auch in Dubai haben Bauherren bereits Erfahrungen mit dem 3D-Drucken gesammelt. Ein 250 Quadratmeter großes Bürogebäude stammt ebenfalls aus dem Drucker.

 

Was ist neu am Fertighaus von Apis Cor?

 

Das Unternehmen Apis Cor, ein Start-up mit Sitz in San Francisco, Moskau und Irkutsk hat im Frühjahr 2017 bewiesen, dass auch ein komplettes Haus aus dem 3D-Drucker möglich ist. Anders als in China oder Dubai ist das Fertighaus von Apis Cor nicht aus einem Bauteilsatz entstanden. Das innovative Unternehmen hat ein Fertighaus mit 37 Quadratmetern Größe direkt aus dem Drucker entstehen lassen. Das ist ein ganz neuer Ansatz. Bei den bisherigen Projekten der Konkurrenz hat der Drucker einzelne, maßgeschneiderte Bauteile angefertigt, die Arbeiter dann auf der Baustelle zu einem Gebäude zusammengesetzt haben.

 

 

Innovativ und günstig

 

Die russischen Techniker haben einen 3D-Drucker entworfen, der mittig auf der Bodenplatte des zukünftigen Hauses platziert wird. Von seinem zentralen Standort aus fertigt der Drucker alle Außen- und Zwischenwände direkt am Bauplatz und „aus einem Guss“ an. Am Ende der Arbeiten hebt ein Kran den Drucker aus dem Rohbau. Anschließend wird das Dach aufgesetzt, die Böden werden eingezogen und Türen und Fenster eingesetzt. Den Rohbau für das kleine Fertighaus hat der 3D-Drucker von Apis Cor in nur 24 Stunden angefertigt. Nach Angaben des Unternehmens haben sich die Kosten für das Häuschen auf gerade einmal 10.134 US-Dollar belaufen. In dieser Summe sind die Ausgaben für Beton, Fenster, Türen und Isolierung sowie den Fassadenanstrich bereits enthalten.

 

Die Vorteile liegen auf der Hand

 

Das Bauen mit einem 3D-Drucker bietet viele Vorteile. An erster Stelle steht ein deutlich geringerer Materialverbrauch. Beim Sägen von Holz oder bei Arbeiten im Steinbruch entstehen Abfälle. Ein 3D-Drucker verbraucht nur das Material, das tatsächlich benötigt wird. Bauschutt, schnell härtender Beton und ein zusätzliches Härtemittel dienen als Grundstoff für die „Zementpaste“, die der Drucker Schicht für Schicht aufbringt und so ganze Wände entstehen lässt. Experten sind sich einig: Bauen mit dem Drucker spart rund 60 Prozent Material und Personal, die Zeitersparnis dürfte noch höher sein. Die Villa in China beeindruckt mit einer Bauzeit von nur 45 Tagen. In konventioneller Bauweise hätten die Arbeiten ein Jahr gedauert. Der Bürokomplex in Dubai stand bereits nach 17 Tagen und der Innenausbau konnte beginnen. Die Baukosten beziffern die Projektleiter auf 114.00 US-Dollar.

 

Das Haus aus dem Drucker von innen.jpg

So sieht das Haus aus dem 3D-Drucker von innen aus. Quelle: Apis Cor

 

Bauen mit dem 3D-Druck lockt Visionäre

 

Der 3D-Drucker von Apis Cor kann dank eines um 360 Grad schwenkbaren Auslegers jeden Punkt im Umkreis von 4 bis 8,50 Metern um seinen Standplatz herum erreichen. Damit sind Gebäude mit einer Grundfläche von bis zu 132 Quadratmeter möglich. Der Drucker verarbeitet einen Spezialbeton und formt Wände mit einem Hohlraum im Inneren. Für eine bessere Stabilität fügt der Drucker geschwungene Querverbindungen ein. Zusätzlich können Fiberglasstäbe eingesetzt werden. Die Ingenieure der Firma experimentieren zurzeit mit verschiedenen Dämmstoffen, die in die Wände eingebracht werden.
Die Möglichkeit, ein Gebäude mit einem Drucker direkt vor Ort komplett als Rohbau zu erstellen, eröffnet neue Perspektiven auch in anderen Bereichen. Sogar Weltraumexperten träumen bereits von im All gebauten Gebäuden. NASA und ESA erstellen bereits erste Prototypen auf der Erde, um Materialien zu testen. Mit einem 3D-Drucker könnten Häuser auf dem Mond mit den Materialien erstellt werden, die der Erdtrabant bietet. Aktuell ist eine Verwendung der neuen Technik auf der Erde wahrscheinlicher. Schwellenländer könnten von dem günstigen Verfahren profitieren und dringend benötigten günstigen Wohnraum schaffen. Singapur hat bereits 150 Millionen Euro in ein Forschungszentrum für den 3D-Druck investiert. Im Fokus stehen der Bau von Brücken und günstigen Sozialwohnungen.

 

Fazit:

 

  • Nach ersten Häusern aus gedruckten Bauteilen ist nun das erste Haus komplett aus dem Drucker entstanden.
  • Der 3D-Druck von Gebäuden spart Material, Zeit und Arbeitskräfte ein.
  • Mit der innovativen Technik könnten in kürzester Zeit Brücken oder Wohnungen kostengünstig entstehen.
  • Selbst den Bau von Siedlungen im Weltall könnten 3D-Drucker möglich machen.

 

Halten Sie den 3D-Druck von Gebäuden für eine realistische Zukunftsperspektive? Könnten Sie sich vorstellen, in so einem Haus zu wohnen? Diskutieren Sie mit!