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Digitalisierungsgrad: Mehr Investitionen in die digitale Zukunft Deutschlands sind nötig

von vor einer Woche

Das Ergebnis der Studie zum Digitalisierungs- und Innovationsgrads zeigt: Deutschland weist erhebliche Defizite bei der Digitalisierung auf. Erfahren Sie hier mehr über den Digitalisierungsgrad und die Ergebnisse der Studie.

 

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Der Innovationsindikator 2017, der vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und in Kooperation mit acatech veröffentlicht wurde, erfasst seit 2000 die Innovationsbedingungen am Wirtschaftsstandort Deutschland. Die Studie bringt dabei die untersuchten Länder in ein Ranking. Dabei umfasst sie die Bereiche Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Staat und Gesellschaft.

 

Digitalisierung – ein infrastrukturelles Problem

 

Die Studie zeigt für Deutschland eher ernüchternde Ergebnisse: Bei der Digitalisierung landet die Nation der Dichter und Denker mit dem 17. Platz lediglich im Mittelfeld der 35 untersuchten Länder. Besser schneidet Deutschland bei der allgemeinen Innovationsfähigkeit ab – hier erreicht es einen guten vierten Rang. Vorreiter in Sachen Digitalisierung scheinen die skandinavischen Länder zu sein: Mit Finnland und Schweden werden die ersten beiden Plätze der Studie von nordischen Nationen belegt. Die Plätze drei und vier erreichen Israel und Großbritannien. Beobachter fragen sich vermutlich, wie das vergleichsweise schlechte Resultat mit der selbst erklärten Führungsrolle Deutschlands der Industrie 4.0 zusammenpasst. Diese soll auf einer stark vorangetriebenen Digitalisierung basieren. Da Fachleute die deutschen Konzepte, insbesondere Smart Services und lernende Systeme, für tragfähig und richtungsweisend halten, scheint eine Spitzenposition vor allem an der zögerlichen Umsetzung zu scheitern.

 

Zu der verzögerten Umsetzung eigener Konzepte gibt es Schwächen beim Ausbau der digitalen Infrastruktur Deutschlands. Konkret deckt die Studie folgende Mängel auf:

 

  • unzureichender Digitalisierungsgrad der öffentlichen Verwaltung
  • zu geringe Digitalisierung in Forschung und Technik
  • Ausbau des Glasfasernetzes schreitet zu langsam voran
  • viele Geschäftsmodelle greifen das Thema Digitalisierung nicht in ausreichendem Umfang auf.

 

Die hohe Verbreitung digitaler Medien in der deutschen Bevölkerung stellt die Studie als positiven Indikator für eine fortschreitende Digitalisierung und einen steigenden Digitalisierungsgrad dar. Dagegen sollten insbesondere Ämter und Behörden energisch an einer Digitalisierung der Prozesse arbeiten und der Breitbandausbau mit Nachdruck vorangetrieben werden.

 

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Gute übergeordnete Innovationskraft Deutschlands

 

Viel besser als bei der Digitalisierung steht Deutschland hinsichtlich der allgemeinen Innovationsfähigkeit. Hier springt es auf Platz 4 von 35.  Lediglich die Schweiz, Singapur und Belgien schneiden hier besser ab. Das erfreuliche Resultat ist vor allem den hervorragend ausgebildeten Fachkräften und dem Erfindungsgeist innerhalb deutscher Unternehmen zu verdanken. Ein Indikator für Innovationskraft ist darüber hinaus auch die Anzahl angemeldeter Patente pro Einwohner: Hier schneidet Deutschland weit überdurchschnittlich ab. Rund 180 Patente werden pro Tag in Deutschland angemeldet.

Dennoch gelingt es Deutschland in keinem der untersuchten Bereiche, eine echte Spitzenposition einzunehmen. Es wird zusehends und deutlich von anderen Nationen überholt: Egal ob digitale Wirtschaft (Rang 12), Bildung (Rang 17), oder digitale Forschung/Technologie (Rang 16) – die Ergebnisse fallen in keinem Digitalbereich besonders gut aus.

 

Zudem bemängeln die Autoren der Studie, dass der Anteil an Beschäftigten in wissensintensiven Branchen rückläufig ist. Auch die Tatsache, dass Investitionen in Wagniskapital nur einen relativ geringen Anteil am hiesigen Bruttoinlandsprodukt ausmachen, zählt zu den Schwachpunkten in diesem Bereich.

 

Der Transformationsmotor läuft noch nicht rund

 

Unbestritten liefern Innovation und Digitalisierung der Wirtschaft und Gesellschaft eines Landes die entscheidende Modernisierungs- und Wachstumsimpulse, die es in seinem Standard weiterbringen. Leider bestehen in Deutschland gerade im Bereich der Digitalisierung große Defizite, deren Beseitigung für eine Neupositionierung Deutschlands im internationalen Vergleich notwendig ist. Die Innovationsstudie sollte Anlass für einen grundlegenden Strategiewechsel bieten, der dringend erforderlich scheint.

Welche Ansatzpunkte für eine gelungene Innovationspolitik die Macher des Innovationsindikators außerdem vorschlagen, können Sie hier nachlesen.

 

Fazit:

 

  • Die Innovationsstudie 2017 zeigt, dass ein zukunftsfähiges Deutschland mehr in die Digitalisierung investieren muss
  • Öffentliche Investitionen für den Ausbau der Infrastruktur sind zwingend erforderlich
  • Besonders vorangetrieben werden sollten dabei neben dem Ausbau des Breitbandnetzes die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung und des Schulwesens

 

Welchen Stellenwert messen Sie persönlich der Digitalisierung als Wirtschaftsfaktor bei? Teilen Sie uns und unseren Lesern Ihre Meinung mit!